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Die Sprachfähigkeit des Staatsbürgers als Gegenstand öffentlicher Diskussionen und Bewertungen

  • Annette Trabold
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Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

In der öffentlichen Diskussion prägen in erster Linie Presseberichte die Einstellungen und Meinungen in der Bevölkerung zum Thema ‚deutsche Sprache‘ und wirken, wie in 4.4 breits schematisch dargestellt wurde, in vielfältiger Weise wieder auf die öffentlichen Diskussionen ein.

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Referenzen

  1. 148.
    Zitiert nach U. Weinreich 1976, 21.Google Scholar
  2. 149.
    Zur Erinnerung sei zu den verschiedenen Formen der Sprachkritik nochmals auf Heringer 1982a, 3ff. und auf die Zusammenfassung in Trabold 1985, 12ff. hingewiesen.Google Scholar
  3. 150.
    Bei der Untersuchung von Presseerzeugnissen muß man natürlich auch soviel Realitäts-sinn an den Tag legen, zu bedenken, daß ein Großteil der Zeitungen und Zeitschriften eine ‚reißerische‘ Präsentation der Themen braucht, um Interesse zu wecken und zusätzliche Käufer zu gewinnen.Google Scholar
  4. 151.
    So waren z. B. 82,3% der Beteiligten der Umfrage des IdS zum heutigen Deutsch (vgl. Stickel 1987, 306) der Meinung, „[.] daß auf den Sprachgebrauch einzelner Menschen und Gruppen oder sogar auf die Sprache insgesamt eingewirkt werden sollte.“Google Scholar
  5. 152.
    Vgl. übersetzte Neuauflage Schwenger 1983.Google Scholar
  6. 153.
    Vgl. Trabold 1985.Google Scholar
  7. 154.
    Vgl. RNZ 24.5.87, MM 8./9.12.1990, Kolb 1989.Google Scholar
  8. 155.
    Vgl. aufgeführte Presseartikel als Belege im Anhang.Google Scholar
  9. 156.
    Vgl. Klein, W. „Der Wahn vom Sprachverfall und andere Mythen“, Lili 62/1986, 11 – 28.Google Scholar
  10. 157.
    Vgl. Korn in der FAZ 20.11.1986, „Sprachverfall“, Südwestpresse, Ulm, 3.1.1987, „Keine Angst vorm Schbrachfervall — Deutschlands Linguisten sind keine PuristenGoogle Scholar
  11. sie plädieren für Offenheit“, RNZ 2.1.1987 „Schbrachferphall — moderne Linguisten Sehens nicht so eng. Droht ein wissenschaftlich begründetes Babylon“. Mit dieser Phase befaßt sich die Staatsexamensarbeit von Beatrice Löffler (1987), deren Literaturverzeichnis bedauerlicherweise nicht vollständig ist.Google Scholar
  12. 158.
    Zum Stellenwert dieser Auffassung: vgl. Stickel 1987, 312 „Linguisten neigen dazu, solche Meinungen als unwissenschaftlich, als zu Stereotypen geronnene Vereinfachungen überholter wissenschaftlicher Auffassung beiseite zu schieben. Aber auch Sprachmeinungen undGoogle Scholar
  13. einstellungen gehören zur sprachlichen Realität — besonders dann, wenn sie weit verbreitet sind und weiter verbreitet werden, wenn sie das wertende Sprachhandeln von Meinungsmultiplikatoren, von Erziehern im weitesten Sinne bestimmen.“Google Scholar
  14. 159.
    An dieser Stelle sei auch auf den umfassenden Sammelband zum Thema Niedergang hingewiesen: Koselleck/Widmer 1980. Eine Überlegung zu „Niedergang“ sei hier besonders hervorgehoben und aufgrund der stringenten Argumentationsweise auch umfassender zitiert „Niedergangskonzeptionen bündeln nicht bloß einen Verfallsprozeß von einer Norm bis zur jeweiligen Gegenwart, sondern sie enthalten auch prognostische Elemente, sind sie doch zwischen einem normativen Ursprung und einem Ziel eingespannt. Das Ziel freilich wird als solches nie anvisiert: Es ist die totale Negation der ursprünglichen Norm und dient als kontrastiver Fluchtpunkt, damit man den Niedergangsprozeß überhaupt thematisieren kann. Die Jetztzeit ist der Brennpunkt, der die gesammelten überkommenen Erfahrungen qua Prognose oder Prophezeiung in die Zukunft spiegelt. Sollte eine fehlgeleitete Entwicklung, so lautet etwa der Tenor der Erklärungen, fortgesetzt werden, dann müßte der Niedergang zu seinem Ende kommen und in den Untergang umschlagen. Wäre dieser absolute Endpunkt allerdings bereits erreicht, dann wäre auch die Diagnose einer Entwicklung, in welche man selbst involviert ist, als Niedergang unmöglich. Die Entwicklung wäre abgeschlossen und in der jeweiligen Gegenwart nicht mehr existent. Niedergangskonzeptionen, die eine Situationsbestimmung vornehmen, können deshalb ihr negatives Ziel, die völlige Negation der ursprünglichen Norm, logisch gesehen nie erreichen: Das Ziel muß andauernd in die Ferne verschoben werden. Es gehört zur Logik von Niedergangskonzeptionen, daß exakt in dieser Zeitspanne zwischen Situationsbestimmung und Untergangsprojektion immer die Möglichkeit angeboten wird, von der Fehlentwicklung abzukehren“ (Widmer 1980, 15f.; Hervorheb. A.T.).Google Scholar
  15. 160.
    Vgl. auch Kolb 1989, 181, der die häufig benutzten Metaphern des Gebäudes, des organischen Wachsens und Werdens und des Erwerbens und Wiederverlierens in diesem Zusammenhang herausarbeitet.Google Scholar
  16. 161.
    Vgl. auch MM 8./9.12.1990. Dort wird in einem Leserbrief der allgemeine Sprachverfall der deutschen Sprache zurückgeführt auf: „Allgemeine[n] Verfall der Sitten“.Google Scholar
  17. 162.
    Vgl. zu Sprachskeptizismus: Chandos-Brief Hugo von Hofmannsthals und in der Folge auch den Umgang mit Sprache bis hin zur Auflösung in Dadaismus und Expressionismus (vgl. von Polenz 1983a, 6f).Google Scholar
  18. 163.
    Vgl. dazu auch das Bundes-Parteiprogramm der rechtsradikalen „Republikaner“ 1987, 8, in dem die Lektüre von Lagarde empfohlen wird.Google Scholar
  19. 164.
    Für von Polenz (1983a, 13) stellt sich unter diesem Aspekt für die Geschichte der deutschen Sprache die grundsätzliche Frage, „[.] ob nicht etwa unsere ganze Epoche, von der Jahrhundertwende bis heute, Sprachkrise genannt werden muß.“Google Scholar
  20. 165.
    Die nationale Komponente ist natürlich auch ein Bestandteil des deutschen Kulturpessimismus. Sie soll hier aber nochmals besonders herausgehoben werden.Google Scholar
  21. 166.
    In der Umfrage des IdS wurde als einer der Gründe des Niedergangs von den Befragten wiederholt angegeben (Stickel 1987, 291): „Die zunehmende Amerikanisierung der Bundesrepublik. der Sog der amerikanischen Führungsmacht, der Mangel an staatlichem Bewußtsein seit dem Kriegsende“.Google Scholar
  22. 167.
    Im übrigen ist auch im Zusammenhang mit der erwähnten Spiegel-Überschrift „Eine Industrienation verlernt ihre Sprache“ darauf hinzuweisen, daß „Industrienation“ nicht mit Sprachnation gleichgesetzt werden kann, die „ihre Sprache“ verliert. Deutsch ‚gehört‘ nicht nur der BRD. Ebenso ist die Bevölkerung in der zum Zeitpunkt des Spiegelartikels noch existenten DDR, in Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und in der Schweiz mehrheitlich deutschsprachig. Vgl. zur Begriffsproblematik auch: Born/Dickgießer 1989, 9ff. sowie die Tabelle 15f. a.a.O. (27 Länder mit deutschsprachigen Minderheiten). Vgl. auch für die umgekehrte Situation: Coulmas 1985, 52f., der darauf hinweist, daß in Europa ein Nationalstaat kaum vorkommt In der alten BRD gibt es z. B. Nordfriesen und Dänen und in der ehemaligen DDR Sorben als Volksgruppen.Google Scholar
  23. 168.
    Vgl. Hoberg 1990. Er prägt analog zu Sittas „Altherrentopoi“ den Terminus „Ältere-Damen-Topoi“.Google Scholar
  24. 169.
    Es muß erwähnt werden, daß die 673 Antworten, die Weihnachten 1985 aufgrund der Umfrage in der Rhein-Neckar-Zeitung und im Mannheimer Morgen eingingen (MM 399, RNZ 274), nur teilweise vollständig sind, da in der Version des Mannheimer Morgen die Bitte fehlte, Alter und Beruf anzugeben.Google Scholar
  25. 170.
    Die Hinzuziehung der Zahlen der Zeitungsumfrage und der Schülerumfrage soll lediglich eine Tendenz deutlich gemacht werden. Die Verfasserin ist sich der methodischen Problematik derartiger Umfragen durchaus bewußt Stickeis Anmerkung (vgl. a.a.O., Anm. 15, 317) soll hier auch besonders hervorgehoben werden: Bei den befragten Real- und Gymnasialschülern handelt es sich um eine „relativ homogene Gruppe“ im Vergleich zu der (theoretisch) „offenen Zeitungsumfrage“.Google Scholar
  26. 171.
    Vgl. zu Sprachnorm allgemein: Gloy 1980, Sandig 1979, Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung 1980, Heringer 1982b und besonders ausführlich: Bartsch 1985. Bartsch setzt sich sehr umfassend mit dem Themenkomplex ‚Sprachnorm‘ auseinander. Dennoch zeigen sich auch bei Bartsch zugrunde liegende Ideologien, wie sie im Zusammenhang mit der Defizit-Theorie (Fowler et al. 1979, 186 und 192) bereits diskutiert wurden. Bartsch spricht z. B. davon, daß ein Aufsteigen in höhere berufliche Positionen einen Einstieg in die Mittelschicht bedeutet und „[.] daß man diese Zugehörigkeit auch durch die Anpassung an die Standardsprache symbolisieren will. Dieser Motivation kann sich nur ein eiserner Proletarier entziehen, bei dem das Solidaritätsgefühl ein hinreichendes Gegengewicht bietet, um diese Anpassung zu vermeiden“ (a.a.O., 108; Hervorheb. A.T). Sie spricht außerdem davon, daß der soziale Aufstieg „[.] selbst innerhalb der Gewerkschaften und linken Parteien [.]“ an die Beherschung der Standardsprache geknüpft sei (a.a.O., 129; Hervorheb, A.T).Google Scholar
  27. 172.
    Vgl. Bartsch 1985, 163: „Normen reduzieren die Komplexität im Wahrnehmen und Bewerten von Sachverhalten und Verhalten und machen so effektives Handeln möglich [.]; aber sie schließen auch Aspekte und Eigenschaften von Situationen aus und können so zur Rigidität im Wahrnehmen und Interpretieren von Situationen führen. [.]. Normen sind prinzipiell konservativ: Individuen neigen dazu, an ihren Normen festzuhalten, weil sie anders ihre Orientierung verlieren würden und unfähig würden, effektiv zu handeln, oder überhaupt sozial relevant zu handeln.“Google Scholar
  28. 173.
    Vgl. auch Karl Korn: „Die Sprache Kants, Lessings, Fichtes, Hegels ist dem flauen Organisationsidiom unserer Tage nicht nur an Genauigkeit, sondern auch an geistiger Anstrengung unendlich überlegen“ (zit. n. Tschirch 1979, 17).Google Scholar
  29. 174.
    Eine sprachgeschichtlich gute Übersicht bietet v. Potenz 1978. Tabellarische Zusammenfassungen zu Sprachstufen und Entwicklungstendenzen in: Sonderegger 1979, 164ff.; 208ff. u. 216. Moser 1979. Die Verfasserin referiert im folgenden Abschnitt in erster Linie: Tschirch 1979. Die in Klammern angegebenen Seitenzahlen beziehen sich, falls nicht anders vermerkt, auf den genannten Aufsatz.Google Scholar
  30. 175.
    Vgl. dazu auch v. Polenz 1986, hier besonders die Faktoren Variabilität, Innovation, Sprachökonomie.Google Scholar
  31. 176.
    „In diesem Sinne kann die wahre Definition der Sprache in der Tat nur eine genetische sein. Eine invisible-hand-Theorie eines sprachlichen Phänomens ist eine Darstellung seiner Genese durch das Handeln der Individuen“ (Keller 1987, 111).Google Scholar
  32. 177.
    Zur „geplanten“ Sprachentwicklung: vgl. Coulmas 1985, 76 ff. (Korpusplanung — Statusplanung). Dieser evolutionären Theorie des Sprachwandels entsprechend kann „[.] gewollter Sprachwandel auch zu ungewollten Ergebnissen führen, weil Sprache grundsätzlich allen Sprachbenutzern gehört“(v. Polenz 1986, 9). Vgl. dazu auch die Diskussion um die feministische Sprachkritik bzw. die dort gemachten Vorschläge zum geplanten Sprachwandel wie z.B. bei Schräpel 1986.Google Scholar
  33. 178.
    Die Analyse folgt dem Vorschlag von Heringer 1977, 86ff.Google Scholar
  34. 179.
    Der Text lautet „Deutsch für Deutsche. Deutsche Sprack, schwere Sprack, meint ein Franzose in Les sings ‚Minna von Barnhelm‘. Schwer auch für Deutsche? Ein bißchen schon, aber so schwer nun doch nicht, wenn man sich um sie bemüht. Daß es daran ausgerechnet bei Jung-Akademikern fehlt, ist traurig, aber wahr. Das Germanistische Institut an der Technischen Hochschule Aachen mußte sich zur Einrichtung zweisemestriger Kurse entschließen, um deutschen Studenten Nachhilfestunden in Deutsch zu geben. Vor aller Öffentlichkeit beklagen sich Dozenten, daß ‚immer mehr Studenten muttersprachliche Kenntnisse, die früher selbstverständlich waren, nicht mehr besitzen‘. Ist es ein Wunder? Deutsch zum Abwahlfach degradiert, keine Lust auf Grammatik und Rechtschreibung, dafür lustvolle Aneignung plattgewalzter Gemeinplätze — was soll da schon anderes herauskommen als eine Primitivsprache? Zusammen mit ein paar Brocken Englisch werden wir uns schon durchmogeln. Eben nicht. Die Beherrschung der eigenen Sprache ist ein Schlüssel für berufliches Weiterkommen. Ob Arbeiter, Angestellter oder Beamter: Wer über das Alphabet stolpert, stolpert auch über die Sprossen zum Erfolg. Du nix können Deutsch, du nix verdienen viel Geld. Klar? Das Schreiben und das Lesen war nie ihr Fall gewesen. Jetzt also soll in einer akademischen Sonderschule Versäumtes nachgeholt werden. ‚Zwänge‘ an der Basis unseres Unterrichtssystems hätten eine solche Blamage verhindert, aber die sind ja leider nicht ‚in‘.“Google Scholar
  35. 180.
    Vgl. z.B.: Lübecker Nachrichten 20.2.1983: „Tarzans Sprache wird weltweit verstanden“; Süddeutsche Zeitung 10.10.1981: „Du trinken Bier mit mir“.Google Scholar
  36. 181.
    Die Ausschreitungen im vereinten Deutschland gegen Asylbewerber und Ausländer seit Mitte des Jahres 1991 bestätigen auf grausame Weise diese Feststellung.Google Scholar
  37. 182.
    Vgl. auch: Die Zeit, 25, 14.6.1991: „Bonner Bühne“: Man spricht deutsch! Klaus Dieter Feige vom Bündnis 90 spricht in Zusammenhang mit dem Straßenbau in Ostdeutschland von einer „Autobahn von Lübeck nach Szczecin“. Michael Schmude (CDU) ruft dazwischen: „Er meint wohl Stettin?“. Feige entschuldigt sich, die ostdeutsche Bezeichnung benutzt zu haben und gesteht ein, nicht zu wissen, wie man in der Bundesrepublik die genannte Stadt bezeichnet. Michael von Schmude: „Wir sprechen hier noch deutsch!“Google Scholar
  38. 183.
    Die Textvorlage zu dieser Rede bediente sich des feministisch motivierten „großen I“, wie z.B. bei Ausländerinnen/Türkinnen etc., und brachte daher Probleme beim Sprechen und Verstehen, wie auch aus der Erwiderung ersichtlich wird. Außerdem stellt sich m. E. die Frage, ob man einen Gemeinderat mit feministisch-linguistisch motiviertem Sprachgebrauch nicht einfach überfordert und daher dem politisch sensiblen Thema „Ausländerrechte“ mehr schadet als nütztGoogle Scholar
  39. 184.
    Es ging bei dieser Diskussion wohlgemerkt nicht um das kommunale Wahlrecht für die ausländische Bevölkerung, sondern um die Einrichtung eines Gremiums, das nur beratende Funktion hat.Google Scholar
  40. 185.
    Vgl.: Der Spiegel 28/1984, 126f.; Analyse bei Trabold 1985.Google Scholar
  41. 186.
    Erinnert sei hier an den in 4.4.3 aufgeführten Test des Kultusministers Gölter, Die Welt, 14.11.1984, der diese Vermutung untermauert.Google Scholar
  42. 187.
    Vgl. dazu auch die Untersuchung von Gocht 1978. 300 wissenschaftliche Hausarbeiten (30.000 Seiten) germanistischer Lehramtsstudenten wurden auf Normabweichungen untersucht Es zeigen Fehler aus dem orthographischen Bereich, daß es sich weniger um ‚plumpe‘ Rechtschreibverstöße handelt, wie oftmals in der Presse unterstellt, sondern eher um die ‚typischen‘ Problemfalle der Groß- und Kleinschreibung (wie z. B. falsch: aufs Äußerste, in Folge des Mauerbaus, mithilfe vgl. a.a.O., 297 ff.). Wenn auch Gochts Schlußfolgerungen im wesentlichen von der Verfasserin nicht geteilt werden können, so stellt er dennoch fest „Gewisse Abweichungen signalisieren, daß allgemeine Entwicklungstendenzen im heutigen Sprachgebrauch forciert auftreten oder geradezu auf die Spitze getrieben werden“ (a.a.O., 308).Google Scholar
  43. 188.
    Darunter können z.B. gesellschaftliche Probleme wie Aufrüstung bzw. Nachrüstung und die Friedensbewegung, Proteste gegen die Kernenergie oder Umweltzerstörung etc. verstanden werden. Gleiches gilt für den Rechtsruck in der Bundesrepublik.Google Scholar
  44. 189.
    Wenn von ‚der Jugend als Forschungsgegenstand‘ gesprochen wird, findet man oftmals aber auch „[.] beinahe soviele „Jugendbildet (Typologien) wie Jugendforscher“ (Giese a.a.O., 30).Google Scholar
  45. 190.
    So wird z.B. in dem Beitrag des Niedersächsischen Tageblattes, 25.7.1984, „Total lull und lall“, die Auffassung explizit bekräftigt, jüngere und ältere Menschen könnten wegen ihres unterschiedlichen Sprachgebrauchs zwingend gar kein Verständnis mehr füreinander aufbringen.Google Scholar
  46. 191.
    Im betreffenden Spiegelartikel 28/1984 ist das in der oben zitierte Passage i): „Power bringen“; „abfahren“; „geil“, „grell“.Google Scholar
  47. 192.
    Vgl. dazu: Ortner, L. 1982, Wortschatz der Pop-/Rockmusik. Düsseldorf.Google Scholar
  48. 193.
    Abgesehen von der falschen Kongruenz — es müßte Bewahrerin heißen, da die DDR ein Femininum ist — wird hier wieder die damals übliche unklare Linie im Umgang mit der DDR und ihrem kulturellen Anspruch deutlich: Üblicherweise wurde der DDR nicht der Status zugestanden, sie „bewahre deutsche Kultur“. Hier kommt allerdings noch hinzu, daß dies im Hinblick auf den Einfluß der Anglizismen auf die deutsche Sprache formuliert wird, wo doch sonst normalerweise an der Allianz mit den westlichen Verbündeten der BRD, gerade aufgrund der Existenz der DDR, nicht gerüttelt werden sollte.Google Scholar
  49. 194.
    Wolf Schneider hingegen, der Leiter der Hamburger Journalistenschule und (selbsternannter) publizistischer Sprachkritiker, erliegt in diesem etymologischen Bereich einem Irrtum. Er wirft diachrone und synchrone Sprachbetrachtung durcheinander und zieht dann falsche Schlüsse bei Wörtern „[.], die wir heute fälschlich [sic!] als neutral empfinden [.]“. Vor diesem Trugschluß sei hier gewarnt So schreibt Schneider: „Das scheinbar bürokratisch trockene „seht hieß einmal schmerzlich und verletzt, wie die Kriegsversehrten bezeugen: Es als Verstärkung einzusetzen, hat das Niveau des englischen ‚bloody‘ oder des amerikanischen ‚damn‘ und der ‚sehr geehrte Herr‘ ist sprachlich ein verdammt geehrter“ (Schneider 1976, 50). Aber nicht nur Journalisten, sondern auch Sprachwissenschaftler unterliegen leider heutzutage noch immer dem Irrtum, synchrone und diachrone Sprachentwicklungen nicht zu trennen, sondern zu vermengen (vgl. z.B. den Aufsatz von Förster 1990, 161ff.)Google Scholar
  50. 195.
    Ein anderer Aspekt, der hier nicht mit der ‚Fremd‘- bzw. Lehnwörter-Diskussion vermengt werden darf, ist die Rolle der deutschen Sprache in einem vereinten Europa. Das beinhaltet z. B. die Frage, ob Deutsch auch bei der EG als Verhandlungssprache oder als Wissenschaftssprache Bedeutung erlangt. Die neu eingeführten ‚Lingua‘-Sprachprogramme an den europäischen Hochschulen lassen aber den Schluß zu, daß die Position der einzelnen europäischen Landessprachen gegenüber der englischen Sprache gestärkt werden soll.Google Scholar
  51. 196.
    Drosdowski (1985, 89) sieht hingegen in diesem Bereich der inneren Entlehnungen eine Beeinträchtigung der Kommunikation: „Die ungeheuere Flut von Anglizismen stellt heute ohne Frage ein Problem für unsere Sprache dar, ein Problem, das man bestimmt nicht mit dem Hinweis beiseite schieben kann, daß dann das Deutsche eben wie im Mittelalter das Englische eine Mischsprache wird und dann auch Chancen hat, eine Weltsprache zu werden. Vor allem in Bereich der inneren Entlehnungen haben die Nachahmungen und Übernahmen ein Ausmaß erreicht, daß die Kommunikation erheblich beeinträchtigt wird (vitale Interessen statt lebenswichtige Interessen; das macht keinen Sinn statt das gibt/ergibt keinen Sinn; in 1945 statt im Jahre 1945 oder nur 1945) “. M.E. ergibt sich aus den ausgeführten Beispielen keine beeinträchtigte Kommunikation. Diese Beispiele sind nur schlechte Übersetzungen aus dem Englischen (vital interests, that makes no sense, in 1945).Google Scholar
  52. 197.
    Ein Leserbrief an den Böblinger Boten, 2.5.1984, weist deutlich darauf hin, daß eben ‚fremd‘ oft mit ‚nicht verstehen‘ gleichzusetzen ist und daher abgelehnt wird. Er zeigt aber auch, daß man bei Verständigungsschwierigkeiten durch Fragen verstehen kann, vorausgesetzt man will. „[.] Es geht mir schon lange gegen den Strich, daß unsere Sprache so sehr von ausländischen Wörtern verunstaltet wird. Man kann sich ja kaum noch richtig verständlich machen, wenn man nicht über ein gewisses Kontingent vor allem englischer Ausdrücke verfügt. Ich für meine Person bin so frei und frage noch einmal nach, was eigentlich gemeint ist, wenn mir mein Gesprächspartner mit einem ausländischen Wort daher kommt Man kommt nicht umhin, bestimmte englische Wörter zu gebrauchen, aber irgendwo ist das Maß voll. Und bei mir schon sehr früh. [.]“ (Hervorheb. A.T.).Google Scholar
  53. 198.
    Zit. n. Engelsing 1973, 69.Google Scholar
  54. 199.
    Auf diesen Aspekt macht auch Kübier (1985, 340) aufmerksam: „Selbst kulturspezifische Divergenzen, sonst gewichtig hervorgehoben und just im Hinblick auf die selbst überaus vielschichtige amerikanische Kulturlandschaft gravierend, werden bei den eilfertigen Erklärungen ignoriert“.Google Scholar
  55. 200.
    Auch Habermas muß sich die Frage gefallen lassen, ob er generell den stetig wachsenden Faktor Bildung genügend berücksichtigt hat, wenn er feststellt: „Während die Presse früher das Räsonnement der zum Publikum versammelten Privatleute bloß vermitteln und verstärken konnte, wird dies nun umgekehrt durch die Massenmedien erst geprägt“ (Habermas 171987, 225). Natürlich kann die Rolle der Massenmedien als ‚Meinungsmacher‘ nicht angezweifelt werden, es stellt sich aber die Frage, wer ‚früher‘ diese Privatleute waren, die überhaupt in der Lage waren zu räsonnieren.Google Scholar
  56. 201.
    Vgl.: Bickes/Trabold 1989. Diese Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache im Auftrag der Robert Bosch Stiftung bezieht sich nur auf die ‚alte‘ BRD. Da es sich um das Ergebnis eines auf vier Monate befristeten Forschungsprojektes handelt, kann davon ausgegangen werden, daß sich noch weitaus mehr Institutionen mit der Förderung sprachlicher Kultur befassen, als in einem Zeitraum von vier Monaten festgestellt werden konnte. Die Ergebnisse wurden allerdings nochmals überarbeitet und das Gebiet der neuen Bundesländer in einer zweiten Projektphase miteinbezogen.Google Scholar
  57. 202.
    Die Fülle der Aktivitäten sagt natürlich nichts über das jeweüige Verständnis von ‚sprachlicher Kultur‘ und den daraus resultierenden Maßnahmen aus. Auch wenn nach Auffassung der Verfasserin mit dem Terminus ‚Sprachkultur‘ oder ‚sprachliche Kultur‘ im Vergleich zu ‚Sprachpflege‘ eine Assoziation vermieden werden kann, die die Vorstellung von Sprache als Organismus und damit verbundene ‚Verfallsvorstellungen‘ nahelegt, kann durchaus auch die Vorstellung von ‚Sprachkultur‘ bzw. ‚sprachlicher Kultur‘ sich widersprechende Tendenzen der Sprachkultivierungsarbeit nach sich ziehen. So z. B. im Sinne einer „Sprachkultur von oben“ oder einer „Sprachkultivierung durch Sprachkritik“ (vgl. Wimmer 1984, 14). Dazu auch: Greule 1982, 1986, 1987. Er versucht den Assoziationen des historisch problematischen Terminus der ‚Sprachpflege‘ mit der Bezeichnung „moderne Sprachpflege“ zu entkommen. Die wissenschaftliche Diskussion wird zusammengefaßt bei: Bickes/Trabold 1989, 10ff. Man darf in der wissenschaftlichen Diskussion um ‚Sprachkultur‘ gespannt sein, ob und wie sich die von der Prager Linguistik stark geprägten Forschungsarbeiten der ehemaligen DDR im vereinten Deutschlsnd auswirken. Vgl. dazu den Sammelband: Scharnhorst, J./ Ising, E. (Hrsg.) 1976, Grundlagen der Sprachkultur. Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Sprachwissenschaft. Reihe Sprache und Gesellschaft Band 8/1 u. 8/2. Berlin. Sowie auch: Ising, E. (Hrsg.) 1977, Sprachkultur — warum, wozu? Leipzig.Google Scholar
  58. 203.
    Es läßt sich der Grad der Alphabetisierung aufgrund der unterschiedlichen Einführung der Schulpflicht in Deutschland (vgl. Kap. 4.1 dieser Arbeit) kaum feststellen. Die Verbreitung und Art der Lektüre wird an den Nachlässen einzelner Personen festgemacht. Z.B. waren um 1700 in Frankfurt am Main unter 50 Nachlässen von Kaufleuten 28% ohne Buch, 1750 unter 107 Nachlässen 16% ohne Buch (vgl. Engelsing 1943, 46). Man beruft sich also bei historisch-rückblickenden Aussagen über den Alphabetisierungsgrad der Bevölkerung meistens auf den Nachlaß einzelner Leute, ohne dabei die Gesamtbevölkerung oder Lektüreart (Bibel, Kalender, etc.) zu berücksichtigen.Google Scholar
  59. 204.
    Vgl. zur Geschichte der Zensur: Schütz 1990.Google Scholar
  60. 205.
    Diese Aussage gilt nur für die alte BRD. Die Verfasserin möchte gerade im Hinblick auf diesen Faktor der Vielfalt vor einer oberflächlichen Verklärung der ehemaligen DDR zum „ Vielleseland“ warnen, wie oftmals nach der Vereinigung geschehen (vgl. z. B. in: Forum Lesen, 10/91, Stiftung Lesen (Hrsg.) „Leseförderung in den fünf neuen Bundesländern“). Die Stasi-Akte Reiner Kunzes (Kunze 1990) dokumentiert die Bespitzelung, der man als systemkritischer Schriftsteller ausgesetzt war, einprägsam, verdeutlicht aber auch die Bespitzelung der Leser, die Lektüre besitzen oder weitergeben, die dem Staat nicht genehm ist. Das zeigt z.B. folgender Aktenvermerk: „Karl-Marx-Stadt, 7.2.1973. Inoffiziell wurde bekannt, daß die Studentin Rita P—, TH Karl-Marx-Stadt, im Besitz von Gedichten des Schriftstellers Reiner Kunze ist und diese an Interessenten weitergibt“ (Kunze 1990, 40).Google Scholar
  61. 206.
    Das Buch ist also ein Massenmedium.Google Scholar
  62. 207.
    Denn neben der Bildung ermöglicht die Verkürzung der Arbeitszeit, die Art der Arbeit und die wachsende Freizeit von heute überhaupt eines der Medien zu nutzen, wobei gerade auch zeitliche und formale Flexibilität im Umgang mit der Freizeit die Nutzung der Medien bestimmt (vgl. Neumann-Bechstein 1984).Google Scholar
  63. 208.
    Vgl. dazu Kapitel 4.3.4.1 dieser Arbeit: Baden-Württemberg und die Streichung der Trivialliteratur aus dem Lehrplan. Vgl. besonders: Der Spiegel 1988, 42, Seite 122: Die Gefahr der unkritischen Übernahme eines überkommenen Tugendkataloges, der in diesen Heftromanen publiziert wird und die Klischees die darin Verbreitung finden (uneheliches Kind = Schande; Emanzipation, Abtreibung, Homosexualität = Böse). Vgl. auch zu diesen „eskapistischen Bedürfnissen“ Fritz/Suess 1986, 122.Google Scholar
  64. 209.
    Die kategorisierenden Benennungen a — h stammen von der Verfasserin; aus a folgt b etcGoogle Scholar
  65. 210.
    In der Form auch von Fritz/Suess 1986, 134 nochmals unverändert übernommen.Google Scholar
  66. 211.
    Vgl. auch die Ausführungen zu den diversen Untersuchungen bei Steinberg 1984, 542: „Buchkäufer sind offenbar durchweg und in jeder Hinsicht aktiver, ob es sich um Tanzen oder Museumsbesuche, um Singen oder Häkeln, um Briefmarkensammeln oder Parteipolitik handelt. [.] Für das Lesen kommt es nicht auf die Zeit an, die jemand hat oder nicht zu haben meint, sondern allein auf die Zeit, die er sich nimmt“. Diese These, die in der Forschung auch auf den Bereich des Fernsehens Anwendung findet (wer viel liest, sieht auch viel fern; vgl. Fritz/Suess 1986, 140), läßt sich durch die Formel aus der angelsächsischen Forschung „the more — the more“ umschreiben.Google Scholar
  67. 212.
    Hier wäre auch weitere Forschung in der Neurobiologie notwendig, falls man die These vertritt, Lesen sei generell ungeachtet des Inhalts für den Menschen positiv, denn auch hier liegen keine Ergebnisse vor: „Über die Gründe für das relative Desinteresse der Neurobiologen am Thema Lesen kann man nur spekulieren. Doch dürfte die Tatsache, daß die bereits vorliegenden Erkenntnisse von der psychologisch und pädagogisch orientierten Leseforschung anscheinend nicht zur Kenntnis genommen wurden, nicht eben förderlich gewesen seien. Deshalb liegen lediglich einige Untersuchungen vor über die unterschiedlichen Durchblutungsmuster beim stummen und lauten Lesen, nicht aber beispielsweise, was sich doch direkt anböte, über die unterschiedliche Hirnaktivität beim Lesen leichter und schwieriger Texte oder über Durchblutungsmuster während des Lesenlernens, bei Analphabeten, bei verschiedenen Lesertypen (geübt — ungeübt) usw. [.]“ (Opolka 1987, 172; vgl. auch ff.; Hervorheb. A.T.).Google Scholar
  68. 213.
    Die Verfasserin betont, daß sie hier nicht die „Gefahr der Romantisierung“ (vgl. Maas 1985, 59ff.) schriftloser Zeiten und Kulturen übersieht Gessingers Ausführungen dienen jedoch dazu, die Rolle des Buches bzw. Bücherschreibens und Lesens auch einmal unter einem negativen Aspekt zu diskutieren und zwingen dazu, präzise zu differenzieren, was mit ‚Lesen‘ gemeint sein soll, statt ihm pauschal einen positiven Wert zu unterstellen und dies womöglich noch der negativen Tätigkeit ‚Fernsehen‘ gegenüberzustellen.Google Scholar
  69. 214.
    Franzmann führt aus, daß bei Allensbach nach Bücherlesen und bei Infratest nach der Nutzung bzw. Verwendung und dem Gebrauch von Büchern gefragt wird.Google Scholar
  70. 215.
    Die Kernergebnisse werden wörtlich übernommen von Franzmann 1978, 167ff., und durch Ergebnisse neuerer Untersuchungen ergänzt.Google Scholar
  71. 216.
    Vgl. dazu z.B. Zeitter 1987, 172. Er zeigt auf, daß diejenigen, die mit dem Medium Fernsehen aufgewachsen sind, damit auch gezielter umgehen.Google Scholar
  72. 217.
    Dabei darf man m.E. nicht über das Ziel hinausschießen und annehmen, Compu-terbenutzung sei gleichzusetzen mit Spezialistentum im Informatik-Bereich und daraus dann die Furcht ableiten, der Gesellschaft drohe eine Aufspaltung in Analphabeten und Informatik-Spezialisten (vgl. Fritz/Suess 1986, 170). Es ist durchaus etwas für Spezialisten, Computerprogramme selbst zu schreiben, aber die Textverarbeitung mit dem Computer wird dagegen immer leichter zu handhaben und die Möglichkeiten der Textverarbeitung für den einzelnen, auch aufgrund sinkender Preise im Computer-Bereich, immer vielfältiger.Google Scholar
  73. 218.
    Fritz/Suess (1986, 145) weisen darauf hin, daß in der bisherigen Leserforschung der Be-grif der Bildung im Mittelpunkt stand und in der ‚knowledge-gap-Forschung‘ der Begriff des Wissens. Zur Hypothese von der wachsenden Wissenskluft („increasing knowledge gap“), die unter dem Einfluß der Massenmedien und vor allem der Printmedien zwischen Inhabern eines hohen Bildungsniveaus und sozioökonomischen Status’ und den Trägern eines weniger hohen Bildungsniveaus und sozioökonomischen Status’ herrschen soll, vgl.: Saxer 1978, Bonfadelli 1978. Winterhoff-Spurk (1986, 155ff.) relativiert aufgrund weiterer Untersuchungen diese Hypothese, die er als „Mittelschicht-Phänomen“ bezeichnet „Mit den sprachlichen Ausdrucksweisen dieser Schicht wird gefragt, ob die ßr sie interessanten Wissensbereiche in der Unterschicht zur Kenntnis genommen werden“ (Hervorheb. A.T.). Er schlägt daher die Bezeichnung „Wissensunterschiede“ (knowledge difference) anstelle der Bezeichnung „Kluft“ vor (a.a.O., 161). Untersuchungen zeigten, daß Interesse an bestimmten Themen einen „[.] größeren Einfluß auf die Entstehung, Vergrößerung oder Verringerung einer Wissenslücke hat als die Sozialschicht, [.] weniger die intellektuellen Fähigkeiten und die schulische Ausbildung [sind] als Gründe für die Wissenskluft anzusehen [.], sondern eher die geringeren Sehzeiten mangels Interesse. [.] Ein weiteres Problem liegt bei den verwendeten Befragungs-Methoden: Läßt man die Angehörigen der unteren sozialen Schichten die Antworten in ihren eigenen Worten geben, so verringern sich die Effekte gegenüber vorformulierten Antworten. [.] Ferner beeinflußt die jeweilige Definition dessen, was unter Wissen verstanden werden soll, die Ergebnisse: Faktenwissen (‚knowledge of‘) ist bei niedrigeren Sozialschichten eher vorhanden als Wissen über Strukturen und Zusammenhänge („knowledge about“). Schließlich bewirkt auch die hohe Publizität eines Themas über eine längere Zeit eher eine Reduzierung der Wissenslücke [.]“(Winterhoff-Spurk 1986, 160f.).Google Scholar
  74. 219.
    Die verkaufte Auflage der Tageszeitungen ist von 1950: 11,1 Mio. auf 1988: 20,6 Mio. kontinuierlich gestiegen (Tabelle in der RNZ, 22.6.1989).Google Scholar
  75. 220.
    Vgl. Muckenhaupt 1986, 249ff. zum Ansatz „dialogischer Handlungsformen“.Google Scholar
  76. 221.
    Vgl. z.B. Winterhoff-Spurk 1986, 8ff. und 27f. zur Hörfunksendung und Wirkung von „Die Invasion vom Mars“.Google Scholar
  77. 222.
    Hamburg 1979.Google Scholar
  78. 223.
    Hamburg 1979.Google Scholar
  79. 224.
    Vgl. zu einer ausführlicheren Vertiefung des Themas: Giese 1983, Gessinger 1986 und auch Maas 1985 und 1989 sowie die dort angegebene weiterführende Literatur.Google Scholar
  80. 225.
    Zu dieser Unterstellung muß angemerkt werden, daß Ausländer nicht dadurch schon Analphabeten sind, daß sie manchmal Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Sie können ja dessen ungeachtet sehr wohl russische, amerikanische oder türkische Lyrikbände publizieren, d. h. sich gerade durch eine hohe muttersprachliche Sprachsensibilität auszeichnen. Es zeigt sich hier erneut die abwertende Haltung der Deutschen gegenüber Ausländern. Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum ‚führen‘ die Deutschen im europäischen Vergleich auch bei den vorurteilsvollen Einstellungen gegenüber ethnischen Minderheiten (vgl. Rhein-Neckar-Zeitung, 25.9.1991).Google Scholar
  81. 226.
    Angesichts einer Milliarde ‚völliger Analphabeten‘, darunter besonders Frauen, in der gesamten Welt ist die Diskussion, die hier über Analphabeten geführt wird, natürlich Luxus (vgl. auch Coulmas 1985 und dort angegebene Literatur zu Sprachplanung und Alphabetisierung).Google Scholar
  82. 227.
    Vgl. auch Bickes/Trabold 1989, 66ff. Im Jahre 1987 nahmen 8243 Personen an Alpha-betisierungskursen teil.Google Scholar
  83. 228.
    „Daß das Telefon den Brief weithin verdrängt hat, ist heute bereits eine bare Selbstverständlichkeit; Briefe, sofern sie nicht zu der intim ästimierten Gattung zählen, haben heute in der Regel zusätzliche (z. B. notifiziell-bestätigende) als nur einfach kommunikative Zwecke. Andererseits sind sog. Tonkassetten-Briefe nicht so mächtig in Mode gekommen wie ursprünglich prophezeit“ (Kübier 1985, 354).Google Scholar
  84. 229.
    So sind z. B. in der Heidelberger Akademie für Ältere aus einem Literaturwettbewerb für Menschen ab 60 auf Anhieb zwei Literaturbände hervorgegangen. Vgl. Akademie für Ältere, Akademieschrift für das zweite Halbjahr 1990, 12f.Google Scholar
  85. 230.
    Vgl. Fohrbeck, K. 1985 (Hrsg.), Handbuch der Kulturpreise und der individuellen Künstlerförderung in der Bundesrepublik Deutschland 1979 bis 1985. Im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren. Köln.Google Scholar
  86. 231.
    Vgl. Rolfes 1989, 272; Trabold 1986: Krankheit läßt sich nicht weglachen. Bücher helfen in der Kinderklinik Angst zu mildern, in: Unispiegel der Universität Heidelberg, 18. Jhg. H 7/86, 8.Google Scholar
  87. 232.
    Vgl. Rolfes 1989, 272ff. und: Poesie-Therapeutisch-Pädagogisches Institut 8/1989.Google Scholar
  88. 233.
    „Einen säkularen Trend zur ‚Vermündlichung‘ darf man vermutlich prognostizieren; ob und auf welche Weise er an frühere eher schriftabstinente Stadien anknüpft, wäre mit kulturgeschichtlicher Akribie zu untersuchen“ (Kübier 1985, 354; dazu auch Schlieben-Lange 1983). Vgl. allerdings zu diesem Problem der „Prognose“ oder Prophetie: Weinrich 1985, 333ff.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Annette Trabold

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