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Zur Methodischen und Historischen Grundlegung des Themas

  • Volker Kruse
Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet die Frage, aus welchen Ursachen und Gründen die deutsche soziologische Tradition, zu deren hervorragenden Vertretern Franz Oppenheimer und Alfred Weber zählten, in der Nachkriegssoziologie — sieht man von den letzten Jahren ab — so wenig Beachtung fand.

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Literatur

  1. 1).
    Diese Einschätzung ist nicht quantitativ belegt, und es gibt m.W. bisher keine vergleichbare Studie über den Anteil von Juden in den deutschen Wissenschaften zur Zeit der Weimarer Republik. Doch König arbeitet überzeugend “die besondere Affinität der jüdischen Gelehrten zur Soziolgie heraus” (König 1971a, S. 124), und nicht ohne Grund galt die Soziologie nicht nur bei den Nazis als “jüdische Wissenschaft”. Unter den von Käsler untersuchten 49 Weimarer Soziologen, die er anhand diverser Kriterien — vor allem der Beteiligung an den Soziologentagen 1910 bis 1930 — als relevanten Personenkreis der Disziplin festgestellt hat (Käsler 1984, S. 32–45), waren 16, also ein Drittel Juden (Käsler 1984, S. 368).Google Scholar
  2. 2).
    Die Quote der emigrierten deutschen Soziologen läßt sich, da weder die Zahl der vor 1933 im Deutschen Reich und in Österreich — zumal außerhalb der Hochschulen — tätigen deutschen Soziologen noch die der emigrierten deutschen Soziologen bekannt ist, nicht präzise bestimmen. Schätzungen zur Emigrationsquote berufen sich auf eine Tabelle v. Fer-bers über den Emigrationsverlust der Lehrpersonen an den Universitäten und Hochschulen des Deutschen Reiches zwischen 1931 und 1938 (vgl. v. Ferber 1956, S. 145). In dieser Tabelle sind “Wirtschafts- und Sozialwissenschaften” als eine Kategorie zusammengefaßt (also nicht Soziologie separat). Für diese berechnet v. Ferber einen Emigrationsverlust von 47% bei einer Emigrationsquote von 39% für alle Wissenschaften zusammengenommen. Mit dem — nach den neuesten Forschungsergebnissen nicht aufrecht zu erhaltenden — Argument, die Soziologie hätte im III. Reich im Gegensatz zu den Wirtschaftswissenschaften institutionell nicht weiterexistiert, schätzte Dahrendorf (1974, S. 92) die Emigrationsquote der Soziologen beträchtlich höher, auf etwa zwei Drittel. (Zu dieser Schätzung gelangten auch Matthes 1973, S. 40, und Rammstedt 1986, S. 14). Zudem dürften, wie König dargelegt hat, etliche Soziologen in andere Rubriken der Tabelle v. Ferbers (Geisteswissenschaften, Rechtswissenschaften, Theologie) eingegangen sein (König 1981, S. 118f.). Das Argument des institutionellen Abbruchs der Soziologie ist jedoch — wie gesagt — nicht mehr haltbar. Insofern ist Dahrendorfs Annahme einer höheren Emigrationsquote der Soziologen gegenüber den Wirtschaftswissenschaftlern nicht begründet. Auch entspricht eine Aufstellung Lepsius’ von 55 haupt- und nebenamtlichen Vertretern des Faches Soziologie an deutschen Hochschulen 1932/33, von denen 25 auswanderten (vgl. Lepsius 1979, S. 62–64), den Ergebnissen v. Ferbers zur wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Emigration. Ferner weist eine Berechnung von König auf der Grundlage von Vierkandts “Handwörterbuch der Soziologie” (17 von 37 Mitarbeitern emigrierten) in die gleiche Richtung (vgl. auch König 1960, S. 141f.). Man wird also die — auch dann noch überdurchschnittlich hohe — Emigrationsquote der Soziologen eher auf etwa 50% zu veranschlagen haben.Google Scholar
  3. 3).
    So werden Oppenheimer und A. Weber charakterisiert bei Oppenheimer 1928, S. 36, Eisermann 1959, S. 60f. Oppenheimers “Frankfurter Schule” ist natürlich nicht mit dem späteren “Institut für Sozialforschung” zu verwechseln.Google Scholar
  4. 4).
    Zur Biographie Oppenheimers vgl. dessen Lebenserinnerungen Opp. 1929 und 1964a.Google Scholar
  5. 5).
    Alfred Weber hat keine Autobiographie hinterlassen. Autobiographische Notizen finden sich in seinem Nachlaß (Bundesarchiv Koblenz) sowie bei A.W. 1948a und 1955a. Anmerkungen zu seinem Lebenslauf enthalten vor allem Jaffé 1986, ferner Salin 1958, Willi 1958, Luoma 1959, Dericum 1982. Eine “politische Biographie” Alfred Webers hat Eberhard Demm angekündigt. Als erster Zugang zum Denken und Leben A. Webers ist m.E. Neumann 1948 am besten geeignet.Google Scholar
  6. 6).
    Eisermann würdigte 1980 Webers Standorttheorie als “einen bedeutenden theoretischen Beitrag”, “dessen erkenntnismäßige Fruchtbarkeit sich gerade in der Gegenwart erst ganz abzeichnet” (Eisermann 1980, S. 483).Google Scholar
  7. 7).
    Vgl. das Vorwort von H. Herkner, G. Schmoller und A. Weber zu Bernays 1910.Google Scholar
  8. 8).
    Roland Eckert führt an: Robert Maclver, Society, its Structure and Change, New York 1931; Robert K. Merton, Civilization and Culture, in: Sociology und Social Research XXI (1936), S. 103ff.; Robert K. Merton, Puritanism, Pietism and Science, in: Sociological Review XXVIII (1936), S. 1ff.; A.L. Kroeber, The Nature of Culture, Chicago 1952.Google Scholar
  9. 9).
    Zu den Schülern Oppenheimers zählen neben Ludwig Erhard, Joachim Tiburtius, Gottfried Salomon-Delatour, Bruno Schultz, Erich Preiser auch Fritz Sternberg, Adolf Löwe, Eduard Heimann und Erik Nölting (vgl. Schultz 1954, S. 473).Google Scholar
  10. 10).
    “Gelehrte von Rang, von Walter Eucken angefangen, über Wilhelm Röpcke, Alexander Rüstow zu Hayek und Franz Böhm, um nur einige zu nennen, haben im tiefsten Grund Oppenheimersches Gedankengut in sich aufgenommen und in unsere Gegenwart übersetzt, indem sie einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Beschränkung des Wettbewerbs und vor allen Dingen gegen Monopole führten” (Erhard 1964, S. 5). Die Einordnung Oppenheimers als Vorläufer der Theorie der Sozialen Marktwirtschaft, wie sie auch Müller-Armack vornimmt (vgl. Müller-Armack 1976, S. 56), ist insofern berechtigt, als sich, besonders vermittelt über Ludwig Erhard, bestimmte geistesgeschichtliche Zusammenhänge zwischen Oppenheimers Theorie und dem Neoliberalismus aufzeigen lassen (vgl. Helmut Paul Becker 1965, S. 45, 65, 182, 260; Müller-Armack 1976, S. 56; Heusgen 1981, S. 89f.). Sie ist insofern unberechtigt, als sich der radikale emanzipa-torische und sozialistische Anspruch Oppenheimers, aber auch zentrale sachliche Aussagen seiner Theorie etwa zur wirtschaftspolitischen Funktion des Staates, zur Sozialpolitik oder zum Mehrwert mit Erhards Konzept der Sozialen Marktwirtschaft nicht in Einklang bringen lassen. Erhards Einvernehmung von Oppenheimer in die Theorie und Praxis der Sozialen Marktwirtschaft wurde daher wiederholt widersprochen. Vgl. Meier-Cronemeyer 1965, S. 551–553; Teich 1965, S. 204; Gysin 1973, S. 36 und neuerdings Haselbach 1985, S. 168–170, 172.Google Scholar
  11. 11).
    So gab es Artikel über Oppenheimer unter Bezug auf Ludwig Erhard in der Süddeutschen Zeitung vom 13.12.1964 (“Bei ihm hat Erhard gelernt”) und in der “Zeit” vom 27.11.64 (“Erhards Lehrer”). Vgl. Meier-Cronemeyer 1965. S. 551, Anm. 2.Google Scholar
  12. 12).
    Es gab in der deutschen Nachkriegssoziologie bis 1980 nur eine soziologische Dissertation über Oppenheimer, und zwar über dessen Gruppentheorie (Hohmeier 1967). Eine andere gehaltvolle -wirtschaftswissenschaftliche — Dissertation untersuchte das Verhältnis von Nationalökonomie und Soziologie bei Franz Oppenheimer, Werner Sombart und Max Weber und problematisierte das Auseinanderbrechen beider Disziplinen (Kraft 1961).Google Scholar
  13. 13).
    Ein gewisser — indirekter — Einfluß Oppenheimers ist hingegen für den “ethischen Sozialismus” anzunehmen, der sich um die Zeitschrift “Geist und Tat” (bis 1968) gruppierte und u.a. mit den Namen Gerhard Weisser, Erik Nölting, Willi Eichler, Arnold Gysin, Klaus Lompe und Lothar F. Neumann verbunden ist. Der ethische Sozialismus geht ursprünglich auf den vom Philosophen und Oppenheimer Freund Leonard Nelson 1917 gegründeten “Internationalen Jugendbund” (später: “Internationaler Sozialistischer Kampfbund”) zurück, der “der ökonomischen Theorie Oppenheimers einen zentralen Stellenwert in der Programmatik” beimaß (Haselbach 1985, S. 146) und die Überwindung der “Bodensperre” als zentrale programmatische Forderung erhob. Die politische Theorie der ethischen Sozialisten weist in ihrer Polemik gegen die Monopole als Ursache kapitalistischer Ausbeutung und der Forderung nach “echtem Wettbewerb” zumindest Parallelen zum ökonomischen und soziologischen Denken Oppenheimers auf. Sie orientierten sich seit den 60er Jahren hingegen stärker am Keyn-sianismus, d.h., sie befürworteten im Gegensatz zu Oppenheimer die wirtschaftspolitische Intervention des Staates. (Vgl. zum Komplex Oppenheimer, Nelson und ethischer Sozialismus, Haselbach 1985, S. 146–155).Google Scholar
  14. 14).
    “Nur Hanno Kesting und Herbert v. Borch behielten geschichts-philosophische Interessen. Die Mehrzahl der ehemaligen Heidelberger hat sich hingegen der empirischen Erforschung von konkreten Gegenwartsfragen zugewandt, so etwa Hans-Joachim Arndt, Gottfried Eisermann, Erwin Faul, Heinz Markmann, Helge Pross, Götz Roth” (Lepsius 1979, S. 56, Anm. 10).Google Scholar
  15. 15).
    Eine angemessene Darstellung und Interpretation erfährt A. Webers Kultursoziologie hingegen bei Schoeck 1974 und besonders bei Klages 1972, S. 139–161. Bei Jonas 1969 wird A. Weber eher beiläufig erwähnt.Google Scholar
  16. 16).
    Diese Argumentation setzt, so Sprondel, “die merkwürdige, nein: zynische Erwartung voraus, ein Sozialwissenschaftler könne durch die Erfahrung der Vernichtung der eigenen Existenz, des Exils in einem fremden Kulturmilieu, und der Entwicklung, die das Dritte Reich schließlich nahm, unberührt bleiben” (Sprondel 1981, S. 197, Anm. 6).Google Scholar
  17. 17).
    Nur wenige Jahre zuvor hatte König über das besagte Standardwerk der Weimarer Soziologie hingegen geurteilt, “daß zweifellos drei Viertel der Abhandlungen von damals heute einen Wiederabdruck verdienen würden” (König 1956a, S. 6)Google Scholar
  18. 18).
    Adorno hat das empirische Bedürfnis der jüngeren Soziologengeneration mit ihrem “geistige(n) Habitus” in Verbindung gebracht: “die jüngere Soziologengeneration gehört selbst zu jener skeptischen Generation, die einen ihrer bevorzugten Forschungsgegenstände abgibt. Sie zieht es vor, sich ans Einzelne und Mittlere zu halten, das man als überschaubar und gesichert betrachtet...” (Adorno 1959, S. 259).Google Scholar
  19. 19).
    Diese Einschätzung ist genauer ausgeführt und begründet bei Lepsius 1981a, bes. S. 464–468. Schelsky hat 1980 seine These von 1959 bekräftigt (vgl. Schelsky 1980, S. 419–421).Google Scholar
  20. 20).
    König führt als Beleg für die Neublüte der deutschen Soziologie ab 1928 die Wissenssoziologie Mannheims, Landshuts “Kritik der Soziologie” sowie die “Frankfurter Schule” an. Klingemann hat darauf hingewiesen, daß sich diese Einschätzung Königs schwer mit dessen früheren negativen Auslassungen zu den genannten Soziologen vereinbaren läßt (Klingemann 1985, S. 368–373).Google Scholar
  21. 21).
    Das wachsende Interesse an der Geschichte der deutschen Soziologie dokumentiert sich insbesondere in den Sammelbänden “Geschichte der Soziologie”, hrsg. von Wolf Lepenies; “Soziologie in Deutschland und Oesterreich 1918–1945”, hrsg. von M. Rainer Lepsius (1981); “Ordnung und Theorie”, hrsg. von Sven Papcke (1986); auch im Schwerpunktheft der Sozialen Welt von 1984 zum Themenbereich “Soziologie und Nationalsozialismus”.Google Scholar
  22. 22).
    Nun sind die genannten Lehrbücher insofern ein ungeeigneter Indikator, als sie sachsystematisch (und nicht dogmengeschichtlich) angelegt sind. Wenn aber E. Büß zu den Nachbardisziplinen der Wirtschaftssoziologie Politologie, Nationalökonomie, Ethnologie, Psychologie, nicht jedoch Sozial- und Wirtschaftsgeschichte zählt (vgl. Buß 1985, S. 4), so wird deutlich, daß schon im Begriff eine unverkennbare Distanz zur historisch orientierten Wirtschaftssoziologie Oppenheimers besteht.Google Scholar
  23. 23).
    1979 erschien im Piper-Verlag “Haben wir Deutschen nach 1945 versagt? — Politische Schriften”, in dem Aufsätze Alfred Webers vornehmlich aus der Nachkriegszeit enthalten sind, eingeleitet und herausgegeben von seiner ehemaligen Schülerin Christa Dericum, neu aufgelgt im Fischer Taschenbuch Verlag 1982. In einem Lesebuch des Piper-Verlages (“Lust am Denken”) — inzwischen in achter Auflage herausgegeben — erschien unter dem Titel “Das mögliche Sinnhafte der Geschichte” ein Auszug aus “Der dritte oder der vierte Mensch”.Google Scholar
  24. 24).
    Außerhalb der Soziologiegaschichtsschreibung erschien 1977 Astrid Lange-Kirchheims Aufsatz “Franz Kafka: ‘In der Strafkolonie1 und Alfred Weber: ‘Der Beamte’“, in dem die Autorin detailliert nachweist, daß Kafkas Aufsatz in engster Abhängigkeit zu Alfred Webers 1910 erstmals in der “Neuen Rundschau” veröffentlichten Beitrag “Der Beamte” steht (vgl. Lange-Kirchheim 1977). Ferner vermutet Lange-Kirchheim, daß der besagte Weber-Essay auch Kafkas Hauptwerke “Das Schloß” und “Der Prozeß” inspiriert hat (Lange-Kirchheim 1977, S. 218f.). A. Weber war in Prag Doktorvater Franz Kafkas gewesen.Google Scholar
  25. 25).
    Demm verweist etwa auf die Untersuchung über Auslese und Anpassung der Industriearbeiterschaft 1907–1911, auf das Bürokratieproblem und auf die Diskussion um die Parlamentarisierung der Reichsleitung (Demm 1983, S. 8 9 u. 11).Google Scholar
  26. 26).
    So sieht Demm in Alfred Webers Geschichtstheorie in Gestalt des Zivilisationsbegriffs eine Fortführung von Max’ Rationalisierungstheorie.Google Scholar
  27. 27).
    Selbst die mit dem Nationalsozialismus sympathisierende “Deutsche Soziologie” um Freyer, Spann, Sombart, Boehm und Plenge als halbwegs eigenständige Theorierichtung zerbrach schnell am Parteimonopol der Weltauslegung: “Eine Theoriediskussion erübrigte sich somit, sie wurde sogar als ‘Entartung’ abgetan. Theorie als Selbstreflexion des Fachs war in der Phase nach 1935/36 nicht mehr länger gefragt” (Ramm-stedt 1985, S. 268); deutsche Soziologie beschränkte sich fortan auf “Sozialtechnologie” (ebenda).Google Scholar
  28. 28).
    Schon Karl Mannheim erklärte 1929 die deutsche Soziologie ohne Umschweife für führend in der Welt (vgl. Mannheim 1964, S. 614). Howard Becker, als Verfasser der monumentalen Theoriegeschichte “From Lore to Science” ein ausgewiesener Kenner der internationalen Soziologie, hielt den Einfluß der deutschen Soziologie in den USA für “erstaunlich tief und nachhaltig” und urteilte, “daß das Gedankengut deutschen Ursprungs einen dauerhafteren und wirksameren Einfluß auf unsere Entwicklung ausübte, als der irgendeines anderen Landes” (Becker 1959, S. 90f.). Den Eindruck, daß die deutsche Soziologie bis in die 30er Jahre in den USA als führend und vorbildlich angesehen wurde, vermittelt auch Käslers Einleitung zu den Interviews des amerikanischen Soziologie-Professors Earle Edward Eubank mit europäischen Soziologen im Sommer 1934 (vgl. Käsler 1985, S. 12–25). Käsler betont “die außerordentliche Bewunderung, ja Verehrung, die Eubank gerade den deutschen Soziologen entgegenbrachte” (Käsler 1985, S. 22). Käsler verweist auch auf eine Reihe namhafter Soziologen allein der University of Chicago, die in Deutschland studiert hatten: Albion Small, Charles Zueblin, Charles Henderson, William Isaac Thomas, Robert Ezra Park, Shailer Mathews, George Herbert Mead (Käsler 1985, S. 22f.). Bekanntlich studierte auch Talcott Parsons 1925–1927 in Heidelberg. Besonders eindrucksvoll ist eine Passage aus Erinnerungen von Edward Shils, der aus finanziellen Gründen nicht in der Lage ist, in Deutschland Soziologie zu studieren und ersatzweise ein Seminar von Louis Wirth besucht. Das Seminar wird in Deutsch gehalten, besteht jedoch aus Studenten, die kein Deutsch verstehen, die aber dennoch aus Verehrung der deutschen Soziologie Wirths Seminar besuchen (Käsler 1985, S. 24f.). — Das Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen amerikanischer und deutscher Soziologie kehrte sich erst in den 50er Jahren um.Google Scholar
  29. 29).
    Dieser Satz ist so nicht mehr haltbar, haben doch die neuen soziologiegeschichtlichen Forschungen gezeigt, daß gerade im Dritten Reich die empirische Sozialforschung, wenn auch natürlich unter nationalsozialistischen Vorzeichen, einen deutlichen Aufschwung erfahren hat, so daß Rammstedt die Frage aufwirft, ob sich die “Rezeption der amerikanischen Soziologie... nicht deshalb so konflikt- und alternativlos umsetzen (ließ), weil die Deutsche Soziologie vor 1945 praxisorientiert und empirisch war” (Rammstedt 1986, S. 167).Google Scholar
  30. 1).
    Die besondere Bedeutung von Zeitdiagnose für die deutsche und europäische Soziologie im Geqensatz zur amerikanischen hat schon Karl Mannheim 1929 betont: “Hier (in der amerikanischen Soziologie, V.K.) wurde relativ früh das ge-schichtsphilosophische Gerüst der Soziologie abgestreift und die gesamte Weltsicht und das Weltwerden am Paradigma des Zentralerlebnisses, an der organisatorisch-technischen Wirklichkeitsbeherrschung orientiert. Hatte der europäische soziologische ‘Realismus’ sein Zentralerlebnis an den hier überaus gewaltigen Klassenspannungen, so mußte jene an ökonomischem Spielraum freiere Welt, für die die Lösung technisch-organisatorischer Probleme brennender war, sich stets an diesen Bereichen des Wirklichen orientieren. Soziologie bedeutete für das europäische Denken in den oppositionellen Strömungen: Lösung des Klassenproblems, in allgemeinerer Sicht: wissenschaftliche Zeitdiagnose; für den Amerikaner dagegen Lösung unmittelbarer technischer Aufgaben des gesellschaftlichen Geschehens. Von hier aus erklärt sich die in europäischen Fragestellungen stets mitklingende bange Frage nach dem weiteren Schicksal und damit zusammenhängend eine Tendenz zur Totalsicht, von hier aus in der amerikanischen Frage der Denktypus: Wie mache ich das? Wie löse ich diese konkrete Einzelaufgabe? Und dabei der optimistische Unterton: Für das Ganze habe ich nicht zu sorgen, das Ganze macht sich schon von selbst” (Mannheim 1969, S. 219; Hervorhebung von mir, V.K.). Mit dem Untergang der Weimarer Soziologie trat dann auch die zeitdiagnostische Orientierung der Soziologie in Deutschland in den Hintergrund.Google Scholar
  31. 2).
    Eine Verengung von “politisch” auf Parteipolitik ist m.E. nicht ratsam. Erstens scheint mir das politische Engagement des wissenschaftlichen Intellektuellen auf einer anderen Ebene abzulaufen als das des Parteipolitikers (außerparlamentarische Initiativen, Publizistik); zweitens gaben die Parteien zur Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik keinen idealen Nährboden für das politische Engagement des Intellektuellen ab, a) wegen ideologischen Dogmatismus (Marx-Orthodoxie, Laissez-faire), dem sich nicht jeder Intellektuelle bereitwillig unterordnet, b) weil die politischen Parteien seit dem Kaiserreich mehr und mehr von Lobbyismus geprägt wurden (vgl. Ritter 1973, S. 15), was die Parteipolitik auch für dezidiert politische Intellektuelle nicht eben attraktiv machte.Google Scholar
  32. 3).
    Faktisch beschränkt sich Ringer auf das universitäre Milieu.Google Scholar
  33. 4).
    Zur Konkretisierung der “wachsenden Partizipation der Massen” sei festgestellt: a) Die Reichsverfassung von 1871 gewährte besonders mit dem allgemeinen Wahlrecht und der Versammlungsfreiheit die rechtlich-institutionellen Voraussetzungen zur politischen Partizipation der unteren Schichten; b) Die im Laufe des 19. Jahrhunderts verbesserte Elementarbildung, die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, brachte die Menschen der unteren Schichten in die Lage, ihre Rechte auch wirklich in Anspruch zu nehmen und auszuüben; c) Die politische Partizipation der unteren Schichten gestaltete sich weitgehend unabhängig vom Mandarinentum, entgegen dessen geistig-kulturellem Führungsanspruch (SPD, Gewerkschaftsbewegung).Google Scholar
  34. 5).
    Die Entwertung der klassischen Eildungsgüter, die Aufwertung technisch-operativer Fähigkeiten äußerte sich im Schwund des klassischen Gymnasiums gegenüber dem Realgymnasium und der Realschule und auch in der Zurückdrängung der klassischen Bildungsgüter Latein und Griechisch innerhalb des traditionellen Gymnasiums.Google Scholar
  35. 6).
    In seiner Analyse der modernistischen Soziologen bezieht sich Ringer besonders auf Ferdinand Tönnies, Georg Simmel, Werner Sombart, Max Weber, Alfred Weber, Leopold v. Wiese und Karl Mannheim, ferner auf Emil Lederer, Franz Oppenheimer, Max Scheler und Alfred Vierkandt.Google Scholar
  36. 7).
    So Max Weber auf dem Ersten Deutschen Soziologentag 1910, zit. nach Käsler 1984, S. 69. An anderer Stelle bemerkt Käsler treffend über Max Weber: “Er sah im ‘Verein’ (für Sozialpolitik, V.K.) durchaus eine primär politische Institution, das sachliche Bedürfnis nach ‘wertfreier’ sozialwissenschaftlicher Forschung dagegen sollte in der ‘Deutschen Gesellschaft für Soziologie ‘ institutionalisiert und abgedeckt werden” (vgl. Käsler 1978, S. 169).Google Scholar
  37. 8).
    Auch der ansonsten dem Verfasser von “Gemeinschaft und Gesellschaft” kritisch gesonnene René König würdigt das politische Engagement Tönnies’ gegenüber den Nationalsozialisten (vgl. König 1955a, S. 350 und 414); ebenso Bellebaum 1978, S. 234f.Google Scholar
  38. 9).
    Ein bedeutsamer Schritt auf diesem Weg ist jetzt mit lfmela Gorges Studie “Sozialforschung in der Weimarer Republik 1918–1933” getan worden. Sie zeigt, daß sich das Bild einer weltfernen und unpolitischen Weimarer Soziologie nicht halten läßt, sobald man andere Quellen heranzieht als nur die Verhandlungsprotokolle der deutschen Soziologentage. Gorges untersucht neben der DGS auch den Verein für Sozialpolitik und alle drei Abteilungen des Kölner Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften. Hinsichtlich des Bezugs der Weimarer Soziologie zur gesellschaftlichen Wirklichkeit gelangt sie zu folgendem Resümee: “Wird... die kontinuierlich geleistete Arbeit der drei großen ‘bürgerlichen’ sozialwissenschaftlichen Institutionen, dem Verein für Social-politik, der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und aller drei Abteilungen des Kölner Forschungsinstituts, vollständ-dig und im Detail untersucht, so wird eine Fülle von methodologischen Diskussionen und konkreten Forschungen freigelegt, die die sozialen, innenpolitischen, wirtschaftlichen und kulturellen Probleme der Weimarer Republik aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und politischen Interessen heraus aufnahmen” (Gorges 1986, S. 692).Google Scholar
  39. 1).
    Die Theorie der “langen Wellen” besagt, a) daß sich das Wachstum industrieller Volkswirtschaften nicht stetig, sondern in periodischen Schüben vollzieht, b) daß diese Bewegung im Entwicklungsprozeß endogen angelegt ist (was Prognosen über Umschwünge ermöglicht). Vgl. Lutz 1984, S. 46.Google Scholar
  40. 2).
    Sein Deutungsmodell skizziert Burkart Lutz, ausgehend von theoretischen Erklärungsdefiziten im Konzept betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation, auch in “Kapitalismus ohne Reservearmee? Zum Zusammenhang von Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsmarktsegmentation in der europäischen Nachkriegszeit”, in: Gert Schmidt, Hans-Joachim Braczyk, Jost von dem Knesebeck (Hg.), Materialien zur Industriesoziologie, Sonderheft der KZfSS 24/1982, S. 329–347.Google Scholar
  41. 3).
    Es handelt sich vornehmlich um: D. Petzina, W. Abelshauser, Zum Problem der relativen Stagnation der deutschen Wirtschaft in den zwanziger Jahren, in: H. Mommsen u.a. (Hg.), Industrielles System und politische Entwicklung in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1974; K. Borchardt, Zwangslagen und Handlungsspielräume in der großen Wirtschaftskrise der frühen dreißiger Jahre: Zur Revision des überlieferten Geschichtsbildes, in: Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hg.), Jahrbuch 1979, München 1979.Google Scholar
  42. 4).
    Die zeitdiagnostische Fragestellung liegt keineswegs in jedem Fall klar auf der Hand, wie am besten das Beispiel Max Webers zeigt. Denn es ist umstritten, ob gemäß der Ansicht von Schluchter der Prozeß der Rationalisierung im Zentrum seiner Diagnose steht oder die Lebensführung des modernen Menschen, wie Hennis annimmt.Google Scholar
  43. 5).
    Vgl. Käsler 1984, bes. S. 249–257.Google Scholar
  44. 1).
    Der Begriff “Historismus” bedeutet laut Ernst Troeltsch, soweit er nicht als “Scheltwort... gegen historische Belastung, kompliziertes historisches Denken und die Entschlußkraft schwächende historische Bildung” gebraucht ist, “die Historisierung unseres ganzen Wissens und Empfindens der geistigen Welt, wie sie im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts geworden ist. Wir sehen hier alles im Flusse des Werdens, in der endlosen und immer neuen Individualisierung, in der Bestimmtheit durch Vergangenes und in der Richtung auf unerkannt Zukünftiges. Staat, Recht, Moral, Religion, Kunst sind in den Fluß des historischen Werdens aufgelöst und uns überall nur als Bestandteil geschichtlicher Entwicklungen verständlich” (vgl. Troeltsch 1922a, S. 573). Zu Begriff und Theorie des Historismus vgl. ferner: Ernst Troeltsch, Der Historismus und seine Probleme, Tübingen 1922, bes. S. 27–67; Karl Mannheim, Historismus, in: AfSS 52 (1924), S. 1–60; Georg G. Iggers, Deutsche Geschichtswissenschaft, München 1971, bes. S. 11–42; Waldemar Besson, Art. “Historismus”, in: Fischer-Lexikon Geschichte, 8. Aufl., Ffm 1972, S. 102–116; Jerzy Szacki, History of Sociological Thought, London 1979, S. 316–336, bes. S. 317f.; Herbert Schnädelbach, Philosophie in Deutschland 1831–1933, Ffm 1983, S. 51–58; Dieter Ruloff, Historische Sozialforschung, Stuttgart 1985, S. 14–21. Ich stütze mich im folgenden vor allem auf Iggers 1971.Google Scholar
  45. 2).
    Dazu gehört besonders die Lehre vom Staat, wonach dieser keine utilitaristische Einrichtung ist (wie für die westeuropäische Philosophie), sondern im metaphysischen Sinn eine Verkörperung höherer sittlicher Prinzipien darstellt. Vgl. Iggers 1971, bes. S. 17f.Google Scholar
  46. 3).
    “Seit 1860 ungefähr wenden sich die deutschen Volkswirtschaftler mehr und mehr von den theoretischen Fragen ab. Sie gehen fast ausschließlich in der Diskussion praktischer Probleme auf, hauptsächlich in der Untersuchung sozialer Fragen und in historischen und beschreibenden Arbeiten... Die Nationalökonomie löst sich in dem Studium der wirtschaftlichen Einrichtungen und der Geschichte des Wirtschaftslebens auf, ja geht fast darin unter” (vgl. Gide/Rist 1913, S. 440).Google Scholar
  47. 4).
    Man unterscheidet die “ältere historische Schule” (Wilhelm Roscher, Bruno Hildebrandt, Karl Knies), die die Anwendung der Geschichte auf die Nationalökonomie proklamierte, und die “jüngere historische Schule”, die dieses Programm in die Tat umsetzte. Ihr sind neben Gustav Schmoller u.a. Adolph Wagner, Lujo Brentano, Karl Bücher und Georg Friedrich Knapp zuzurechnen.Google Scholar
  48. 5).
    Hauptthemen waren “Wirtschafts- (besonders Fiskal-)politik und Verwaltung; die Klassenstruktur der Gesellschaft; mittelalterliche und spätere Industrieformen, besonders die Handwerkszünfte und Kaufmannsgilden; Wachstum, Funktionen und Aufbau der Städte; die Evolution einzelner Industriezweige, des Bankkredits und... der Regierung und des Privatunternehmertums” (vgl. Schumpeter 1965, S. 990).Google Scholar
  49. 6).
    Ironisch bemerkt Menger: “Sollte die Wirtschaftsgeschichte, ehe wieder an die Bearbeitung der theoretischen Nationalökonomie geschritten werden könne, im Geist der historischen Mikrographie Schmollers vollendet werden — man denke nur an die Fleischpreise von Elberfeld! von Pforzheim! von Mühlheim! von Hildesheim! von Germersheim! von Zwickau! u. s. f. -so würden hierzu nur Aeonen ausreichen” (Menger 1966, S. 38).Google Scholar
  50. 7).
    Wenn ich von “atheoretisch” und “ahistorisch” (nicht von “anti theoretisch” und “anti historisch”!) spreche, so ist gemeint, daß beide Kontrahenten der anderen Seite die wissenschaftliche Existenzberechtigung innerhalb der Nationalökonomie nicht grundsätzlich absprachen (also in diesem Sinne nicht antitheoretisch bzw. antihistorisch eingestellt waren), aber beide den Ansatz des anderen in das eigene Wissenschaftskonzept nicht zu integrieren vermochten. So konstatierte der Nationalökonom Max Weber noch 1904: “In unvermittelter und anscheinend unüberbrückbarer Schroffheit steht noch heute die ‘abstrakt’-theoretische Methode der empirisch-historischen Forschung (in unserer Disziplin) gegenüber” (Max Weber 1973, S. 187).Google Scholar
  51. 8).
    Die wichtigsten Vertreter einer biologistischen Soziologie in Deutschland sind Paul Lilienfeld (1829–1903) und Albert Schäffle (1831–1903). Vgl. Sorokin 1931, S. 53–57.Google Scholar
  52. 9).
    Oestreich nennt als Gegenspieler Lamprechts die Historiker Heinrich von Sybel, Dietrich Schäfer, Friedrich Meinecke, Georg v. Below, Max Lenz, Felix Rachfahl und Hermann Oncken (vgl. Oestreich 1969, S. 326).Google Scholar
  53. 10).
    Lamprechts Hauptkontrahent v. Below, der sich in den 20er Jahren als scharfer Kritiker der Soziologie hervortun wird, unterstellt dem Positivismus eine lebensfeindliche Wirkung, da die “Lehre unserer Abhängigkeit von allgemeinen Gesetzen” “niederdrückende und abstumpfende Gefühle” hervorrufe (vgl. v. Below 1898, S. 245).Google Scholar
  54. 11).
    Die Ablehnung systematischer Fragestellungen und Theorieansätze ist für den strengen Historisten schon ein Gebot der historischen Methode, “die verlangt, daß der Historiker vergangene Epochen ausschließlich mit jener Begrifflichkeit schildert, die ihm in den Quellen selbst entgegentritt” (Mommsen 1973, S. 302).Google Scholar
  55. 12).
    Werner Sombart leistet mit seinen Abhandlungen über den Marxismus, besonders mit “SocLalismus und sociale Bewegung” (1896) einen der wichtigsten Beiträge zur Verbreitung des Marxismus, auch im Bürgertum (vgl. vom Brocke 1973, S. 616; vom Brocke 1987, S. 13). Max Weber spricht 1903 in aller Selbstverständlichkeit von “(u)nse-rer heutigen am Marxismus orientierten Betrachtungsweise” (vgl. Max Weber 1973, S. 25). Oppenheimer bekennt sich 1898, trotz beträchtlicher Vorbehalte gegen die materialistische Geschichtsauffassung (“es ist mir nicht möglich, die Begeisterung der Kreuzfahrer oder den Fanatismus der ersten Mohammedaner aus dem Stande ihrer ‘Produktion’ zu begreifen”), als “dankbarer Schüler” Marxens (vgl. Opp. 1922, S. 492f.). Ganz anders klingt das Credo Schmollers von 1897: “Es hieße sich dem Fortschritt und der Entwicklung entgegenstemmen, wenn man absterbende, überlebte Richtungen und Methoden den höherstehenden und ausgebildeteren gleichstellte: weder strikte Smithianer noch strikte Mar-xianer können heute Anspruch darauf machen, für vollwertig gehalten zu werden” (vgl. Schmoller 1898, S. 341).Google Scholar
  56. 13).
    Den Unterschied zwischen Natur und Kultur sieht Max Weber darin, “daß der Ablauf menschlichen Handelns und menschlicher Aeußerungen jeder Art einer sinnvollen Deutung zugänglich ist...” (Max Weber 1973, S. 12f., Anm. 1).Google Scholar
  57. 14).
    Sombart begründet diesen Ansatz folgendermaßen: a) Würde man menschliches Handeln konsequent auf äußere Ursachen zurückführen, was im Prinzip möglich wäre, so wäre man zu einem unbegrenzten Regressus gezwungen; b) Selbst wenn man eine lückenlose Kausalkette äußerer Ursachen herstellen könnte, bliebe die Frage der “psychologischen Verursachung, die eine andere als die mechanische Kausalität ist”, ungeklärt; c) Die Motive menschlicher Handlung sind der Erfahrung unmittelbar zugänglich und somit als Ausgangspunkt der Sozialtheorie besonders geeignet. Vgl. Sombart 1902, S. XIX.Google Scholar
  58. 15).
    Auch Schmoller seinerseits distanziert sich in seiner Rezension des “Modernen Kapitalismus” sachlich von seinem “früheren Schüler und jetzigem Kollegen und Freund” Sombart und bestätigt, “durch eine breite Kluft der Grundanschauungen von ihm getrennt” zu sein (vgl. Schmoller 1903, S. 291). Die Rezension ist jetzt abgedruckt in: Sombarts “Moderner Kapitalismus”, Materialien zur Kritik und Rezeption, hrsg. von Bernhard vom Brocke, München 1987, S. 135–146).Google Scholar
  59. 16).
    Treffend wird die historische Soziologie der Weimarer Republik in einer Passage Hans Freyers über Alfred Weber charakterisiert: “Er löst, wie der ganze moderne Historismus, die Einheit der Weltgeschichte in den Plural der weltgeschichtlichen Kulturen auf und verfolgt jenes doppelte Ziel, das gleichfalls für alles gegenwärtige Geschichtsdenken charakteristisch ist: die einmalige, unwiederholbare, eigenwertige Individualität der geschichtlichen Wirklichkeiten einfühlend zu ergreifen, und zugleich gewisse allgemeinste, trotzdem aber vielsagende Typismen und Gesetzmäßigkeiten aufzuweisen, die überall obwalten, wo Kultur entsteht, lebt und vergeht” (Freyer 1930, S. 137).Google Scholar
  60. 17).
    Zu den ersten Arbeiten der Weimarer historischen Soziologie sind zu zählen: Franz Oppenheimer, Großgrundeigentum und soziale Frage (1898); Werner Sombart, Der moderne Kapitalismus (1902); Max Weber, Die protestantische Ethik und der “Geist” des Kapitalismus (1905).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Volker Kruse

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