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Arbeitssituation der Weiblichen Angestellten

  • Petra Frerichs
  • Martina Morschhäuser
  • Margareta Steinrücke
Chapter
Part of the Sozialverträgliche Technikgestaltung book series (STMB, volume 6)

Zusammenfassung

Gemeinsam ist diesen Arbeitsplätzen zunächst, daß es alles Büroarbeits-plätze sind, d.h. die hier arbeitenden Frauen sind nicht Dreck, Hitze, Lärm, schwerem Heben etc. ausgesetzt wie die Arbeiterinnen (aber auch nicht ständigem Stehen wie etwa Verkäuferinnen). Diese angenehmeren physischen Arbeitsbedingungen — abgesehen von dem höheren gesellschaftlichen Status -wissen zumal diejenigen unter den weiblichen Angestellten zu schätzen, die früher selbst in der Produktion gearbeitet haben (was in Industrieverwaltungen recht häufig zu sein scheint) und zum Teil in Büros in unmittelbarer Nähe der Produktion arbeiten, von wo aus sie die anderen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen direkt vor Augen haben.2

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Literatur

  1. 1.
    Diese Arbeitsplätze befinden sich in einer Versicherung (Betrieb D) sowie in zwei Industrieverwaltungen (Betriebe A und B). Die Charakterisierung der Betriebe befindet sich im Anhang.Google Scholar
  2. 2.
    Diese an sich jedermann/-frau bekannten Eigenarten der Arbeitssituation von Angestellten noch einmal explizit hervorzuheben, ist deshalb wichtig, weil in der industriesoziologischen und gewerkschaftlichen Diskussion um die Veränderung der Angestelltenarbeit vielfältige Varianten einer (impliziten) Verelendungstheorie herumgeistern, in denen davon ausgegangen wird, die Arbeitssituation der Angestellten würde sich, insbesondere durch die Einführung neuer Technologien, rapide der von Arbeiter/inne/n angleichen, und damit auch das Angestelltenbewußtsein dem Arbeiterbewußtsein. Dadurch wird verkannt, daß gerade die immer noch markante Andersartigkeit ihrer Arbeitssituation und ihres gesellschaftlichen Status für die Angestellten eine entscheidende Folie zur Selbst- und Fremdbeurteilung abgibt.Google Scholar
  3. 1.
    Dabei ist allerdings bereits diese schlichte Einteilung höchst willkürlich, weil z.B. in den Industrieverwaltungen manche Frauen faktisch Sachbearbeitung machen, dennoch aber nur als Schreibkräfte eingestuft werden, während wiederum die Arbeit der Sekretärinnen sich häufig kaum von der der Schreibkräfte, die Sachbearbeitung machen, unterscheidet. Darüberhinaus gibt es in jeder dieser Kategorien von Sachbearbeiterinnen noch alle möglichen Abstufungen (z.B. 1. Sachbearbeiterin vs. normale Sachbearbeiterin; Sachbearbeiterinnen, die aufgrund langer Betriebszugehörigkeit gewohnheitsmäßig eine Gehaltsstufe höher liegen als neu Eingestellte, die die gleiche Arbeit machen). IM die Einstufungen wird ein beständiger Kampf geführt, so daß die Kategorien eigentlich ständig im Fluß sind.Google Scholar
  4. 1.
    Hierzu eine interessante Anmerkung: Die Absicht der Planungsabteilung, sämtliche Abteilungssekretariate aufzulösen und auf jeder Etage einen sogenannten Sekretärinnen- oder Dienst leistungspool einzurichten, weil die Sekretärinnen zeitweise wirklich nicht besonders viel zu tun haben, ist am Widerstand der Abteilungsleiter gescheitert, die auf die Annehmlichkeiten und das Prestige, die eine persönliche Sekretärin bietet, nicht verzichten wollen. Ein schönes Beispiel dafür, daß Widerstand gegen Rationalisierungsmaßnahmen durchaus nicht nur von den Beschäftigten oder deren Interessenvertretung kommen kann.Google Scholar
  5. 1.
    All das, weshalb Mädchen in der Schule in der Regel besser sind als Jungen. Bourdieu (1984): Die docilité(Fügsamkeit) als Eigenschaft der Frauen oder die liebevolle Bezeichnung “ma bourgeoise”, mit der französische Arbeiter ihre Frau titulieren, um anzuzeigen, daß sie etwas Feineres ist; vgl. auch Willis (1979), demzufolge in Arbeiterfamilien den Frauen immer die Feinarbeiten aufgetragen werden, vom Nähen bis zum Schriftkram.Google Scholar
  6. 2.
    Zur Koinzidenz von Eigenschaften des weiblichen Habitus und Anforderungen der Verkauferinnentätigkeit s. Rammert-Faber 1986.Google Scholar
  7. 1.
    Bezeichnenderweise ist der zentrale Schreibdienst der Versicherung nicht, wie geplant, völlig aufgelöst worden; denn er bleibt notwendig, weil die Sachbearbeiter, zumal die Älteren (vermutlich mit geringerer Schulbildung), und auch die Abteilungsleiter, katastrophale Briefe schrieben, so daß diese Arbeit wieder auf den Schreibdienst zurückübertragen werden mußte. Insgesamt bezeichnen sie ihre Arbeit aber als langweilig, “stupide” (28/36), als “Idiotenarbeit” (12/21). Frauen als Sachbearbeiterinnen scheinen übrigens dazu zu neigen, ihre Briefe etc. selbst zu schreiben, einmal weil sie dazu besser in der Lage sind, zum anderen, weil sie weniger zum Delegieren von Arbeit neigen und sich nicht zu vornehm für solche “niederen” Tätigkeiten sind. Eine Sachbearbeiterin beschreibt das folgendermaßen: “Der Herr braucht das nicht”, was im Zweifelsfalle dazu führe, daß der “Herr Sachbearbeiter” zu der “Frau Sachbearbeiter” komme und sage: “Schreib’ mir das doch mal!” (42/36)Google Scholar
  8. 1.
    Auf die Gewährleistungsfunktion als entscheidendes Merkmal von Angestelltenarbeit haben Offe u.a. hingewiesen, s. Offe 1985 und Berger/Offe 1981.Google Scholar
  9. 2.
    Näheres zu Arbeitszeitgestaltung und Pausen s. u. Kap. 2.8 und 2.9.Google Scholar
  10. 1.
    Relativ zum arbeitswissenschaftlichen Belastungsbegriff, von dem wir bei der Frage implizit ausgegangen sind — der alltagsweltliche Belastungsbegriff scheint dagegen viel umfassender zu sein.Google Scholar
  11. 2.
    So werden weibliche Vorgesetzte in manchen produktionsnahen Büros genannt, obwohl sie Angestelltenstatus haben.Google Scholar
  12. 1.
    Näheres zur Pausenregelung bei Bildschirmarbeit s.u. Kap. 2.9.Google Scholar
  13. 1.
    Näheres über den Streß bei Bildschirmausfällen s.u. Kap. 2.7Google Scholar
  14. 1.
    Im Unterschied zu den Arbeiterinnen, von denen eine ganze Reihe kleine Kinder haben.Google Scholar
  15. 1.
    Das macht auch einen entscheidenden unterschied zu den Arbeiterinnen aus, die aus finanziellen Gründen in Vollzeit arbeiten müssen, s. Kapitel V.1.2.Google Scholar
  16. 1.
    ‘Plus-Stunden’ sind bei Arbeitszeit nach einem Gleitzeit-Abkommen die Stunden, die über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus gearbeitet wurden; ‘Minus-Stunden’ sind dementsprechend fehlende Arbeitszeiten. In der Regel können bis zu 8 Plus-Stunden ange “spart” werden, die dann innerhalb eines Monats als Freistunden oder tage genommen werden müssen.Google Scholar
  17. 1.
    Z.B. Marketing und andere Stabsabteilunsen.Google Scholar
  18. 2.
    Freie Tage im Rahmen der Gleitzeitregelung.Google Scholar
  19. 1.
    Generell scheint die Produktionsnähe der Arbeit von weiblichen Angestellten eine gehaltsdrückende Wirkung zu haben. Die einzige technische Angestellte, die wir interviewt haben, war in T 2 eingruppiert, was ein Hungergehalt von ca. 1.600,-04 netto ergibt. Eine Frau aus einer völlig produktionsabhängigen Datenerfassungsabteilung bekam als einzige K 3 ohne jeglichen Übertarif.Google Scholar
  20. 2.
    Dieser Betrieb praktiziert insgesamt, auch im gewerblichen Bereich, eine Strategie geschlechtsspezifischer Niedrigstentlohnung, vgl. Kap. V.1. 2.1.Google Scholar
  21. 1.
    Bis auf zwei Ausnahmen: höher dotierte Sekretärinnen, deren Väter Bundesbahnbeamte waren.Google Scholar
  22. 1.
    Die Expansion des Bildungssystems seit den 60er Jahren und die zunehmende Relevanz von Schul- und Ausbildungsabschlüssen, die von P. Bourdieu so genannte “Inflation der Titel” (1984, 222 ff.), die zur Folge hat, daß Tätigkeiten (wie etwa Sachbearbeiter/in], die früher aufgrund von Erfahrung ausgeübt wurden, heute nur noch mit einem formellen Abschluß ausgeübt werden “können”.Google Scholar
  23. 1.
    Die Problematik eines solches Aufstiegs in Bezug auf InteressenbewußtseinGoogle Scholar
  24. 1.
    Siehe dazu Kap. V. 1.2.1.Google Scholar
  25. 2.
    Zum gewerblichen Bereich siehe Kap. V.1.3.2.Google Scholar
  26. 1.
    Im rheinischen Dialekt unlautere Machenschaft, geheime Verabredung zu persönlichen Vorteilen, Vetternwirtschaft (Wrede 1978, 55).Google Scholar
  27. 1.
    Knaatschen bedeutet ursprünglich im rheinischen Dialekt soviel wie weinen oder aus Unzufriedenheit oder schlechter Laune weinen oder quengeln (Wrede 1978, 57), heute steht Knaatsch allgemeiner für Unfrieden und Ärger zwischen Personen in Gruppen.Google Scholar
  28. 1.
    Ein Betriebsrat beschreibt das plastisch am Beispiel ehemaliger Lagerarbeiterinnen: “... eine Frau aus dem Lager, die den ganzen Tag durch Regale läuft ..., der bietet man auf einmal einen Arbeitsplatz im Büro an. Macht sie zur Angestellten, zwar zu kleinen. Haben ihr vielleicht auch 50,- Mark mehr gegeben im Monat. ... das ist für die ein Aufstieg, das ist ein Riesenaufstieg für die. Die haben sich da reingesetzt und haben die Klamotten da reingehämmert, daß es nur so rauschte. Die hatten glänzende Augen! Klimatisiertes Büro — andere haben im Sommer draußen geschwitzt”. (Betriebsrat 1, Betrieb B, 24).Google Scholar
  29. 2.
    Dieses Muster ähnelt der für den Volksklassen-Habitus konstitutiven Entscheidung für das Notwendige” (Bourdieu 1984, 585 ff.)Google Scholar
  30. 1.
    Interessanterweise werden in dieser Gruppe häufig Berufswünsche artikuliert, die mit Lebendigem zusammenhängen: Eine Frau wollte Tierpflegerin werden und durfte das nicht; dafür hat sie sich ein Pferd gekauft. Eine andere wollte Floristin werden, aber damals durfte nur ihr Bruder etwas lernen; dafür wird jetzt vielleicht ihre Tochter diesen Beruf ergreifen.Google Scholar
  31. 1.
    Zum Zusammenhang zwischen körperlicher Arbeit und Vorliebe für kräftige, nahrhafte Speisen siehe Bourdieu 1984, 288 ff. und vor allem 598 ff.Google Scholar
  32. 1.
    Zur verlängerten Schulzeit als wesentlicher Bedingung des sogenannten Wertewandels s. Steinrücke 1986, 44ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Petra Frerichs
  • Martina Morschhäuser
  • Margareta Steinrücke

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