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Grenzen der Kulturpolitik — Versuch eines Fazits

  • Matthias Uecker
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Part of the DUV : Literaturwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Voller kultureller und ökonomischer Aufbauhoffnungen hatten die zwanziger Jahre im Ruhrgebiet begonnen, war man doch zuversichtlich, die „größten [...] Aufgaben, die Deutschland zu lösen hat“1, innerhalb kurzer Zeit auf so vorbildliche Weise bewältigen zu können, wie es „Deutschlands wichtigste[m] Kernsttick“2 zukam. Aber bereits zum Ende des Jahrzehnts schienen die verzweifelten Abwehrkämpfe gegen die zerstörerischen Auswirkungen der großen Wirtschaftskrise alle Aussichten auf bürgerliche Normalität zu dementieren. Wurden noch Mitte der zwanziger Jahre, am Ausgang jener kurzen Phase „relativer Stabilität“, die der Republik gegönnt war, die Leistungen und Potentiale des Industriegebiets allgemein bewundert, so stand man wenig später mit dem Rücken zur Wand. Angesichts der von der Krise bewirkten finanziellen Handlungsunfähigkeit der Kommunen und einer beispiellosen Massenarbeitslosigkeit mußte man zu Beginn der dreißiger Jahre glauben, auf allen Gebieten dränge „die Entwicklung unaufhaltsam zum Vorkriegsstand und darunter.“3 Insbesondere die aufwendigen kulturellen Aktivitäten der Städte, die bislang als unverzichtbarer Bestandteil ihrer inneren Entwicklungspolitik gegolten hatten, gerieten in finanzielle und ideologische Bedrängnis, so daß einer der führenden Kommunalpolitker der Region sich zu dem Eingeständnis gezwungen sah, die

„bisherige Kunstpflege im Theater- und Konzertbetrieb war namentlich im Industriegebiet überspannt und ging über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zweifellos hinaus. [...] In keinem Kulturlande der Welt hat man sich, selbst bei günstigerer Wirtschaftslage, solchen Kulturaufwand erlaubt.“4

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Matthias Uecker

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