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Die Historische Soziologie der Weimarer Republik als Sozialwissenschaftliches Paradigma — Einige Abschliessende Überlegungen

  • Volker Kruse
Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Ich möchte abschließend die in dem Vorwort entwickelten Fragestellungen systematisch aufgreifen und im Licht der Ergebnisse dieser Arbeit meine hypothetische Auffassung zur historischen Soziologie der Weimarer Republik darlegen und begründen.

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Literatur

  1. 1).
    Daß mit Sombarts “Der moderne Kapitalismus” ein von der historischen Schule der Nationalökonomie nicht gedecktes sozialwissenschaftliches Modell entstanden war, wurde in der zeitgenössischen Öffentlichkeit durchaus wahrgenommen. Vgl. die Rezensionen Naumann 1987 und Schmidt 1987.Google Scholar
  2. 2).
    In diesem Sinne darf man die Eingabe der reichsdeutschen Dozenten für Soziologie von 1932 an die deutschen Kultusministerien interpretieren, die entsprechend Mannheims Vorlage “Die Gegenwartsaufgaben der Soziologie” (1932) sowohl systematische als auch historische Soziologie als verbindliche Lehrinhalte des Fachs postulierte (vgl. Stölting 1986, S. 246f.).Google Scholar
  3. 3).
    Alfred Webers “Kulturgeschichte als Kultursoziologie” erschien 1935 in den Niederlanden. “Das Tragische und die Geschichte” als sein zweites großes Werk in der Zeit des Dritten Reiches konnte zwar 1943 in Deutschland veröffentlicht werden, ist jedoch aufgrund seines ausgeprägt geistesgeschichtlich-philosophischen Charakters kaum der historischen Soziologie zuzurechnen.Google Scholar
  4. 4).
    An erster Stelle ist Leopold v. Wiese zu nennen, auf dessen Initiative die DGS bereits 1946 wiederbegründet, Soziologentage durchgeführt und (seit 1948) die “Kölner Zeitschrift für Soziologie” herausgegeben wurde. Zu den Soziologen der Weimarer Zeit, die nach 1945 auf lokaler Basis beim Wiederaufbau des Fachs mitwirkten und in der Lehre tätig waren, gehörten Alfred Weber und Alexander Rüstow (Heidelberg), Alfred Vierkandt und Richard Thurnwald (Berlin), Alfred v. Martin und Fedor Stepun (München) sowie Carl Brinkmann (Tübingen). Vgl. Lepsius 1979, S. 29–31.Google Scholar
  5. 5).
    Dazu zählen “Abschied von der bisherigen Geschichte” (1946), “Kulturgeschichte als Kultursoziologie”, 2. Auflage (1950), “Der dritte oder der vierte Mensch” (1953) von Alfred Weber; “Weltgeschichte Europas” (1948) und “Theorie des gegenwärtigen Zeitalters” (1955) von Hans Freyer sowie die dreibändige “Ortsbestimmung der Gegenwart” (1950/52/57) von Alexander Rüstow.Google Scholar
  6. 6).
    Weyer zitiert eine Äußerung des Leiters der Sozialforschungs-stelle Dortmund auf einer Kuratoriumssitzung von 1953, daß die Förderung durch die Rockefeiler Foundation das Institut zwinge, “ohne Grundlagenforschung nur von einem Auftrag zum anderen zu arbeiten” (vgl. Weyer 1984, S. 385). Es kann hier nicht beurteilt werden, ob diese Aussage für alle Forschungsinstitute generalisiert werden kann. Weyer gelangt für die Sozialforschungsstelle Dortmund jedenfalls zu dem Resultat, “daß die RF (Rockefeiler Foundation, V.K.) nicht nur die Soziologie massiv gefördert..., sondern darüber hinaus einen ganz bestimmten Typ von Sozialforschung hervorgebracht hat, der sich durch die Ausrichtung an pragmatischen Bedürfnissen der Auftraggeber auszeichnet” (Weyer 1984, S. 385). Daß die historische Soziologie, die nicht unmittelbar technisch verwertbar ist, in einem derartigen Konzept keinen Platz finden konnte, ist. m.E. evident.Google Scholar
  7. 7).
    Von den hier erfaßten exilierten historischen Soziologen starben in den 40er Jahren Emil Lederer (1940), Franz Oppenheimer (1943) und Karl Mannheim (1947). Alexander Rüstow remigrierte 1949 aus der Türkei, übernahm einen Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Heidelberg und wurde 1955 emeritiert (vgl. Lepsius 1979, S. 30). Polanyi und v. Schelting kehrten nicht, Heimann, Salomon-Delatour und Elias nur zeitweise nach Deutschland zurück, ohne einen ordentlichen Lehrstuhl zu übernehmen (vgl. die Liste der Lehrstühle für Soziologie an den wissenschaftlichen Hochschulen 1946–1970 bei Lepsius 1979, S. 65f.).Google Scholar
  8. 8).
    Der Zweck dieser Kategorien scheint auch nicht so sehr in der ernsthaften inhaltlichen Auseinandersetzung zu liegen, sondern eher in der Ausgrenzung mißliebiger Richtungen.Google Scholar
  9. 9).
    Für die Demokratie (und gegen monarchischen Konstitutionalismus und Faschismus) argumentiert Weber z.B. nicht so sehr von einem bestimmten Wertstandpunkt aus, sondern vor allem damit, daß er Demokratisierung aufgrund der “Bewußtseinsaufhellung der Massen (Bestandteil des Zivilisationsprozesses) als einen “unentrinnbaren” Prozeß hinstellt (vgl. Kap. III.5.5.).Google Scholar
  10. 10).
    Dieses Kapitel bezieht sich auf generelle Aspekte der Weimarer historischen Soziologie. Hinsichtlich der Bedeutung Oppenheimers und A. Webers im besonderen verweise ich auf die Kap. II.6. und HC.6.Google Scholar
  11. 11).
    Zum zeitdiagnostischen Bezug von A. Webers Standorttheorie vgl. Lichnowsky 1986.Google Scholar
  12. 12).
    Wenn Wiswede/Kutsch 1978 dafür plädierten, “die bevorzugte strukturalistische Betrachtungsweise der Systemtheorie zugunsten einer Perspektive zu verlassen, die den Manschen mit seinem konkreten Verhalten wieder in den Mittelpunkt der Analyse rückt, nämlich als Träger und Betroffenen des sozialen Wandels” (Wiswede/Kutsch 1978, S. VII), so läßt sich sagen, daß von Alfred Weber dieses Postulat bereits eingelöst wurde.Google Scholar
  13. 13).
    Vgl. in diesem Zusammenhang die KZfSS-Sonderhefte 1979 und 1986, besonders die Beiträge Lipp/Tenbruck 1979, Tenbruck 1979a und Neidhardt 1986; vgl. auch Lipp 1984.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Volker Kruse

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