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Freimaurerlogen und andere Trägervereine

  • Thilo Rauch
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Part of the DUV: Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Um die Bedeutung der Freimaurerlogen innerhalb der privaten Wohlfahrtspflege zu skizzieren, soll kurz auf ihre Verbreitung und Organisationsform im Deutschen Reich nach 1871 eingegangen werden. Seit Gründung der ersten Loge in Hamburg im Jahre 1737 konnten sich die Bruderschaften im gesamten Reichsgebiet ausbreiten. Ihre Mitgliederzahl stieg von knapp 50.000 vor der Jahrhundertwende auf über 81.000 im Jahre 1928 (s. Graphik 12).

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Literatur

  1. 1.
    Der Begriff „Freimaurer“ geht zurück auf das englische „freemason“ oder „freestone-mason“, das den Baukünstler bezeichnete, der im Gegensatz zum „roughstone-mason“ den freistehenden Stein als Steinmetz bzw. Steinbildhauer kunstvoll zu bearbeiten verstand. Der „freemason“ mußte frei sein von jeder Leibeigenschaft oder anderer feudaler Abhängigkeit. Er mußte frei geboren sein, durfte nicht von unfreien Eltern abstammen (Hoftorf 1986, S. 13).Google Scholar
  2. “Die herrschende Meinung in der freimaurerischen Geschichtsforschung hat aufgrund eingehender Untersuchungen mittelalterlicher Urkunden die Auffassung entwickelt, daß „freemason“ und „freestone-mason“ ihren Namen von dem „freestone“ (Freistein) ableiten, dem feinkörnigen Sand-oder Kalkstein, der sich allein zu feiner, künstlerischer Bearbeitung am Bau eignete.“ (ebda., S. 17f.)Google Scholar
  3. “Die Bezeichnung „freemason“ taucht erstmals am 9. August 1376 in einer Londoner Urkunde auf. Schon 1212 ist in einer Londoner Urkunde aber von „sculptores lapidum liberorum“ die Rede, und in einem Gesetz aus dem Jahre 1351 findet sich die normannisch-französische Bezeichnung „Mestre mason de franche peer“. (Möller 1985, S. 17)Google Scholar
  4. 4.
    “In Deutschland, dessen Bewohner zum überwiegenden Teil ganz und gar unpolitisch sind, dafür aber einen starken Bildungsdrang und ein ausgeprägtes Gefühlsleben besitzen, mußte die Freimaurerei eine ganz andere Färbung nehmen als in Ländern, deren Bewohner das Klima ein lebhafteres politisches Interesse, ein zu schnellerem Handeln und zum Pathos geneigtes Naturell verliehen hat.“ (Grosse Loge von Hamburg 1932, S. 10)Google Scholar
  5. 5.
    Das erste Zeugnis freimaurerischer Mildtätigkeit, das Statut der alten Loge von Aberdeen „für unsere Kasse für die Armen“, wurde 1670 beurkundet (Beckmann 1985, S. 69).Google Scholar
  6. 6.
    “So 1670 in Aberdeen, wo von 59 Logenmitgliedern nur noch sieben Werkmaurer, sieben weitere Schieferdecker und Zimmerleute, die übrigen aber Adlige, Geistliche, Kaufleute, Ärzte, Professoren usw. waren.“ (Lennhoff 1929, S. 57)Google Scholar
  7. 7.
    Anderson gab der Freimaurerei die Grundform der sogenannten „Alten Pflichten“. Er benutzte dabei ältere Vorbilder und lehnte sich an schottische Muster an. Die historische Einleitung zu seinen „Constitutions“ ist nach Lennhoff/Posner (1932) aber eine „traurige Geschichtsklitterung ohne jeden Wert“ (S. 67). Als seriösem Historiker der Freimaurerei kommt Anderson daher keine Bedeutung zu.Google Scholar
  8. 8.
    Dierickx nennt sogar als einen der Gründe für den Zusammenschluß von 1717: „... die Wohltätigkeit, die immer als eine wichtige Aufgabe der Gilden und Zünfte gegolten hat, ...“. (Dierickx 1975, S. 32)Google Scholar
  9. 9.
    Ruspini, Großschwertträger seiner Loge (1792–1813), war ein anglisierter Italiener.Google Scholar
  10. 10.
    “Es soll schon 1733 geschehen sein. Durch Urkunden belegbar ist aber eine Loge erst seit dem 6. Dezember 1737.“ (vgl.: Grosse Loge von Hamburg 1932, S. 7 u. Haack 1988, S. 8)Google Scholar
  11. 11.
    Die Loge „L’Union“ wurde bereits ein Jahr vor der Loge „Zur Einigkeit“ (1742) in Frankfurt/M. gegründet.Google Scholar
  12. 12.
    Vor 1933 gab es rund 76.260 Logenmitglieder in 712 Logen. Ganze 5000 Brüder versuchten nach dem Zweiten Weltkrieg einen Wiederaufbau der Freimaurerei mit der Gründung der „Vereinigten Großloge von Deutschland“ am 19. Juni 1949 in der Frankfurter Paulskirche. In der Bundesrepublik zählen heute (1990) die ca. 350 Logen in 174 Städten (Grienten) 14.039 eingetragene Mitglieder (vgl.: humanität 4/1989; 8/1989; 2/1990; Peters 1986 u. Holtorf 1986).Google Scholar
  13. 14.
    Auf eine großangelegte Fürsorgetätigkeit verweisen nach Köhler die „Gesammelten Nachrichten von den Armen-Einrichtungen der Freymäurer in Chur-Sachsen“ (erschienen 1775)(Köhler 1899, S. 7).Google Scholar
  14. 15.
    Köhler Otto (1899): Festschrift zur Feier des 125 jährigen Bestehens der Lehr-und Erziehungsanstalt für Knaben - Freimaurer-Institut - zu Dresden-Friedrichstadt am 28. Juni 1899 Dresden.Google Scholar
  15. 16.
    Vermutlich 1935, mit dem Verbot sämtlicher Freimaurerlogen durch die Nationalsozialisten, dürfte die Existenz der ehemals staatlich anerkannten Oberrealschule mit angegliedertem Internat beendet worden sein. In der Loge „Bruderkette am Untersberg“ in Bad Reichenhall wurde die Schulfahne, nach Stationen im Dresdener Untergrund (ab 1933) und in der Emigration, seit 1976 aufbewahrt. Heute erinnert noch ein Freundeskreis ehemaliger Schüler an das Dresdener Freimaurer-Institut, der im Oktober 1990 zu seinem 18. Bundestreffen in Nürnberg zusammenkam (humanität 1991, S. 29).Google Scholar
  16. 17.
    Horst Beckmann nennt als Gründungsdatum einer Wohltätigkeitsanstalt der Loge „Zur Einigkeit“ das Jahr 1742. Der Autor dürfte hier aber - ebenso wie Appel/Oberheide (1985, S. 70) - das Gründungsjahr der Loge mit dem der Stiftung verwechselt haben (vgl.: Demeter 1967, S. 156).Google Scholar
  17. 18.
    Unter einer Tafelloge verstehen Freimaurer ein Bankett nach feierlichen und rituellen Anlässen. Im Anschluß an eine Tafelloge wurde und wird häufig zu Sammlungen für einen wohltätigen Zweck aufgerufen. Der Begriff stammt aus einer Zeit, in der die Logen noch nicht über eigene Häuser (Tempel) verfügten und ihre Zusammenkünfte an der „Tafel“ einer Gaststätte abhielten.Google Scholar
  18. 19.
    Eine einzige Loge, „Minerva zu den drei Linden“ in Leipzig (gemeint ist „Minerva zu den drei Palmen“), verfügte im Jahre 1900 über ein Kapital für „milde Stiftungen“ in Höhe von nicht weniger als 27.000 Goldmark (Appel/Oberheide 1985, S. 71).Google Scholar
  19. 20.
    Erich Ludendorff war einer der schärfsten Gegner der Freimaurerei nach dem 1. Weltkrieg. In etlichen Schriften bekämpfte er mit fanatischem Judenhaß das besonders von ihm propagierte „Weltfreimaurertum“ und die „jüdisch-freimaurerische Weltverschwörung“. Er bezichtigte die Freimaurerei als Hauptschuldige für die Niederlage der deutschen Generalität im 1. Weltkrieg. (Vgl.: Ludendorff 1927: Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse, München u. Ludendorff 1935: Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren im Dienste des allmächtigen Baumeisters allerWelten, München. Nach dem Ableben ihres Mannes 1937 führte Mathilde Ludendorff die Hetze gegen das Freimaurertum bis zu ihrem Tode 1966 fort.Google Scholar
  20. 22.
    Bela Kun; geb. 1886, stand vom 21.03. bis zum 1.08.1919 an der Spitze der ungarischen Räterepublik. Er emigrierte darauf nach Österreich und anschließend in die UdSSR, wo er für die Komintern tätig war. Unter falschen Anschuldigungen 1937 verhaftet und 1939 hingerichtet, wurde Bela Kun 1956 posthum rehabilitiert.Google Scholar
  21. 23.
    “Weder nach 1920 und erst recht nicht nach 1950 ruhten die Logen und damit ihre Großloge. Seit 1950 nannten sie sich „Gesellschaften“, die regelmäßige Zusammenkünfte hatten, jedoch keine rituellen Arbeiten durchführen durften.“ (Geppert 1990, S. 12) * Am 15. August 1989 wurde der Antrag auf Zulassung einer „Symbolischen Großloge von Ungarn“ vom Innenministerium der Republik Ungarn positiv beschieden.Google Scholar
  22. 25.
    “Shriners“: Ancient Arabic Order of Nobles of the Mystik Shrine (“Alter arabischer Orden der Edlen vom mystischen Schrein“) Die Shriners gelten als Geselligkeits-und Wohltätigkeitsvereinigung vorwiegend amerikanischer Hochgradfreimaurer. In den Orden der Shriners können nur Freimaurer aufgenommen werden, die den 32. Grad des A. u. A. Schottischen Ritus, bzw. die entsprechende Gradstufe der „Knights Templar“ (Templerorden) besitzen. Die Shriners, 1871 in New York gegründet, begannen nach dem 1. Weltkrieg die Fürsorge für verkrüppelte Kinder zu organisieren. Sie erbringen bis heute Millionenbeträge für die Errichtung von Spitälern und die Finanzierung von Forschungsprogrammen (Vgl.: Lennhoff/Posner 1932 u.a. Haack 1988). Die Spitäler der Shriners für körperbehinderte Kinder nehmen jährlich ca. 6000 Fälle auf; sie erfordern jährliche Subventionen von fast 12 Millionen Dollar (vgl. Bokor 1980, S. 457).Google Scholar
  23. 26.
    American-Canadian Grand Lodge A.F. & A.M. (43 Logen 1985) und Grand Lodge of British Freemasons in Germany (14 Logen 1985).Google Scholar
  24. 27.
    Bischoff war langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des Vereins deutscher Freimaurer; 1893 aufgenommen in der Loge „Hansa“ in Bremen, angenommen 1898 von der Loge „Phönix“ in Leipzig, die seit 1906 Stadtkolonien ausrichtete (Centralstelle 1908, S. 48).Google Scholar
  25. 28.
    Wie Bischoff betonen Schmidt (1927) u.a. freimaurerische Autoren, daß es sich bei ihren Äußerungen immer nur um persönliche Auffassung über das Erziehungs-und Bildungswesens handelt. Kein Autor beansprucht eine freimaurerische Bundesmeinung zu vertreten, was unter Umständen zu einer sofortigen Ächtung seiner Publikationen durch die Großlogen geführt hatte. Man darf aber davon ausgehen, daß die genannten Autoren nicht im Widerspruch zu ihrer Loge und Großloge standen.Google Scholar
  26. 29.
    Nach Stefan Zickler versteht sich die Freimaurerei als angewandte Humanität, die nicht organisiert oder aufgezwungen, sondern aus eigenem Entschluß im täglichen Leben praktiziert wird (Zickler 1985, S. 9).Google Scholar
  27. 30.
    Keller wurde 1897 Mitglied der Kasseler Loge „Zur Eintracht und Standhaftigkeit“, bei der Loge „Urania zur Unsterblichkeit“ in Berlin affiliiert und war zuletzt zugeordneter Großmeister der Großloge „Royal York zur Freundschaft“ und Meister des innersten Orients.Google Scholar
  28. 31.
    Lennhoff/Posner datieren das Gründungsjahr auf 1893 (1932, S. 292). Im Jahre 1893 scheint aber nur eine Umbenennung erfolgt zu sein: gegründet 1891 als: „Comenius-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Volksbildung“ (Peters 1986, S. 61), nennt sich die Vereinigung seit 1893: „Comenius-Gesellschaft für Geisteskultur und Volksbildung“ (ebda., S. 126).Google Scholar
  29. 32.
    Herausgeber der „Deutschen Zeitschrift für ausländisches Unterrichtswesen“ (1895–1901).Google Scholar
  30. 33.
    Nach Lennhoff/Posner wies die Ethik Euckens so viele Berührungspunkte mit der Freimaurerei auf, daß der VdF zeitweilig eine Zusammenarbeit mit dem „Eucken-Bund“ erwog (1932, S. 453).Google Scholar
  31. 34.
    Keller rechnet die Mitbegründer der Gesellschaft zu seinem „Freundeskreis“ (1902, S. 4). Nur einige dieser Männer können aber eindeutig bestimmten Logen zugerechnet werden; alle müssen jedoch mit dem Bund bzw. mit den freimaurerischen Interessen Kellers sympathisiert haben, denn dieser war durch seine zahlreichen Publikationen allgemein als Freimaurer bekannt und hat nie einen Hehl aus seiner Mitgliedschaft im Bund gemacht.Google Scholar
  32. 37.
    Nach Lennhoff/Posner war die Comenius-Gesellschaft zwar keine reine freimaurerische Vereinigung, jedoch gehörten ihr „viele Logen und Freimaurer als Mitglieder“ an (1932, S. 292).Google Scholar
  33. 39.
    Zu Ehren des Jan Amos Komensky gründeten bereits 1877 Freimaurer in Lissa die Loge „Comenius“ (Geppert 1976, S. 79).Google Scholar
  34. 40.
    Das Humanitätsprinzip galt im übrigen auch den Vereinen für Kinderheilstätten als oberste Maxime. In diesem Zusammenhang erwähnt Albert (1886) den „Verein zur Errichtung und Förderung von Seehospizen und Asylen für kranke, insbesondere scrophulöse und rhachitische Kinder“ in Wien, (gegr. 1885): „Dass der zu gründende Verein auf den Principien der allgemeinen Humanität beruhen müsse, und dass er nichts mit socialen, confessionellen und nationalen Rücksichten zu thun habe, das geht wohl aus seiner Idee und aus seinem Ursprunge selbstverständlich hervor.“ (Albert 1886, S. 8)Google Scholar
  35. 42.
    Bezogen auf den Unterricht wurden Selbsttätigkeit, Anschauung, „Realien“ wie Naturwissenschaften und Technologien, Muttersprache, moderne Fremdsprachen, manuelles Tun und körperliche Arbeit bzw. Werkunterricht und Gartenarbeit, Leibeserziehung, Wandern, Spiele und „vergnügliches“, spielerisches Lernen wesentlich (Heiland 1987, S. 158f.).Google Scholar
  36. 43.
    Mit Blick auf die koedukativen Ferienkolonien formulierte z.B. Richter noch Ende der 20er Jahre die zeitlose katholische Position: „Eine richtig verstandene Erholungsfürsorge lehnt sich gegen die Mischung der Geschlechter auf. Ihr geht es nicht um Nivellierung der Geschlechter, nicht um Aneinandergewöhnung, ihr geht es in erster Linie um gesundheitliche Fortschritte im Rahmen der Gesamterziehung.“ (Richter 1928, S. 150)Google Scholar
  37. 44.
    Paul Selter war Professor für Kinderheilkunde und Stadtarzt in Solingen, wo er 1907 in die Loge „Prinz von Preußen zu den drei Schwertern“ aufgenommen wurde. Als freimaurerischer Schriftsteller wurde er auch unter dem Pseudonym Franz Schwerdtfeger bekannt.Google Scholar
  38. 46.
    Lennhoff/Posner fassen unter dem Begriff „Aktivismus“ die verschiedensten Logenaktivitaten zusammen, die von allen Systemen als spezifische Aufgabe freimaurerischer Mildtätigkeit anerkannt wurden. Dieser Aktivismus reichte von gelegentlichen Almosen bis zur Errichtung dauernder Stiftungen. Darunter waren: „Krankenhauser, Ferienkolonien, Arbeitslosenausspeisungen, Stellenvermittlungen, Waisenhauser, Taubstummen-und Blindeninstitute, Lehrlingsschulen, Tagesheime, Wochenbettpflege, Studienbeihilfen, Unterstützung von Volksbüchereien, Notopfer für bedrohte Volksgenossen, Alumnatvereine, Freibettenstiftungen, Fürsorge für entlassene Sträflinge, Kinderkrippen, Siechenhauser, Weihnachtsbeschehrungen u.v.a. mehr“ (1932, S. 36).Google Scholar
  39. 47.
    Der Vortrag wurde im Jahre 1905 in der Zeitschrift „Aus Loge und Welt“ erneut veröffentlicht.Google Scholar
  40. 48.
    Auch an anderen Stellen benutzt Johann Bergknecht, dessen Mitgliedschaft in einer Loge leider nicht eindeutig zu belegen ist, freimaurerische Semantik und macht sich den Toleranzgedanken des Bundes zu eigen. So z.B. (1902, S. 64).: „Man befreie sich auf dem Gebiete der Humanität nur von Partei-und Konfessionsgeiste und biete dafür ein Herz voller Liebe und eine thatkräftige, hilfreiche Bruderhand.“Google Scholar
  41. 49.
    So wurde z.B. der Reichskanzler und Außenminister Gustav Streesemann (von Ludendorff als „Freimaurer und Judenknecht“ beschimpft) im Jahre 1923 Mitglied der Berliner Loge „Friedrich der Große“ und bekannte sich wiederholt öffentlich zur Freimaurerei. Aufsehen erregte er, als er in seiner Rede anläßlich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund deutliche Anlehnung an den freimaurerischen Sprachgebrauch nahm. (vgl.: Lennhoff/Posner 1932, S. 1519 u. Peters 1986, S. 204).Google Scholar
  42. 50.
    Das Albert-Schweitzer-Familienwerk E.V. Uslar/Solling, ist ein von Freimaurern gegründetes gemeinnütziges Sozialwerk, in dem Kinder „im Geiste der Humanität und der Toleranz heranwachsen“ sollen. Gründer ist die Loge „Augusta zum goldenen Zirkel“ im Orient Göttingen.Google Scholar
  43. 53.
    Bruno Peters hält den Antisemitismus nach 1872 in Deutschland für den Anlaß der ersten Logengründungen des B’nai B’rith (Peters 1986, S. 146).Google Scholar
  44. 55.
    Der Deutsche Großlogenbund erklärte 1887 den unabhängigen Orden B’nai B’rith zur geheimen Verbindung und untersagte den Angehörigen deutscher Freimaurerlogen die Mitgliedschaft. Seit 1905 übertrug man die Entscheidung über eine Doppelmitgliedschaft im U.O.B.B. und in einer Freimaurerloge den einzelnen Großlogen.Google Scholar
  45. 56.
    Seit den Anfängen des jüdischen Staates in biblischer Zeit war die Armenfürsorge integraler Bestandteil des sozialen und religiösen Lebens und wurde durch genaue Gesetzesvorschriften (“Zadakah“: Gerechtigkeit als Quelle des Wohltuns) geregelt. Wohlhabende Juden waren zur Unterstützung Bedürftiger verpflichtet, verarmte Juden hatten ein Unterstützungsrecht. (Buck 1983, S. 165 u. Sachße/Tennstedt 1980, S. 232).Google Scholar
  46. 57.
    Der deutsche Distrikt des Ordens wurde 1937 durch die Gestapo aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt zählte er über 100 Logen mit ca. 12.000 Mitgliedern (Oppenheimer 1971, S. 109).Google Scholar
  47. 59.
    Die Frankfurt-Loge XX. richtete gemeinsam mit dem israelitischen Hilfsverein Ferienkolonien für erholungsbedürftige Kinder in Hofheim im Taunus ein. Aus diesen Sommerveranstaltungen entwickelte sich im Jahre 1910 ein Erholungsheim, das zu Ehren des Expräsidenten Raphael Ettlinger und seiner Frau den Namen „Raphael und Jeanette Ettlingersche Stiftung“ erhielt (Gut 1928, S. 41). Der ebenfalls von der Frankfurt-Loge XX. verwaltete Gretl-und Carolinen-Fonds sollte erholungsbedürftigen Kindern einen Landaufenthalt ermöglichen (ebda., S. 46)Google Scholar
  48. 61.
    So besaß zum Beispiel die Amicitia-Loge XIII. zusammen mit dem jüdischen Arbeiterfürsorgeverein ein Walderholungsheim, dessen Finanzierung durch Beiträge der Synagogen-gemeinde und anderer jüdischer Wohltätigkeitsvereine abgesichert war.Google Scholar
  49. 62.
    Aber auch die Beihilfen, die von der Frankfurt-Loge XX. der israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen, der jüdischen Kinderheilstätte in Bad Kreuznach und einer nicht näher bezeichneten Institution „zur Walderholung schwacher jüdischer Kinder“, wurden nicht angegeben (Gut 1928, S. 48).Google Scholar
  50. 63.
    Die sozialpädagogischen Konzepte und Interessen kommunaler Träger innerhalb der Ferienkoloniebewegung sind insgesamt nur schwer überschaubar. In der zeitgenössischen Literatur finden sich meist nur die Positionen privater Vereine. Es kann daher davon ausgegangen werden, daß sich die Praxis städtischer Kolonien nicht wesentlich von den privaten Maßnahmen unterschied.Google Scholar
  51. 64.
    Scherpners These steht im krassen Gegensatz zu Reyer (1984), der unter Hinweis auf die rechtliche Stellung der Vereine als „mittelbare Staatsanstalten“ (bis 1900), nicht einmal von einem Nebeneinander von Staat und Privatwohltätigkeit im 19. Jahrhundert sprechen will, da private Vereine nach seiner Auffassung ihre Tätigkeit nur in einem vom Staat definierten, lizensierten und kontrollierten „sozialpädagogischen Raum“ einbringen konnten (Reyer 1984, S. 30; vgl.: Kap. 2.1).Google Scholar
  52. 66.
    Diese Haltung entsprach bereits dem Subsidiaritätsprinzip des späteren § 5/1II der „Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht“ aus dem Jahre 1923, der ausdrücklich bestimmte, daß die Fürsorgeverbände keine eigenen Einrichtungen neu schaffen sollten, sofern geeignete Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege ausreichend vorhanden waren (Jung 1924, S. 41).Google Scholar
  53. 67.
    Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das vom „Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit“ (gegr. 1880/1881) eifrig propagierte System zum „herrschenden Modell“ der offenen Armenpflege verallgemeinert (Tennstedt 1981, S. 212).Google Scholar
  54. 68.
    Ehrenamtlichen Armenpfleger konnten im Falle einer Amtsverweigerung mit dem Verlust des Bürgerrechts und einer höheren Besteuerung bestraft werden (Sachßeírennstedt 1980, S. 220).Google Scholar
  55. 69.
    Erstellt nach den Angaben der Zentralstelle der Vereinigungen für Sommerpflege (1885–1913) u. Sachße/Tennstedt (1980, S. 218). Die Jahresdaten in () bezeichnen das Jahr der Einführung des „Elberfelder Systems“. In Krefeld, Ruhrort, Neuwied, Naumburg/S. und Rostock kam es nicht zur Gründung einer Ferienkolonie, bzw. Ferienkolonieträger in diesen Städten hatten sich nicht der Zentralstelle angeschlossen oder Informationen über ihre Aktivitäten zur Verfügung gestellt.Google Scholar
  56. 70.
    Straßburg war neben Frankfurt/M. ein Zentrum des Eklektischen Grosslogenbundes. Als Förderer von Ferienkolonien gehörten dem Bund die Frankfurter Mutterloge „Zur Einigkeit“ sowie die Straßburger Loge „An Erwins Dom“ und die Loge „Braunfels zur Beharrlichkeit“ i.O. Hanau an. Nach dem „Straßburger System“, so benannt aufgrund der Neuordnung des Straßburger Armenwesens unter Bürgermeister Schwander im Jahre 1905, wurden Hilfsbedürftige zunächst nicht mehr von ehrenamtlichen Organen erfaßt, sondern von geschulten Beamten der Verwaltung, also dem Armenamt bzw. einer der dezentralisierten Kreisstelle (Scherpner 1962, S. 176). Bereits seit 1890 arbeitete die Stadt Colmar gefolgt von Hamburg nach diesem System, indem das Quartiersystem abgelöst wurde durch quartierübergreifende spezialisierte Berufskräfte (Münchmeier 1981, S. 57).Google Scholar
  57. 71.
    Die allgemeine Militärpflicht wurde 1813/14 in Preußen eingeführt, in anderen deutschen Staaten großenteils nach dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866.Google Scholar
  58. 72.
    Bereits im Jahre 1865 wurde auf Initiative von Luise Otto-Peters (1819–1895) und Auguste Schmidt in Leipzig der „Allgemeine Deutsche Frauenverein“ gegründet. Erklärtes Ziel des Vereins war die Verbesserung der Ausbildungs-und Berufsmöglichkeiten von (bürgerlichen) Frauen. Die Gründung diese Vereins gilt allgemein als Beginn der organisierten Frauenbewegung Deutschlands (Wendt 1983, S. 187; Nave-Herz 1988, S. 19).Google Scholar
  59. 73.
    Z.B. in Preußen war den Frauen von 1850 bis 1908 die Mitgliedschaft in politischen Vereinen offiziell verboten (Asmus 1982, S. 286).Google Scholar
  60. 74.
    Die Männervereine schlossen sich am 20. April 1869 zu dem deutschen Zentralkomitee vom Roten Kreuz zusammen (Sachßefrennstedt 1980, S. 224).Google Scholar
  61. 75.
    Sämtliche konfessionellen Frauenvereinigungen wurden später gegründet, so z.B. der „Verein kath. deutscher Lehrerinnen“ (1885), der „Deutsch-Evangelische Frauenbund“ (1899), der „Deutsche katholische Frauenbund“ (1903), der „Jüdische Frauenbund“ (1904), der „Verband der evangl. Arbeiterinnenvereine (1908) (MausbachBreme 1913, S. 82ff.; Bertelsmann-Lexikon 1984, S. 237).Google Scholar
  62. 76.
    In Sachsen zählte die Kronprinzessin Carola zu den Initiatoren, die am 14. September 1867 den „Albertvcrein“ ins Leben riefen (Das Rothe Kreuz, 1900, Nr. 5, S. 77).Google Scholar
  63. 77.
    “Ausnahmen - wie im Fall der Kronprinzessin Friedrich, die in gewisser Weise fördernd wirkte - spielten in jener Zeit eine große Rolle.“ (Nave-Herz 1988, S. 21)Google Scholar
  64. 78.
    Z.B. in der von Clara Zetkin redigierten „Gleichheit“ (1894, S. 64)Google Scholar
  65. 79.
    “Die meisten der bürgerlichen Frauen, die sich ehrenamtlicher Hilfstätigkeit widmeten, waren auch an einer „beruflichen“ Tätigkeit gar nicht interessiert. Sie waren wohlhabend genug, um sich unbezahlte Liebesarbeit leisten zu können, und sie hatten die freie Zeit dazu.“(Münchmeier 1981, S. 133)Google Scholar
  66. 80.
    begann zunächst die Stadtverwaltung Kassel damit, Frauen als gleichberechtigte Armenpflegerinnen einzusetzen; diesem Modell folgten Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Wiesbaden und Magdeburg. Dabei wirkte sich vor allem der hohe Personalbedarf des Elberfelder Systems günstig aus (SachBe/l’ennstedt 1980, S. 235).Google Scholar
  67. 81.
    Wobei diese bürgerliche Hilfsbereitsschaft immer auch ein Stück eigener seelischer Hilfsbedürftigkeit enthielt. So begannen bürgerliche, vor allem unverheiratete Frauen und höhere Töchter das proletarische Elend für ihre eigene Emanzipation „auszubeuten“, wobei sie ein Profil „sozialer Mütterlichkeit“ ausgebildet hatten, welches sie in höchst ambivalenter Weise an Patriarchat und Proletariat band (Asmus 1982, S. 22f.).Google Scholar
  68. 82.
    Zwar verstand sich die Mehrzahl der deutschen Freimaurer dem Weltbürgertum verpflichtet, so war und blieb die Verbundenheit mit „Kaiser und Vaterland“ doch oberstes Gebot aller deutschen Logen (vgl.: Das Rothe Kreuz, 1900, Nr. 5, S. 219).Google Scholar
  69. 83.
    Franz August von Etzel wurde bereits 1835 in die Berliner Loge „Zur Eintracht“ aufgenommen und im Jahre 1873 zum National Großmeister ernannt. Er setzte sich konsequent für die Aufnahme von Nichtchristen in den Bund ein, die von einigen Systemen bis dahin noch ausgeschlossen wurden (Lennhoff/Posner 1932, S. 453). Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst engagierte er sich auf dem Gebiet der privaten Wohlfahrtspflege und galt als Befürworter einer Konzentration derselben.Google Scholar
  70. 85.
    Bei der Aufzählung der Aktivitäten der „Vaterländischen Frauenvereine“ Preußens im Jahre 1897 erwähnen Sachße/Tennstedt (1980, S. 224f.) zwar Siechenanstalten, Asyle, Mägdeherbergen, Volksküchen, Suppenanstalten, Kaffeestuben, Waisen-und Erziehungsanstalten, Kinderbewahranstalten und Krippen, ignorieren aber die Beteiligung an Ferienkolonien. Grund für die auffallende Abstinenz der sozialdemokratisch-engagierten und organisierten Frauen innerhalb der Ferienkoloniebewegung waren die Widerstände gegenüber den Verschickungsmaßnahmen aus den eigenen Reihen. Viele Arbeiterfamilien konnten und wollten während der Ferien nicht auf den zusätzlichen Verdienst der Kinder verzichten und verweigerten deshalb eine Teilnahme an den Verschickungsaktionen. In den Berichten der Zentralstelle für Sommerpflege trat im übrigen kein einziger Arbeiterverein als Träger von Ferienkolonien auf.Google Scholar
  71. 86.
    Allein der „Preußische Vaterländische Frauenverein“ hatte nach SachßelTennstedt im Jahre 1897 bereits 84 Zweigvereine mit insgesamt 140.470 Mitgliedern (1980, S. 225).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1992

Authors and Affiliations

  • Thilo Rauch

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