Advertisement

Struktur- und Quantitätsbezug in der natürlichen Sprache

  • Carola Eschenbach
Chapter
  • 23 Downloads
Part of the Studien zur Kognitionswissenschaft book series (SZKW)

Zusammenfassung

Die Fragen nach einer angemessenen Modellierung der lexikalischen Einträge von Numeralia der natürlichen Sprache, der Semantik des Numerus und der Konsequenzen hiervon für den Gehalt und die Struktur anderer lexikalischer Einträge stehen im Zentrum dieser Schrift. Als Kriterium für die Angemessenheit einer Modellierung wird dabei herangezogen, in welchem Maße sie den möglichen Verwendungsweisen der Ausdrücke gerecht wird und ihre Kombinationsrestriktionen mit weiteren Ausdrücken erfaßt. Während der Phänomenbereich des Numerus im Deutschen, Englischen und verwandten Sprachen weitgehend bekannt ist, liegt noch keine entsprechende Aufbereitung der Numeralverwendungen vor.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Diese Kategorisierung ist mit Vorsicht zu genießen; insbesondere in Fachsprachen werden fehlende Formen bei Bedarf gebildet (Sand — Sande, Druck — Drücke oder auch Elter — Eltern). Ähnliches gilt auch für die im folgenden eingeführten Termini wie etwa ,Zählnomen’, ,Massennomen’, ,Kollektivum’, die in der einschlägigen Literatur systematisch verwendet werden, ohne daß klare, auf verschiedene Sprachen übertragbare Kriterien für die Zugehörigkeit eines Nomens zur jeweiligen Klasse angegeben werden. Damit steht einerseits in Zusammenhang, daß sich stets einige Nomen als Grenzfälle darstellen, deren Zuordnung zu einer der Kategorien als eher zufällig angesehen werden muß. Andererseits kann durch geeignet starke Kontexte ein ansonsten klarer Fall auch zum Grenzfall werden. Aus diesem Grund werde auch ich nicht versuchen, explizite Definitionen anzugeben, sondern die Kategorien an Hand von möglichst klaren Beispielen einführen. In den meisten Fällen werden dabei bestimmte Verwendungsweisen eines Nomens in den Vordergrund gerückt und diese Verwendungsweisen klassifiziert. In Abschnitt 5.2 werde ich auf die Probleme einer systematischen Unterscheidung zwischen Massennomen und Zählnomen detaillierter eingehen.Google Scholar
  2. 2.
    Obwohl ich in Hinsicht auf die Existenz dieser Aspekte mit Kuhn übereinstimme, kann ich seinen Zuordnungen einzelner Wörter zu den von ihm aufgestellten Klassen nicht in allen Fällen folgen.Google Scholar
  3. 3.
    vgl. z.B. Weinert 1980, Marello 1980, Jansen 1980, Kuhn 1982b, Löbel 1986, Krifka 1989, Michaux 1991Google Scholar
  4. 4.
    Zu einer umfassenden Aufstellung der physikalischen Einheiten und Präfixen wie Kilo- s. insbesondere Männich 1980.Google Scholar
  5. 5.
    s. Fraurud 1991Google Scholar
  6. 6.
    Mit,nominalem Numerussystem’ bezeichne ich Unterscheidungen, die systematisch auf die von Nomen bezeichneten Entitäten Bezug nehmen, unabhängig davon, durch welche Wörter dies angezeigt wird. Von anderer Art sind Unterscheidungen, die sich auf die von Verben bezeichneten Situationen beziehen. Verschiedene Sprachen weisen beispielsweise systematische morphologische Mittel zum Ausdruck der Iteration von Aktionen oder Ereignissen auf (Jespersen 1924:21 Of., Dressier 1968). Hierauf soll jedoch in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden.Google Scholar
  7. 7.
    Für die deutschen — in der Mehrzahl femininen — Nomen, die auf -e enden und den Plural auf -en bilden (Flasche, Welle), wird von Plank (1981) angeführt, daß die singularen Formen als morphologisch markiert angesehen werden können.Google Scholar
  8. 8.
    Dryer (1989) gibt einen Überblick über die verschiedenen Sprachen und die vorkommenden Numeruswörter. Während in einigen Sprachen die Numeruswörter syntaktisch den Artikeln oder Numeralia zugeordnet werden können, bilden sie in anderen Sprachen syntaktisch eine eigene Kategorie.Google Scholar
  9. 9.
    s. Schopp 1992Google Scholar
  10. 10.
    s. z.B. Humboldt 1827, Stegmann von Pritzwald 1965, Wellmann 1969, Greenberg 1975b, Biermann 1982, Kuhn 1982a.Google Scholar
  11. 11.
    In den meisten mir bekannten Untersuchungen zu Numerus in den verschiedenen Sprachen wird ausschließlich das morphologische Verhalten der Nomen behandelt. Um jedoch die Kollektivkategorien tatsächlich als Varianten im Numerussystem einer Sprache auszuweisen, müßte m.E. gezeigt werden, daß sie auch für die Kongruenz wirksam sind.Google Scholar
  12. Auf der semantischen Seite sind, wie bereits in Abschnitt 3.2 dargestellt, verschiedene Arten von Kollektiva zu unterscheiden. Es wäre zu untersuchen, in welchem Maße hier semantische und morphologische Kategorien miteinander korrelliert sind. Wellmann 1969 gibt eine ausführliche Diskussion zu den deutschen Affixen, die Kollektiva bilden, schließt jedoch Kollektiva wie Vieh von seiner Diskussion aus.Google Scholar
  13. 12.
    Beispiel nach Biermann 1982:234.Google Scholar
  14. 13.
    Die Beispiele aus dem Maltesischen stammen von Fabri (1993:87 bzw. 24).Google Scholar
  15. 14.
    Eine entsprechende Analyse kann hier insbesondere für die vorgestellten Beispiele nicht erbracht werden, da diese spezifischere Informationen über die Bedeutungs- und Verwendungsdifferenzen benötigt.Google Scholar
  16. 15.
    Das Beispiel a stammt von Lehmann (1990:39), die Beispiele i,j von Allen (1977:292); g,h stammen ursprünglich von Haas (1942) und k,l von Burling (1965), werden hier aber nach Allen (1977:286 bzw. 293) zitiert. Für die Informationen zum Chinesischen (b,c) danke ich Cao Yong, zum Türkischen (d,e,f) entsprechend Kari Fraurud.Google Scholar
  17. 16.
    Zu relationalen Nomen bzw. Funktionalbegriffen, sowie verschiedenen Verben der Zuordnung von Maßangaben s. Löbner 1979. S. Bierwisch 1987 zu Dimensionsadjektiven, die zu den graduierbaren Adjektiven zählen und von den Bewertungsadjektiven (fleißig) zu unterscheiden sind.Google Scholar
  18. 17.
    Der Komplementstatus der Maßangaben kann dabei nur für betragen mit Sicherheit angenommen werden. Bei den anderen Verben wäre zu untersuchen, ob die die Maßangaben einbettenden Präpositional-phrasen Komplemente oder Adjunkte sind. Vgl. auch Löbner 1979 zu Funktionalbegriffen (zu denen auch Dimensionsnomen gehören) und Verben der Veränderung.Google Scholar
  19. 18.
    In bezug auf Dimensionsverben haben Maßangaben sicherlich Komplementstatus, und in der Modellierung in Kapitel 6 werden ich sie auch als Komplemente der Adjektive im Positiv und Komparativ einstufen (vgl. auch Bierwisch 1987).Google Scholar
  20. 19.
    In Kapitel 6 werden die allgemeinen der Verwendung von Maßangaben zugrundeliegenden Prinzipien auf Differenzen bezogen und die spezifischen Bedingungen, unter denen Absolutangaben möglich sind, zusätzlich spezifiziert.Google Scholar
  21. 20.
    Allein bei Altersangaben (Klaus ist dreiunddreißig, Philipp ist eins) sind im Deutschen entsprechende Verkürzungen möglich, allerdings auch nur, wenn die Maßeinheit Jahr(e), die immer mitverstanden wird, nicht explizit auftritt. Man beachte hier auch, daß an Stelle von ein Jahr alt das Wort eins verwendet wird. Einige verwandte Sprachen wie das Englische oder das Niederländische erlauben in verschiedenen anderen Fällen prädikative Verwendungen von Quantitätsangaben (Klooster 1972).Google Scholar
  22. 21.
    Vgl. auch Wendt (1972:113) zum Türkischen und die weiter unten angesprochenen Adjektivbildungen von Maßeinheiten im Deutschen.Google Scholar
  23. 22.
    Im Englischen ist im Kontext von Rezepten nicht nur die Pseudopartitivkonstruktion, sondern auch die quantitative Nominalgruppe anzutreffen (,Pourone tablespoon lemon juice on the fisch ...’).Google Scholar
  24. 23.
    Ähnlich ist auch die umgangssprachlich verwendete Maßeinheit Stundenkilometer zu interpretieren, die sich nicht auf das Produkt aus Zeit und Länge bezieht (vgl. Kilowattstunde), sondern auf die Anzahl der in einer Stunde zurücklegbaren Kilometer.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Carola Eschenbach

There are no affiliations available

Personalised recommendations