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Nur das Opfer kann die Täter verstehen

Über Zugehörigkeitsprobleme bei Peter Weiss
  • Jochen Vogt
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Zusammenfassung

“Mein Vater war Kaufmann, Textilkaufmann. Er war Ungar, gehörte also bis zum Ende des Krieges Österreich-Ungarn an und optierte dann für die Tschechoslowakei, weil er in das Gebiet von Trencin kam, das an die Slowakei abgetreten wurde. Auf diese Art wurde er nach Kriegsende Tschechoslowake. Ich bin also gebürtiger Tschechoslowake, obgleich ich meine Kindheit in Deutschland verlebte — ich war nie Deutscher. Mein Vater lebte als tschechoslowakischer Bürger in Deutschland, hatte eine Textilfirma in Bremen und damit sehr viel internationale Kontakte. Meine Mutter war gebürtige Schweizerin, aus Basel; der eine Teil ihrer Eltern stammte aus Straßburg. Meine familiären Hintergründe also: Österreich-Ungarn-Slowakei auf der einen Seite, Schweiz-Basel-Straßburg/Elsaß-Lothringen auf der anderen Seite, das Alemannische der Mutter einerseits und das Jüdische meines Vaters andererseits; mein Vater stammt aus einer jüdischen Familie, war nicht religiös aktiv, nicht religionsmäßig im Judentum verhaftet — das war ein Hintergrund von ihm, von dem er sich eigentlich eher emanzipierte.” So skizziert Peter Weiss in einem Gespräch von 1979 seine familiäre Herkunft; und fast scheint damit auch die mögliche Frage nach der Bedeutung des Jüdischen für sein Selbstverständnis schon beantwortet, knapp und abschlägig.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Peter Weiss im Gespräch mit Peter Roos: Der Kampf um meine Existenz als Maler, in: Der Maler Peter Weiss. Ausstellungskatalog Museum Bochum, Berlin 1981, 5.11.Google Scholar
  2. 2.
    Leo Trepp: Die Juden. Volk, Geschichte, Religion, Reinbek 1987, S.9.Google Scholar
  3. 3.
    Peter Weiss im Gespräch mit Peter Roos, S.15, 12.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Rolf D. Krause: Faschismus als Theorie und Erfahrung. “Die Ermittlung” und ihr Autor Peter Weiss, Frankfurt/M. u. Berlin 1982, S.218.Google Scholar
  5. 5.
    Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager (1946), Frankfurt/M. 1965, S. XIIf.Google Scholar
  6. 6.
    Krause: Faschismus als Theorie und Erfahrung, S.195ff., 396.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Peter Weiss: Stücke I, S.259 (Vorbemerkung zu “Die Ermittlung”); Notizbücher 1960–1971, S.228.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Sinn und Form 17 (1965), H.5, S.688.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Krause: Faschismus als Theorie und Erfahrung, S.356-439.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. “Historikerstreit”. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung, München 1987.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Jochen Vogt

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