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Einleitung und Problemfindung

  • Raimund Rascher
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Zusammenfassung

Physiker stellen ihre Forschungsergebnisse in einer ganz spezifischen Weise dar. Erst nach Ablauf der Forschungsarbeiten wird „zusammengeschrieben“. Der Forschungsgang wird nicht episodenhaft wiedergegeben, etwa so, wie sie ihn in Erinnerung haben, mit all seinen Irr- und Umwegen, mit schönen und weniger erfreulichen Wendungen, mit Siegen und Niederlagen. Allein schon der Gedanke, so zu verfahren, käme einem neuzeitlichen Physiker niemals.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Als Experimentalphysiker will sich der Autor ausschließlich auf experimentelle Arbeiten beziehen; nur davon glaubt er, etwas wirklich zu verstehen.Google Scholar
  2. 2.
    Unser Freund Cuillier spricht im letzten Brief darauf an, daß du einige Zweifel habest gegen die Tatsachen, die ich ihm geschrieben habe zu einigen Experimenten mit der Wurfbewegung. Davon bin ich nicht überrascht, da ich selber feststellte, wie unwahrscheinlich es ist, und ich habe andere hervorragende Männer getroffen, die sich darin auskennen, und insofern ist es ihnen nicht weniger unwahrscheinlich erschienen. Der edle Regierungsstatthalter gab mir neulich einmal mehr Gelegenheit, der Wahrheit der Sache nachzugehen, indem er nach Marseille fuhr und mich zur Gesellschaft einlud. Da er sehr gelehrt ist und die freie Zeit, die er sich bei Staatsgeschäften aussparen kann, für die freien Künste einsetzt, so führten wir auf der Reise zahlreiche Gespräche über die Bewegung. Unterwegs erzählte ich von meinem eigenen Experiment und vom Versuch Galileis und faßte sie im Theorem zusammen: ‘Wenn das Objekt, auf dem wir stehen, bewegt wird, dann erscheinen alle unsere Bewegungen und auch die Bewegungen der von uns bewegten Dinge so, als ob dieses Objekt ruhen würde’. Als einige der Mitglieder der Reisegesellschaft fanden - weniger der gelehrte Regierungsstatthalter -, die Sache sei völlig unglaubwürdig, da waren sie erstaunt, als ich sie aufforderte, sie sollten das Experiment in der Kutsche und auf dem Pferde wiederholen. Sie stellten fest, daß die in die Luft geworfenen Dinge in die Hand zurückfielen, unabhängig davon, ob sie standen oder sich mit hoher Geschwindigkeit bewegten, daß bei zurückgezogener Hand die Dinge auf die gleiche Linie fielen sowohl im Wagen wie auf dem Pferd, daß die nach vorne geworfenen Dinge auf den Boden weder weiter vorne noch näher auftrafen, daß Dinge, die nach hinten geworfen wurden, nicht schneller zurückfielen, jene, auf die man rechts und links zielte, in gerader Linie gleich getroffen wurden. Später wurden diese Leute aufs Meer gebracht, auf ein schnell fahrendes und ein ruhendes Schiff, um sich vollständig zu überzeugen, ob ein Stein, der vom Fuß des Mastes der Länge des Mastes entlang hinaufgeworfen, immer die gleiche Distanz vom Mast einnimmt, beim Hinaufsteigen und Herunterfallen, ob er in einen Abstand des Mastes zum Fuß oder an genau dem gleichen Punkt zurückfallen würde. Ob ein Stein, der aus der ruhenden Hand von der Mastspitze aus ohne Kraft geworfen wird, am gleichen Ort auftrifft, ob er mit gleicher Anstrengung vom Heck zum Bug und vom Bug zum Heck geworfen von gleicher Kraft erscheint und die gleiche Distanz zurücklegt. Wenn er kreuzweise, seitwärts und auf jede beliebige Art geworfen wird, ob er eine ungleichmäßige Bewegung ausführen würde. Aber die Sache war so erfolgreich, daß die Leute nicht länger zweifelten; denn sie beobachteten dies und das an Bord eines Schiffes mit dreifach gestaffelten Ruderbänken, das so schnell fuhr, daß es vier Meilen in der Viertelstunde zurücklegte auf offenem und ruhigem Meer. Das erstaunlichste war jedoch, daß ein Stein, der ohne Kraft von der Spitze des Mastes aus geworfen wurde, vom Mast nicht gegen den Bug abwich, noch das Heck erreichte, sondern er fiel in gleichem Abstand parallel zum Mast„ (GASSENDI, 1658, in: SAMBURSKY, 1975, 355 )Google Scholar
  3. 3.
    Wir beziehen uns der Einfachheit halber auf die Gliederung der Doktorarbeit des Autors (RASCHER, 1979)Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Raimund Rascher

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