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Die deutsche (Gegenwarts-)Sprache

  • Annette Trabold
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Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Eine Hauptschwierigkeit dieser Arbeit besteht darin zu definieren, wie die Beschaffenheit ‚der‘ deutschen Sprache ist, die der Staatsbürger der Gegenwart beherrschen muß, bzw. der er ausgesetzt ist.

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Referenzen

  1. 32.
    Über Deutschland. Vollständige und neu durchgesehene Erstausgabe von 1814. Frankfurt 1985, S. 174f.Google Scholar
  2. 33.
    In der ehemaligen DDR war darüberhinaus der für bundesrepublikanische Verhältnisse etwas mißverständliche Terminus ‚Literatursprache‘ gebräuchlich: „Die in der DDR häufige Bezeichnung ‚Literatursprache‘ wird nicht überall verwendet und heute in der Sprachwissenschaft zunehmend durch ‚Standard(-sprache)‘ ersetzt“ (Ising et al. 1988, 100; vgl. generell 97ff.).Google Scholar
  3. 34.
    Anhand der verwendeten Formulierungen ist ersichtlich, daß der Verfasserin nicht an der Einführung und weiteren Verwendung des Terminus ‚Metasprache‘ gelegen ist. Die Problematik kann an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Verkürzt formuliert ist aber, nach Auffassung der Verfasserin, Sprechen über Sprache kein Sprechen auf einer, wie auch immer definierten, zweiten oder ‚dahinter‘ liegenden Sprachebene, sondern Sprechen bzw. Definieren mittels der Terminologie der Sprachwissenschaft bzw. der Philosophie.Google Scholar
  4. 35.
    Mit Hilfe dieser ‚These Glinz‘ und der These, die besagt, im Deutschunterricht in den Schulen würden nur historische Sprachauffassungen gelehrt und moderne Sprachentwicklungen nicht zur Kenntnis genommen (vgl. dazu auch Kapitel 4 dieser Arbeit), ließe sich u. a. auch die Empfänglichkeit des Durchschnitts-Sprachteilhabers für die populäre Auffassung vom Sprachverfall erklären.Google Scholar
  5. 36.
    Nach Busch (1964, 53) wäre diese sprachkritische Betrachtung durch die Verfasserin Beispiel für die „Spionage im eigenen Haus.“Google Scholar
  6. 37.
    Vgl. zur Grundsatzdiskussion über die Periodisierung in der Sprachgeschichte die Literaturhinweise bei v.Polenz 1989, 11. Weiterhin ist m.E. der Auffassung zuzustimmen: „Herausgehobene Einzelereignisse sind als Periodisierungskriterien untauglich [.]“ (v. Polenz 1989, 12).Google Scholar
  7. 38.
    Auf die grundsätzlichen Folgen, die damit verbunden sind, das Jahr 1945 in der Geschichte der Deutschen als ‚Stunde 0‘ bzw. als Beginn einer neuen Epoche zu bezeichnen, kann an dieser Stelle nicht genauer eingegangen werden. Die dieser Denkweise inhärente Spannbreite zwischen Verdrängung und sinnvoller Motivation zu einem Neubeginn bedürfte einer umfassenderen Darstellung. Es soll hier aber nochmals kurz an die Diskussion um das „Wörterbuch des Unmenschen“ von Sternberger/Storz/Süskind erinnert werden. So sinnvoll es auf der einen Seite war, Sprachgebrauch und Mechanismen der NS-Propaganda kulturkritisch und moralisch zu bewerten, so problematisch ist die daraus resultierende Sprachüberschätzung, (Panlinguismus, vgl. Betz 1968, 23), wie sie bei Sternberger besonders deutlich wird: „Die Strafe, die sich Ossietzky (wie die Anekdote will) für die Naziführer ausgedacht hatte — ‚Deutsch müssen sie lernen!‘ — gewinnt ja gerade dadurch ihre Pointe, daß sie, die Nazis, lernten sie wirklich Deutsch, nämlich konkretes, gutes Deutsch, in demselben Augenblick aufhörten das zu sein, was sie waren. Es wäre das Ende des Nationalsozialismus und das Ende der Diktatur“ (Sternberger 31968, 285 u. in Heringer 1982, 118). Die (hauptsächlich von Journalisten und Politikern) betriebene politische Sprachkritik nach dem Zweiten Weltkrieg konnte leicht zu der Auffassung verleiten, die Deutschen seien zwischen 1933 und 1945 nur einem „Sprachkollaps“ (vgl. Busch 1964, 51) erlegen. Der Sprecher wird so zum Opfer ‚der Sprache‘ gemacht, ‚die Sprache‘ trägt so die Schuld am ‚Dritten Reich‘. Derartige Schuldzuweisungen dienen als ein Ersatzventil, Vergangenheitsbewältigung und Faschismuskritik werden in Form von politischer Sprachkritik vollzogen. Darum war/ist es auch für die sprachwissenschaftlich Forschenden so ‚angenehm‘, die Gegenwartssprache mit dem Jahr 1945 beginnen zu lassen.Google Scholar
  8. 39.
    Bei der Periodisierung, die die Sprachentwicklung unter „den Bedingungen der Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung“ zum Gegenstand hat, schwingt natürlich die Vorstellung einer eigenen Staatssprache mit (vgl. dazu Steger 1984, 266). Dies war m.E. für die DDR nicht gegeben, auch wenn bei der 13. Tagung des SED-Zentralkommitees 1970 die Zweistaatentheorie mit einer Zweisprachentheorie als Folge proklamiert wurde. „‚Die einstige Gemeinsamkeit der Sprache‘, meinte kein geringerer als Ulbricht, „ist in Auflösung begriffen‘ (wobei er die „vom Humanismus erfüllte‘ Sprache Goethes pikanterweise für die DDR reklamierte und der BRD eine „vom Imperialismus verseuchte Sprache‘ attestierte) (Süddeutsche Zeitung, 23.11.1990). Dennoch wird in künftigen sprachwissenschaftlichen Forschungen noch genauer zu untersuchen sein, inwieweit die im Verlauf der deutschen Vereinigung festgestellten ‚Nur-Unterschiede‘ im politischen und wirtschaftlichen semantischen Bereich für die DDR-Bevölkerung nicht doch größere Probleme aufwarfen/aufwerfen als ursprünglich angenommen.Google Scholar
  9. 40.
    Der folgende Abschnitt bezieht sich auf eine sprachgeschichtlich zusammenfassende Darstellung bei v. Polenz 1983, 42ff.Google Scholar
  10. 41.
    Vgl. dazu Fußnote 37.Google Scholar
  11. 42.
    In diesem Zusammenhang müssen auch die wachsenden Fremdsprachenkenntnisse der Bevölkerung aufgeführt werden und die eventuellen Folgen der Mehrsprachigkeit (vgl. Clyne 1980). Auch ist als Folge der wachsenden Bildung (über ein Viertel eines Jahrgangs macht heute Abitur; vgl. dazu detailliert: Bundesminister für Bildung und Wissenschaft (Hrsg.) 1987/1988, Grund- und Strukturdaten. Bonn) das stetig zunehmende Eindringen bildungssprachlicher und wissenschaftssprachlicher Elemente in den Wortschatz ‚der Öffentlichkeit‘ zu nennen (vgl. Strauß/Zifonun 1985, 86ff.). Dies muß auch im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Wandel, eingeleitet durch die Studentenrevolte Ende der 60er Jahre, und mit dem Leitsatz „Mehr Demokratie wagen“ durch die sozial-liberale Koalition gesehen werden.Google Scholar
  12. 43.
    Vgl. zu den Tendenzen der Sprachentwicklung auch: v. Polenz, 91978, 131ff.; Moser 1979; Tschirch 1979; Eggers 1980; Glinz 1980; Drosdowski/Henne 1980; v. Polenz 1983.Google Scholar
  13. 44.
    Damit ist natürlich direkt die Diskussion um die Sprachnormen verbunden. Um den vagen Begriff der „Umstände“ etwas zu konkretisieren, die diese Varietät besonders herausheben, soll hier auf einige Überlegungen von R. Bartsch hingewiesen werden: „Die deutsche Standardsprache als Sprachsystem existiert nicht als etwas, das von Gott gegeben ist, oder das natürlich gewachsen ist wie der Dialekt einer kleinen Bevölkerungsgruppe. Sie ist vielmehr das, was unter anderen diese Sprachinstitute als die Deutsche Sprache [sic!] festlegen, und die Gebraucher dieser Kodifizierungen, etwa die Lehrer in den Schulen, durchsetzen. [.] Man hat aber auch kein Esperanto aus den Varietäten des Deutschen konstruiert, was, theoretisch gesehen, möglich gewesen wäre, sondern man hat die schriftsprachliche Variante des Soziolekts einer Elite als Standard genommen und kodifiziert [.]“ (Bartsch 1985, 106f., Hervorheb. A.T.).Google Scholar
  14. 45.
    „Die Medien machen tatsächlich die Sprache, und sie machen eine genormte, eine vereinheitlichte Sprache“ (Heringer 1982b, 94).Google Scholar
  15. 46.
    Es ist hier zu bemerken, daß in dieser Definition die Annahme für höchst problematisch gehalten wird, die Leute unterliefen die Sprachnormen. Nach Auffassung der Verfasserin muß man, um eine Norm unterlaufen zu können, diese auch kennen; dies setzt bewußtes Handeln voraus und dieses bewußte Handeln ist m. E. im Falle der ‚Umgangssprache‘ zu bezweifeln und somit auch die von Weinrich definierte Annahme (vgl. auch Fowler 1979, 194). M. E. zeigt sich hier ebenso eine grundsätzliche definitorische Problematik im Verständnis der „geltenden Sprachnormen“, wie es Stickel (1982, 236; Hervorheb. A.T) ausführt: „Eigenschaften situationsadäquater, damit auch ‚normgerechter‘ Sprachverwendung werden von Germanisten noch immer allzu rasch als Merkmale für Sprachvarietäten (z.B. ‚Umgangssprache‘) gehalten, die nicht der standardsprachlichen Norm entsprechen.“Google Scholar
  16. 47.
    In Zusammenhang mit den Vorwürfen, die (Alltags)sprache ‚funktioniere‘ heute nicht mehr, werden wir uns nochmals vertieft mit dieser These auseinandersetzen müssen.Google Scholar
  17. 48.
    Analog zu: Dialekt, Soziolekt, Idiolekt und ungebräuchlicheren Bezeichnungen wie Sex-lekt (für geschlechtsspezifischen Sprachgebrauch, vgl. Glück 1979, 60); Natiolekt, Poli-tolekt (vgl. Strauß/Zifonun 1985, 94 ff.); Technolekt (vgl. Otto 1981).Google Scholar
  18. 49.
    Vgl. dazu Strauß/Zifonun 1985, 86ff., wie bereits erwähnt. „Informationsbereich“ ist hier als Gegensatz zur ‚Unterhaltung‘ aufzufassen. Wir werden allerdings noch näher darauf eingehen, daß auch hier die Grenzen fließend sind. Formal betrachtet ist aber das Verständnis von ‚Informationen‘ für die Partizipation des Staatsbürgers an demokratischen Prozessen von größerer Relevanz als das Verständnis von ‚Unterhaltung‘.Google Scholar
  19. 50.
    In diesem Zusammenhang ist schon jetzt darauf hinzuweisen, wie absurd es ist, Kritik an Sprachnormen (im weitesten Sinne, also z.B. auch die Norm der Angemessenheit des Ausdrucks) mit demokratiezerstörenden, sozialistisch angehauchten Bestrebungen in Zusammenhang zu bringen, wie es z.B. Gutschow (1982, 183) tut: „Es gibt Stimmen, die es für ein Zeichen progressiver Einstellung halten, auf sprachliche Normen zu verzichten oder ihren Geltungsbereich zumindest wesentlich einzuschränken. Ihnen müßte zu denken geben, daß aus den sozialistischen Staaten nicht eine einzige Äußerung bekannt ist, die in dem Einhalten sprachlicher Normen eine Behinderung der Persönlichkeitsentwicklung gesehen hätte“. Bei der Behandlung der Lehrpläne und der Diskussion von Normen werden wir uns noch häufiger und ausführlicher mit dieser unterstellten Verbindung zwischen Normenkritik und Sozialismus befassen müssen. Es wird hier vollkommen ignoriert, daß ‚innerer Sprachausgleich‘ eine einzig richtige Definition von politischen Begriffen in Anlehnung an die marxistisch-leninistische Ideologie voraussetzt; daß generell ein normgerechtes Verhalten der Menschen zum Programm der realen sozialistischen Staaten gehört(e) und daß dies in vollkommenem Gegensatz zu einer pluralistischen Gesellschaft steht.Google Scholar
  20. 51.
    „Jede Sprachgemeinschaft weist die eben beschriebene Art sprachlicher Arbeitsteilung auf, das heißt, sie verwendet wenigstens einige Ausdrücke, für die gilt: Die mit diesen Ausdrücken verknüpften Kriterien kennt jeweils nur eine Teilmenge der Menge aller Sprecher, die diesen Ausdruck beherrschen, und ihre Verwendung durch andere Sprecher beruht auf einer spezifischen Kooperation zwischen diesen und den Sprechern aus anderen Teilmengen “ (Putnam 1979, 39).Google Scholar
  21. 52.
    Dabei sollen uns die jeweiligen Jahreszahlen nicht irritieren. „ 1984“ ist hier nach wie vor als Symbol für die Zukunft schlechthin aufzufassen, auch wenn wir nun zeitlich real schon weit über das Jahr 1984 ‚hinaus‘ sind.Google Scholar
  22. 53.
    Aus Gründen der leichteren Verständlichkeit wurde hier aus der deutschen Übersetzung zitiert: G. Orwell „1984“, Übers, von M. Walther, Hrsg. und mit einem Nachwort von H. W. Franke. Frankfurt/Berlin/Wien 1984, S.311.Google Scholar
  23. 54.
    Strauß/Zifonun 1985, 75 Abb. 13. Die ausführliche Entwicklung dieses Modells: a.a.O.; Kapitel 2.4.1 bzw. S.52ff.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Annette Trabold

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