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Tendenzen einer stetigen Ausdehnung, Verdichtung und Beschleunigung der erwerbsarbeitsfreien Zeit durch Zeitbindungen in Haushalt, Familie, Konsum und Verkehr

  • Friederike Benthaus-Apel
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Part of the DUV: Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Nachdem deutlich geworden ist, daß ein zeitlicher Strukturwandel des Alltags durch die Verkürzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit und insbesondere durch die Flexibilisierung der Arbeitszeitlage begonnen hat, wende ich mich nun den Zeitstrukturen in der erwerbsarbeitsfreien Zeit zu. Ich möchte in Erinnerung rufen, daß ich die Qualität der sozialen Zeitstruktur in spätindustriellen Gesellschaften beschrieben habe als von vor allem zwei Tendenzen geprägt: 1. dem Zwang zur ökonomischen Verwendung von Zeit und 2. einer umfassenden Tendenz zur Beschleunigung, Verdichtung und Flexibilisierung alltäglicher Lebensorganisation. Beide Prozesse, gemeinsam betrachtet, geben Anlaß, von einer fortschreitenden Verzeitlichung der Gesellschaft zu sprechen. Aus diesen Überlegungen habe ich weiterhin den Schluß gezogen, daß die dominanten Zeitstrukturen des Erwerbsarbeitssystem allmählich in den Bereich der „Freizeit“ diffundieren; daß also immer weitere Bereiche der Freizeit einer zeitlichen Effizienzsteigerung verhaftet sind. Die alltägliche Zeitverwendung ist — so lautet eine meiner Grundthesen (H3) — für den einzelnen trotz Arbeitszeitverkürzung mit steigenden Anforderungen an eine kompetente, und das bedeutet rationelle und effiziente Zeitverwendung gebunden. Die erwerbsarbeitsfreie Zeit, dies werde ich in den folgenden Kapiteln zu belegen suchen, ist zunehmend von der Notwendigkeit zur Ausdehnung ihrer produktiven Verwendung geprägt. Denn erstens sind eine Vielfalt von Aufgaben, wie Konsumentscheidungen, Erziehungsaktivitäten und Gesundheitsfürsorge komplexer und damit zeitaufwendiger geworden. Zweitens findet aufgrund der Technisierung, Kapitalisierung und Professionalisierung der Haushalte eine Effizienzsteigerung statt, die mit der Effizienzsteigerung im Produktionsbereich vergleichbar ist (der Qualitätsstandard der Haushaltsprodukte ist deutlich gestiegen), und drittens ist eine Entwicklung der „Entberuflichung von Tätigkeiten“ zu beobachten, was bedeutet, daß das Produktionssystem, um Zeit und Kosten zu sparen, Arbeitstätigkeiten in den Bereich der privaten Lebensorganisation zurückverlagert1 (vgl. Bardmann 1986; Gershuny 1987 (1981); Joerges 1981; Müller-Wichmann 1984).

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Literatur

  1. 1.
    Der wachsende ‘informelle Sektor’ erbringt Leistungen, die im formellen Sektor nicht erbracht werden, oder er erbringt sie in Konkurrenz zum formellen Sektor, der aufgrund von Kosten, Abgaben u.s.w. sehr viel teurer ist.“ (Difu-Projektgruppe 1988: 88)Google Scholar
  2. 2.
    Der Begriff Freizeit läßt sich nicht eindeutig definieren, “weil es sich bei Freizeit nicht um eine konkrete Institution handelt, wie z. B. hei Familie (...), sondern weil es sich um eine mit Sinn belegte Restkategorie der Zeitverwendung handelt (...) ” (Prahl 1977:16).Google Scholar
  3. 3.
    Nauck (1983) sieht heute vor allem die Familie als die soziale Bezugsgruppe an, die maßgeblich an der Definition dessen, was der einzelne als Freizeit empfindet, beteiligt ist.Google Scholar
  4. 4.
    Der gemeinsame Nenner ihrer (der Zeitpioniere F. B-A.) Arbeitsorientierung ist, die zeitliche Allokation ihrer beruflichen Arbeit stärker an ihrer außerberuflichen Lebenswelt auszurichten. Dies bedeutet keineswegs eine Tendenz zur Teilzeitarbeit - im Gegenteil: Neben den “Freiberuflern” sowie leitenden Angestellten weisen Selbständige (als wichtige soziale Gruppe der Zeitpioniere F. BA.) überdurchschnittliche lange Arbeitszeiten auf“ (Garhammer 1993: 85 ).Google Scholar
  5. 5.
    Dem Anspruch nach Verfolgung eigener Interessen und Verwirklichung von Zeitautonomie der Arbeitenden steht auf der Seite der Arbeitgeber - zumindest gegenüber Führungskräften - die Erwartung gegenüber, daß sie Techniken des Zeitmanagements ebenso beherrschen, wie eine persönliche Akzentuierung der Arbeit.Google Scholar
  6. 6.
    Weil eine Vielfalt von Gütern und Dienstleistungen im Zuge der Komplexitätssteigerung der Lebensorganisation erbracht werden müssen, ist trotz technologischer Entwicklung mit einer Ausdehnung und Verdichtung des Zeiteinsatzes der Haushaltsproduktion für die Alltagsbewältigung zu rechnen.Google Scholar
  7. 7.
    Die Untersuchung von Glatzer zur Netzwerkhilfe und Haushaltsproduktion hat entgegen der Annahme von Glatzer ergeben, daß Haushalte kaum die Möglichkeit haben, Leistungsdefizite der Versorgung in wirtschaftlichen Krisenzeiten durch Eigenleistung aufzufangen. Glatzer war von der These ausgegangen, daß in der bundesrepublikanischen Rezessionszeit von 1980 bis 1984 eine Zunahme an Dritt-Tätigkeiten ( Verwandtschaftshilfe, Hilfe für Freunde) in den Haushalten zu verzeichnen gewesen sein müßte. Das Untersuchungsergebnis zeigte jedoch entgegen dieser Erwartung eine Stabilität der Dritt-Tätigkeiten über diesen Zeitraum. (vgl. Glatzer 1986: 33 )Google Scholar
  8. 8.
    Inwiefern sich Haushalte typischerweise in der Wahl von zusätzlichen Einkommensquellen durch Eigenarbeit oder Nebenerwerb unterscheiden, wird in Kapitel 6.4 dargestellt. “daß die privaten Haushalte in Zeiten ökonomischer Rezession (notgedrungen) ihre Ausgaben einschränken (vor allem hei den dauerhaften Konsumgütern), ohne jedoch eine Kompensation durch die Ausweitung ihrer Haushaltsproduktion zustandezubringen (vgl. Ours 1986: 430).” (Heinze/Offe 1990a: 52).Google Scholar
  9. 9.
    Mit der Begrifflichkeit des Constrained-Choice-Ansatzes gesprochen, befinden sich Haushalte zum einen in einer Reihe von handlungssteuemden Zwängen, beispielsweise der Verteuerung von Dienstleistungen oder der Dezentralisierung von Lebensbereichen. Zum anderen präferieren Menschen eine spezifische Form der Haushaltsführung; sie verwirklichen etwa ihre Bedürfnisse nach Privatheit. Die Tendenz zunehmender produktiver Leistungen privater Haushalte ist also durch eine Reihe von (Sach-) Zwängen und durch Präferenzen der haushaltlichen Produktionsweise zu erklären. In Kapitel 7 wird ein Handlungsmodell individueller Zeitallokation in diesem Sinne entworfen, das u. a. die Ausdünnung und Verteuerung von Dienstleistungen als Umweltzwänge wie auch die Präferenz einer “privatistischen” Haltung berücksichtigt.Google Scholar
  10. 10.
    Von einem der New Home Economics entsprechendem Haushaltsproduktionsverständnis geht Joerges (1981) aus: “Von nun an soll also der ”rationale“ Konsument der sein, der ihm verfügbare ”Produktionsfaktoren“ gemäß einer Produktionsfunktion so organisiert, daß die zur unmittelbaren Befriedigung von Konsumwünschen erforderliche Palette von Endgütern zu einem möglichst günstigen Kostenertragsverhältnis erzeugt werden kann. Die verfügbaren Produktionsfaktoren sind dabei: Sachkapital und zusätzliche Verbrauchsgüter (von langlebigen Gebrauchsgütern, Energieträgern und am Markt beschafften ”Halbfertigwaren“ über Dinge des täglichen Bedarfs, Bücher und allerlei Werkzeug bis hin zu Anlagen für eine getrennte Hausmüllbeseitigung im Haushalt) sowie eigene Zeit und Arbeitskraft in Form all der verschiedenen Tätigkeiten, eines kompetenten Verbrauchers (Bedarfsplanung, Wareninformation, Erwerb und Beschaffung, Finanzierung und Verwaltung, Bedienung, Wartung und Reparatur, Beseitigung und Ersatz von Konsumgütern). ” (Joerges 1981: 177) diese auch als ‘Konsumaktivitäten’ (Cohen 1973: 40; Spaetling 1976: 26) bezeichneten Kombinationen bestimmter Marktgüter und entsprechender Zeitmengen (...) gehen in die Nutzenfunktion der Haushalte ein. Konkret handelt es sich um - wie wir sagen - haushaltseigene individualisierte Versorgungsleistungen.“ (Krüsselberg et al. 1986: 36 )Google Scholar
  11. Haushaltsproduktion“ im Sinne der New Home Economics bezeichnet ”kurz gesagt den Sachverhalt, daß die privaten Haushalte die “inputs” Arbeitszeit und Sachkapital (Gebrauchsgüter) kombinieren, und damit “basic commodities” zu erstellen, die einen unmittelbaren Nutzen haben“ (Glatzer 1986:21). Damit benutzt der New Home Economics Ansatz den weitesten Begriff von Haushaltsund Familienarbeit. Garhammer (1988) definiert in seiner Typologie der Tätigkeiten der ”unbezahlten Haushaltsproduktion“ einen ähnlich umfassenden Bereich. Er bezieht folgende Tätigkeitsbereiche mit ein: Nutz-und Ziergartenarbeit, reine Güterproduktion wie herstellen von Bekleidung, Grenzbereich zwischen Güter und Dienstleistungsproduktion, z. B. Zubereitung von Mahlzeiten, Dienstleistungsproduktion, Hausarbeit im engeren Sinne, Instandhaltung, Körperpflege, personenbezogene soziale Dienstleistungen, mentale Dienstleistungen.Google Scholar
  12. Jessen und Mitarbeiter (1990) gehen demgegenüber zwar zunächst ebenfalls von einer ähnlich breit gefaßten Definition aus. Ihr Untersuchungsgegenstand ist “das Gesamt der informellen Arbeit (...), also Selbstversorgungsaktivitäten innerhalb des privaten Haushaltes, unentgeltliche Arbeiten für Dritte und Tätigkeiten in der sogenannten Untergrundwirtschaft, also insbesondere Schwarzarbeit” (Jessen 1990: 74). Weil Dessen et al. dann jedoch den Schwerpunkt seiner Untersuchung auf Eigenarbeit im Sinne des “männlichen” Do-it-yourself“ legen, werden etwaige Veränderungen in der Sphäre der ”weiblichen“ Hausarbeit nicht näher untersucht.Google Scholar
  13. 11.
    Offe/Heinze (1990a) setzten sich sehr ausführlich mit dem “Arbeitsbegriff” auf außerberufliche Tätigkeiten auseinander. Haushaltsproduktion schränken sie im Hinblick auf ihr Untersuchungsziel auf Tätigkeiten der gesellschaftlich notwendigen Arbeit ein. Sie kommen zu dem Ergebnis, daß “von ‘Arbeit’ nur dann” gesprochen werden kann, “wenn eine Tätigkeit durch ein vorbedachtes und nicht nur von dem Arbeitenden selbst, sondern auch von anderen als nützlich bewertetes Ziel geleitet wird, und wenn die Anstrengungen, die auf das Ziel gerichtet sind, zu diesem in einem vernünftigen Verhältnis der Effizienz bzw. der technischen Produktivität stehen” (Offe/Heinze 1990a: 105). Damit werden all diejenigen Tätigkeiten aus dem Begriff der Haushalts-und Familienarbeit ausgeschlossen, in denen der Prozeßnutzen überwiegt. “überall dort, wo der Prozeßnutzen einer befriedigenden Tätigkeit für den Handelnden selbst den selbständigen Gebrauchswert des Ergebnisses der Tätigkeit, den andere Personen aus ihr gewinnen können, deutlich übertrifft, ist es kaum vertretbar, mit dem Arbeitsbegriff zu operieren, weil dieser gerade die ’gesellschaftliche’,d. h. sozial validierte Natur der Ziele und außerdem die Kritisierharkeit der Tätigkeit unter Effizienz-und Produktivitätsgesichtspunkten zur Voraussetzung hat. ”(Offe/Heinze 1990a: 106).Google Scholar
  14. 12.
    Alle im folgenden aufgeführten Aspekte sind als “Begleitumstände” des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses zu begreifen. Im alltäglichen Leben ist natürlich eine Kategorisierung der einzelnen Aspekte, wie sie hier aus analytischen Gründen versucht wird, nicht erkennbar, sondern die getroffenen Unterscheidungen verschwimmen.Google Scholar
  15. 13.
    Auch von Henckel et al. (1989) ist darauf verwiesen worden, daß auch die beruflichen Weiterbildungsaktivitäten deutlich zugenommen haben.Google Scholar
  16. 14.
    lag der Wert der Gebrauchsvermögen der privaten Haushalte nur um ein Viertel unter dem Wert des Ausrüstungsvermögens pro Arbeitsplatz im Unternehmens-und Staatssektor (ohne den Wert der Gebäude)“ (Offe/Heinze 1990: 36)Google Scholar
  17. 15.
    Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist gebremst bei Frauen, die ledig, verwitwet oder geschieden sind bzw. in geringerem Maße bei verheirateten Frauen ohne Kinder. Die ledigen, geschiedenen oder verwitweten Frauen gehen wie die Männer in der Regel einer Vollzeitbeschäftigung nach. Sind sie allein lebend, müssen sie zumeist nur ihren eigenen Haushalt versorgen. Für jüngere Frauen, die in Partnerschaft leben, läßt sich häufiger eine gleichberechtigtere Aufteilung der Hausarbeit mit dem Partner feststellen. Dies gilt auch für Rentnerehepaare. Hier übernehmen die Männer zumeist einen Teil der Hausarbeit, jedoch nicht, wie bei den Jüngeren, motiviert durch ein verändertes Rollenverständnis, sondern aufgrund der fehlenden Erwerbsarbeit.Google Scholar
  18. 16.
    Eigenarbeit wird von Merz/Wolff als marktnahe Tätigkeit definiert: Im Erhebungsinstrument ihrer Umfrage wurde folgende Frage zur Eigenarbeit gestellt: “Haben Sie in den zurückliegenden 3 Monaten, also seit Ende November (abgesehen von der normalen Hausarbeit) für Ihren eigenen Haushalt etwas hergestellt, was andere Leute meistens kaufen (z. B. Pullover stricken, Schrank hauen, Spielzeug herstellen, selbst angebautes Obst und Gemüse etc.) ? Oder haben Sie Tätigkeiten verrichtet, mit denen andre Leute einen Handwerker beauftragen (z. B. Wohnungen renovieren, Auto reparieren)? Welche Tätigkeiten waren das?” (Merz/Wolff 1990: 32; Fußnote 1)Google Scholar
  19. 17.
    Lakemann (1984) stellt in seiner Untersuchung der Aktivitätsspektren privater Haushalte für die Haus-und Erziehungsarbeit die Haushaltsgröße als entscheidendes Merkmal heraus. Die Haushaltsgröße wird auch bei Glatzer (1986) als der entscheidende Faktor zur Erklärung von Unterschieden im Engagement in Eigenleistung hervorgehoben.Google Scholar
  20. 18.
    Vergleicht man erwerbstätige und nichterwerbstätige Frauen, benötigen die erwerbstätigen Frauen insgesamt weniger Zeit für Hausarbeit. Dies ist - hei einer solchen groben Gruppierung - zumeist ein Effekt der Haushaltsgröße. Erwerbstätige Frauen haben in der Regel kleinere Haushalte zu versorgen oder erhalten bei vergleichbarer Haushaltsgröße Hilfe von Dritten (vom Mann, den Kindern oder Verwandten, bzw. bezahlten Hilfen). Zum Teil verhalten sie sich jedoch auch zeitökonomischer. Jedoch konnte Krüsselberg insgesamt feststellen, “daß die Zeitverwendungsstrukturen bei erwerbstätigen und nichterwerbstätigen Frauen in hohem Maße übereinstimmen. M. a. W.: Diejenigen Aktivitäten, welche das Zeitbudget nichterwerbstätiger Frauen besonders belasten, erweisen sich auch bei erwerbstätigen Frauen - wenn auch auf niedrigerem Niveau - als zeitintensive Tätigkeiten”. (Krüsselberg et al. 1986: 164 )Google Scholar
  21. 19.
    Rinderspacher (1992) hat darauf verwiesen, daß die traditionellen Hausarbeitsrhythmen wie beispielsweise der Montagvormittag als Waschtag schwerwiegende ökologische Folgen hat. Zu diesem Zeitpunkt werden Spitzenlasten von Waschmitteln in den Kläranlagen gemessen, die zu örtlicher Überlast dieser führen. Eine zeitliche Entzerrung dieser Tätigkeit wird beispielsweise von Umweltschützern gefordert.Google Scholar
  22. 20.
    Vgl. Romeiß-Stracke/Pürschel 1988, die in diesem Zusammenhang von Zeitknoten der Frauen sprechen.Google Scholar
  23. 21.
    Vgl. Rinderspacher (1987), der ebenfalls die Datenlage bemängelt. soziale Standardzeit und “versenkt” sich in eine sinnprovinzielle Zeitenklave.“ (Honer/Unseld 1982: 600)Google Scholar
  24. 22.
    Benachteiligt sind die Personengruppen, die aus finanziellen, gesundheitlichen oder altersmäßigen Gründen weniger mobil sind als andere.Google Scholar
  25. 23.
    Diese Entwicklung gilt natürlich auch für den gewerblichen Verkehr, der hier nicht im Mittelpunkt meines Interesses steht: “Die schnelle, zeitoptimierte Erreichbarkeit, also die Qualität der Verkehrsanbindung, gewinnt aus verschiedenen Gründen an Bedeutung. Neue Konzepte im Lieferverkehr wie ”just-in-time-production“, also die quasi kontinuierliche Lieferung von Vorprodukten und Rohstoffen in den Produktionstluß erhöhen nicht nur die Lieferfrequenz, also das Verkehrsvolumen, sondern rücken auch die Lieferpünktlichkeit als Kriterium immer stärker in den Mittelpunkt.” (Henckel et al. 1989: 194) der Anstieg des gesamten Personenverkehrs zwischen 1960 und 1986 rund 150 Prozent. Dabei stieg aber der Individualverkehr um 215 Prozent, (...).“ (Willeke/Heinemann 1989: 48)Google Scholar
  26. 24.
    Sowohl in den Mikrozensen als auch in der Volkszählung werden Angaben zur beruflichen Mobilität erfragt. Der Mikrozensus liefert lediglich Strukturdaten zur beruflichen Mobilität, während die Volkszählungen Daten so erfragt, daß Pendlerbewegungen bis ins Detail verfolgt werden können. Für meine Überlegungen sind die Strukturdaten der Mikrozensus-Erhebung durchaus ausreichend.Google Scholar
  27. 25.
    Es gibt sehr unterschiedliche Definitionen des Pendelns. Die im folgenden zitierten Ergebnisse aus Mikrozensuserhebung und Volkszählung gehen beide von der Definition der amtlichen Statistik aus, wonach diejenigen Pendler sind, bei denen Wohnung und Arbeitsstätte in verschiedenen Gemeinden liegen und die auf dem Arbeitsweg eine Gemeindegrenze überschreiten (Wedel 1991, Heidenreich 1988 und Gorny 1989). Wenn ich Bezug nehme auf Ergebnisse der Mikrozensuserhebung, dann wird die Pendelbewegung der Bevölkerung am Ort des einzigen Wohnsitzes bzw. Hauptwohnsitzes betrachtet. Wochenend-und Monatspendeln bleiben in dieser Untersuchung aus der Betrachtung ausgeschlossen (vgl. Heidenreich 1988: 86). Für die Darstellung der Untersuchungsergebnisse der Volkszählung von 1987 gilt ebenfalls, daß die Fernpendler aus der Analyse ausgeschlossen bleiben und daß das Überschreiten der Wohnortgrenze als Pendeln definiert ist (vgl. Wedel 1991 ). Die Untersuchung der Volkszählung unterscheidet zwischen Ein-und Auspendlern und kann deshalb differenzierter die Pendelströme erfassen als dies in der Mikrozensus-Erhebung möglich ist.Google Scholar
  28. 26.
    Besonders häufig sind auch erhöhte Pendelwege bei Berufswechslern. Die berufliche Umorientierung erfolgt dann häufig zuerst, der Wohnortswechsel vollzieht sich erst allmählich oder gar nicht, z. B. aufgrund von Hauseigentum.Google Scholar
  29. 27.
    Gerade im beruflichen Bereich ist deutlich, daß die Distanzempfindlichkeit zunimmt, wenn ungünstige Freizeiten üblich sind wie dies für Schichtarbeit und Arbeit auf Abruf typisch ist. Während größere freie Zeitblöcke berufliches Pendeln auch über weite Distanzen rentabel werden läßt.Google Scholar
  30. 28.
    Henckel et al. (1989) können leider nicht auf eine spezifische Bevölkerungsgruppe verweisen.Google Scholar
  31. 29.
    Für die Gruppe der Hausfrauen ist häufig festgestellt worden, daß ihnen die Verknüpfung von verpflichtenden Familientätigkeiten mit schnell aus der Hand zu legenden, zumeist häuslich-familiär nützlichen Freizeitbeschäftigungen wie Stricken zur zweiten Natur geworden ist (vgl. RomeißStracke/Pürschel 1988: 11). Die zeitliche und auch räumliche Bindung der Hausfrauentätigkeit an Haus und Familie, diese constraints legen demnach die “Wahl” von in dieses Muster passenden selbstgewählten Freizeitbeschäftigungen nahe.Google Scholar
  32. 30.
    Das Fernsehen bestimmter Sendungen wie der Sportschau am Samstag oder der Frühschoppen am Sonntag sind häufig sehr stark habitualisierte Formen selbstgewählter Zeitbindungen.Google Scholar
  33. 31.
    Das fängt schon beim Einkaufen an, daß man nämlich dann einkaufen gehen kann, wenn die Geschäfte ziemlich leer sind, und das kriegt man ziemlich schnell raus, wann das ist. (...).“ (Horning et al. 1990: 122) ”Die häusliche bzw. wohnungsnahe Geselligkeit mit Freunden und Bekannten hat von 1953 (31 Prozent) um mehr als das Doppelte an Verbreitung gewonnen, (...). Der traditionelle Verwandtenbesuch hat demgegenüber an Bedeutung verloren.“ (Gross/Garhammer/Eckhardt 1988: 15)Google Scholar
  34. 32.
    Daß natürlich auch neben der Verfügbarkeit von zeitlichen und finanziellen Ressourcen soziokulturel- le Unterschiede eine bedeutsame Rolle bei der Auswahl von Freizeitaktivitäten spielen, ist bekannt.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Friederike Benthaus-Apel

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