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Empirischer Teil

  • Eberhard Nölke
Part of the DUV: Psychologie book series (DUVP)

Zusammenfassung

Im folgenden Teil der Arbeit werden vier Einzelfallstudien vorgestellt. Die beiden ersten Fallstudien (David und Sabine) folgen den zuvor dargestellten Verfahrensschritten einer detaillierten, sequentiellen Textinterpretation des biographisch-narrativen Interviews.

Anmerkungen

  1. 1.
    Karl Philipp Moritz: Anton Reiser, Berlin 1785, S. 6. Ich habe dieses Zitat aus dem Vorwort zu Karl Philipp Moritz autobiographischem Roman gewählt, weil es in der schlichten Klarheit auf etwas hinweist, was auch für diese Arbeit gilt: auch den kleinen Dingen und Details hinsichtlich ihrer biographischen Bedeutung Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. auch Helsper/Müller/Nölke/Combe 1991. Die vorliegende Arbeit steht zu dieser Studie in einem Ergänzungsverhältnis.Google Scholar
  3. 3.
    Kohli 1988, S. 44.Google Scholar
  4. 4.
    vgl. hierzu Kap. 2.2.-2.4. der vorliegenden Arbeit.Google Scholar
  5. 5.
    Holtappels 1985.Google Scholar
  6. 6.
    Cicourel 1978.Google Scholar
  7. 7.
    Freigang 1986.Google Scholar
  8. 8.
    Die Abschnitte 2 und 3 des ersten Kapitels sowie 2.3 und 3.3 des dritten Kapitels wurden auch der Studie von Helsper, Müller, Nölke, Combe 1991 zugrunde gelegt.Google Scholar
  9. 9.
    Zur Geschichte der Biographie vgl. Ahlheit/Dausien 1990, zur Entwicklung der Biographieforschung aus sozialwissenschaftlicher Sicht siehe Fuchs 1984, Kohli 1981, Nittel 1992, Szcepanski 1974. Als eigentlicher Beginn der biographischen Forschung gilt die Studie von W. I. Thomas und F. Znaniecki: The Polish Peasant in Europe and America (1918/1920), in der die Veränderungsprozesse polnischer Bauern und Landarbeiter im Zuge ihrer Auswanderung nach Amerika anhand einer Vielzahl von autobiographischen und anderen Dokumenten nachgezeichnet wurden.Google Scholar
  10. 10.
    Berger 1986, Beck 1986.Google Scholar
  11. 11.
    Zur pädagogischen Biographieforschung: Baake/ Schulze 1978, 1982.Google Scholar
  12. 12.
    Zur historischen Entwicklung biographischer Methoden in der Psychologie vgl. Thomae 1987.Google Scholar
  13. 13.
    siehe Anm. 2.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Niggl 1977.Google Scholar
  15. 15.
    Zu Entwicklung und methodischen Problemen der Oral History vgl. Brüggemeier 1987, S. 145–158.Google Scholar
  16. 16.
    Niethammer 1985, S. 7.Google Scholar
  17. 17.
    Niethammer 1985, S. 10.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Starr 1985, S. 37 f.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Fischer/Kohli 1987, Fuchs 1984, Kohli 1981 (b).Google Scholar
  20. 20.
    Fuchs 1982, S. 4.Google Scholar
  21. 21.
    Fuchs 1982, S. 2.Google Scholar
  22. 22.
    Fischer/Kohli 1987, S. 25 f.Google Scholar
  23. 23.
    Krüger 1988, S 19 f., Combe/Helsper 1991.Google Scholar
  24. 24.
    Kohli 1981.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. hierzu Kap. I, Abschnitt 2. (zur Individualisierungsthese).Google Scholar
  26. 26.
    Kohli 1981, S. 505.Google Scholar
  27. 27.
    Unter persönlicher Identität versteht Goffman „positive Kennzeichen oder Identitäts- aufhänger und die einzigartige Kombination von Daten der Lebensgeschichte, die mit Hilfe dieser Identitätsaufhänger an dem Individuum festgemacht wird. Persönliche Identität hat folglich mit der Annahme zu tun, daß das Individuum von allen anderen differenziert werden kann und rings um dies Mittel der Differenzierung eine einzige kontinuierliche Liste sozialer Fakten festgemacht werden kann, herumgewickelt wie Zuckerwatte, was dann die klebrige Substanz ergibt, an der noch andere biographische Fakten festgemacht werden können“ (Goffman 1967, S. 74).Google Scholar
  28. 28.
    Kern des identitätstheoretischen Konzept Goffmans ist die Sicherstellung und das Management der von anderen zugeschriebenen sozialen und persönlichen Identität im Verhältnis zur einzigartigen Ich-Identität. (vgl. hierzu auch Krappmann, 1975 S. 76 f.; zum sozialwissenschaftlichen Identitätskonzept allgemein auch Frey/Haußer 1987, S. 4–25 sowie Habermas 1981, I, S. 147–150)Google Scholar
  29. 29.
    Zs Die Selbstthematisierungen sind in den alltäglichen Handlungsablauf gleichsam integriert und nehmen die Form einer impliziten oder rudimentären Selbstpräsentation an (Vgl. Hahn 1987, S. 12 f.). ~9 Ahlheit 1983, S. 192.Google Scholar
  30. 30.
    Kohli 1981 (a), S. 507.Google Scholar
  31. 31.
    Ebenda, S. 509.Google Scholar
  32. 32.
    Schütze 1989, S. 53 f.; siehe auch Kap. II, Abschnitt 2.2.Google Scholar
  33. 33.
    Hahn 1987.Google Scholar
  34. 34.
    Zu nennen wären in diesem Zusammenhang Institutionen, wie Krankenkassen, Finanzämter, Gerichte, Polizei, Schulen, Kinder-und Jugendheime u. a., „ in denen es normal und gängig (ist, E. N.), in dieser Weise ‘biographisch zu forschen’.“ (Fuchs 1982, S. 43).Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. hierzu auch den Methodenteil dieser Arbeit, Kapitel II.Google Scholar
  36. 36.
    Kohli 1985, S. 21.Google Scholar
  37. 37.
    Bezugnehmend auf das Spannungsverhältnis der I-me-relationship von Mead bestimmt Oevermann in der Dialektik von Emergenz und Determination des Handelns die „ Quelle von Innovation und Transformation“ (Oevermann 1992 (a), S. 300): Während sich die Spontaninstanz des „ I” als Quelle potentieller Emergenz in der gegenwärtigen Praxis vollzieht, stellt das „me“ jene dialektische und epistemisch ausgestattete Gegeninstanz dar, die eine Rekonstruktion und überdauernde Verfügbarkeit der emergenten Anteile allererst ermöglicht. „ Die Entstehung des Neuen (ist,E.N.) nicht dramatische Ausnahme, sondern potentieller Regelfall, der als strukturelle Normalität selbst der Stabilisierung per Reproduktion zugrunde-liegt. Potentiell entsteht an jeder Sequenzstelle Neues” (Oevermann, ebenda, S. 301).Google Scholar
  38. 38.
    Erst mit dem Erwerb allgemeiner und mit anderen geteilter Kompetenzstrukturen von Erkennen, Sprechen und Handeln („epistemisches Ich“) bildet sich somit das „praktische Ich” heraus, das „ die Kontinuität der Lebensgeschichte und die symbolischen Grenzen des Persönlichkeitssystems durch immer wieder aktualisierte Selbstidentifikation in der Weise (behauptet, E. N.), daß es sich in den intersubjektiven Beziehungen seiner sozialen Welt eindeutig, d.h. unverwechselbar und wiedererkennbar lokalisieren kann” (Habermas 1976, S. 20).Google Scholar
  39. 39.
    Oevermann 1981, S. 22.Google Scholar
  40. 49.
    Ebenda, S. 24.Google Scholar
  41. 41.
    Ebenda, S. 26.Google Scholar
  42. 42.
    Oevermann 1976 (a), S. 40.Google Scholar
  43. 43.
    Oevermann, u. a. 1976 (b), S. 383 f.Google Scholar
  44. 44.
    Ebenda, S. 388.Google Scholar
  45. 45.
    Oevermann 1981, S. 31.Google Scholar
  46. 46.
    Oevermann 1976 (b), S. 389.Google Scholar
  47. 47.
    Habermas 1981, II, S. 151.Google Scholar
  48. 48.
    Cohen/Taylor 1977, S. 25.Google Scholar
  49. 49.
    vgl. hierzu Honneth 1992, der die drei zentralen intersubjektiven Anerkennungsweisen von emotionaler Zuwendung, kognitiver Achtung und sozialer Wertschätzung (oder als Formen der Liebe und Freundschaft, Rechtsverhältnissen und Solidarität) hinsichtlich ihrer kategorialen Bedeutung in Beziehung setzt zu den Dimensionen Persönlichkeit, Entwicklungspotential, praktische Selbstbeziehung und Formen der Mißachtung (ebenda, S. 211).Google Scholar
  50. 50.
    Wie eng Habermas den Identitätsbegriff an die Kompetenzentfaltung koppelt, wird auch in seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“ deutlich, wo er Ich-Identität konzipiert als Kompetenz, „ die Selbstverwirklichung auf der Grundlage autonomen Handelns ermöglicht. Sie bewährt sich in der Fähigkeit, der eigenen Lebensgeschichte Kontinuität zu geben. Im Zuge des Individuierungsprozesses muß der einzelne seine Identität hinter die Linien der konkreten Lebenswelt und seines an der Herkunft haftenden Charakters zurücknehmen. Die Identität des Ich kann dann nur noch über die abstrakte Fähigkeit stabilisiert werden, auch angesichts inkompatibler Rollenerwartungen und im Durchgang durch eine Folge widersprüchlicher Rollensysteme den Forderungen nach Konsistenz und damit Bedingungen der Rekognition zu genügen. Die Ich-Identität des Erwachsenen bewährt sich in der Fähigkeit, aus den zerbrochenen und überwundenen Identitäten neue Identitäten aufzubauen und mit den alten so zu integrieren, daß sich das Geflecht der eigenen Interaktionen zur Einheit einer zugleich unverwechselbaren und zurechenbaren Lebensgeschichte organisiert.” (Habermas 1981, II, S. 150). Auf das abstrahierende Modell der Kompetenzentwicklung von epistemischen Subjektstrukturen, wie sie insbesondere von Habermas unter Rückgriff auf die Mead’schen Identitätsbestandteile von „ I“ und „ Me”, Piaget’s Theorie der kognitiven Stufenabfolge sowie der Stufen moralischer Urteilsfähigkeit nach Kohlberg entwickelt wurden, kann im Rahmen dieser Arbeit nur begrenzt Bezug genommen werden (vgl. hierzu insbes. Habermas 1976, S. 63 f.).Google Scholar
  51. 51.
    Beck 1986, S. 211.Google Scholar
  52. 52.
    Beck 1986, Kohli 1985, 1988.Google Scholar
  53. 53.
    Beck 1983, S. 42.Google Scholar
  54. 54.
    Beck 1987, S. 38.Google Scholar
  55. 55.
    Folgende Tendenzen kennzeichnen die „ neue Armut“:Google Scholar
  56. Die Armen werden relativ zu der Lohn-und Einkommensentwicklung ärmer, was maßgeblich durch die Abkoppelung des Regelsatzes von der allgemeinen Lohn-und Einkommensentwicklung forciert wird.Google Scholar
  57. Die Anzahl der Betroffenen ist steigend. Der relativ konstantenQuote von 750 000 — 850 000 in den 60er Jahren steht ein ungleichmäßiger Anstieg in den 70er Jahren gegenüber, wobei die Anzahl derjenigen, die eine nicht subventionierte Randexistenz führen, nicht nachgewiesen ist. Man schätzt die Gesamtquote auf 7,6% der Wohnbevölkerung. Die Einkommensarmut erfaßt auch einen zunehmenden Teil des erwerbstätigen Kerns der esellschaft. „Von der Funktion des Ausfallbürgen für besondere Einzelfälle ist die Sozialhilfe inzwischen weit entfernt.“ (Müller/Otto 1990, S. 224). Die von Armut Betroffenen werden jünger. So beträgt der Anteil der Minderjährigen, die Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen, ca. 31%, wobei der Anteil der erwerbsfähigen Personen zwischen 18 und 65 Jahren inzwischen 55% beträgt.Google Scholar
  58. Alleinerziehende Mütter und alte Frauen stellen das größte Kontingent der Bezieher von öffentlichen Unterstützungsleistungen (Müller/Otto 1990).Google Scholar
  59. 56.
    Beck 1987, S. 45.Google Scholar
  60. 57.
    ebenda, S. 44.Google Scholar
  61. 58.
    Beck 1987, S. 69.Google Scholar
  62. 59.
    Krüger 1990, S. 116.Google Scholar
  63. 60.
    Fuchs 1983, S. 341.Google Scholar
  64. 61.
    befand sich fast ein Drittel der Jugendlichen zwischen 18 und 19 Jahren mehr in einer Beschulungssituation als 1952 (Fuchs 1983, S. 342).Google Scholar
  65. 62.
    Während 1950 84,7% der Jungen und 77,5% der Mädchen zwischen 15 und 20 Jahren erwerbstätig waren, verringert sich der Anteil 1981 auf 46,3% bei den Jungen und 40,4% bei den Mädchen (Fuchs 1983, S. 434).Google Scholar
  66. 63.
    Während in den 80er Jahren im Verlauf des 16. Lebensjahres über ein Drittel der Jugendlichen (37% der Jungen und 34% der Mädchen), im Verlauf des 17. Lebensjahres fast zwei Drittel (59% der Jungen und 61% der Mädchen) und im 18. Lebensjahr über drei Viertel aller Jugendlichen (76% der Jungen und 78% der Mädchen) über sexuelle Erfahrungen verfügt, erreichten die Jugendlichen der 50er Jahre vergleichbare Zahlen mindestens zwei Jahre später“ (Helsper 1991); vgl. auch Fuchs 1985 (a).Google Scholar
  67. 64.
    Vgl. hierzu insbesondere Baethge 1986.Google Scholar
  68. 65.
    Helsper 1991, S. 17.Google Scholar
  69. 66.
    vgl. Olk 1988, S. 127 f.Google Scholar
  70. 67.
    befanden sich gemäß der Grund-und Strukturdaten 1985/86 und 1987/88 der Statistik der Bundesrepublik Deutschland weniger als die Hälfte der unter 20jährigen in einer Berufsausbildung bzw. Erwerbstätigkeit, während der Anteil 1960 noch 76,7% betrug. Gleichermaßen läßt sich feststellen, daß für den gleichen Zeitraum der Anteil der jungen Frauen nahezu konstant geblieben ist, während sich innerhalb der Berufsfelder und Tätigkeitsniveaus deutliche Hinweise auf die Auflösung und Ausdifferenzierung der traditionellen Klassenstrukturen erkennen lassen (Baethge 1989).Google Scholar
  71. 68.
    Fend 1988, S. 298.Google Scholar
  72. 69.
    In diesem Sinne kann die Jugendphase als entscheidende Phase der sozialen Statusreproduktion angesehen werden. So unternimmt Zinnecker (1986) den interessanten Versuch, mit Rückgriff auf das von Bourdieu entwickelte Konzept sozialer und kultureller Reproduktion im dreidimensionalen Raum von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital, einen „Zusammenhang zwischen der Struktur des gesellschaftlichen Raumes, der sozialen Lagerung von Jugend, dem klassenspezifischen Habitus und den ideologischen Konzepten von Jugend herzustellen“ (Zinnecker 1986, S. 99). Das klassenspezifisch ausgeprägte Moratorium der Jugendphase wird danach durch die verbesseten individuellen Teilhabechancen an Bildung und Konsum zunehmend überlagert und tendenziell verschleiert.Google Scholar
  73. (Zur Kritik am Konzept Zinneckers vgl. Helsper u. a.1991, S. 23 f.)Google Scholar
  74. 70.
    Engel/Hurrelmann 1989.Google Scholar
  75. 71.
    Ihen 1971, S. 13/14.Google Scholar
  76. 72.
    Meulemann 1985.Google Scholar
  77. 73.
    Hurrelmann/Wolf 1986, S. 24.Google Scholar
  78. 74.
    Koring 1989, Oevermann 1992 (b).Google Scholar
  79. 75.
    Baethge 1989, Blossfeld 1989.Google Scholar
  80. 76.
    Baethge 1989, S. 468.Google Scholar
  81. 77.
    Ebenda, S. 474.Google Scholar
  82. 78.
    Entgegen den geläufigen Versuchen, Randständigkeit durch eine statische Gegenüberstellung von gesellschaftlich dominanter Kerngruppe und abweichender Randständigkeit (vgl. Bellebaum 1984) zu fassen, soll Randständigkeit als Kumulationspunkt eines soziostrukturellen Bedingungen unterliegenden und benachteiligende Lebensbedingungen erzeugenden Prozesses verstanden werden, der für den jugendlichen mit hohen ökonomischen, sozialen und psychischen Belastungen und biographischen Kosten einhergeht und durch Prozesse der Etikettierung und stigmatisierenden Zuschreibung forciert und verfestigt wird (vgl. Ihen 1993, Riege 1987, S. 849). Iben differenziert Randgruppen bezüglich ihres „Macht-Ohnmacht-Gefälle (s)“, hinsichtlich ihrer Entfernung von politischen Entscheidungszentren, sowie einer freiwilligen und unfreiwilligen Zugehörigkeit zu einer Randgruppe (Iben 1993).Google Scholar
  83. 79.
    Zoll 1989.Google Scholar
  84. 80.
    Friebel 1987, Baethge 1989.Google Scholar
  85. 81.
    Krüger 1986.Google Scholar
  86. 82.
    Friebel 1985.Google Scholar
  87. 83.
    Baethge 1986, S. 306, sowie Baethge/Hantsche/PelulllVoskamp 1988.Google Scholar
  88. 82.
    Baethge 1989, S. 475.Google Scholar
  89. 85.
    Beck 1986, Zapf 1988.Google Scholar
  90. 86.
    Kohli 1988, S. 35 f.Google Scholar
  91. 87.
    Durkheim 1973.Google Scholar
  92. 88.
    Merton 1968.Google Scholar
  93. 89.
    Cloward 1968.Google Scholar
  94. 90.
    vgl. Lamnek 1977.Google Scholar
  95. 91.
    Durkheim 1973, S. 287.Google Scholar
  96. 92.
    Schneider 1987, S. 432.3Google Scholar
  97. 93.
    Merton 1968, S. 308.Google Scholar
  98. 94.
    Bohle 1983, S. 248.Google Scholar
  99. 95.
    Ebenda 1986, S. 309; vgl. hierzu auch Kerscher 1977, S. 37 f., Lamnek 1977 S. 50 f. sowie 1979, S. 108 f., Schneider 1987, S. 429f.Google Scholar
  100. 96.
    Ebenda, S. 249.Google Scholar
  101. 97.
    Bohle 1983, S. 248.Google Scholar
  102. 98.
    Vgl. hierzu Cloward 1968, Lamnek 1977, 1979.Google Scholar
  103. 99.
    Cohen 1961.Google Scholar
  104. 100.
    Cloward und Ohlin 1960.Google Scholar
  105. 101.
    Miller 1968.Google Scholar
  106. 102.
    Bielefeld/Kreissel 1983.Google Scholar
  107. 103.
    Schneider-Wohlfart/Schneider 1981, S. 22.Google Scholar
  108. 104.
    Schneider-Wohlfart/Schneider 1981, S. 18, vgl. auch Bielefeld/Kreissl 1983.Google Scholar
  109. 105.
    Lebte dort die erste Generation der Einwanderer noch als sozial randständige Gruppe isoliert in den Ghettos der Großstädte, so gelang es Teilen der nachfolgenden Generationen nicht zuletzt über den Wechsel in ein anderes, weniger randständiges Umfeld und Wahrnehmung entsprechender Bildungsmöglichkeiten, der marginalen Lage zu entkommen und einen sozialen Aufstiegsprozeß einzuleiten. In kollektiven Wellen erfolgte die Einwanderung der Iren, Tschecheslovaken, Deutschen, Skandinavier und Polen, die sich zunächst in den Ghettos der Großstädte ansiedelten, wo sie billigen Wohnraum fanden und die soziale und kulturelle Anbindung an die eigene nationale und ethnische Gruppe auf begrenztem Raum möglich wurde (Shaw 1974). Die hohe Fluktuation der Bewohner, der andauernde Nachzug fremder Gruppen sowie ständig wechselnde Bezugsgruppen und Nachbarschaftskontakte kennzeichneten die Ghettosituation als Lebens-und Erfahrungsraum.Google Scholar
  110. 106.
    Bielefeld/Kreissl 1982.Google Scholar
  111. 107.
    Cohen 1968.Google Scholar
  112. 108.
    Cloward/Ohlin 1960.Google Scholar
  113. 109.
    Cloward/Ohlin 1960.Google Scholar
  114. 110.
    Miller 1969.Google Scholar
  115. 111.
    Miller 1969 S. 341.Google Scholar
  116. 112.
    Ebenda, S. 342.Google Scholar
  117. 113.
    Yablonsky 1968.Google Scholar
  118. 114.
    Willis 1979.Google Scholar
  119. 115.
    Willis 1979, S. 200.Google Scholar
  120. 1161.
    Vgl. Projektgruppe Jugendbüro 1977, Bietau/Breyvogel/Helsper 981, Becker/Eigenbrodt/ May 1984, Lenz 1986.Google Scholar
  121. 117.
    Becker/Eigenbrodt/May, 1984.Google Scholar
  122. 118.
    Heitmeyer 1988, S. 209.Google Scholar
  123. 119.
    Becker/Eigenbrodt/May 1984.Google Scholar
  124. 120.
    Specht 1989.Google Scholar
  125. 121.
    Specht 1982.Google Scholar
  126. 122.
    Lamnek 1977, 1979, 1985, Schneider 1989.Google Scholar
  127. 123.
    So weist Lamnek in seiner sekundäranalytischen Studie nach, daß z. B. Bereicherungsdelikte bei höheren verfügbaren Eigenmitteln (Taschengeld) an Bedeutung verlieren (Lamnek, 1985, S. 261).Google Scholar
  128. 124.
    Lamnek 1985.Google Scholar
  129. 125.
    Ferchhoff 1990.Google Scholar
  130. 126.
    Ferchhoff 1990 S. 202, vgl. auch Zinnecker 1981.Google Scholar
  131. 127.
    Vgl. Becker 1973, Brusten/Hohmeier 1975, Keckeisen 1974, Kerscher 1977, Lamnek 1977.Google Scholar
  132. 128.
    Lamnek 1983.Google Scholar
  133. 129.
    Sack 1987, S. 29.Google Scholar
  134. 130.
    Brusten/Hurrelmann 1973, Holtappels 1985.Google Scholar
  135. 131.
    Brusten/Hurrelmann 1973, Asmus/Peuckert 1979.Google Scholar
  136. 132.
    Lemert 1975.Google Scholar
  137. 133.
    Hargreaves 1979.Google Scholar
  138. 134.
    Quensel 1970, S. 382.Google Scholar
  139. 135.
    Schütze 1981.Google Scholar
  140. 136.
    v. Trotha 1982, S. 258.Google Scholar
  141. 137.
    Hornstein 1989, S. 13.Google Scholar
  142. 138.
    Kohli 1985.Google Scholar
  143. 139.
    Kohli 1988 S. 44.Google Scholar
  144. 140.
    Primäre Hilfeformen erfolgen gleichsam naturwüchsig und sind konstitutives Merkmal diffuser Sozialbeziehungen. Für diese gilt, daß sie bezüglich ihrer Hilfe-und Unterstützungsleistungen strukturell umfassend und nicht zeitlich limitiert sind. So kann ein Familienangehöriger das Hilfeersuchen des Partners nicht dadurch zurückweisen, daß er sich für nicht zuständig erklärt. Andernfalls wäre dies ein Hinweis auf den Gestaltungscharakter dieser Beziehungen nach dem Muster formal-spezifischer Beziehungen im Sinne der Rollenförmigkeit.Google Scholar
  145. 141.
    Vgl. Greca 1989, S. 21.Google Scholar
  146. 142.
    Vgl. Oexle 1986, S. 90 f.Google Scholar
  147. 143.
    Vgl. Drießenbacher, 1986.Google Scholar
  148. 144.
    Sachße 1986, S. 10.Google Scholar
  149. 145.
    In dieser historischen Entwicklungslinie ist auch die Abfolge von Neugründungen kirchlicher Hilfsorganisationen, wie „ Innere Mission“ (1848), Caritas (1897) und freier Verbände, wie der später entstehenden Arbeiterwohlfahrt (1919) zu sehen, denen staatlicherseits bei der Erbringung von Hilfeleistungen ein verbürgtes „Vortrittsrecht” gegenüber den hoheitlichen Organisationen zuerkannt wird („ Subsidiaritätsprinzip“). Die Hilfeleistungen der sozialen Arbeit sind so in ein Gefüge laienhafter und beruflicher Tätigkeit, staatlicher und verbandsspezifischer Organisationsstrukturen eingebunden. Für die helfenden Tätigkeiten der caritativen Einrichtungen ist dabei noch immer eine, dem laienhaften Ehrenamt entsprechende, gesinnungsethische und gemeinwohlorientierte Haltung eigen. Die entscheidende Frage, die sich hinsichtlich einer Professionalisierung sozialer Arbeit stellt, ist: Wie ist es möglich, eine eigenständige Profession des Helfens zu etablieren und zu legitimieren, wenn die gleichen Tätigkeiten von „ Laien” durchgeführt werden können. Dies entspräche einer Laiensubstitution von Professionen. Nach dem hier zugrunde gelegten Professionsbegriff lassen sich die Kernaktivitäten einer Profession allerdings nicht laienhaft auflösen.Google Scholar
  150. 146.
    lk/Otto 1987.Google Scholar
  151. 147.
    Luhmann 1973, S. 143. Hier ist zwischen solchen Leistungen, die dem Prinzip der Sozialversicherung als „tatbestandsspezifisch mit Rechtsanspruch“ folgen, und den Fürsorgeleistungen zu unterscheiden, die sekundär strukturierend eingreifen, wenn das Risiko des Scheiters der privaten Reproduktion erwartbar ist. Fürsorge hat einen marktfernen, auf alternative Reproduktion zur Lohnarbeit setzenden Status (vgl. Blanke/Sachse 1987).Google Scholar
  152. 141.
    Luhmann 1973, S. 141.Google Scholar
  153. 149.
    k/Otto 1987.Google Scholar
  154. 150.
    Blanke/Sachße 1987, S. 251.Google Scholar
  155. 151.
    k/Otto 1987, S. 7.Google Scholar
  156. 152.
    Vgl. auch Nölke/Müller/Helsper 1992.Google Scholar
  157. 153.
    Oevermann 1992 (b).Google Scholar
  158. 154.
    Ebenda, S. 3.Google Scholar
  159. 155.
    Oevermann 1992 (b).Google Scholar
  160. 156.
  161. 157.
    Sahle 1985.Google Scholar
  162. 158.
    Herringer 1986, S. 23.Google Scholar
  163. 159.
    Herringer 1986, S. 25.Google Scholar
  164. 160.
    Vgl. Greca 1986, Gildemeister 1983, Otto 1989.Google Scholar
  165. 161.
    Münder 1989.Google Scholar
  166. 162.
    Vgl. Herringer 1983.Google Scholar
  167. 163.
    Vgl. Buckert 1980.Google Scholar
  168. 166.
    Elger/Jordan/Münder 1987.Google Scholar
  169. 165.
    Birtsch 1986.Google Scholar
  170. 166.
    Klatetzki/Winter 1990.Google Scholar
  171. 167.
    Oevermann (1992 [b]) zieht aus der Auseinandersetzung mit der Position von Parsons des Schluß, daß diffuse Sozialbeziehungen, wie die in der Familie, nicht sinnvollerweise als Rollenbeziehungen definiert werden können, da sie im Gegensatz zu funktional-spezifischen Sozialbeziehungen den anderen immer in seiner „personalen Ganzheitlichkeit“, „Einmaligkeit” betreffen und sich durch ihre besondere emotionale Qualität auszeichnen.Google Scholar
  172. 168.
    Petzold 1989.Google Scholar
  173. 169.
    So verweist der hohe Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Ein-Elternteil-Familien in den Maßnahmen der Fremdunterbringung darauf, daß das zumeist unzureichende Angebot an Tagesbetreuungsmöglichkeiten für den alleinerziehenden berufstätigen Elternteil ein erhebliches Problem darstellt und häufig die Entscheidung zur Einwilligung in Maßnahmen der öffentlichen Erziehung wesentlich beeinflußt (vgl. Napp-Peters 1985).Google Scholar
  174. 170.
    Vgl. Sahle 1983.Google Scholar
  175. 171.
    Es muß hierbei allerdings berücksichtigt werden, daß eine genaue Diagnose aufgrund der Komplexität der Problemlage häufig nicht möglich ist oder die vorhandenen Möglichkeiten für eine angemessene Intervention fehlen. Zugleich unterliegen zahlreiche Entscheidungen der Gleichzeitigkeit von Begründungs und Entscheidungszwang, die häufig erst eine nachträgliche Begründung oder Rechtfertigung der getroffenen Entscheidung ermöglicht (Oevermann 1990, Otto 1989, Schütze 1984 [b]).Google Scholar
  176. 172.
    Ein Integrationsversuch beider Verfahren liegt vor bei Helsper 1991 sowie Rosenthal 1987. Das von Fritz Schütze entwickelte Verfahren wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit mit seinen grundlegenden Bestandteilen berücksichtigt: dem biographisch-narrativen Interview und dem von Schütze entwickelten gestuften Auswertungsverfahren der transkribierten Texte. Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, die sich des narrativen Interviews bedienen, den Auswertungsprozeß jedoch nach schematischen Vorab-Kategorien eines inhaltsanalytischen Verfahrens vornehmen. Dabei wird gerade das zentrale Anliegen von Schütze, die sequentielle Ablaufstruktur von Handlungs-und Erleidensprozessen zu rekonstruieren, systematisch un- terlaufen. Beispielhaft sei hier die Studie von Romanski-Sudhoff/Sudhoff (1987) genannt, in der die narrativen Interviews mit Heimjugendlichen mit dem, von der Göttinger Gruppe um Mollenhauer, Kieper, u. a. (Brunkhorst, u. a. 1976) im Rahmen des DFG-Projektes „Problematische Lebenssituationen von Jugendlichen“ entwickelten, inhaltsanalytischen Verfahren in einem vorab entworfenen Strukturgitter zentraler Deutungsmuster verortet werden. Gemäß dem Verfahren von Schütze wäre dies jedoch erst vor dem Hintergrund der systematischen und gestuft-abstrahierenden Rekonstruktion der Abfolgedynamik eines Lebenslaufs möglich.Google Scholar
  177. 173.
    Schütze 1987, S. 258.Google Scholar
  178. 174.
    Grounded Theory bedeutet, daß „die Theorie ihre Grundlagen in empirischen Daten hat, die systematisch“ und intensiv „ analysiert werden, oft Satz für Satz oder Abschnitt für Abschnitt des Beobachtungsprotokolls, des Interviews oder eines anderen Dokuments” (Strauss 1991, S. 51). Zum Konzept und Verfahren der Grounded Theory vgl. auch Lamnek 1988, S. 107–124.Google Scholar
  179. 175.
    Die entspricht dem von Glaser/Strauß (1967) entwickelten Verfahren einer Theoriegenerierung aus dem Prozeß der sukzessiven fallkontrastiven Dateninterpretation und Stichprobenbildung.Google Scholar
  180. 176.
    So kann eine bestimmte Form der Interaktionsgestaltung zwischen Interviewer und Befragtem verglichen werden mit Beziehungsmustem des Interviewten zu anderen Personen, die aufgrund der Analyse entsprechender Textpassagen im Interview erkennbar werden.Google Scholar
  181. 177.
    In einem narrativen Interview „wird der Informant dazu ermutigt und darin unterstützt, seine eigenen Erlebnisse mit sozialwissenschaftlich interessierenden lebensgeschichtlichen, tagtäglichen, situativen und/oder kollektivhistorischen Ereignisabläufen, in die er selbst verwickelt war, in einer Stegreiferzählung wiederzugeben“ (Schütze 1987, S. 237).Google Scholar
  182. 178.
    Schütze 1987, S. 237.Google Scholar
  183. 179.
    Ebenda, S. 241.Google Scholar
  184. 180.
    Zum narrativen Interview vgl. im einzelnen Schütze 1987.Google Scholar
  185. 181.
    Vgl. Kap I, Abschnitt 1.2.Google Scholar
  186. 182.
    Vgl. hierzu Oevermann u.a 1979, S. 353, zur sozialisatorischen Interaktion. Dieses Argument kann prinzipiell auf alle Formen von Interaktion erweitert werden.Google Scholar
  187. 183.
    Unberücksichtigt bleibt im standardisierten Interview die sequentielle Struktur sozialer Handlungen. Nach den theoretischen und methodischen Positionen der ‘objektiven’ oder ’strukturelen` Hermeneutik sowie der Konversationsanalyse muß in der Analyse sozialer Handlungen rekonstruiert werden, wie sich sozialer Sinn in der Interaktion schrittweise aufbaut.Google Scholar
  188. 184.
    Hierauf verweisen auch empirische Untersuchungen zum Verhältnis von Einstellung und Verhalten.Google Scholar
  189. 185.
    Dies zeigen auch Erfahrungen in Balintgruppen, in denen die spontane (Stegreif-) Erzählung des Falleinbringenden zum Ausgangspunkt der Analyse von Übertragungs-und Gegenübertragungsprozessen wird.Google Scholar
  190. 186.
    Siehe hierzu Kapitel I.Google Scholar
  191. 187.
    „Das Grundkonzept von Biographie als Orientierungsmuster muß vielmehr die dichotome Begrifflichkeit ‘objektive Struktur’ — ’subjektive Verarbeitung` schon im Ansatz so integrieren, daß die Orientierung stiftende ’Regel’ (z. B. eine spezifische Ablaufregel) in actu prinzipiell zur Disposition steht, d.h. in Form eines emergenten individuellen Schemas verwirklicht wird, das zugleich die Produktionsregeln des sozialen Schemas variieren, neu bilden oder affirmieren kann“ (Fischer/Kohli 1987, S. 29).Google Scholar
  192. 188.
    Wie im 1. Kapitel der vorliegenden Arbeit ausgeführt, ist hier zu berücksichtigen, daß Individualisierung häufig nicht theoretisch klar formuliert ist und für die Kennzeichnung sehr gegensätzlicher Aspekte verwendet wird. Gerade an den Analysen biographischer Verläufe müßte sich die Theorie präzisieren und zeigen, inwieweit Individualisierungsprozesse zu einer Reduktion oder Verflachung sozialer Beziehungen oder zu einer größeren individuellen Handlungsautonomie führen.Google Scholar
  193. 189.
    Vgl. hierzu Bourdieu 1987.Google Scholar
  194. 190.
    Durch die Bildungsexpansion sind die Chancen des Einzelnen gestiegen, eine weiterführende Schule zu besuchen. Die Kehrseite dieser an sich positiven Entwicklung ist die tendenzielle Entwertung des Hauptschulabschlusses (vgl. hierzu Kapitel I, Abschnitt 2).Google Scholar
  195. 191.
    Wacker 1983.Google Scholar
  196. 192.
    Darin unterscheidet sich dieser Ansatz auch von der methodischen Position der „ lifeevent“-Forschung, in der belastende Ereignisse (zum Beispiel Umzug, Tod des Ehepartners) gemessen werden, wobei in der Regel nicht berücksichtigt wird, daß solche Ereignisse unterschiedliche individuelle Bedeutungen haben können. So kann zum Beispiel ein Ereignis, dem ein Außenstehender kaum Bedeutung beimessen würde, für den Betroffenen eine hohe symbolische Relevanz besitzen.Google Scholar
  197. 193.
    Schütze 1984 (a), S. 82.Google Scholar
  198. 194.
    Schütze 1981, S. 86.Google Scholar
  199. 195.
    Ebenda, S. 90.Google Scholar
  200. 196.
    Schütze 1989, S. 31.Google Scholar
  201. 197.
    Ebenda, S. 31.Google Scholar
  202. 198.
    Schütze 1981, S. 146.Google Scholar
  203. 199.
    Schütze 1989, S. 53.Google Scholar
  204. 200.
    Schütze 1976, S. 7.Google Scholar
  205. 201.
    Schütze 1983, S. 285.Google Scholar
  206. 202.
    Vgl. hierzu Abschnitt 3.2. dieses Kapitels.Google Scholar
  207. 203.
    Gemäß dem Prinzip der Gestaltschließung muß der Informant den,, Gesamtzusammenhang und die einzelnen Situationen der erlebten Geschichte als Episoden oder historische Ereigniskonstellationen durch das Darstellen aller wichtigen Teilereigniszusammenhänge in der Erzählung repräsentieren“ (Schütze 1983 [a], S. 571). Der Kondensierungszwang „bewirkt, daß der Tendenz nach nur das Ereignisgerüst der erlebten Geschichte und das was zum Verständnis des Entstehens und der wesentlichen Folgen der Ereignisknotenpunkte unumgänglich ist, berichtet wird” (Schütze 1983 [a] S. 572). Der Detaillierungszwang entfaltet seine Wirkungskraft dadurch, daß der Erzähler die zwischen den darzustellenden Ereignispunkten liegenden Verbindungslinien insoweit entfaltet, daß der zuhörende Interaktionspartner dieses Ereignis in seiner zeitlichen, kausalen und intentionalen Verflechtung mit dem folgenden Ereignis nachvollziehen kann (vgl. Schütze 1982).Google Scholar
  208. 204.
    Die Zugzwänge des Erzählens entfalten ihren Wirkzusammenhang im ZusammenspielGoogle Scholar
  209. mit „kognitiven Figuren der Erfahrungsrekapitulation“, die als die „elementarsten Orientierungs-und Darstellungsraster für das, was in der Welt an Ereignissen und entsprechenden Erfahrungen aus der Sicht des persönlichen Erlebens der Fall sein kann und was sich die Interaktionspartner als Plattform gemeinsamen Welterlebens als selbstverständlich unterstellen” (Schütze 1984 [a], S. 80).Google Scholar
  210. 205.
    Schütze 1984 (a), S. 80.Google Scholar
  211. 206.
    Dies entspricht dem für biographische Stegreiferzählungen eigenen Mechanismus der Linearisierung, der „auf stetige Weise das in sich sequentiell geordnete und in der Erinnerung sequentiell gespeicherte Erfahrungsmaterial des Informanten über den thematisierten sozialen Prozeß zum Ausdruck“ bringt (Schütze 1987, S. 38). Dieser Darstellungsmechanismus der doppelten Linearisierung zeigt sich hinsichtlich der Auswahl und Formung der in Rede stehenden Gegenstände gleichsam selbstläufig. Keineswegs soll damit eine prinzipielle Gleichheit zwischen der tatsächlichen Ereignisabfolge, der Erfahrungsaufschichtung und der in der biographischen Erzählung dargestellten Ereignisabfolge behauptet werden. Vielmehr entfaltet der doppelt linearisierende Darstellungsmechanismus seine Wirksamkeit gleichsam selbstläufig hinsichtlich „Auswahl, Gestaltung und Verknüpfung seiner Präsentationsgegenstände”.Google Scholar
  212. 207.
    Schütze 1982, S. 575.Google Scholar
  213. 208.
    Ebenda, S. 575.Google Scholar
  214. 209.
    Beispiele für Rahmenschaltelemente sind die für die Einleitung von Segmenten typischen Rahmungen wie, „ja und dann…“ oder „dann passierte folgendes” etc., die den Übergang und Abschluß des vorlaufenden Ereignisses zum nächsten anzeigen (vgl. Schütze 1987).Google Scholar
  215. 210.
    Als nicht-narrative Teile der Darstellung werden insbesondere die durch höherprädikative Indikatoren angezeigten Teile relevant, wie argumentative Stellungnahmen als Ausdruck der theoretischen und evaluativen Haltung (vgl. Schütze 1987).Google Scholar
  216. 211.
    Hierzu zählen insbesondere die narrativen Rahmenschaltelemente, die den Abschluß und Übergang einer Darstellungseinheit anzeigen, sowie zeitliche Markierer (z. B. damals, heute, schon) und Verknüpfungsmodi (wie, weil, dann etc.).Google Scholar
  217. 212.
    Schütze 1983, S. 286.Google Scholar
  218. 213.
    Schütze 1981, S. 103.Google Scholar
  219. 214.
    Oevermann u. a. 1979, Oevermann 1980, 1983.Google Scholar
  220. 215.
    Die Rekonstruktionslogik der objektiven Hermeneutik ist dabei nicht an eine bestimmte Art des Protokolls gebunden, sondern sucht auch in den Spuren nicht forschungsmethodisch angeleiteter und erhobener Protokolle, wie Kunstwerken, die zugrunde liegende oder latente Sinnstruktur zu entziffern (vgl. Oevermann 1983, S. 269 f.).Google Scholar
  221. 216.
    Dem Latenzbegriff kommt der Status vorbewußter Regelstrukturen zu, die dem sozialen Handeln, subjektiven Entwürfen und ihren Präsentationsfiguren inhärent sind (vgl. Oevermann 1979, S. 383 f.)Google Scholar
  222. 217.
    Hier wäre die textgebundene Rückbezüglichkeit des Verfahrens, wie das Sparsamkeitspostulat als Regulativ überschüssiger Interpretationsphantasie, zu nennen.Google Scholar
  223. 218.
    Oevermann u. a. entwickelten ihre Methodologie zunächst bei der Analyse der Strukturierungseigenschaften sozialisatorischer Interaktion in Familien, bei der sie die Bedeutung der latenten Sinnstrukturen aufzeigten (vgl. Oevermann u.a 1979).Google Scholar
  224. 219.
    vgl. Oevermann u. a. 1979Google Scholar
  225. 220.
    Diese Position entspricht auch dem Vorgehen bei der fallinternen Kontrastierung (vgl. Kapitel III, 3.).Google Scholar
  226. 221.
    Vgl. Oevermann u. a. 1979 S. 366 f.Google Scholar
  227. 222.
    Ebenda, S. 366/367.Google Scholar
  228. 223.
    Vgl. hierzu auch die Einleitung zu Kap.III.Google Scholar
  229. 224.
    Zur Diskussion um einen veränderten Klassen-und Schichtbegriff im Kontext der Modemisierungs-und Individualisierungsdiskussion vgl. Berger 1987, Haller 1986, S. 167175Google Scholar
  230. 225.
    Vgl. hierzu auch den Aspekt des ungestörten ‘Sich Bedienen-Könnens’ im Rahmen der technischen Abwicklung zu Beginn des InterviewsGoogle Scholar
  231. 226.
    So klassifiziert er auch andere, wie seine erste Freundin nach der Kategorie des besonderen Herkunftsortes („ die erste Freundin die ich hatte die kam aus Heidelberg.“ [vgl. Segment 51).Google Scholar
  232. 227.
    Dies verweist auf die Problematik, wenn die Eigenmotivation des Jugendlichen zu einer Voraussetzung für die Aufnahme in ein Heim gemacht wird. Die Aufforderung, motiviert zu sein, wäre ebenso paradox wie die Aufforderung, spontan zu sein. Motivation kann also nicht verlangt werden. Andererseits sind nicht motivierte Jugendliche möglicherweise besonders schwierig. Vermutlich hat David diese Paradoxie pädagogischen Handelns in solchen Heimen ausgenutzt.Google Scholar
  233. 228.
    Vgl. hierzu die biographische Gesamtformung, Kap. 3.2.3.Google Scholar
  234. 229.
    Hier ergibt sich eine interessante Parallele zur Interventionspraxis der Mutter, die ihn gleichfalls nach den Motiven seines provokanten Handelns fragt („ warum tust Du mir das an“; vgl. Segment 15).Google Scholar
  235. 230.
    Vgl. hierzu auch das 19. Segment.Google Scholar
  236. 231.
    Ein Tilgen von vorhergehenden Formulierungen in der alltagssprachlichen Kommunikation erfolgt in der Regel durch Wiederholung des Satzes in der korrigierten Form oder aber durch die Wiederholung der zu korrigierenden Passage in der korrigierten Form.Google Scholar
  237. 232.
    Nicht auszuschließen, aber auch nicht zu belegen sind hier Phantasien, die im Zusammenhang seiner Impotenz stehen.Google Scholar
  238. 233.
    Im Vergleich etwa zu Institutionen, bei denen ein komplementärer Statusunterschied auftritt, wie Lehrer-Schüler, Erzieher-Heimzögling, Klinikpatient-Krankenhauspersonal.Google Scholar
  239. 234.
    Vgl. auch die Äußerung im Segment 32/2: David: „weil die Leute nett sind und ich mich doch sehr schnell mit denen angefreundet habe“.Google Scholar
  240. 235.
    Vgl. auch die Äußerung, nach der er nur den „ workaholic gespielt“ habe.Google Scholar
  241. 236.
    Siehe auch die folgende Äußerung im 29. Segment: „und wenn mein Matchbox-Auto ‘n Kratzer hatte… dann mußte ich s entweder neu lackieren oder wegschmeißen, aber es war nich mehr zu gebrauchen ne das ging also nich ich war da… fast perfektionssüchtig in der Richtung“.Google Scholar
  242. 237.
    Diese angenommene Anspruchshaltung von Frauen gegenüber Männern wird auch in einer früheren Darstellung Davids deutlich: „wenn se dann gehört haben wer ich eigentlich bin und daß ich eigentlich n kleiner Junge bin dann… war das natürlich doch nich mehr so toll und jede anfängliche Begeisterung… war sofort… schockiert und weg..“. Das Thema Impotenz wird hier noch nicht genannt, die entsprechende Darstellung erfolgt erst später. Andererseits läßt sich nur durch die Impotenz erklären, wie es bei diesen Frauen von der anfänglichen Begeisterung zum ‘Schock’ kam. Mit dem Alter allein kann dieser Wechsel nicht erklärt werden.Google Scholar
  243. 238.
    Konkurrenz und Wettbewerb spielen auch in Davids Kindheitsbeziehung zu Karls späterer Freundin eine Rolle (vgl. hierzu auch Segment 26).Google Scholar
  244. 239.
    Dies weist auf eine relativ hohe Erzählkompetenz von David hin, da er sich beim Erzählen gut in die Situation des Zuhörers hineinversetzen kann. Seine Erzählkompetenz zeigt sich auch darin, daß er trotz des komplexen Aufbaus seiner Gesamterzählung an unterbrochene Erzähllinien wieder anknüpft, also den ‘Faden’ nicht verliert.Google Scholar
  245. 240.
    Nach der Angaben des Großen Brockhaus (Wiesbaden, 1956, S. 302) betrug die Einwohnerzahl von Pommern 1933: 1,88 Millionen und 1939: 2,3 Millionen.Google Scholar
  246. 241.
    betrug die landwirtschaftliche Nutzfläche 57,9%, davon 46,3% Ackerland, 31,2% waren mit Forsten und Holzungen bedeckt (ebenda, S. 301).Google Scholar
  247. 242.
    Die Erkrankung des Großvaters war möglicherweise die Folge der für diese Generation typischen harten Aufbauarbeit während der Nachkriegszeit, oder die Spätfolgen schlechter Ernährung, Rauchens oder hohen Alkoholkonsums.Google Scholar
  248. 243.
    Vgl. zur Verwendung der gesinnungsgemeinschaftlichen Umgangsformen im Rahmen von Forschungsinterviews Oevermann 1988, S. 249 f.Google Scholar
  249. 244.
    Im psychoanalytischen Sinne ließe sich von einem Abwehrmechanismus der Verkehrung ins Gegenteil sprechen, um das Selbstbild auch angesichts der traumatischen Erfahrungen der Erniedrigung noch narzißtisch besetzen zu können (vgl. Anna Freud 1980).Google Scholar
  250. 245.
    In psychoanalytischer Deutungsperspektive ließe sich von einer Art ‘Deckerinnerung’ sprechen. Diese verbirgt und eröffnet zugleich einen latenten Sinngehalt, der für Sabine hohe Relevanz besitzt und nicht ohne die Herausstellung souveräner Handlungsanteile vorgestellt werden kann.Google Scholar
  251. 246.
    Auch in anderen Kontexten findet man die Kategorie „Alter“ oder „Alte”. So etwa lautet eine bekannte Fernsehserie über einen Kommissar und sein Mitarbeiterteam „Der Alte“. In diesen formalisierten Sozialbeziehungen beruflichen Handelns ist dies eine informelle kollegiale Insiderkategorie für den Vorgesetzten oder Chef.Google Scholar
  252. 247.
    Vgl. auch die Darstellung im folgenden 46. Segment, als Sabine schildert, wie sie dem Jugendlichen Sven einen Schlafplatz auf einer Luftmatratze zugewiesen habe.Google Scholar
  253. 248.
    Aufgrund der biographischen Daten und insbesondere dem Altersabstand der Kinder läßt sich schließen, daß die Eltern keinem geplanten Muster der Familiengründung gefolgt sind und auch die Geburt von Markus nicht intendiert war.Google Scholar
  254. 249.
    Möglicherweise war auch die Unterstützungsfunktion und -fähigkeit des mütterlichen Organismus aufgrund des Alters derselben eingeschränkt.Google Scholar
  255. 250.
    Es ist naheliegend, daß die Verweigerung von Leistungen dem Etikett der Verhaltensauffälligkeit subsumiert wird, die häufig eine schnelle Überführung in die Sonderschule legitimiert und nicht selten das mangelnde pädagogische Bemühen kaschiert, das zur dauerhaften Ausgrenzung beiträgt.Google Scholar
  256. 251.
    Auf die Dominanz des Fluchthandlungsschemas verweist auch der Versprecher in der Sequenz des biographischen Kommentars, in dem er davon spricht, daß die Eltern ihn nicht erziehen konnten, vielmehr habe er sich selbst „ erzogen“.Google Scholar
  257. 252.
    Marcus berichtet während eines späteren Treffens, daß die Eltern gläubig gewesen seien und zu Hause „ein kleiner Altar“ gestanden habe. So fallen auch die in der Familie vermittelten sowie die durch Einbindung in ein katholisch geprägtes außerhäusliches Milieu, wie der Teilnahme am Kommunionsunterricht, erworbenen moralischen Prinzipien nach dem Tod der Mutter einer anomischen Divergenz anheim.Google Scholar
  258. 253.
    In einem kurzen Kommentar bringt er zum Ausdruck, daß er die Hauptschule mit „ links“ hätte bewältigen und einen Hauptschulabschluß erreichen können.Google Scholar
  259. 254.
    Auch hier wird die Dominanz des Gestaltungsprinzips deutlich, es handelt sich primär um ein füllendes Ornament.Google Scholar
  260. 255.
    Indem er sich denjenigen zuordnet, die, indem sie „Scheiße schwallen“ die Wahrheit ausdrücken, folgt er nicht nur der vermeintlichen Perspektive der Vollzugsbeamten, sondern zugleich einer „nicht verschleiernden” Häßlichkeitsästhetik, wie sie etwa auch bei skinheads vorfindbar ist.Google Scholar
  261. 256.
    Ein analoges Schema der Gegenüberstellung einer kindlich-spielerischen und reiferen erwachsenen Perspektive ist bereits hinsichtlich der Gewichtung der Delikte zu Beginn der Darstellung sichtbar geworden.Google Scholar
  262. 257.
    Hier stellt sich auch die Frage, welchen Beitrag zur Integration marginalisierter Jugendlicher der Jugendstrafvollzug zu leisten imstande ist. Bei Marcus kam es lediglich zu einer Vermittlung in eine Institution der beruflichen Bildung nach Verbüßung der Haft, nicht jedoch zu einer vorbereitenden oder auf die nach der Entlassung bezogenen Ausbildung während der Inhaftierung.Google Scholar
  263. 258.
    Es stellt sich die Frage, warum die Mutter die sexuellen Annäherungen des Vaters nicht frühzeitig bemerkte. Hierüber läßt sich nur spekulieren, etwa derart, daß die Mutter selbst eindeutigere Hinweise auf die väterlichen Übergriffe nicht wahrnahm, weil die „ Inzestschranke“ im Milieu ihrer Herkunftsfamilie gleichsam geöffneter und sie selbst davon betroffen war, möglicherweise „opferte” sie die Tochter, um sich selbst vor den sexuellen Zugriffen des Mannes zu schützen. Wenn sich auch über die Gründe keine hinreichenden Aussagen machen lassen, so bleibt das Thema ihrer „ latenten Duldung“ für Ann-Kathrin doch nach wie vor bedeutsam.Google Scholar
  264. 259.
    Vor dem Hintergrund des katholisch geprägten dörflichen Milieus, in das die Familie eingebunden ist, könnten Überlegungen über die materiellen Folgen sowie der Veröffentlichung eines sexuellen Mißbrauchs der Tochter durch den Vater, die zu einer moralischen Verurteilung der gesamten Familie und insbesondere der Mutter führen könnten, eine zusätzliche Rolle gespielt haben.Google Scholar
  265. 260.
    Es zeigt sich insoweit eine weitere Parallele zur Situation in der Familie, wo sie gleichfalls in eine Konkurrenzsituation zur Mutter gedrängt wurde. In Falle der Auseinandersetzung mit der Erzieherin könnte gleichfalls eine latente Konkurrenzsituation vorliegen, wobei die Erzieherin im Falle einer Schwangerschaft Ann-Kathrins gleichsam ins „Hintertreffen“ geriete und auf der von dem Mann benannten „ kindlichen Stufe” verbliebe.Google Scholar
  266. 261.
    Vgl. hierzu die Analyse der objektiven Daten zu den Einzelfallstudien David und Sabine in Kap.III, Abschnitt 2.1.1. sowie 2.2.1.Google Scholar
  267. 262.
    Vgl. zur Interpretation einer Familieninteraktion nach den Prinzipien der objektiven Hermeneutik Oevermann et al. 1976, S. 371 ff.Google Scholar
  268. 263.
    Vgl. zur allgemeinen Bedeutung der Familie auch Kap. III, Abs. 3.3Google Scholar
  269. 264.
    Unter Bezugnahme auf die psychoanalytische Objektbeziehungstheorie (Jacobson 1978) könnte man auch davon sprechen, daß hier die Möglichkeit der Verbindung und Ausdifferenzierung von Selbst-und Objektrepräsentanzen eingeschränkt ist, daß es nicht zur Ausbildung einer die guten und bösen mütterlichen Objektrepräsentanzen integrierenden Objektkonstanz kommt und diese für imäginäre Schließungen offenbleibt. Vor diesem Hintergrund könnte, einer weitreichenden Interpretation folgend, hier auch ein moralisch widersprüchlicher Entwurf eines Bildes der Mutter als „Hure“ und „Heiliger” — gemäß einer Geburt im Kloster — angedeutet werden. vgl. hierzu auch Rohde-Dachser (1983), die im Zusammenhang der für die Borderline-Struktur typischen Entgegensetzung von gut und böse auf den Abwehrmechanismus der Spaltung in „’gute a-sexuelle’ und ‘böse sexuelle’ Eltern“ (Rohde-Dachser 1983, S. 131) hinweist.Google Scholar
  270. 265.
    Auch hier lassen sich Parallelen zu psychoanalytischen Theorien finden. So sieht Rauchfleisch (1981) in den Kontaktstörungen „Dissozialer“ die anhaltende Ambivalenz zwischen Idealisierung anderer, leichter Enttäuschbarkeit und Kränkung und dem Verlangen nach Zuwendung: „Zeigt ein zunächst idealisierter, ganz ‘guter’ Partner auch nur die geringste ’Schwäche’, kommt es auch nur zu der geringsten Versagung, so bricht der Dissoziale lieber — mit dem Erleben einer narzißtischen Kränkung — diese Beziehung ab, als erleben zu müssen, daß die gleiche Person sowohl ’böse’ als auch ‘gute’ Seiten besitzt” (ebenda, S. 92). Andererseits zeigt sich „das unstillbare, oft fast süchtige Verlangen nach Zuwendung und Bestätigung“ (ebenda, S. 91).Google Scholar
  271. 266.
    Vgl. hierzu auch die Fallstudie Sabine SchneiderGoogle Scholar
  272. 267.
    Die Namensgleichheit ihres neuen Freundes und späteren Ehemanns und des Freundes der Mutter soll hier keinesfalls zwingend im Sinne einer kausalen Determination verstanden werden, schließlich ist eine zufällige Übereinstimmung nicht auszuschließen. Bezüglich der in der Namensgleichheit zum Ausdruck kommenden symbolischen Analogie sind jedoch Merkmalsanalogien deutlich zu erkennen.Google Scholar
  273. 268.
    Die Nachricht über den gewaltsamen Tod von Nicole erfuhr ich durch eine Mitarbeiterin des Heimes, die den Kontakt zu ihr hergestellt hatte.Google Scholar
  274. 269.
    Vgl. Kap. III, Abschnitt 2.3.2.Google Scholar
  275. 270.
    Der Begriff der Engramme kennzeichnet nach Lorenzer „die Niederschrift der visuellen, taktilen, akustischen Eindrücke“ (Lorenzer 1986, S. 42), die als Erinnerungsspuren im Sinne unbewußter Praxisanweisungen fungieren.Google Scholar
  276. 271.
    Es erfolgte hier eine Anonymisierung, da dieser Ort unmittelbar mit einem über die Grenzen der Region hinaus bekannten Frauengefängnis im Zusammenhang steht.Google Scholar
  277. 272.
    Daß derartige idealisierte Entwürfe im Sinne biographischer Handlungsschemata ihre Wirkkraft entfalten, wird daran deutlich, daß Britta tatsächlich ihre Ausbildung als Schlosserin für ein halbes Jahr unterbricht, um gemeinsam mit ihrem Freund eine große Fahrt auf dem Motorrad durch Amerika zu unternehmen. Diese Information habe ich nachträglich von dem Leiter der Ausbildungsstätte erhalten.Google Scholar
  278. 273.
    Der Zeitpunkt dieser Eskalation mag darauf hindeuten, daß es sich um eine tendenziell inzestuöse Problematik handelt, in der der Vater nahezu eifersüchtige Gefühle gegenüber dem Freund der Tochter zeigt.Google Scholar
  279. 274.
    Eine derart erfahrene Gleichgültigkeit oder frühzeitig bestehende Ablehnung könnte auch zur Auseinandersetzung mit der Frage führen, ob man als Kind erwünscht war oder nicht. Des weiteren macht die vorliegende Textstelle auf eine für die Eltern-Kind-Beziehung bedeutsame Entwicklungsphase des Kindes aufmerksam. Die ersten Schritte einer eigenständigen Erkundung und das neugierige Zugehen auf Unbekanntes fordern von den Eltern eine hohe Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung mit der „Eigenwilligkeit“ des Kindes. Bei Sabine Schneider läßt sich im Hinblick auf ihr eigenes Kind zeigen, daß gerade in dieser Phase, in der eine größere Eigenständigleit des Kindes die Aufmerksamkeit und Geduld fordert, die Trennung und Weggabe des Kindes erfolgt.Google Scholar
  280. 275.
    Bourdieu/Patterson 1971, S. 178.Google Scholar
  281. 276.
    Vgl. hierzu Friebel 1987, S. 354.Google Scholar
  282. 277.
    Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist gekennzeichnet durch eine Rollenförmigkeit, wobei die Schüler jedoch aufgrund ihrer noch nicht abgeschlossenen Persönlichkeitsentwicklung nicht das Gegenüber einer ausgeformten Rollenbeziehung sein können. Die Lehrer-Schüler-Interaktion ist eine widersprüchliche Einheit von diffusen und spezifischen Sozialbeziehungen (vgl. Oevermann 1981, S. 30 f.). Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, daß Kinder ihren Lehrern wie den eigenen Eltern gegenübertreten und den affektiven und wertschätzenden Aspekten des Lehrerhandelns eine besondere Aufmerksamkeit schenken.Google Scholar
  283. 278.
    Die Neugier des Kindes wäre nach Oevermann das Äquivalent für den Leidensdruck des Patienten im medizinischen Arbeitsbündnis, da man bei einem jüngeren Schüler ein längerfristiges Ausbildungsziel noch nicht voraussetzen kann.Google Scholar
  284. 279.
    Hierbei handelt es sich idealerweise um eine Habitusformation dergestalt, daß das Prinzip der fallrekonstruktiven und stellvertretenden Arbeit des Lehrers gleichsam als verinnerlichte und in der Praxis erworbene latente Sinnstruktur zur Anwendung gebracht wird. Dieser verinnerlichten Haltung entspräche ein Bemühen um die Annäherung an den Idealtypus und dem gleichzeitigen Wissen, daß sich dieses gleichermaßen an der Praxis bricht und dort konkrete Gestalt annimmt.Google Scholar
  285. 280.
    Ich beziehe mich in diesem Kapitel auf mündliche Ausführungen von Oevermann, Vorlesung zur Professionalisierungstheorie, unveröffentlicht.Google Scholar
  286. 281.
    Vgl. Brunkhorst 1992, S. 66.Google Scholar
  287. 282.
    Von einer solchen sozialen Konstruktion kann man selbst in den Fällen sprechen, in denen die Intelligenz der Schüler für eine ‘normale’ Schulausbildung nicht ausreichte und eine Umschulung in die Sonderschule erfolgte. In anderen Fällen wird das Schulversagen gleichermaßen durch psychische Probleme des Kindes im Elternhaus, aber ebenso durch Beziehungsprobleme in der Schule mitbedingt oder zumindest verstärkt. Die Schule reagiert auch in diesen Fällen häufig primär administrativ, etwa indem sie eine Überweisung in die Sonderschule erwägt, initiiert oder mit anderen Sanktionen (zum Beispiel Schulverweis) reagiert. Man versucht so, sich schwieriger Schüler, die sich schlechter disziplinieren lassen, zu entledigen. Dies entspricht nach Oevermann nicht selten einem „Wegdelegieren“ der pädagogischen Problemfälle an die Sonderschule. Dies ist ein Ausdruck dafür, daß die prophylaktisch-therapeutische Funktion des Lehrerhandelns verleugnet wird. Die Sonder-und Heilpädagogik, in der diese therapeutische Funktion ein zentraler Bestandteil ist, wird dagegen häufig aus der Normalpädagogik ausgegliedert (Oevermann, Vorlesung zur Professionalisierungstheorie, unveröffentlicht).Google Scholar
  288. 283.
    Aus interaktionstheoretischer Perspektive ließe sich von einer indirekten „Handlungsanweisung“ an die Lehrerin im Kontext einer komplementären Beziehung sprechen, die durch die Tat provoziert wird. Haley sieht eine komplementäre Beziehung dann vorliegen, „wenn jemand einem anderen gestattet oder ihn zwingt, eine Beziehung auf bestimmte Weise zu definieren, definiert er selbst auf höherer Ebene die Beziehung als komplementär” (Haley 1978, S. 25). Damit wird gleichsam eine „metakomplementäre“ Beziehungsebene geschaffen (vgl. ebenda). Inwieweit es sich um eine latente oder unbewußte Inszenierung handelt, darüber vermag die Kommunikationstheorie keine Angaben zu machen.Google Scholar
  289. 284.
    Gemäß den Aufgaben der öffentlichen Jugendhilfe nach dem Jugendwohlfahrtsrecht sollen die Maßnahmen die in der Familie begonnene Erziehung unterstützen und ergänzen. Dabei ist hinsichtlich Freiwilligkeit, rechtlicher und organisatorischer Zuständigkeit zwischen Hilfen zur Erziehung, der freiwilligen Erziehungshilfe und Fürsorgeerziehung zu unterscheiden (vgl. hierzu Mollenhauer 1987).Google Scholar
  290. 285.
    Vgl. hierzu Kap. I., Abschnitt 3.1.Google Scholar
  291. 286.
    Schütze 1985Google Scholar
  292. 287.
    Das Prinzip der Unkündbarkeit von familialen Beziehungen hat auch dann Bestand, wenn sich die Eltern trennen, denn auch angesichts einer Scheidung der Eltern wird die unaufhebbare Besonderheit der Eltern-Kind-Beziehung nicht getilgt.Google Scholar
  293. 289.
    Der Sachverhalt, daß eine derartige Verläßlichkeit in vielen Familien nicht gewährleistet ist, steht nicht im Widerspruch zu dieser These, denn das Fehlen derselben wäre geradezu ein Indikator für eine Störung der familialen Beziehungen.Google Scholar
  294. 289.
    Die Gestaltung der Familienbeziehungen nach universalistischen Kriterien, wie die Einführung erprobter Erziehungsprogramme in die Familienbeziehung, käme der Auflösung der naturwüchsigen Beziehungen gleich und entspräche nach Oevermann (1991) einer Form der Versozialwissenschaftlichung autonomer Lebenspraxis.Google Scholar
  295. 290.
    Zum Fall Esra siehe auch Helsper u. a. 1991, S. 73–101.Google Scholar
  296. 291.
    Es läßt sich allerdings aufgrund der Darstellung nicht eindeutig klären, ob nicht etwa ein gestuftes Modell der Ausgangsregelungen bestand, wonach dem „Neuankömmling` erst nach einer gewissen Zeit seines Aufenthaltes die verlängerten Ausgangszeiten zugestanden wurden. Wenn dem so wäre, bleibt die Frage zu stellen, inwieweit sie einerseits mit derartigen Regeln des Lebens in der Wohngemeinschaft vertraut gemacht worden ist. Zum anderen böte sich geradezu an diesen Punkten der Auseinandersetzung um die Ungleichbehandlung für sie die Möglichkeit, das bereits angekündigte Mißlingen der Maßnahme im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zuverifizieren.Google Scholar
  297. 292.
    Einen weiteren Bedeutungszusammenhang des Fluchthandlungsschemas verdeutlicht Gabi in einer eingelagerten Hintergrundskonstruktion, wo sie der Beziehung zwischen ihrer Schwester und der Mutter insoweit eine besonderer Bedeutung beimißt, als die Schwester sich mit der Mutter nicht verstanden und sich der Eindruck bei dieser verfestigt habe, das schwarze Schaf“ in der Familie zu sein. Diese Auffassung ist verknüpft mit der Tatsache, daß die Schwester als einzige in der Familie keine roten, sondern braune Haare habe, was zugleich die Frage nach der Herkunft der besonderen Merkmale aufwirft. Die SpannungGoogle Scholar
  298. zwischen der Mutter und der Schwester wird von Gabi ursächlich auf den phantasierten Selbststigmatisierungsprozeß der Schwester zurückgeführt, wodurch die Mutter selbst tendenziell in Schutz genommen wurde. Man kann diese Phantasie als Ausdruck einer Situation interpretieren, die aus einer Enttäuschung gegenüber der Mutter und aus Aggressionen gegen sie entstanden sein könnte. Aufgrund ihres abweichenden Aussehens mag sich die Schwester besonders als Projektionsfigur für negative Aspekte der Familie eignen. Solche Gefühle verfestigen sich insbesondere dann, wenn eine tatsächliche Ablehnung von seiten der Mutter besteht. Dieser Zusammenhang wird jedoch als „eingeredet“ dem besonderen subjektiven Erleben der Schwester zugeordnet. Gabi könnte hier, gleichsam im Sinne einer Deckerinnerung, auch eigene Gefühle gegenüber der Mutter darstellen, die sie in Bezug auf sich selbst nicht zuläßt. Die Ausblendung dieser Aspekte wäre insoweit zugleich eine Bedingung der Möglichkeit für eine häufige Rückkehr zur Mutter, obwohl sie von dort immer wieder weggeschickt wird.Google Scholar
  299. 293.
    Vgl. Kap. III, Abschnitt 3.2, Segment 15 der strukturell-inhaltlichen Beschreibung.Google Scholar
  300. 294.
    Vgl. Portrait Ann-Kathrin, Kap. 3.4. Der Übergang ins Heim evoziert einen Wandlungsprozeß, den Ann-Kathrin mit den Worten charakterisiert: „… aber auch so… ich hab halt gemerkt ich wurde dann immer rabiater weil das in dem Heim da is so die Technik also entweder schlagen oder geschlagen werden.“Google Scholar
  301. 295.
    Vgl. Portrait Ann-Kathrin, Kap. 3.4.Google Scholar
  302. 29.
    Zugleich könnte der Vorwurf, sich nicht so anzustellen, in seiner Latenten Bedeutung den Überredungsversuchen des Vaters während seiner sexuellen Übergriffe in der Familie entsprechen, gegen die sie sich nunmehr gleichsam vehement zur Wehr setzt. Auch in den späteren Ausbildungsverhältnissen wehrt sie sich gegen Formen der Unterordnung, Funktionalisierung und Vereinnahmung.Google Scholar
  303. 297.
    Auch zu Hause mußte sie sich vor den sexuellen Übergriffen des Vaters dadurch schützen, daß sie sich nach Möglichkeit nicht allein zu Hause aufhielt; vgl. Portrait Ann-Kathrin, Kap. III, 3.4.Google Scholar
  304. 298.
    Hier läßt sich die Frage anschließen, welche bewußten und unbewußten Motive zu einem derartigen Kompromiß geführthaben. So könnte es sein, daß eine derartige „kündbare Mütterlichkeit“ in bestimmten persönlichkeitsspezifischen Ambivalenzen begründet ist.Google Scholar
  305. 299.
    Der „Eltemschaft auf Probe“ begegnen die „Kinder auf Probe” vermutlich mit einer strategischen Handlung, da sie sich ja noch bewähren müssen.Google Scholar
  306. 300.
    Die vielschichtigen Widersprüchlichkeiten der familienanalogen öffentlichen Erziehung verstärken sich besonders dann, wenn die Autonomie der „Familie“ mit einem gleichsam verordneten Expertenstab von Therapeuten, externen Erziehern, Supervisoren Und anderen „ angereichert” wird.Google Scholar
  307. 301.
    Vgl. zu den „coolen“ Selbstdarstellungsversuchen von Heimjugendlichen auch Landenberger/Trost 1988.Google Scholar
  308. 302.
    Nach Mead (1969) kennzeichnet man mit diesem Begriff Vorstellungen und Bilder, die anderen Mitgliedern der Gesellschaft in Bezug auf die eigene Person unterstellt werden. Hier läge eine Analogie zu der im Roman „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ von Mark Twain geschilderten Geschichte um Tom Sawyer vor, der mit seinem Freund Huck für mehrere Wochen verschwindet und als verschollen gilt. Dabei versäumt er es nicht, sich abends dem großmütterlichen Haus zu nähern und sich der Trauer der Nahestehenden über sein Verschwinden zu versichern.Google Scholar
  309. 303.
    Vgl. hierzu Olk/Otto 1989, Schütze 1984.Google Scholar
  310. 304.
    Dieser Begriff stammt von Schütze.Google Scholar
  311. 305.
    Eine derartige habitualisierte Sachwalterfunktion besteht auch unabhängig davon, ob es den Betreffenden bewußt ist oder nicht.Google Scholar
  312. 306.
    Zwar üben auch die klassischen Professionen, etwa Staatsanwälte, im gesellschaftlichen Auftrag soziale Kontrolle aus, sie haben aber in diesem Fall kein Arbeitsbündnis mit dem Klienten. Vgl. zu den strukturellen Paradoxien des erzieherischen Handelns der öffentlichen Erziehung im Zusammenhang ihrer rechtlichen Verankerung auch die Arbeit von Rehbein 1980.Google Scholar
  313. 307.
    Bettelheim 1987, S. 19.Google Scholar
  314. 308.
    Damit ist gemeint, das die Handlungen der Jugendlichen einer verdeckten Registrierung unterliegen können, ohne daß der Betreffende davon Notiz nimmt. Um so überraschender, hart und unverständlicher erscheint dann eine negative Sanktion auf das erneute „Bagatellhandeln“.Google Scholar
  315. 309.
    Die religiös motivierten Erzieher finden sich bei Mönchen, Nonnen, Diakonissen und Pfarrern, die ihr Leben Gott und der Nächstenliebe widmen.Google Scholar
  316. 310.
    Gleiches gilt für die Professionalisierungsbedürftigkeit des Sozialarbeiters, dessen Arbeit ein hohes Maß an Kompetenz erfordert. Auch hier wäre eine wissenschaftliche Ausbildung bei gleichzeitiger Umstrukturierung der Berufsfelder wie der personellen Trennung kontrollierender und sozialtherapeutischer Funktionen notwendig. Die Wissenschaftlichkeit der Sozialarbeit entbehrt allerdings noch einer Grundlagenwissenschaft und wissenschaftlichen Methodik, die etwa auf eine Analyse sozialer Problemlagen und die Diagnose psychosozialer Beziehungskonstellationen ausgerichtet ist. Gleichermaßen wäre ein erweiterter praktischer Handlungsspielraum notwendig, der z. B. die Schweigepflicht, die Entbindung von der Amtshilfe, eine kollegiale statt institutionelle Kontrolle ermöglicht und die Einsozialisation in eine professionelle Praxis eröffnen könnte.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Eberhard Nölke
    • 1
  1. 1.Frankfurt/MainDeutschland

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