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Nonkonformistische Motive in Romanen der Adenauer-Zeit
  • Jochen Vogt
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Zusammenfassung

Mit dem geschärften Blick des aus den Vereinigten Staaten zurückgekommenen, aber nur bedingt “heimgekehrten” Exilanten hat Theodor W. Adorno im Jahr 1959 unter der Fragestellung Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit die Hemmnisse benannt, die der Ausbildung einer nach- und nichtfaschistischen Identität in der Bundesrepublik entgegenstanden. Bewußt vermeidet er dabei das damals gängige Schlagwort von der Vergangenheitsbewältigung, dessen Nähe zum Begriff der Gewalt nicht übersehen werden kann. “Mit Gewalt”, so eben argwöhnt Adorno, wolle mancher, der es im Munde führe, das im Nationalsozialismus Geschehene und die eigene Mitverantwortung dafür “aus der Erinnerung wegwischen”; und diese Haltung deute ihrerseits auf eine kaum verborgene Kontinuität der demokratisch verfaßten Gegenwart mit der faschistischen Vergangenheit. Adorno bestimmt die kollektive psychische Leistung, die solchem “Nachleben” des Nationalsozialismus zugrunde liegt, als Abwehr und Rationalisierung der Erinnerung ans Dritte Reich, vor allem aber des Wissens um eigene Verstrickung in Unrecht und Terror. Die “Zerstörung der Erinnerung” hebt er als “innerstes Prinzip” hervor, das jenes Nachwirken möglich mache: “Die Ermordeten sollen noch um das einzige betrogen werden, was unsere Ohnmacht ihnen schenken kann, das Gedächtnis.”

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Anmerkungen

  1. 1.
    Theodor W. Adorno: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, in: Th.W.A.: Eingriffe. Neun kritische Modelle, Frankfurt/M. 1963, S.125ff.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

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  • Jochen Vogt

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