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Vorbemerkungen

  • Annette Trabold
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Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Bundestagspräsident Philipp Jenninger mußte 1988 zurücktreten, weil er in einer Gedenkveranstaltung des deutschen Bundestages zu den Judenpogromen der Nationalsozialisten am 9./10. November 1938 nicht in der Lage war, eine dem Anlaß entsprechende Rede zu halten. Das falsche Wort am falschen Ort zur falschen Zeit des zweiten Mannes im Staat veranlaßte das Ende einer politischen Karriere.1 Was sonst oftmals in der Bundesrepublik Skandale und Affären nicht bewirken, leistete in diesem Falle ‚nur‘ eine einzige Rede.

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Referenzen

  1. 1.
    Vgl. dazu die Analyse von Hoffmann/Schwilalla 1989: „Die spontanen Reaktionen auf die Rede Jenningers waren kein kollektives Mißverständnis. Jenninger hat es sprachlich nicht vermocht, sich von den wiederzugebenden Äußerungen oder Gedanken ausreichend zu distanzieren“ (a.a.O., 6). Vgl. auch Heringer 1990, 163 ff., der aufgrund seiner Analyse diese Auffassung nicht teilt. Vgl. v. Polenz 1989a sowie die Untersuchung von Krebs 1993. Es sei auch an dieser Stelle schon das mangelnde Bewußtsein der Medien für das Gebiet ‚Sprachwissenschaft‘ kritisiert bzw. die zurückhaltende Position des Faches in der Öffentlichkeit beklagt: in den nachfolgenden Fernsehdiskussionen waren niemals Sprachwissenschaftler anwesend! (dazu ausführlicher Kapitel 2 dieser Arbeit)Google Scholar
  2. 2.
    So auch in der Fernsehsendung „Das waren die 80er...“ am 1.1.1990, ARD. Dort wurde v.Weizsäcker als „Bundespräsident der richtungsweisenden Reden“ charakterisiert.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Adorno 1971.Google Scholar
  4. 4.
    Für die Textsorte ‚Dissertation‘ sollen hier Substantive, wie in diesem Fall z.B. Staatsbürger, als ‚geschlechtsneutrale‘ grammatikalische Form (Genus) betrachtet werden, trotz der Tatsache, daß darauf mit ‚et‘ referiert wird. Die Verfasserin ist sich bewußt, daß sie damit den Anforderungen, die von einem Teil der Öffentlichkeit gestellt werden, nicht gerecht wird — sie hält dies aber in der Textsorte ‚Dissertation‘ für einen textsortenbedingten legitimen Verzicht. Zu den Anforderungen, die durch die feministische Sprachkritik artikuliert wurden, vgl. Pusch 1984, dies. 1985, dies. 1986; Schoenthal 1989; Schräpel 1985, dies. 1985; Trömel-Plötz 1978, dies. 1980, dies. 1982, dies. 1984.Google Scholar
  5. 5.
    Dazu ausführlich: Kapitel 3 der Arbeit.Google Scholar
  6. 6.
    Die aufklärerische Rolle des (West-)Femsehens bei der Demokratisierung im Osten und die Rolle des (umkämpften und dann besetzten) Fernsehstudios in Bukarest bei der Revolution in Rumänien muß m. E. von Politologen und Medienwissenschaftlern noch ausführlich untersucht werden.Google Scholar
  7. 7.
    Die Warnung von Holly/Kühn/Püschel 1986, bezogen auf ihre Analyse von politischen Fernsehdiskussionen, kann m. E. ebenso für den in dieser Arbeit zu behandelnden Themenbereich ausgesprochen werden: „Es sollte auch davor gewarnt werden, interpretative Beschreibungen als ‚bloß subjektiv‘ abzutun, handelt es sich doch eigentlich um die Freilegung intersubjektiver Interpretationsmuster, die wir nur verstehen, weil wir sie alle teilen (ungeachtet verschiedener Formulierungen und Meinungen); einen radikaleren Wahrheitsanspruch als den der Plausibilität kann es aber im Bereich sozialer Regeln nicht geben [.]“(a.a.O., 48).Google Scholar
  8. 8.
    Der Hinweis von Dr. Susanne Schröder vom „Sample Institut“, in ihrem Antwortbrief vom 16.12.1987 „[.], daß bei der Formulierung demoskopischer Testfragen der Sprach-und Sprechfähigkeit der Testpersonen [Befragten] in sorgfältigster Weise Rechnung zu tragen ist“, weist auf ein weiteres interessantes Forschungsgebiet zu diesem Themenbereich hin: wie und wodurch tragen die demoskopischen Fragesteller „in sorgfältigster Weise“ der Sprachfähigkeit ihrer Befragten Rechnung und welche Folgen hat die Sprachfähigkeit für die Repräsentativität von Umfragen?Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Bickes/Trabold 1989. Die Veröffentlichung eines Nachschlagewerkes ist für die erste Jahreshälfte 1993 geplant.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. dazu die im Anhang angeführten Presseartikel.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Annette Trabold

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