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Stichworte zur Theorie der dissipativen Strukturen

  • Thomas Kluge
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 71)

Zusammenfassung

Das, was aus der Perspektive der Gleichgewichtsthermodynamik in meiner obigen Beschreibung als Chaos und Unordnung erscheint, verwandelt sich aus der Sicht der nichtlinearen (irreversiblen) Ungleichgewichtsthermodynamik in ein Prinzip der Ordnung. Diese neue theoretische Sichtweise, die auch gerade durch die Integration der (gerichteten) Zeit ermöglicht wurde, leitete ganz entscheidend der schon erwähnte Chemiker Prigogine unter dem Begriff der “dissipativen Strukturen” ein (1).

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Literaturverzeichnis

  1. (1).
    Diese Entwicklung der “Theorie der dissipativen Strukturen führte 1977 zur Verleihung des Nobel-Preises an Prigogine und lenkte hierdurch die allgemeine Aufmerksamkeit auf das neue Prinzip der “Ordnung durch Schwankungen” (bzw. auf das der “dissipativen Strukturen”) .Google Scholar
  2. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 149f. (Unterstreichung von T.K.).Google Scholar
  3. (2).
    ebd., S. 151.Google Scholar
  4. (3).
    Konnte das Kristall noch aus den Anziehungs- und Abstoßungskräften mikroskopisch erklärt werden, so sind dissipative Strukturen “... Ausdruck der globalen Nichtgleichgewichtssituation durch die sie hervorgebracht werden. Die Parameter ihrer Beschreibung sind makroskopisch; sie sind nicht von der Größenordnung von 10”° cm wie der Abstand zwischen Molekülen eines Kristalls, sondern von der Größenordnung von Zentimetern. Ähnlich unterscheiden sich die zeitlichen Maßstäbe; sie entsprechen nicht der molekularen Zeit (wie etwa die Schwingungsperioden einzelner Moleküle, die ca. 10–15 sec. betragen können), sondern makroskopischen Zeiten — Sekunden, Minuten oder Stunden”. (Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 152, 153).Google Scholar
  5. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 157.Google Scholar
  6. (1).
    Vgl. die Ausführungen zu den chemischen Instabilitäten: Prigogine und Stengers, S. 155ff.Google Scholar
  7. (2).
    So ist denkbar, daß unter der Programmatik der Theorie der dissipati-ven Strukturen neue wissenschaftliche Gegenstände (und Erkenntnisse) konstituiert werden.Google Scholar
  8. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 176ff.Google Scholar
  9. (2).
    Vgl. z.B. J. Monod, der von der Priorität des Zufalls ausgeht und Leben als notwendig kurzzeitige Erhaltung und Verzögerung des Verfalls definiert. In: Zufall und Notwendigkeit, München 1971. Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 186ff., 190ff.Google Scholar
  10. (3).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 165ff., 186ff.Google Scholar
  11. (1).
    Vgl. Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 188f., insbes. 189.Google Scholar
  12. (2).
    Vgl. z.B. H.G. Marten, Sozialbiologismus, Frankfurt, New York 1983.Google Scholar
  13. (1).
    Die Konzeption der ‘immatriellen Entelechie’ (Driesch) oder die des ‘élan vital’ (Bergson) als Erklärungsprinzipien des Lebenden erscheinen aus der Perspektive der Theorie der dissipativen Strukturen als fragwürdig, insbesondere was ihre Trennung von Belebtem und Unbelebtem in der Natur angeht. Zu den Begriffen Selbstreplikation und Mutation vgl. die Darstellung bei B. Müller-Hill, Die Philosophen und das Lebendige, Frankfurt, New York 1981.Google Scholar
  14. (1).
    Vgl. Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 25 u. 227.Google Scholar
  15. (2).
    ebd., S. 227.Google Scholar
  16. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S.233.Google Scholar
  17. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 260.Google Scholar
  18. (2).
    ebd., S. 260 und 263.Google Scholar
  19. (3).
    ebd., S. 263.Google Scholar
  20. (4).
    ebd., S. 286f .Google Scholar
  21. (1).
    Dieser Gegensatz bestinnite nicht zuletzt die Theorien des “Alltagslebens-,-bewußtseins”. Stellvertretend seien genannt: H. Lefèbvre, Th. Leithäuser und Negt/Kluge.Google Scholar
  22. (2).
    C. Castoriadis, Moderne Wissenschaft und philosophische Fragestellun-gen, in: Durchs Labyrinth (Seele, Vernunft, Gesellschaft), Frankfurt 1981, S. 146 und 151.Google Scholar
  23. (1).
    Ich denke hierbei nicht nur an ein unmittelbares Fortwirken der klassischen Dynamik, sondern auch an Konzeptionen, die mit der klassischen Dynamik verbunden sind, durch den Gesichtspunkt der Operationalisierbarkeit stationärer Gleichgewichte: ich denke hier etwa an die sprunghafte Ausbreitung von “Kybernetik und Informationstheorien, die zunehmend Funktionen des rein mechanistischen Weltbildes des 18. Jahrhunderts und die des energetisch-evo-lutionistischen des 19. Jahrhunderts” zu übernehmen scheinen (vgl. Castoriadis, a.a.O., S. 191). Die Eingebundenheit dieser Theorien in die theoretische Konzeption der Schaffung stationärer Gleichgewichte (der Naturbeherrschung i.S.d. klassischen Dynamik) verbietet es dem Grunde nach, diese Konzeptionen als ihr Gegenteil vorstellen zu wollen: als eine neue Möglichkeit der herrschaftsfreien Reproduktion von Natur und Gesellschaft. Zu den ökokybernetischen Ansätzen vgl. z.B. F. Vester, Das Über lebensprogramm, Frankfurt 1978; J. Huber, Technokratie oder Menschlichkeit, Achberg 1978; oder P. Haas, Kritik der Weltmodelle, München 198O. Hier ist der Widerspruch besonders frappant. Einerseits gelingt Haas eine überzeugende Kritik der Weltmodelle, andererseits setzt er auf die Ökokybernetik (vgl. hierzu S. 207f.). So gesehen scheint mir die Ökokybernetik nur eine besser operationa-lisierbare Variante der klassichen Weise der Naturbeherrschung zu sein. Zur Kritik der Systemtheorie, wie sie Grundlage der ökokybernetischen Steuerung von Natur und Gesellschaft ist, vgl. E. Becker, Zwischen Theoriebildung und politischer Erfahrung, Frankfurt 1981, unveröffentl. Manuskr., S. 25ff., S. 43ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1985

Authors and Affiliations

  • Thomas Kluge

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