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Die faktorenanalytische Rekonstruktion der Zeitverwendung an Werktag und Wochenende

  • Friederike Benthaus-Apel
Chapter
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Part of the DUV: Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Die empirische Auswertung der Zeitbudget-Daten wird — für die einzelnen Wochentage (Werktag, Samstag und Sonntag) getrennt — in folgenden zwei grundlegenden Analyseschritten vorgenommen: Zunächst und im folgenden ausführlicher dargestellt, wird mittels Faktorenanalyse die Vielfalt der Zeitverwendungsaktivitäten auf einige wenige Dimensionen der Zeitverwendung reduziert. Auf diesen Auswertungsschritt aufbauend werden mittels Clusteranalyse Gruppen von Personen ermittelt, die eine maximale Ähnlichkeit bezüglich der durch das Verfahren der Faktorenanalyse rekonstruierten Dimensionen der Zeitverwendung aufweisen. Die somit durch das Gruppierungsverfahren der Clusteranalyse herausgearbeiteten Zeitverwendungstypen werden dann mit den soziostrukturellen, alltagszeitlichen und lebensstilspezifischen Kontextmerkmalen in Beziehung gesetzt, so daß die Frage näher beantwortet werden kann, für welche Bevölkerungsgruppen welche Formen der Zeitverwendung typisch sind und ob und inwieweit diese Unterschiede als Zeit-Ungleichheit durch externe oder interne Zeitbindungen zu interpretieren sind (vgl. Kapitel 10).

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Literatur

  1. 13.
    Die im Drei-Tage-Buch vorgegebenen 5 Kategorien des sozialen Kontextes (vgl. Punkt 7.2) werden für die Auswertung zu folgenden 8 Variablen kombiniert: 1 “allein verbrachte Zeit”, 2 “mit Partner verbrachte Zeit”, 3 “mit Kindern verbrachte Zeit”, 4 “mit Familie verbrachte Zeit”, 5 “mit Familie und Anderen verbrachte Zeit”, 6 “mit Freunden und Kollegen verbrachte Zeit”, 7 “mit Freunden, Kollegen und Partner verbrachte Zeit”, 8 “mit Anderen verbrachte Zeit”. Diese 8 Variablen wurden für den Werktag zu folgenden 5 Variablen zusammengefaßt: I “allein verbrachte Zeit”, 2 “mit Partner verbrachte Zeit”, 3 “überwiegend familiär verbrachte Zeit”, 4 “mit Freunden, Kollegen und Partner verbrachte Zeit”, 5 “mit Anderen verbrachte Zeit”.Google Scholar
  2. 14.
    Die auf einer 4er-Skala erhobene Bewertung einer Aktivität von “sehr gerne”, “gerne”, “ungern” und “sehr ungern” wird zu 2 Variablen zusammengefaßt: “sehr gern” und “gern” zu “gern verbrachte Zeit” und “sehr ungern” und “ungern” zu “ungern verbrachte Zeit”.Google Scholar
  3. 15.
    Eines der generellen Problem von Zeitbudget-Daten ist ja, daß bei der Auswertung - insbesondere bei der tageweisen Auswertung, die hier aufgrund der Spezifik der Wochentage gewählt wurde - einzelne Aktivitäten sehr selten ausgeübt werden, was sich in extrem schiefen Verteilungen niederschlägt. Faktoren-und Clusteranalyse setzten jedoch eine annähemde Normalverteilung und metrisches Skalenniveau der Variablen voraus. Ich bin diesem Problem auf verschiedenem Wege begegnet: 1: Einzelaktivitäten, die sehr gering besetzt waren, wurden nach inhaltlichen Kriterien mit anderen Aktivitäten zusammmengefaßt. Beispielsweise wurde die sehr selten ausgeübte Aktivität der Haushaltsorganisation und die Aktivität Hausarbeit zu einer neuen Variable “Hausarbeit” zusammengefaßt. 2: Aktivitäten, sie sehr selten ausgeübt wurden und nicht sinnvoll mit anderen Aktivitäten zusammengefaßt werden konnten, wurden aus der Analyse ausgeschlossen. Dies betraf z.B. die Aktivität “Krank im Bett liegen”. 3: Generell wurde eine Transformation des Skalenniveaus notwendig: Die metrisch skalierte Zeitdauer von Aktivitäten wurde - je nach Art der vorliegenden Verteilung - rangskaliert oder dichotomisiert. Es wurde immer das höchste Skalenniveau zu erhalten gesucht.Google Scholar
  4. 16.
    Variable mit Ladungen 1.50 1 gelten als Hauptladungen. Die Variable mit höchster Ladung auf einem Faktor wird als Markiervariable bezeichnet. Variable mit einer Ladung von 1.301 bis 1.501 werden als Nebenladungen betrachtet; d.h. sie dienen zur zusätzlichen Orientierung bei der Interpretation eines Faktors.Google Scholar
  5. 17.
    Vgl. Sichtermann (1981) und Kettschau (1990). Kettschau faßt einige wichtige Aspekte zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung bezüglich der Auswertung von Zeitbudget-Untersuchungen zusammen. Sie beschreibt und bewertet die Fragmentierung der Alltagszeit durch Haus-und Familienfürsorgetiitigkeiten folgendermaßen: “Hausarbeit bleibt ‘vermischtes Tun’ (Ostner/Schmidt-Waldherr: 1983 ) bezieht sich mit einer Handlung auf mehrere Funktionen zugleich, verknüpft in einem Handlungsbogen Elemente aus verschiedenen Funktionsbereichen. Handlungsbögen können sich miteinander verschränken ( Nahrungszubereitung und Gespräche mit Kindern ), Prioritäten können konkurrieren und wechseln (Personen-und Sachbezug), situativ oder durch Außeneinflüsse bedingt können Handlungen abgebrochen oder unterbrochen werden oder in einen Handlungskomplex, der bereits z.B. zwei Paralellaktivitäten umfaßt, können weitere Tätigkeiten eingefügt werden. (...) Mit der Mehrdimensionalität sind Belastungen verbunden. Die Arbeitsintensität kann zunehmen, obwohl zugleich weniger (sichtbare) Ergebnisse erzielt werden. Durch Unterbrechungen von Handlungen, durch Anreicherung der Zeit mit Parallelaktivitäten, durch kurzfristige Wechsel in Perspektiven und Prioritäten kann insgesamt die verfügbare Zeit ‘zersplittert’ werden.” (Kettschau 1990: 117 )Google Scholar
  6. 18.
    Die Variable “Erwerbsarbeit/Schulbesuch” ist ebenfalls ein Produkt der Zusammenfassung von zwei Variablen: “Erwerbsarbeit” und “Zur Schule gehen”, die aufgrund schiefer Verteilungen zu einer gemeinsamen zusammengefaßt wurden. Diese Zusammenfassung ist inhaltlich gerechtfertigt, weil beide Aktivitäten unter dem hier interessierenden Gesichtspunkt der Zeitbindung gleichartig sind: beides sind externe Zeitbindungen mit einem Höchstmaß von vorgeschriebener Arbeits-bzw. Schulzeiten.Google Scholar
  7. 19.
    Hier sind die Variablen “mit Freunden/Kollegen zusammen sein” und “mit Freunden/Kollegen/Partner zusammen sein” zusammengefaßt, wodurch hier auch der Partner als Interaktionskontext repräsentiert ist.Google Scholar
  8. 20.
    Die unterschiedlichen Aktivitätskategorien der Freizeitgestaltung am Werktag erwiesen sich z.T. als außerordentlich gering besetzt, so daß hier viele unterschiedliche Freizeitaktivitäten zusammengefaßt werden mußten. Ich habe mich für eine sehr grobe Aufteilung aller Freizeitaktivitäten in zwei Kategorien entschieden. In der einen Aktivitätskategorie “Freizeit Outdoor” sind alle Freizeitaktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit außer Haus stattfinden zusammengefaßt (siehe oben), in der anderen Aktivitiitskategorie “Handwerklich-musische Freizeit” sind die Hobbytätigkeiten aus dem handwerklichen, künstlersich-musischen oder technisch-wissenschaftlichen Bereich sowie die Tätigkeit des privaten Briefe Schreibens zusammengefaßt. Die für die Freizeittätigkeiten kodierte Restkategorie “Freizeit sonstige” wurde aus der Auswertung ausgeschlossen, weil eine angemessene inhaltliche Zuordnung zu einer der beiden Aktivitätskategorien nicht möglich war.Google Scholar
  9. 21.
    Auch die Tätigkeiten des Aufstehens und Zubettgehens sind in die Variable “persönliche Hygiene” eingeschlossen; sie gehen den Aktivitäten der persönlichen Hygiene unmittelbar voraus bzw. folgen ihnen. Beispielsweise die Handlungsabfolge Aufstehen und Zähne putzen.Google Scholar
  10. 24.
    Die Zeitbudgetdaten am Samstag weisen bezüglich der Variablen “mit Kindern verbrachte Zeit” genügend Varianz auf, so daß sie im Unterschied zum Werktag als eigenständige Variable in die Faktorenanalyse einging.Google Scholar
  11. 25.
    Für den Samstag ließen sich im Unterschied zum Werktag aus der Vielfalt der Freizeitkategorien folgende vier Gruppen von Freizeitbeschäftigungen ausdifferenzieren:Google Scholar
  12. 26.
    Die Anzahl der Faktoren wurde nach dem Eigenwertkriterium (Eigenwert 1) bestimmt.Google Scholar
  13. 27.
    Die Zeitaufwendungen für das Zusammensein mit der Familie enthält auch Zeitaufwendungen für Aktivitäten, die mit der Kernfamilie und anderen Personen ausgeübt werden (vgl. Übersicht A 4 im Anhang).Google Scholar
  14. 28.
    Die Freizeitaktivität “draußen in der Natur sein” bezieht sich auf Einzelaktivitäten wie Spazieren gehen, Stadt-und Landschaftsbesichtigungen und allgemein im Freien sein. Die kulturell-sportlichen Freizeitaktivitäten setzten sich aus folgenden Einzelaktivitäten zusammen: Aktivsport, Bewegung (incl. Baden, Fitneß, Sauna), Stadtbummel machen, Kulturveranstaltungen besuchen, Spielhalle besuchen, Sportveranstaltung besuchen. Die handwerklich-musischen Freizeitaktivitäten umfassen folgende Einzelaktivitäten: handwerkliche Hobbys, künstlerische-musische Hobbys, technisch-wissenschaftliche Hobbys, sich mit der Sammlung beschäftigen, private Korrespondenz.Google Scholar
  15. 29.
    Dies deutet zugleich eine hohe Konstruktvalidität der Dimensionen an.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Friederike Benthaus-Apel

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