Advertisement

Einleitung

  • Eberhard Nölke
Chapter
Part of the DUV: Psychologie book series (DUVP)

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, anhand biographisch-narrativer Interviews mit Jugendlichen gescheiterte Bildungsverläufe und Prozesse der Marginalisierung zu rekonstruieren.2 Marginalisierung als zu rekonstruierender biographischer Prozeß soll dabei unter Berücksichtigung seiner fallspezifischen Komplexität so erfaßt werden, daß das Wechselspiel und Ineinandergreifen von milieuspezifischen Strukturen, familialen Sozialisationsprozessen, Bildungs- sowie öffentlichen Erziehungsmaßnahmen prozessual in den Blick gerät. Ein solch umfassender und detaillierter Rückgriff auf Biographien erfolgt nicht voraussetzungslos, sondern steht im Zusammenhang mit der These, daß die umfassenden gesellschaflichen Rationalisierungs- und Individualisierungsprozesse ein individuelles und institutionelles Konflikt- und Widerspruchspotential hervorbringen, das den sinnstiftenden Bezug auf tradierte Muster der Lebensführung erschwert und den einzelnen ein hohes Maß an selbst zu verantwortender biographischer Planung auferlegt. Die Notwendigkeit, in selbstreflexiver Vergegenwärtigung die biographischen Entwürfe ins Verhältnis zu den institutionellen Möglichkeiten zu setzen, stellt eine zentrale Aufgabe jugendlichen Aufwachsens und ein verändertes Anforderungsprofil für Eltern und Erziehende dar. Inwieweit die Freisetzung aus tradierten Bezugssystemen, die abnehmende Orientierungsverbindlichkeit und wachsende Bedeutung biographischer Orientierungsleistungen bei einem gleichermaßen sich ausdifferenzierenden Angebot an institutionellen Hilfeangeboten eine Erweiterung der Autonomiepotentiale oder ein Potential für steigende Anfälligkeit und Überforderung darstellt, kann nicht ohne Bezugnahme auf die in den unterschiedlichen sozialen Milieus, Familien, Bildungs-und Erziehungseinrichtungen bestehenden typischen Strukturen, Zwänge und Handlungsressourcen entschieden werden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Eberhard Nölke
    • 1
  1. 1.Frankfurt/MainDeutschland

Personalised recommendations