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Auf der Suche nach Identität

Umrisse zu einem Selbstporträt des Ruhrgebiets in den zwanziger Jahren
  • Matthias Uecker
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Part of the DUV : Literaturwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Ein „Kohlenpott“ ist das Ruhrgebiet schon längst nicht mehr, doch selbst in den neunziger Jahren hängen die alten Klischees von Ruß, Rauch und Arbeit der Region an wie zur Zeit ihrer Entstehung. Nicht selten hat man sogar den Eindruck, daß selbst die auf eine Korrektur der Vorurteile zielenden Publicity-Kampagnen des Kommunalverbands Ruhr insgeheim noch auf die alten Bilder fixiert sind.1 So sehr man sich gegen diese Bilder wehrt — eine neue Identität scheint das „starke Stück Deutschland“ auch nach dem langen Niedergang der ehemals identitätsprägenden Schwerindustrie nicht gefunden zu haben. Und so beginnt fast rituell jede Beschäftigung mit dem Ruhrgebiet (auch die vorliegende) mit der Versicherung, die allgemein zirkulierenden Bilder und Erwartungen seien falsch, denn eigentlich sehe die Region ganz anders aus...

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Literatur

  1. 1.
    Ein treffendes Bild zeichnet die vom Kommunalverband Ruhr herausgegebene Selbstdarstellungs-Broschüre: Wechsel auf die Zukunft. Essen 1986. Eine frühere und differenziertere Stufe dieser PR-Arbeit dokumentiert Dietrich Springorum: Laßt uns den Kohlenpott umfunktionieren! (1969), in: Revier-Kultur, H. 2/1986, S. 85–96.Google Scholar
  2. 2.
    Karl Rohe: Vom Revier zum Ruhrgebiet. Wahlen - Parteien - Politische Kultur. Essen 1986, S. 68f. Vgl. a. ebd., S. 71: “Der Region ist eine regionale Identität mehr oder minder von außen aufgedrückt worden. [¡­] Das Ruhrgebiet wird von außen als Ruhrgebiet identifiziert, und bequemt sich erst dann dazu, sich auch selbst als Ruhrgebiet anzuerkennen.”Google Scholar
  3. 3.
    Georg Wieber: Werke und Gestalten. Aus der Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebiets, in: Christoph Wieprecht (Hg): Die Ruhr. Ein Heimatkalender für 1927. Essen o. J., S. 31. Für dieses und fast alle folgenden Zitate ließen sich mühelos unzählige weitere Belege erbringen, worauf jedoch im Interesse der Übersichtlichkeit verzichtet wird. Wenn viele der benutzten Quellen obskur wirken, so hängt dies mit dem Bemühen zusammen, nicht primär die durchreisende Reporter-Prominenz als Zeugen aufzurufen, sondern auf Selbstdarstellungen aus der Region zu rekurrieren. Gefragt war in der Regel nicht höchstes Reflexionsniveau, sondern repräsentative Durchschnittlichkeit der Quellen.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. a. Jürgen Reuleckes Beschreibung solcher Orientierungsmuster als “mental maps”, “die das ‘Wir’ von den ’Anderen’ zu unterscheiden” helfen. Jürgen Reulecke: Von der Landesgeschichte zur Regionalgeschichte, in: Geschichte im Westen, 6/1991, H. 2, S. 205f.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. den instruktiven Überblick von Erhard Schütz: Das Land der Städte oder Der Kohlenpott ist grün, in: ders. (Hg): Die Ruhrprovinz - das Land der Städte. Ansichten und Einsichten in den grünen Kohlenpott. Köln 1987, S. 11–24.Google Scholar
  6. 6.
    Hans Spethmann: Die Ruhrstadt und der Ruhrstädter, in: Die Heimat. Monatsschrift für Land, Volk und Kunst in Westfalen und am Niederrhein, 8/1926, S. 283.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. etwa Josef Feiten: Die Wunde, in: Christoph Wieprecht (Hg), a.a.O., S. 40–42.Google Scholar
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    Vgl. zu dieser Literatur Christoph Rülcker: Ideologie der Arbeiterdichtung 1914–1933. Eine wissenssoziologische Untersuchung. Stuttgart 1970; Albert Soergel/ Curt Hohoff: Dichtung und Dichter der Zeit. Vom Naturalismus bis zur Gegenwart. Band 2. Düsseldorf 1964; S. 333ff; Frank Trommler: Sozialistische Literatur in Deutschland. Stuttgart 1976, S. 390ff.Google Scholar
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    Christoph Wieprecht: Zum Geleit, in: ders. (Hg), a.a.O., S. 5.Google Scholar
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    Hermann Lunecke: Das Ruhrgebiet. Ein Heimatbuch. Düsseldorf 1930, S. 3. Über die Gründe für die allgemeine Blüte und Popularität biographischer Literatur in den zwanziger Jahren vgl. Siegfried Kracauer: Die Biographie als neubürgerliche Kunstform, in: Siegfried Kracauer. Das Ornament der Masse. Frankfurt a.M.1977, S. 75–80.Google Scholar
  11. 11.
    Paradigmatisch entfaltet ist dieser Kruppsche Familien-Mythos in Rudolf Herzogs Roman “Die Stoltenkamps und ihre Frauen” (Stuttgart 1917). Die krisenhafte Auflösung der familialen Betriebsleitung thematisiert - ebenfalls vom Beispiel Krupp inspiriert - Dierck Seeberg: Oberstadt. Leipzig 1927.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Georg Schwarz: Kohlenpott 1931. Essen 1986, S. 36–44. Die berühmtesten Beispiele für eine solche Interpretation finden sich in den Reportagen von Egon Erwin Kisch (Das Nest der Kanonenkönige: Essen) und Larissa Reissner (Krupp und Essen); beide in: Erhard Schütz (Hg), a.a.O., S. 203–214. Auch Erik Reger stellte in kaum verschlüsselter Forni ausgerechnet seinen ehemaligen Arbeitgeber in den Mittelpunkt seines ersten Romans “Union der festen Hand”; vgl. Kapitel 9 dieser Arbeit.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. die Analyse kommunistischer Arbeiterliteratur bei Michael Rohrwasser: Saubere Mädel. Starke Genossen. Proletarische Massenliteratur? Frankfurt a.M. 1975.Google Scholar
  14. 14.
    Franz Predeek: Ruhrlandschaft, in: Werner Lindner (Hg): Das Land an der Ruhr. Berlin 1923, S. 21f.Google Scholar
  15. 15.
    Friedrich Wilhelm Beielstein: Rauch an der Ruhr. Stuttgart 1932. Zum Literaturpreis vgl. Erhard Schütz: “Kulturstadt im Begriffe es zu werden”. Zur kulturpolitischen Physiognomie Essens gegen Ende der Weimarer Republik, in: Folkwang ‘85. Festival der Künste Essen. Köln 1985, S. 17.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. die Beispiele in den Kapiteln 4 und 7 dieser Arbeit.Google Scholar
  17. 17.
    Georg Schwarz, a.a.O., S. 163.Google Scholar
  18. 18.
    Adolf Brandmeyer: Der Ruhrmensch. Ein soziologischer Versuch. Essen 1931, S. 6.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. beispielsweise den Diskussionsbeitrag von B. Wahle zum Thema “Heimat und Rasse”, in: Die Westfälische Heimat, 12/1930, S. 194f; Ein Modell für rassistische Verfalls-und Vermischungsängste und ihre Kombination mit der “sozialen Frage” bietet vor allem das letzte Kapitel von Dierck Seebergs (d.i. der Essener Verleger Theodor Reismann-Grone) Roman “Unterstadt” (Leipzig 1930).Google Scholar
  20. 20.
    Wilhelm Brepohl: Über das Volkstum im Ruhrgebiet, in: Die Heimat, 8/1926, S. 249f.Google Scholar
  21. 22.
    Wilhelm Brepohl: Die Kehrseite der Industrie, in: Der Schacht, 3/1927, H. 26, S. 704ff.Google Scholar
  22. 23.
    Vgl. Georg Schwarz, a.a.O., S. 163ff.Google Scholar
  23. 24.
    Wilhelm Ellbracht: Das Volkstum der Industrie-Großstadt, in: Die Westfälische Heimat, 12/1930, S. 198fGoogle Scholar
  24. 25.
    Hans Spethmann, a.a.O., S. 283.Google Scholar
  25. 26.
    Adolf Brandmeyer, a.a.O., S. 6; vgl. a. S. 20.Google Scholar
  26. 27.
    Vgl. etwa Dr. Rappaport: Siedlung und Grün im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, in: Werner Lindner (Hg), a.a.O., S. 67; Erik Reger: Ruhrprovinz, in: Die Weltbühne, 24/1928 (2.Teilbd.), S. 918–924.Google Scholar
  27. 28.
    Erik Reger: Ruhrprovinz, a.a.O., S. 919. Die Probleme des Provinzialismus und der gestörten Beziehungen zwischen den Ruhrgebietskommunen werden ausführlicher untersucht in den Kapiteln 3 und 9.Google Scholar
  28. 29.
    Vgl. dazu Jürgen Reulecke: Metropolis Ruhr? Regionalgeschichtliche Aspekte der Ruhrgebietsentwicklung im 20. Jahrhundert, in: Die Alte Stadt, 8/1981, S. 19–21.Google Scholar
  29. 30.
    Erik Reger: Union der festen Hand. Reinbek 1979, S. 466.Google Scholar
  30. 31.
    Regierungspräsident König: Heimatsinn - Heimatliebe, in: Werner Lindner (Hg), a.a.O., S. 14f.Google Scholar
  31. 32.
    Vgl. dazu auch das Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit.Google Scholar
  32. 33.
    Zit.n. Erhard Schütz: “Kulturstadt im Begriffe es zu werden”, a.a.O., S. 19.Google Scholar
  33. 34.
    Adolf Brandmeyer, a.a.O., S. 20; Georg Wieber: Schöpferisches Leben. Eine Umschau, in: Christoph Wieprecht (Hg), a.a.O., S. 20.Google Scholar
  34. 35.
    Engelien: Die Kunst im Industriegebiet. General-Anzeiger (Oberhausen), Sonderausgabe Mai 1929.Google Scholar
  35. 36.
    Vgl. dazu ausführlich das folgende Kapitel.Google Scholar
  36. 37.
    Karl Rohe, a.a.O., S. 65.Google Scholar
  37. 38.
    Vgl. zu solchen Versuchen Kapitel 9 dieser Arbeit.Google Scholar
  38. 39.
    Friedrich Naumann: Die Kunst im Zeitalter der Maschine, in: ders.: Werke. Sechster Band: Ästhetische Schriften. Köln u. Opladen 1964, S. 194.Google Scholar
  39. 40.
    Vgl. die Abbildungen in Thomas Parent/ Thomas Stachelhaus: Stadtlandschaft Ruhrgebiet. Essen 1991, S. 17, 21, 24, 134ff.Google Scholar
  40. 41.
    Paul Alexander Schettler: Industrieland als Kunstneuland, in: Hellweg, 2/1922, S. 127f. 42 Kurt Wilhelm-Kästner: Vorwort, in: Kunst und Technik. Ausstellung anläßlich der Tagung des Vereins Deutscher Ingenieure. B. Juni bis 22. Juli 1928 im Folkwang-Museum zu Essen. Essen o. J., S. 9 u.12.Google Scholar
  41. 43.
    Vgl. dazu auch Wilhelm Brepohl: Das Faustische und die Industrie, in: Der Schacht, 3/1927, H. 21, S. 522.Google Scholar
  42. 44.
    Wilhelm Brepohl: Vom Lebensgefühl im Ruhrgebiet, in: Werner Lindner (Hg), a.a.O., S. 76.Google Scholar
  43. 45.
    Adolf Potthoff: Kunstpflege in Industriestädten, in: Hellweg, 3/1923, S. 854.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Matthias Uecker

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