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Zur Theorie und Praxis Einer Interventionsstudie und Deren Auswertung

  • Uwe Raven

Zusammenfassung

Die hier in Rede stehende Interventionsstudie versteht Intervention als pädagogisches Handeln im Rahmen universitärer Sozialisation. Obwohl dieses Handeln auf die Behebung eines defizitären Entwicklungsmodus professioneller Moral zielt, kann nicht von therapeutischem Handeln gesprochen werden. Die hier getroffene Unterscheidung in pädagogisches Handeln und therapeutisches Handeln (89) wird eingeführt, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse der Studie als für die Ausbildung von Ärzten unmittelbar relevant zu kennzeichnen. Etwaige Schlußfolgerungen aus den zu erwartenden Ergebnissen können somit in ihrer unmittelbaren curricularen Wirksamkeit diskutiert werden. Während eine therapeutische Intervention auf das Beheben singulärer subjektbezogener Entwicklungsdefizite und Störungen abzielt, wird mit einer pädagogischen Intervention, sozusagen exemplarisch, zukünftiges pädagogisches Handeln in der Normalsituation der ärztlichen Ausbildung antizipiert, soweit dies den Gegenstand der professionellen Moral betrifft. Es geht hier also nicht um die „Ausnahme“, sondern vielmehr um Verbesserung der zukünftigen „Regel“.

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Literatur

  1. Zur Klarstellung der begrifflichen Differenz von “Sozialisation” und ‘Therapie“ - mithin auch von ”pädagogischem“ und ”therapeutischem Handeln“ - unterscheidet BUR-KART:” a) Sozialisation ist Kompetenzerwerb, die sozialisatorische Beziehung ist die zwischen dem (kompetenten) Lehrenden und dem (noch nicht kompetenten) Lernenden. b) Sozialisation ist nicht Therapie, der therapeutische Prozeß wird der professionellen Beziehung zwischen Therapeut und Klient zugeordnet“ (BURKART 1980, S. 49).Google Scholar
  2. (90).
    BEBEAU referiert hier Ergebnisse einer Studie von J. G. ODOM: Formal Ethics Instruction in Dental Education. J. Dent. Educ. 46 (9) (1982), p. 553–557.Google Scholar
  3. (91).
    KRESS, G. C.: The Impact of Professional Education on the Performance of Dentists. In: COHEN, L. K/BRYANT, P. S. (Eds.): Social Sciences in Dentistry A Critical Bibliography. Vol. II, London 1984, 323–326.Google Scholar
  4. (92).
    Nach E. D. PELLEGRINO “Medicine is at heart a moral enterprise (…) since it has always been directed towards the good of someone needing help”. (Vgl. o. N.: Teaching Medical Ethics. South African Medical Journal 52 (1978), 884–885). “The end of medicine, its justifying principle, is, in the final analysis, a moral one, dealing with the ‘good’ of a person seeking help” (PELLEGRINO 1979, p. 47 ).Google Scholar
  5. (93).
    Wie oben bereits gesagt, bedarf der Umgang mit Leben und Tod, Schmerz und Leid, Schneiden und Stechen einer besonders legitimierten Normativität, und es ist die komplizierende Eigenart dieses Handlungsfeldes, daß die Kontrolle der Einhaltung der Nonnen größtenteils der Gruppe übertragen ist, ja aus gewissen sachlichen Notwendigkeiten heraus übertragen werden muß, die diese Handlungen selbst vollzieht. Kein Wunder also, daß das Handlungsfeld des Mediziners - von alters her mit Problemen des Berufsethos vertraut - auch zu gegenwärtigen Zeiten auf handlungsorientierte Kritik reagieren muß.Google Scholar
  6. (94).
    Vgl. REST, J. R.: ‘Morality’. In: MUSSEN, P. (Ed.): Manual of Child Psychology. Vol. 3, Cognitive Development, eds. J. FLAVELL and E. MARKMANN. New York 1983, und REST, J. R.: Ein interdisziplinärer Ansatz zur Moralerziehung und ein Vierkomponenten-Modell der Entstehung moralischer Handlungen. In: OSER, F./ALTHOF, W./ GARZ, D. (Hrsg.): Moralische Zugänge zum Menschen–Zugänge zum moralischen Menschen. München 1986, 20–41.Google Scholar
  7. (95).
    Zwar sind “Krankengeschichte” und “Patient” simuliert, die “residents” reagieren jedoch in real-life-Manier. “If a doctor is accustomed to treating patients in a certain manner he cannot suddenly change in front of our cameras” (CANDEE 1982, p. 3-B; dt. überarbeitete Fassung in OSER et al. (Hrsg.) 1986, “Klassische Ethik und Behandlungssimulationen: Moralische Erziehung in der medizinischen Fortbildung). Interessant ist hier noch, daß die ”patient simulations“, die ursprünglich als ”Werkzeuge der Forschung“ entwickelt wurden, sich als von extrem hohem erzieherischen Wert erweisen. Die Möglichkeit nämlich, daß die Studenten ihre eigene Behandlungssituation beobachten können, eröffnet ihnen die Chancen, aus ihren Fehlern zu lernen. CANDEE subsumiert diese Chancen, die letztlich durch die Arzt-Patient-Beziehung bedingt sind und sich dadurch vom typischen ”setting of a moral discussion“ unterscheiden, unter den Begriff ”moral negotiation“. ”Such behavior requires more than simply communication skills on the one hand, and more than simply moral reasoning skills on the other. A good professional-client interaction involving morally problematic issues requires the professional to be aware of his own moral position, to be attuned to the often ill-articulated moral position of his client, and to meet his client’s goals within the limit of his own principles. It is this process that we call ‘moral negotiation’“ (ebd. p. 3-B).Google Scholar
  8. (96).
    Vgl. auch SHEEHAN, T. J./CANDEE, D./WILLMS, J. DONELLY, J. C./ HUSÏLD; S. D. R.: Structural Equation Models of Moral Reasoning and Physician Performance. In: Evaluation and The Health Professions 8, 1985, 379–400.Google Scholar
  9. (97).
    Zur Entwicklung des “DEST” vgl. auch YAMOOR/BEBEAU/REST (o. J.) und BEBEAU/REST/YAMOOR (1985).Google Scholar
  10. (98).
    Zur Beschreibung des Realtyps dieses Curriculums vgl. den Exkurs: “Professional Responsibility Curriculum” der University of Minnesota School of Dentistry in Kapitel IV dieser Arbeit.Google Scholar
  11. (99).
    Eine Begründung dafür gibt BEBEAU im folgenden Zitat. Zum besseren Verständnis sei hier noch angemerkt, daß BEBEAU - analog dem Vierkomponenten-Modell - von “ability 1–4” spricht, mit denen der “competent, morally responsible professional” ausgestattet sein soll. “While no activity addresses one ability to the exclusion of others, more attention is give to ability 2, because much more is known about its relationship to moral behavior. Research indicates that gains in moral reasoning tend to be retained and are cumulative ” (BEBEAU 1985, p. 237 ).Google Scholar
  12. (100).
    Das von BEBEAU in dem bereits zitierten Artikel “Teaching Ethics in Dentistry” skizzierte Kurs-und Evaluationsprogramm bezieht sich sehr stark auf das von Marcia MENTKOWSKI et al. entwickelte Erziehungsprogramm des Alvemo Colleges. (Vgl.: M. EARLEY, M. MENTKOWSKI and J. SCHAFER Valuing at Alvemo: The Valuing Process in Liberal Education, 1980.)Google Scholar
  13. (101).
    Im Rahmen des Kapitels IV “Konsequenzen für die Ausbildung von Medizinern und die Möglichkeit der Entwicklung einer ‘professionellen Moral’” werde ich auf das “Professional Responsibility Curriculum” in einem Exkurs ausführlicher eingehen.Google Scholar
  14. (102).
    Den Kern dessen, was das Bemühen um eine “gerechte Lösung” heißt, hat Nona LYONS (1982) prägnant formuliert: “To treat others as you would be treated demands distance, objectivity. It means disembedding oneself from a situation, making sure each person is treated equally” (p. 23).Google Scholar
  15. (103).
    Was bei einem Entscheidungskonflikt die Berücksichtigung von “persönlichen Kosten” bedeutet, sieht LYONS wie folgt: “To work out the least painful alternative for all involved means to see the situation in its context, to be in and work within an existential reality, and to be sure you really know what is going on” (ebd. p. 23).Google Scholar
  16. (104).
    Diese Idee wurde von BERKOWITZ in Zusammenhang mit seinem Ansatz der Initiierung transaktiver Diskurse entwickelt (BERKOWITZ 1986).Google Scholar
  17. (105).
    Gerade bezüglich der technischen Probleme muß festgehalten werden, daß die Studie unter nicht optimalen Bedingungen durchgeführt werden konnte. Als erziehungswissenschaftlicher “Einzelkämpfer” im medizinalen Umfeld war ich mehr geduldet und konnte schon gar nicht mit einem interdisziplinären Arbeitsklima, wie es James R. REST beschreibt (vgl. REST 1986), rechnen. Fairerweise muß jedoch gesagt werden, daß vereinzelte ärztliche “Kollegen” der Arbeit mit Interesse begegneten. Weitere Probleme resultierten aus der Bedingung der Probanden, nur während der Dienstzeit mitarbeiten zu können. Damit waren Zeit-und Terminprobleme vorprogrammiert, denn die Unwägbarkeiten in einem Klinikbetrieb - noch dazu, wo die Teilnehmer sich aus drei verschiedenen Abteilungen des Hauses rekrutierten - schlugen immer wieder auf die gemeinsame Terminplanung durch.Google Scholar
  18. (106).
    BLATT/KOHLBERG betrachten Ergebnisse von weniger als 50 MMS-Punkten bzw. einer halben Stufe als nicht hinreichend signifikant. Andererseits berichtet SCHLÄFLI (1986) über Interventionsstudien, die mit dem KOHLBERGinterview ausgewertet wurden, von einer Erfolgsquote von 60%, wobei diese als signifikant bezeichneten Studien nur einen Anstieg von durchschnittlich 15–35 MMS-Punkten verzeichneten (vgl. ebd., S. 60 f.). Die aus diesen Zahlen sprechende Vorliebe amerikanischer Forscher für klassisch-methodische Ideale (Interview/Test-“Gläubigkeit”) reduziert das Verständnis von Interventionsergebnis - insbesondere in seiner Ausdrucksform MMS - im Grunde auf “vollzogene Entwicklung”, das “Auf-den-Weg-Bringen” von Entwicklung im Sinne eines pädagogisch-mäeutischen Prozesses gerät dabei als “Ergebnis” einer Intervention m. E. zu Unrecht aus dem Blickfeld des Interesses. Im übrigen folgen diese Wissenschaftler “den methodologischen und philosophischen Vorstellungen KOHLBERGs nicht, sondern verwenden das Interview zum moralischen Urteilen eher als Test denn als semi-hermeneutisches Verfahren, und sie sehen nicht, daß es losgelöst aus seinem Kontext rapide an Wert verliert” (GARZ 1984, S. 171 ).Google Scholar
  19. (1).
    Gemeint sind hier die den objektiv motivierten Äußerungen impliziten moralischen Regeln.Google Scholar
  20. (2).
    Da Hypothesen per se der Charakter des Vorläufigen anhaftet, macht sich dieser Begriff verdächtig, ein Pleonasmus zu sein. “Vorläufige Strukturhypothesen” sind es deshalb, weil sie vom bisher interpretierten Text noch nicht hinreichend abgesichert werden können. Der Prozeß, an dessen Ende eine gesicherte Strukturhypothese steht, wird mit dem Terminus “Strukturgeneralisierung” bezeichnet. (Vgl. KRIEG 1982, S. 99 ff.)Google Scholar
  21. (107).
    Eine Dokumentation der Transkripte der 2.-9. Treatmentsitzung im Anhang unterbleibt deshalb, weil diese Sitzungen ausschließlich der Stimulation der Entwicklung dienten und von vornherein nicht für eine Pretest-Posttest-Auswertung gedacht waren.Google Scholar
  22. (108).
    Diese “Als-ob-Handlungen” basieren auf einer doppelten Fiktion. Einerseits sind die Probanden gehalten, sich auf die Fallgeschichte einzulassen - so zu tun als ob ein real-lifeProblem vorläge -, andererseits sollen sie in ihren Stellungnahmen so tun, als ob sie bereits voll professionalisierte Zahnärzte wären (vgl. S. 100 ff.).Google Scholar
  23. (109).
    Vgl. hierzu den gegenwärtigen Forschungsstand zur “Urteil-Handeln”-Problematik: DOBERT/NUNNER-WINKLER (1978), BLASI (1980), REST (1986), ALTHOF/GARZ (1986), OSER (1987 a).Google Scholar
  24. (110).
    Vgl. hierzu den Diskurs zwischen OEVERMANN und TERHART in GARZ/KRAIMER 1983. Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzung war TERHART 1981.Google Scholar
  25. (111).
    Die latenten Sinnstrukturen einer Interaktion werden konstituiert im Zusammenspiel aller jener Regeln, die an der Erzeugung des Textes beteiligt sind. Es sind dies die universellen und einzelsprachspezifischen Regeln der sprachlichen Kompetenz auf den Ebenen der Syntax und der Phonologie, die Regeln einer kommunikativen oder illokutiven Kompetenz, die etwa in einer Universalpragmatik oder im Rahmen der Sprechakttheorie zu bestimmen wären, die universellen Regeln einer kognitiven und moralischen Kompetenz und die das sozio-historisch spezifische Bewußtsein des sozialisierten Subjekts konstituierenden institutionalisierten Normen, lebensweltspezifischen Typisierungen und Deutungsmuster - also Regeln unterschiedlicher gattungsgeschichtlicher oder historischer Reichweite der Geltung“ (OEVERMANN u. a. 1979, S. 387).Google Scholar
  26. (112).
    Daß die objektiv-hermeneutische Interpretation von der beim Interpreten “immer schon” vorhandenen Kompetenz zur Auslegung abhängt, darf Plausibilität beanspruchen. Zur Stützung dieser Plausibilität versucht OEVERMANN - so meine starke These - eine “Theorie der interpretativen Kompetenz” ein Stück weit voranzutreiben. Dieser programmatische Ansatz befaßt sich mit der Analyse sozialer Deutungsmuster.Google Scholar
  27. (113).
    Die latenten Sinnstrukturen, wie sie sich, des Mediums “Subjekt” bedienend, im Zusammenspiel verschiedenster Regelsysteme konstituieren, sind erkenntnislogisch vergleichbar dem identitätstheoretischen Konstrukt der “sozialen Identität” (vgl. KRAPPMANN 1976, S. 307). Die latente Sinnstruktur repräsentiert sozusagen die horizontale Dimension, in der die zu einem gewissen Zeitpunkt nebeneinander aktualisierbaren Regelsysteme zur Anwendung kommen. Der oben im “Verfahren der Interpretation vertexteter Treatmentsitzungen” eingeführte Begriff der “objektiven Motiviertheit” ist auf dieser Ebene zu verstehen als Aktualisierung einer spezifischen Konstellation von Regelsystemen, die dem Subjekt zu einem gegebenen Zeitpunkt zur Verfügung stehen, ohne daß es um diese wissen muß. Die im Augenblick der Handlung motivierende Kraft liegt außerhalb des handelnden Subjekts, sie wirkt sozusagen hinter dem Rücken des Subjekts, dessen Intentionalität determinierend. Die vertikale Dimension - entsprechend der “personalen Identität” - verdeutlicht die historische Genese von sozialen Deutungsmustern infolge gattungsgeschichtlicher Ereignisse. “Latente Sinnstrukturen” und “soziale Deutungsmuster” lassen sich m. E. insofern gleichsetzen, als letztere durch das Medium “Subjekt” wirkend erstere konstituieren. Metaphorisch ausgedrückt treten soziale Deutungsmuster durch die Oberfläche subjektiver Handlungen hindurch - sozusagen als Spitze des Eisberges - und zeigen sich als Sinnstruktur, die in einer bestimmten historischen Situation Bedeutung macht.Google Scholar
  28. tungsmusters reagieren und dabei alle anderen Regelsysteme ihrer Personalität mehr oder weniger abgeblendet gewesen sein dürften. (114)Google Scholar
  29. (114).
    Der Arzt handelt qua Habitus analog der inneren Logik eines generativen Regelsystems, das ihm in seiner Ausbildung “beigebracht” wird. Dieses Regelsystem koordiniert grundsätzliche Erfahrungen aus allen Lebensbereichen mit Wertorientierungen (moralische Standards). Bei gelungener Professionalisierung dominiert der ärztliche Erfahrungsbereich und die damit verbundenen moralischen Standards in einer das Leben grundsätzlich formenden Art und Weise (“der Arzt befindet sich immer im Dienst”).Google Scholar
  30. (115).
    Während in Kapitel I, Abschnitt 4.1.2, der Habitusbegriff unter inhaltlich-systematischen Gesichtspunkten erörtert wurde, sollen hier noch einige Gedanken in methodologischer Absicht das für die Erfassung der ärztlichen “Seinsweise” wesentliche Konstrukt beleuchten.Google Scholar
  31. (116).
    Nach der ausführlichen Entwicklung der Defizithypothese im I. Kapitel kann es hier nur noch darum gehen, diese Hypothese auf den methodologischen Hintergrund des Verfahrens der Objektiven Hermeneutik zu beziehen. Damit soll nicht zuletzt deutlich gemacht werden, daß dieser methodologische Ansatz zur Analyse von Defiziten und deren Behebung geeignet ist.Google Scholar
  32. (117).
    Diese Überlegung findet später in Kapitel IV Eingang in die Forderung nach einer “Ebene des sozial-moralischen Diskurses” im Rahmen herkömmlicher “professioneller Sozialisation”.Google Scholar
  33. (118).
    Vgl. hierzu auch REICHERTZ (1985). Dieses Buch gibt darüber hinaus meines Wissens sowohl einen nahezu vollständigen Überblick über U. OEVERMANNs, leider zum Teil nur sehr schwer zugänglichen, erkenntnistheoretischen Arbeiten zur “Objektiven Hermeneutik” als auch über dessen gegenstandsspezifischen Arbeiten zur Profession-bzw. Sozialisationstheorie.Google Scholar
  34. (119).
    Der Begriff “Strukturtypus” kommt dem von Max WEBER geprägten Begriff des “Idealtypus” sehr nahe. Dem WEBERschen Gegenbegriff des “Realtypus” entspräche dann die konkrete Person (vgl. WEBER 1956).Google Scholar
  35. (120).
    Diese nicht zum “strengen” Interpretationsverfahren gehörende Beschreibung ist auch als gedankliche Orientierungshilfe für den Leser, der sich im “Dickicht” der Interpretationen verloren glaubt, zu verstehen.Google Scholar
  36. (121).
    Die Formulierung… - vielleicht kapiere ich das nicht so richtig - deutet jedoch schon darauf hin, daß diese Gefahr nicht so groß sein kann. Sie kann auch wie folgt gelesen werden: Eigentlich bin ich - ziemlich sicher, daß da was Falsches steht, aber bitte, ich kann mich ja irren. Wie seht ihr anderen es denn?Google Scholar
  37. (122).
    Warum D hier schweigt, kann verschiedene Gründe haben. Auch er könnte den Fehler überlesen haben. Seine Aufmerksamkeit könnte von einem anderen inhaltlichen Fokus des Textes gänzlich in Anspruch genommen worden sein oder, das “Faktum an sich” war für ihn so klar, daß er - den Fehler überlesend - schon so sehr mit der Sache selbst beschäftigt war, worauf er deshalb an dem “Klärungsprozeß” nicht teilnahm. Die Explikation dieser möglichen Gründe kann für die objektiv-hermeneutische Interpretation von Bedeutung sein, soll hier aber aus Gründen der Arbeitsökonomie nicht zur Darstellung gebracht werden.Google Scholar
  38. (123).
    Die Differenzierung in “eine die professionelle Moral” und das “Habituskonzept” betreffende Strukturhypothese ist insofern ein analytischer Kunstgriff, da die professionelle Moral eine der zentralen Konstituenzien des komplexen Amalgams “professioneller Habitus” ist. Strenggenommen müßten Strukturmerkmale der “professionellen Moral” in der Strukturhypothese zum professionellen “Habituskonzept” des jeweiligen Probanden aufgehoben sein. Die weitere Analyse wird zeigen, inwieweit die analytische Trennung sinnvoll durchgehalten werden kann.Google Scholar
  39. (124).
    Im Zuge einer extensiven objektiv-hermeneutischen Interpretation wäre das Auftreten dieser Pause ein durchaus interpretationswürdiges Faktum. Wiederum aus arbeitsökonomischen Gründen soll dies an dieser Stelle jedoch unterbleiben. Eine mögliche Lesart wäre - und dies wird die Analyse der folgenden Textsequenz bestätigen -, daB die Aufforderung an die Probanden einen für diese zu unspezifischen Charakter hat.Google Scholar
  40. (125).
    Die “Fernröntgenanalyse” ist ein im Fachgebiet Kieferorthopädie (KFO) wichtiges diagnostisches Hilfsmittel.Google Scholar
  41. (126).
    Verunsicherung“ meint hier eine noch nicht gefestigte professionelle ”Selbstsicherheit“.Google Scholar
  42. (127).
    Die hier gewählte arabische Indexziffer (1) zeigt im Gegensatz zur später gebrauchten römischen Indexziffer (I) an, daß es sich um vorläufige Strukturhypothesen im Rahmen der 1. Treatmentsitzung handelt.Google Scholar
  43. (128).
    Die sequentiell fortschreitende Analyse berücksichtigt hierbei immanent Pkt. II.3 des o. a. Verfahrens der Interpretation. D. h. das besondere Augenmerk der Analyse gilt Textstellen, die offensichtlich geeignet sind, die gewonnenen Aussagen zu Strukturhypothesen zu belegen.Google Scholar
  44. (129).
    Zur besseren Kennzeichnung der Einzelanalysen wird der jeweiligen Überschrift ein Hinweis angefügt, der darüber Auskunft gibt, welcher Treatmentsitzung die jeweilige Analyse zuzuordnen ist. (I) steht dabei für die 1. Treatmentsitzung und (X) für die 10. Treatmentsitzung.Google Scholar
  45. (130).
    Für A’s Argumentationsmodus ist es typisch, daB sie Fall und konkrete Situation vermischt und “selbst” und “allgemeinen anderen” während des Duktus ihrer Rede wechselt. Auch dies könnte als Indiz einer Unsicherheit gegenüber dem eigenen Selbstbild bzw. professionellen Selbstbild gewertet werden.Google Scholar
  46. (131).
    FREIDSON beschreibt diesen autonom-ärztlichen Begriff von Erfahrung wie folgt: “Charakteristisch für den Kliniker ist also ein ziemlich tiefgehender Partikularismus, eine Art von ontologischem und epistemologischem Individualismus” (FREIDSON 1979, S. 143).Google Scholar
  47. (132).
    Offenbar genügt es nicht, ärztliches Handeln, unter der Perspektive professioneller Moralität, ausschließlich mit Fragen der Gerechtigkeit zu beforschen, sondern wenn immer, wie im ärztlichen Handlungsfeld, Fragen der Lebensqualität - des guten Lebens - gestellt sind, scheint es unabdingbar zu sein, die Kategorien der Fürsorge, der Verantwortung und der Solidarität heranzuziehen.Google Scholar
  48. (133).
    Die “Binnenautonomie” definiert autonome Entscheidungen durch die Grenzen der Interessen an der Erhaltung der Praxis. Im Binnenraum der Praxis ist kollegiale Respektierung selbstverständlich. Wird diese Grenze überschritten, wird aus der scheinbar kollegialen Beziehung eine Beziehung zwischen “Chef’ und ”Untergebenen“.Google Scholar
  49. (134).
    Der Binnenraum des ärztlichen Handlungsfeldes ist der Ort des Praxisgeschehens, der vom Arzt qua Bestallungsurkunde sozusagen “beherrscht” wird. Dieser Binnenraum wird u. a. auch von juristischen Regeln bzw. ärztlichen Standesregeln konstituiert. So bindet z. B. die ärztliche Schweigepflicht das im Binnenraum der Praxis geäußerte Wort des Patienten an diesen Ort, oder es gilt die Regel, daß ein Arzt dem anderen nicht in einmal aufgestellte Behandlungspläne - sozusagen von außen - hineinreden darf, es sei denn, es geschieht auf ausdrücklichen Wunsch des behandelnden Arztes.Google Scholar
  50. (135).
    Ein solcher Sachverhalt wäre sehr gut mit dem Begriff “Binnenmoral” umschrieben, einer Moral also, die je nach professionellem Selbstverständnis von Praxis zu Praxis verschiedene (nicht nur pathologische) Formen annehmen kann. Die populäre Kritik an dieser Besonderheit “ärztlicher” Sozialität wird auch durch den Terminus “Halbgötter in Weiß” zum Ausdruck gebracht, mit dem nicht zuletzt auf die Nähe von ärztlicher Autorität und ärztlicher Willkür hingewiesen wird.Google Scholar
  51. (136).
    Eine zusätzliche persönliche Komponente erhält dieses Konzept durch D’s Interaktionsstil, der gekennzeichnet ist durch eine Strategie der “offensiven Verteidigung”. Er versucht, die Mitdiskutanten an ihren Argumenten “festzunageln”, um so seine eigene Position zu entlasten.Google Scholar
  52. (137).
    Diese Form des “professionellen Solipsismus” - wie ich ihn nennen will - ist im Grunde als der ins Negative umgeschlagene “epistemologische Individualismus” (FREIDSON) zu begreifen, wie ihn A weiter oben (siehe S. 186) argumentativ ins Spiel gebracht hat. Es darf nicht egal werden, welche Meinung man als verantwortungsbewußter Zahnarzt vertritt, und die Entscheidung für die bestmögliche Behandlungsform für einen Patienten darf nicht vom Zufall abhängig gemacht werden, ob der konsultierte Arzt nun diese oder jene fachliche Vorbildung hat.Google Scholar
  53. (138).
    Zu den Rechten und Pflichten des Arztes, wie sie - abgeleitet vom Eid der Asklepiaden - von Georg GRUBER (1956) in “Arzt und Ethik” benannt werden, zählt auch die “Kameradschaft”. GRUBER führt dazu aus: “Geradezu schimpflich müßte man es nennen, wenn sich aus einem irgendwie entstandenen Gegensatz zwischen zwei benachbarten Doktoren zänkische Rivalität entwickelte…. Man kann nur immer wieder betonen, daß damit die Würde des Standes, dem beide Gegner angehören, in höchst empfindlicher Weise verletzt und gemindert worden ist. Es dient auch nicht dem Berufsansehen, wenn der eine Arzt den anderen in all seinem Tun und Lassen eifersüchtig beobachtet, etwa um zu erfahren, ob jener genau nach den Buchstaben der Berufsordnung sein Wesen treibe. Auch ist es nicht anständig, gegen den Nachbarkollegen ein disziplinäres Verfahren einleiten zu lassen, wenn da ein vielleicht nur vermutlicher Verstoß gegen die Etikette aufscheint. Männlicher erscheint es doch, sich in solchen Fällen gütlich auszusprechen, wobei die Vermittlung eines neutralen Dritten dienlich sein kann. Andererseits ist die Meinung durchaus irrig, es bestehe ein stillschweigendes Gebot für Ärzte, unter allen Umständen die Fehler eines Kollegen mit dem Mantel christlicher Duldsamkeit zuzudecken. Gewiß wird man nicht hingehen und denunzieren. Man wird aber, wenn man von Amts wegen aufgerufen ist, einem ärztlichen Schädling beizukommen, sich nicht um die Wahrheit drücken dürfen. Das hat nichts mit unkollegialem Verhalten zu tun und kann nicht unter den Verdacht der Rivalität fallen. Unduldsamkeit und Praxisneid sind ebenso unschöne wie verächtliche Erscheinungen” (S. 71 f.). Das undifferenzierte Übernehmen des gedanklichen Substrats von GRUBERs standesethischen Überlegungen führt schnell zu einer Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen. Zumindest regt die latente Botschaft der zitierten Sätze nicht zur Kritikfreude an. Es scheint so, als hätte D - obwohl es äußerst unwahrscheinlich ist, daß er die Ausführungen GRUBERs kennt - diesen defizienten Modus einer ärztlichen Standesethik habitualisiert.Google Scholar
  54. (139).
    Ganz ähnlich hat dies Hans SCHÄFER in seiner Kritik an der Unfähigkeit des modernen Arztes, dem Patienten zuzuhören und diesen ernstzunehmen, gesehen: “Er wirkt arrogant, verfehlt den seelischen Kontakt und verspielt die Chance der Psychotherapie. Der Patient wird, diesem Verhalten entsprechend, Befehlsempfänger, dem es dabei, so jedenfalls glaubt der Arzt, theoretisch bestens ergehen sollte. Wie bei den Theologen schleicht sich auch in diese medizinische Theokratie die unbewußt bleibende Verhaltenssteuerung ein, daß der Sachwalter der höchsten Güter niemandem Rechenschaft schuldet. Man praktiziert eine Art moralischer Autarkie” (SCHÄFER 1986, S. 268 ).Google Scholar
  55. (140).
    An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, daß die präventivmedizinische MaBnahme der Wasserfluoridierung eine in der fachlichen und öffentlichen Diskussion nicht unumstrittene Maßnahme ist. Für den hier interessierenden Diskussionszusammenhang ist dieser grundsätzliche Streit jedoch unerheblich. De facto gibt es Staaten und Regionen, die eine solche Maßnahme mit guten Gründen durchgeführt haben, und es gibt andere Staaten, die mit (vermeintlich) ebenso guten Gründen eine flächendeckende Trinkwasserfluoridierung ablehnen.Google Scholar
  56. (141).
    Vor dem Hintergrund dieser Argumentation wird auch der vielleicht etwas zu saloppe sprachliche Umgang mit dem doch wohl von Dr. Smith investierten hohen Aufwand in die Wasserfluoridierungskampagne erklärlich. Fairerweise hätte A schon anerkennen müssen, daß die Wertigkeit einer allgemeinen Trinkwasserfluoridierung unter präventiven Gesichtspunkten eine andere ist, als “in Kindergärten zu gehen (…) und den Kindern Zähneputzen bei(zu)bringen”.Google Scholar
  57. (142).
    Dies mag ein Stück weit der “AuBerordentlichkeit” der Fallgeschichte zur Last gelegt werden können. Dennoch bleibt hier die Frage offen, zu welchen Teilen strategisches Wollen bzw. partielles Unvermögen an dem geschilderten Handlungsmuster beteiligt sind.Google Scholar
  58. (143).
    Über das “professionsmoralische” Motiv, das C diesem Lösungsvorschlag, stellvertretend für Dr. Jones, unteriegt, läßt sich allerdings hier keine verbindliche Aussage machen. Die Frage nämlich, warum er die Perspektive der drei Hauptbeteiligten - Patient, Dr. Smith und Dr. Jones - so und nicht anders in seinen Lösungsvorschlag miteinbezieht, kann verschieden begründete Antworten haben. Zum einen könnte er diesen Vorschlag machen aus der moralischen Idee heraus, das Wohl des Patienten damit zu wahren, zum anderen könnte er damit die Fluoridierungskampagne retten wollen und zum dritten sein eigenes Wohl und das seiner Ehe im Vordergrund sehen. Er könnte aber auch alle drei Motivgründe gleichzeitig zu ihrem Recht kommen lassen wollen.Google Scholar
  59. (144).
    Hier ist nicht gänzlich zu klären, ob C nicht auch jene moderate Form der Wahrheit meinen könnte, die für alle Beteiligten einen Ausweg - wie oben angedeutet - offenließe. Andererseits läßt der Hinweis auf die Evidenz der zu erwartenden Schmerzen für den Patienten auf eine einseitigere Parteinahme und eine klare Sprache schließen, mithin auf einen Wandel hin zu einer rigoristischeren Position.Google Scholar
  60. (145).
    Insofern, könnte man folgern, ist es auch nicht unbedingt “heldenhaft”, trotz der vermeintlich zu erwartenden Folgen, die Partei des Patienten zu ergreifen, wenn man bedenkt, daß jeder sehen kann, daß Dr. Jones im Recht ist. Google Scholar
  61. (146).
    C muß hier zugute gehalten werden, daß der Sachverhalt, um den es geht, der unter Fachleuten eine absolut eindeutige Reaktion hervorrufen müßte, für ihn so eindeutig ist, daß alles andere als das Einlenken des Dr. Smith dem Gebot der Ratio widerspräche. Dies wird um so plausibler, als C das Problem vor seinem Arbeitsfeld in der Universitätsklinik (Universität als Hort der Rationalität) beurteilt, von dem er gewohnt ist, daß Entscheidungen rational getroffen werden.Google Scholar
  62. (147).
    Mittelbar wäre dies ein Widerspruch zum bisher herausgearbeiteten Rigorismusargument (i. e. rigoristisches Eintreten für die Normalitätsannahme der Vernunft, Abblendung der Folgen für Dr. Jones, weil diese aus rationalen Gründen nicht eintreten dürften, es sei denn, Dr. Smith wollte sich bis auf die Knochen blamieren), denn wenn C sich diesen Sachverhalt vergegenwärtigte, würde er de facto die Folgen für Dr. Jones berücksichtigen müssen.Google Scholar
  63. (148).
    Diese Aussage und die in 216-C-25 und 218-C-26 von C gezeigte Reaktion beziehen sich auf eine von I ad hoc eingeführte Dilemmavariante, die wie folgt in 212-I-75 beschrieben wurde: “Du bist Assistent an einem Institut, und da ist eine Forschungsserie geplant. Jetzt weißt du, wenn diese Untersuchungsreihe erfolgreich abgeschlossen wird, daß du eine bestimmte Karriere antreten kannst, du bist damit irgendwie verquickt. Jetzt merkst du praktisch, daß der Alte, derjenige, der die Federführung hat, daß der Ergebnisse pfuscht, daß der also Untersuchungsreihen, daß da geschönt wird oder so - mal vorsichtig gesagt, es wird geschönt. Es ist aber an der Grenze, daß das also wirklich zum Betrug wird. Jetzt haben wir diese Verquickung von persönlichen Interessen. Du hast die Möglichkeit, meinetwegen irgendwo einen Lehrstuhl zu kriegen oder so was, ja?, Du kannst einen Ruf kriegen, aber du weißt genau, der Alte hat da irgendwie mitzuentscheiden oder der kann dir einen reinwürgen, wenn… Jetzt kriegst du anderenteils mit, daß da was passiert.”Google Scholar
  64. (149).
    Eine mittelbare Bestätigung findet solches Verhalten in dem Gedanken Carl Friedrich v. WEIZSÄCKERS, daß die Menschen, die sich für einen heroischen Weg entschieden haben, prinzipiell einsam sein müssen. D. h. auch, familiäre Bindungen, persönliches Wohlergehen sind für diese Menschen von nachgeordneter Bedeutung. Insofern wäre es auch - wenn C zu dieser Kategorie Menschen tendierte - eher verständlich, daß er die persönlichen Folgekosten von Jones so relativ gering achtet (vgl. WEIZSÄCKER 1976, S. 244 ff.).Google Scholar
  65. (150).
    Es könnte im Nachhinein erst unterstellt werden, daß C pathologische Auffassungsstrukturen aufweist, so daß auch sein Sich-aufopfern-Wollen als pathologisch betrachtet werden müßte.Google Scholar
  66. (151).
    Allerdings muß hier relativierenderweise hinzugefügt werden, daß dieses sozusagen “idealtypische” Interventionsziel von vorne herein aufgrund der Kürze der Zeit nur tendenziell erreichbar schien.Google Scholar
  67. (152).
    D entwickelt dieses Konzept in der Themensequenz “Karriereorientierter Assistent” (Statements 211 ff.)Google Scholar
  68. (153).
    DaB D an dieser ‘Tugend der Nichteinmischung“ so unbedingt festhält, verweist auf das von OEVERMANN (mündlicher Vortrag) eingeführte Konzept der ”Grenzstarre“, einer offensichtlichen BewuBtseinshürde, über die man erst hinweg kann, wenn das nächste höhere Niveau kognitiver und moralischer Einsicht erreicht ist.Google Scholar
  69. (154).
    Es ist m. E. damit zu rechnen, daß in Zukunft der Druck des Abweichenmiissens infolge der stärker werdenden Konkurrenz durch die sog. “Ärzteschwemme”, gerade auch im zahnärztlichen Bereich, zunehmen wird. U. U. wächst damit auch die Gefahr des Überschreiten der allgemein tolerierten Bandbreite ärztlich legalen und legitimierten Handelns.Google Scholar
  70. (155).
    Aus dem “Schatten an der Wand”, der in Form des Begriffs “Gewissen” in der 1. Sitzung noch inhaltlich diffus D’s Vorstellung ausmachte, ist in der 10. Sitzung die “Moral” selbst geworden. Dieses “kleine Konzept der Moral”, das D für sich - in all seiner ideologischen Verkürzung - angenommen hat, entspricht dem Tugendkatalog der ärztlichen Standesethik.Google Scholar
  71. (156).
    Sowohl “moralische Kompetenz” als auch “professioneller Habitus” sind Konstrukte, die von der Theorie als relativ wandlungsresistente und nur in längerfristigen Prozessen herausbildbare und veränderbare Strukturen bzw. Strukturvernetzungen (generative Matrix) beschrieben werden (vgl. hierzu in Kapitel I die Abschnitte 4.1 und 4.2).Google Scholar
  72. (157).
    Als für die Einschätzung von Sensibilisierung wesentliche Indikatoren haben sich folgende, die Komplexität der Perspektivenübernahme des jeweiligen Probanden betreffenden Fragen erwiesen:Google Scholar
  73. (158).
    Der Vergleich der Art und Weise, wie D sowohl in der 1. wie in der 10. Treatmentsitzung mit den Sachverhalten der jeweiligen Fallgeschichte umzugehen weil, läßt andererseits einen Verdacht entstehen, der sich wie folgt formulieren lält. D’s analytisch nüchterne Sensibilität für Fakten und das schon merkwürdig anmutende, geradezu krampfhafte Vermeiden von Stellungnahmen bezüglich sozialer und persönlicher Konnotationen der Fallgeschichte und die sehr selektive und rudimentäre Deutung von Beziehungen verweisen im Grunde auf eine hohe “heimliche” Sensibilität diesen gegenüber, die ich “Vemeidungssensibilität” nennen möchte. Aus hier nicht ergründbaren Eigenarten der D’schen Persönlichkeit scheint ein latent vorhandenes Vermögen im Umgang mit sozialen Sachverhalten nicht genutzt zu werden.Google Scholar
  74. (159).
    Vgl. hierzu auch den Exkurs: Zum Verhältnis von “Jedermann-Moral” und “professioneller Moral”, S. 65 f.).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Uwe Raven

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