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Sprach- und Schreiberbiographie

  • Doris Tophinke
Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Schreiben und Erzählen sind nicht einfach Tätigkeiten, die sich modal different der Sprache als Handwerkszeug bedienen. Die spezifische sprachliche Form, die gewählt wird, ist immer auch (sprach-)kulturell orientiert19. Sie ist in diesem Sinne nicht beliebig. Nur theoretisch ist die formale Gestaltung von Texten frei.

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Referenzen

  1. 19.
    Vgl. dazu etwa Maas 1990: 224: “Gerade unter sprachwissenschaftlichen Prämissen hat sich die Vorstellung von der Sprache als einem Instrument eingebürgert, das bereitsteht, um kommunikativ in Dienst genommen zu werden. Aber ebensowenig wie ein Schachspieler Cum das landläufige Bild aufzunehmen) seine Partie einfach nach den Schachregeln spielt, die die Figuren und ihre Zugmöglichkeiten definieren (das tut vielleicht gerade noch der, der zum ersten Mal solche Figuren in die Hand nimmt), sondern seine Züge in Hinsicht auf früher schon gespielte Partien ausführt, ebensowenig ist Sprachpraxis das Befolgen von grammatischen Regeln — auch sie ist artikuliert in Hinblick auf andere sprachliche Praxen.”Google Scholar
  2. 20.
    In ähnlicher Weise betrachten auch Mellies u. Winnecken den Zusammenhang von hirnorganischer Läsion und Sprachproduktion, allerdings im Kontext eines psychologischen Modells, das anders als ich Emotion bzw. “emotionale Befindlichkeit” als maßgeblich ansieht: “Es ist davon auszugehen, daß die emotionale Befindlichkeit des Aphasikers Einfluß auf die sprachliche Erscheinungsform seiner Äußerungen hat, d.h. die rezeptiven und produktiven Sprachverhaltensmuster sind kein direkter Ausfluß der zugrundeliegenden neurologischen Schädigung eines Sprachsystems, sondern sind bewirkt durch eine aktive Reaktion des Gesamtorganismus und der Persönlichkeit auf veränderte Bedingungen der Informationsaufnahme/-verarbeitung und -Vermittlung.” (Mellies u. Winnecken 1990: 318).Google Scholar
  3. 21.
    So berichten Patterson u. Wing (1989) in ihrer Fallstudie über den Probanden vorab: “DK (born 1929) was a right-handed man who worked as a supervisor on the packing floor of a firm that imports and sells lampshades.”, ohne daß diese Information, die potentiell natürlich relevant sein kann, im Kontext der Analyse wieder aufgenommen wird.Google Scholar
  4. 22.
    Die Titel dienen der Erleichterung des Referierens auf die Textfassungen.Google Scholar
  5. 23.
    R. möchte nicht, daß das Gespräch aufgezeichnet wird, sodaß hier nur mein nachträglich erstelltes Protokoll zur Verfügung steht. Einen Grund für diese Haltung nennt R. später in einem Gespräch und verweist darin deutlich auf seinen beruflichen Hintergrund-, vgl. folgende Bemerkung über Tonbandaufzeichnungen “ich weiß ja aus Erfahrung — aus meinem beruflichen — daß da manchmal Dinge dann drauf sind — die man dann doch wegnimmt und — anders formuliert.... “(25.10.89:1).Google Scholar
  6. 24.
    In spitzen Klammern die schriftliche Fassung als Abschrift, in eckigen Klammern die vorgelesene Fassung.Google Scholar
  7. 25.
    “Orthographie” wird hierund im folgenden verstanden als die Komponente, die die sprachspezifisch richtige von im Hinblick auf Lesbarkeit alternativen graphischen Realisierungen einer Wortform bestimmt, sie ist historisch gewachsen, partiell durch Regeln beschreibbar. die auf verschiedene grammatische Ebenen, etwa Phonetik/Phonologie, Morphologie, Syntax, Bezug nehmen. Sie setzt eine Komponente “Graphie” voraus, die in Abhängigkeit von Sprache und Schriftsystem die im Sinne der Graphem-Phonem-Korrespondenzen möglichen graphischen Realisierungen vorgibt.Google Scholar
  8. 26.
    Sind die zitierten Äußerungen numeriert (hier: 25.10.89:3), so bezieht sich dies auf die entsprechende Zählung im Kapitel 4.1. Gegebenenfalls kann dort auch der gesamte Gesprächsausschnitt betrachtet werden.Google Scholar
  9. 27.
    Deutlich machen dies auch die Äußerungen, die Mellies u. Winnecken (1990) von ihren Probanden zitieren. Sie zeigen deutlich, daß es zu Konflikten kommt, weil eine kulturell akzeptierte, unauffällige oder auch die professionelle Form des Erzählens nicht mehr möglich ist: “Die Patientin sprach zunächst kaum und verbesserte sich dann rapide. Darauf angesprochen, erklärte sie. daß sie sich zunächst zurückgehalten habe, sie habe noch nicht so viel zu sagen gehabt und sich nicht getraut.... Der Patient gab an. sich in Gesprächen zurückzuhalten, da er längere Zeit brauche, um komplizierte sprachliche Strukturen zu äußern. Dadurch falle er auf. Wenn er einfacher spreche, habe er das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.... ‘Meine Sprache klingt so betrunken....Am liebsten ziehe ich mich zurück... sozusagen die Bettdecke über den Kopf.” (1990:313).Google Scholar
  10. 28.
    Vgl. zu dieser Sicht der medizinisch-therapeutischen Betreuung von Aphasie-Patienten auch Kohle u. Raspe 1982 im Vorwort des von ihnen herausgegebenen Bandes “Das Gespräch während der ärztlichen Visiste”: “In konsequenter naturwissenschaftlicher Betrachtung ist die ‘Wirklichkeit’ des Patienten letztlich biochemisch bestimmt; im Gespräch mit dem Arzt erstattet der Patient lediglich Bericht über seine Beschwerden. Die je individuelle Wirklichkeit des Kranken, etwa sein Erleben und Bewerten von Ereignissen interessiert nicht; subjektive Einflüsse, wie sie sich etwa in der Beziehung zwischen Arzt und Patient ergeben können, sind wissenschaftlich gesehen auszuschaltende Störfaktoren...”.Google Scholar
  11. 29.
    Die Kategorisierung der Abweichungen hängt von der Orthographie ab, die zugrundegelegt wird. Dies wird in einem späteren Kapitel genauer betrachtet werden. Hier soll nur ein Beispiel gegeben werden. Wenn man allein mit den genannten beschreibenden Kategorien operiert, so handelt es sich im Hinblick auf die Zielform bei beiden folgenden Wortformen um eine Auslassung: <Bot> “Brot”, <Sane> “Sahne”. Im Rahmen der Orthographie von Maas (1989) etwa, sind die Fälle aber zu unterscheiden. Im Falle von <Bot> handelt es sich nicht um ein orthographisches Problem, im Falle von <Sane> schreibt der Proband orthographisch abweichend, aber sinnvoll, wenn man die Maas’sche Dehnungsregel annimmt, nach der nur Langvokale in geschlossener Silbe mit einem Dehnungszeichen “h” markiert werden.Google Scholar
  12. 30.
    Vgl. dazu auch Chafe 1986: 13f.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Doris Tophinke

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