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Zu Ullrichs Kritik der Naturwissenschaften Technik und Industrie

  • Thomas Kluge
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 71)

Zusammenfassung

Ullrich veröffentlichte zunächst die umfangreiche soziologische Studie ‘Technik und Herrschaft’ (1). Mit seiner einflußreichen industrie- und technikkritischen Studie ‘Weltniveau’ (2) ist er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. In der Schrift ‘Weltniveau’ steht im Zentrum eine Auseinandersetzung mit “dem” Marxismus, auf die ich später kurz zurückkommen werde.

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Literatur

  1. (1).
    O. Ullrich, Ttechnik und Herrschaft, Frankfurt 1979.Google Scholar
  2. (2).
    O. Ullrich, Weltniveau, Berlin 1979.Google Scholar
  3. (1).
    O. Ullrich, Weltniveau, a.a.O., S. 49ff.Google Scholar
  4. (2).
    ebd., S. 40.Google Scholar
  5. (1).
    O. Ullrich, Weltniveau, a.a.O., S. 37.Google Scholar
  6. (1).
    ebd., S. 36.Google Scholar
  7. (2).
    Wie widerspruchsvoll Ullrich sich in der Rezeption von Teilstücken soziologischer Theorien verstrickt, wird daran deutlich, daß er in ‘Weltniveau’ dem Theorem der Körperausschaltung einen hohen Rang zuweist, in ‘Technik und Herrschaft’ er sich aber gegen eine solche Organersatzthese wendet und hierbei u.a. Habermas darin kritisiert, eine solche These von Gehlen übernommen zu haben. Vgl. O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 66ff.Google Scholar
  8. (3).
    O. Ullrich, Weltniveau, a.a.O., S. 36.Google Scholar
  9. (1).
    O. Ullrich. Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 49.Google Scholar
  10. (1).
    D. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 49.Google Scholar
  11. (2).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 5O. Zu welch abwegigen, die intellektuelle Redlichkeit übersteigenden Formulierungen dies beispielsweise gegenüber H. Marcuse führt, zeigt folgendes Zitat: “Das (Marcuses widersprüchliche Analyse, erg. T.K.) liegt wohl hauptsächlich an der von Marcuse verwendeten philosophischen Sprache und Denkweise, die gerne mit Totalbegriffen, Paradoxien und Metaphern arbeitet... ” (ebd., S. 46 und S. 50). Solche Positionen sind jenen nahe, die aus dem “gesunden Menschenverstand” die Philosophie für überflüssig erklären. Was Ullrich aber besonders vorzuwerfen ist, ist, daß er nicht analysiert, in was und worin Widersprüche zu bestimmen sind, sondern ausgerechnet Begriffen die Schuld gibt. Analyse muß sich aber immer mit Begriffen beschäftigen, sonst verteufelt man den Boten einer schlechten Botschaft, statt sich mit dieser auseinanderzusetzen.Google Scholar
  12. (1).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 50.Google Scholar
  13. (2).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 50.Google Scholar
  14. (3).
    vgl. oben, S. 92ff.Google Scholar
  15. (1).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 51f.Google Scholar
  16. (1).
    D. Hassenpf lug hat in seiner Entgegnung auf Ullrich zu Recht darauf hingewiesen, daß Ullrichs Panlogik von Herrschaft alle Bereiche der Gesellschaft gleichermaßen betrifft und deswegen der “gesamte Metabolismus Gesellschaft-Natur fasertief in Herrschaft getränkt” sei. Vgl. ders. in: Prokla 40, Berlin 1980, S. 114ff. (S. 127).Google Scholar
  17. (2).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 52.Google Scholar
  18. (1).
    O. Ullrich, Der Fortschritt moderner Technologie, in: Technologie und Politik (hrsg. v. F. Duve),H.16 , Hamburg 1980, S. 16ffGoogle Scholar
  19. (1).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 69.Google Scholar
  20. (2).
    ebd. (Fußnote: 119).Google Scholar
  21. (1).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 69f. und 81. Nichteidetisch — dieser Begriff entwickelt hier wenig Sinn; die Suche nach dem “verborgenen Prozeß”, der ohne die “Sinne stattfinde”, muß nicht bedeuten, daß ein Eidos fehle. Eidos-losigkeit wäre anzunehmen, wenn man keine Vorstellung davon hat, was man tut. Aber das behauptet Ullrich mit seinem Begriff der Nicht-Eidetik nicht. Platon beabsichtigte mit seiner Ideenlehre, die auf dem Begriff des Eidos fußt, die unmittelbaren Erscheinungen nicht als die Wirklichkeit gelten zu lassen, was aber nicht heißt, daß sich Platon die “verborgenen Prozesse” losgelöst von den “Erscheinungen” zum Problem gestellt hat.Google Scholar
  22. (2).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 81.Google Scholar
  23. (1).
    O. Ullrich, Weltniveau, a.a.O., S. 46.Google Scholar
  24. (2).
    P. Dudek, Naturwissenschaften und Gesellschaftsformation, Frankfurt 1970, S. 185.Google Scholar
  25. (3).
    vgl. ebd., S. 183.Google Scholar
  26. (4).
    E. Zilsel, zit. nach P. Dudek u.ders.in: Naturwissenschaften und Gesellschaftsformation, Frankfurt 1970, S. 184.Google Scholar
  27. (1).
    vgl. oben, S. 56ff.Google Scholar
  28. (2).
    O. Ullrich, Weltniveau, a.a.O., S. 9. Vgl. zur angesprochenen Problematik der konkreten Technikkritik meine kritischen Hinweise im letzten Kapitel dieser Arbeit.Google Scholar
  29. (1).
    Ullrich verwendet all jene diskutierten Kriterien zur Charakterisierung der Wissenschaft, um mit ihnen eine Synthese zum entwickelten Kapitalismus systemtheoretisch herzuleiten. Sind aber schon die Kriterien zur Charakterisierung der Wissenschaften unhaltbar, so gilt dies auch für ihre systemtheoretische Integration.Google Scholar
  30. (1).
    O. Ullrich, Der Fortschritt moderner Technologien, in: Technologie und Politik, Heft 16, Hanburg 1980, S. 29ff.Google Scholar
  31. (1).
    Vgl. V. Kraft, Der Wiener Kreis, Der Ursprung des Neopositivismus, Wien 1950 R. Carnap, Wissenschaftslogik ist die logische Syntax der Wissenschaftssprache, in: Die Aufgabe der Wissenschaftslogik, hrsg. von O. Neurath in Verbindung mit R. Carnap und H. Hahn in der Reihe: Einheitswissenschaft, H. 3, Wien 1934, S. 12ff.CrossRefGoogle Scholar
  32. (1).
    Für die Geschichte der Impetus theorie, deren stufenweise “Ablösung” in der klassischen Dynamik enthalten ist, gilt Vergleichbares. Nach der Formulierung des Newtonschen Trägheitsgesetzes wirkte die Impetustheorie zwar noch im technischen Bereiche weiter, ihre Ablösung war aber keinesfalls ein Prozeß reiner Akkumulation, sondern ein komplizierter, inhaltlicher Wandel. Hierüber und inwieweit soziale Motivationen für den Übergang von einer naturwissenschaftlichen Iheorie zur anderen maßgeblich sind, liegt eine richtungsweisende Arbeit vor: M. Wolff, Geschichte der Impetus theorie, Frankfurt 1978.Google Scholar
  33. (1).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 98f.Google Scholar
  34. (2).
    C. Castoriadis, Durchs Labyrinth, a.a.O., S. 152.Google Scholar
  35. (1).
    O. Ullrich, Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 103ff.Google Scholar
  36. (2).
    O. Ullrich, ebd., S. 104.Google Scholar
  37. (1).
    Aus diesen letztgenannten Gründen ist auch die These von einer Destruktivkraft der Wissenschaften abzulehnen, die zum Beispiel mit dem Hinweis auf Hiroshima oder auf andere destruktive Verwertungen der Wissenschaften dies nur dem wissenschaftlichen Wissen an sich anlastet. Ich will nicht die vorhandenen Destruktivkräfte in Abrede stellen, sondern die Trennung von Wissenschaft und Gesellschaft, die hierbei vorgenommen werden könnte. Eine nur “allein” schuldige Wissenschaft gibt es nicht; das würde bedeuten, sich von der Verantwortung gegenüber den Wissenschaften loszusagen und vor aller Destruktion die gesellschaftliche Bedingtheit der Wissenschaften zu leugnen. Eine Wissenschaft ist so destruktiv wie ihre Gesellschaft. Eine jüngst erschienene Wissenschaftskritik (Cl. Hoffmann,“Smog im Hirn”, Bensheim 1981) verbindet solche Thesen von der Destruktivkraft Wissenschaft mit dem methodologischen Gegensatz von Leben und Tod. Dieses irrationalistische Machwerk eines Linken präsentiert eine Kulturkritik, gegen die Wissenschaften an sich, die einer eigenen Auseinandersetzung wert wäre. Bedenklich stimmt jedoch, daß solche Art der Wissenschaftskritik, der reaktionären Festschreibung der Auftrennung in die oben beschriebenen zwei Kulturen in Deutschland Anklang findet. Vgl. z.B. die Rezension in: “Der Spiegel”, (zit. n. Gedächtnis)Google Scholar
  38. (1).
    Ullrichs immanente Bestimmung des Herrschaftsbegriffs ist ebenfalls nicht überzeugend hergeleitet. Er bezeichnet Herrschaft als “Asymmetrie”, die eine “Invariante” der Herrschaft sei (vgl. T. u. H., S. 153ff.). Ullrich will zwar rein äußerlich Herrschaft aus der Produktion bestimmen, aber dies gelingt ihm nicht, denn schon die Begriffe taugen hierzu nicht; Asymmetrie bedeutet ungerechter Tausch, Symmetrie hingegen unterstellt gerechten Tausch und Nichtherrschaft, was aber geradezu ein Wesensmerkmal bürgerlicher Ideologie darstellt. Dies wird besonders deutlich an der synallagmatischen Konstruktion des Arbeitsvertrages nach bürgerlichem Recht, die von der Symmetrie eines Lohn-Leistungsverhältnisses ausgeht (vgl. §§ 611, 631ff. BGB). So heißt es auch ganz auf dem Boden solcher Ideologie, in Fixierung auf die Zirkulationssphäre und der Vorstellung vom (herzustellenden) gerechten Tausch bei Ullrich: “im folgenden ist also unter “Asymmetrie” einer Macht oder Herrschaftsrelation immer ein ungleich verteilter Gewinn und/oder eine ungleiche Verteilung von Posten in der sozialen Beziehung gemeint (Unterstreichung von T.K.)”. In: Technik und Herrschaft, a.a.O., S. 158Google Scholar
  39. (2).
    O. Ullrich, Weltniveau, a.a.O., S. 46f.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1985

Authors and Affiliations

  • Thomas Kluge

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