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Der Erinnerungsarbeiter

Zur Charakteristik des Publizisten Böll
  • Jochen Vogt
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Zusammenfassung

Im “Deutschen Herbst” des Jahres 1977 wurde Heinrich Böll sechzig Jahre alt, nach wie vor heftig umstritten — und vielfach geehrt, so auch vom Bundespräsidenten Karl Carstens, der nicht nur den Nobelpreisträger, sondern “auch den von mir persönlich geschätzten Schriftsteller” wegen seiner “große(n) Verdienste um die deutsche Sprache und Literatur” rühmt. Wer nur wenige Jahre zurückdachte, konnte dies als Realsatire belächeln.* Eine Ehrung mit Gebrauchswert — weniger für den Jubilar als für seine Leser — war hingegen das Erscheinen einer Gesamtausgabe, die neben fünf Bänden erzählender Prosa immerhin drei mit Essayistischen Schriften und einen weiteren mit Interviews enthält. In ihrer chronologischen Anordnung und in der Breite der Dokumentation, die auch kleinste Gelegenheitstexte lückenlos erfaßt, tritt noch deutlicher als zuvor ein zweifacher Zusammenhang hervor: die thematische Werkkontinuität auch über Gattungsgrenzen hinweg, und der historisch-gesellschaftliche Prozeß, auf den dies Werk sich bezieht. Deshalb darf noch einmal betont werden: So kontinuierlich und beharrlich wie kein anderer Autor hat Böll die Geschichte der Bundesrepublik in seinem Erzählen und in seiner Publizistik “reflektiert” — zweifellos mit zunehmender kritischer Distanz, aber nach wie vor auch im Bewußtsein von Zugehörigkeit, als “Bürger diese Landes”.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. dazu schon Fritz J. Raddatz: Elf Thesen über den politischen Publizisten, in: Marcel Reich-Ranicki (Hg.): In Sachen Böll. Einsichten und Ansichten, München 1971, S.113.Google Scholar
  2. 2.
    Theodor W. Adorno: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, in: Th.W.A.: Eingriffe, Frankfurt/M. 1963, S.128f.Google Scholar
  3. 3.
    Peter Brückner: Das Abseits als sicherer Ort. Kindheit und Jugend zwischen 1933 und 1945, Berlin 1980.Google Scholar
  4. 4.
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  5. 5.
    Klaus Horn: Formierung der Innerlichkeit, in: Gert Schäfer/Claus Nedelmann (Hg.): Der CDU-Staat. Analysen zur Verfassungswirklichkeit der Bundesrepublik, Frankfurt/M. 1972, S.342.Google Scholar
  6. 6.
    Theodor W. Adorno: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, S.129.Google Scholar
  7. 7.
    Helmut Schelsky: Ortsbestimmung einer Generation. Das Prinzip Erfahrung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.4.1977, S.23.Google Scholar
  8. 8.
    Zit. nach Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.1977, S.17.Google Scholar
  9. 9.
    Kurt Batt: Versuch einer Bilanz 1973, in: K.B.: Revolte intern. Betrachtungen zur Literatur in der Bundesrepublik Deutschland, München 1975, S.31.Google Scholar
  10. 10.
    Christian Linder: Böll, Reinbek 1978, S.32.Google Scholar
  11. 11.
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  12. 12.
    Theodor W. Adorno: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, S.128.Google Scholar
  13. 13.
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  14. 14.
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  15. 15.
    Vgl. Ingrid Müller-Münch: Kölns CDU möchte sich nur mit dem halben Böll schmücken, Frankfurter Rundschau, 18.11.1982.Google Scholar
  16. 16.
    Uwe Wittstock: Fast eine Familienfeier. Heinrich Böll wird Ehrenbürger der Stadt Köln, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. 5. 1983.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Jochen Vogt

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