Advertisement

Der lebensphilosophische Gegensatz von Leben und Tod in Spenglers Kritik des Zeitbegriffs und der Naturwissenschaften

  • Thomas Kluge
Chapter
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 71)

Zusammenfassung

Die Diskussion der Spenglerschen Zeitkritik wird zeigen, daß eine generelle Kritik dieser Posititionen nicht möglich ist. Bisherige Kritiken Spenglers zeichnen sich dadurch aus, daß sie das Zeitproblem, das im Zentrum seiner Argumentation steht, entweder ganz außer Betracht lassen oder aber meinen, dies getrennt von den Naturwissenschaften vornehmen zu können (1). Dies steht im Widerspruch allein schon zu dem Umfang, den diese immer wieder auftauchende Kritik in seinem Hauptwerk im Zusammenhang mit den Naturwissenschaften einnimmt (2).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. (1).
    Vgl. G. Murjahn, Romatik und Realismus in der Lehre 0. Spenglers, Diss. Berlin 1968, der über eine immanente Beschreibung von Spenglers Philosophie nicht hinauslangt oder E. Stutz, Oswald Spengler als politischer Denker, Bern 1955, der eine sorgfältige Auseinandersetzung mit Spenglers philosophischen Voraussetzungen führt, der aber die Zeitproblematik im Zusammenhang mit der Naturwissenschaftskritik Spenglers ebenfalls nicht gesondert zum Gegenstand der Diskussion macht.Google Scholar
  2. (2).
    Vgl. hierzu die Abschnitte “Schicksalsidee und Kausalitätsprinzip” und “Faustische und Apollinische Naturerkenntnis”, in: 0. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 152ff., 481ff.Google Scholar
  3. (1).
    Th. W. Adorno, Spengler nach dem Untergang, in: Prismen, Frankfurt 1955, S. 76 und 74.Google Scholar
  4. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 497. (2) ebd., S. 161.Google Scholar
  5. (1).
    M. Horkheimer, Zum Rationalismusstreit in der gegenwärtigen Philosophie, in: Kritische Theorie, Frankfurt 1968, S. 174, 170.Google Scholar
  6. (1).
    und (2) M. Horkheimer, Zum Rationalismusstreit in der gegenwärtigen Philosophie, in: Kritische Theorie, Frankfurt 1968, S. 174, 170.Google Scholar
  7. (3).
    Der Begriff “Mechanisierung der Welt” wurde von W. Rathenau in seinem Werk “Zur Kritik der Zeit” als lebensphilosophisch orientierte Kritikkategorie des Industrialismus eingeführt, was zur weiteren Popularisierung dieses Begriffes beitrug. Vgl. W. Rathenau, Zur Kritik der Zeit, Berlin 1912.Google Scholar
  8. (4).
    Vgl. in dieser Arbeit S.96ff.Google Scholar
  9. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 119.Google Scholar
  10. (2).
    Zur genaueren Beschreibung vgl,Prigogines und Stengers Ausführungen zum “Carnotschen Kreisprozeß” und die Bestimmung des “Wirkungsgrades”, ebd., S. 121 ff.; hier sei nur soviel angemerkt, daß die kalte Quelle bei Wärmemaschinen im allgemeinen Sprachgebrauch als Kühlung bezeichnet wird. Der arbeitserzeugende Wärmefluß selbst erfolgt jeweils von der warmen zur kalten Quelle.Google Scholar
  11. (3).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 128.Google Scholar
  12. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 535. (2) ebd., S. 539f.Google Scholar
  13. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 541Google Scholar
  14. (2).
    ebd.,. S. 541 , 543.Google Scholar
  15. (1).
    Vgl. hierzu die Ausführungen von Prigogine u. Stengers, a.a.O., S. 204 u. 282f.Google Scholar
  16. (2).
    Vgl. H. Schnädelbach, Philosophie in Deutschland 1831–1933, Frank-furt 1983, S.186ff., der Spengler unter dem Abschnitt: “Geschichtsphi-losophische Lebensphilosophie” vorstellt.Google Scholar
  17. (1).
    Vgl. Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 17.Google Scholar
  18. (2).
    ebd., S. 100 (Unterstreichung von T.K.) .Google Scholar
  19. Wiewohl nach Prigogine und Stengers A. Einstein auch in seiner Relativitätstheorie an einer grundsätzlichen Möglichkeit der Verbindung zur Newtonschen Mechanik (und ihrem Universalitätsanspruch) festhielt, hinderte dies aber Einstein nicht daran, in aller Schärfe die grundsätzlichen Zweifel an einer solchen Verbindungsmöglichkeit, die darin begründete Krise der Physik seiner Zeit und die darin enthaltenen Grenzen der Newtonschen Dynamik zu benennen: “Die ganze Entwicklung unserer Ideen über das Naturgeschehen ... könnte als eine organische Fortbildung Newtonscher Gedanken aufgefaßt werden ... Die Tatsache der Wärmestrahlung, der Spektren, der Radioaktivität (offenbarten) eine Grenze der Brauchbarkeit des gesamten Gedankensystems, die uns heute noch trotz gigantischer Erfolge im einzelnen schier unübersteigbar erscheint ,.. War sollte so vermessen sein, heute die Frage zu entscheiden, ob Kausalgesetz und Differentialgesetz, diese letzten Prämissen Newtonscher Naturbeherrschung, definitiv verlassen werden müssen?” A. Einstein, Newtons Mechanik und ihr Einfluß auf die Gestaltung der theoretischen Physik (1927), ders. in: Mein Weltbild, Berlin 1964, hrsg. v. C. Seelig.Google Scholar
  20. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 498.Google Scholar
  21. (2).
    Vgl. die entsprechenden Ausführungen im Abschnitt zu Spenglers Anthropologie der Technik, S.29ff.Google Scholar
  22. (1).
    Die gedankliche Verwandtschaft zu Nietzsche ist unübersehbar: Der “ewige Werdensbegriff” lautet bei Nietzsche “continuum”, “Fluß des Geschehens”, wenn es heißt:Google Scholar
  23. “Ein Intellekt, der Ursache und Wirkung als Kontinuum, nicht nach unserer Art als willkürliches Zerteilt- und Zerstückt-sein, sähe, der den Fluß des Geschehens sähe, — würde den Begriff Ursache und Wirkung verwerfen und alle Bedingtheit leugnen.” F. Nietzsche, Die Fröhliche Wissenschaft, Stuttgart 1976, S. 132.Google Scholar
  24. (2).
    M. Horkheimer, Zu Bergsons Metaphysik der Zeit, in: Kritische Theorie, hrsg. von A. Schmidt, Frankfurt 1977, S. 189.Google Scholar
  25. (1).
    Vgl. zu diesem Mcment auch die Ausführungen zur Neubestimmung der Zeit in der Physik: dort erlangte der Gesichtspunkt der Begrenzung Newtonscher Universalbegriffe Relevanz für die Neubestimmung theoretischer Begriffe der Thermodynamik.Google Scholar
  26. (2).
    M. Horkheimer, Zu Bergsons Metaphysik der Zeit, a.a.O., S. 193 (Unterstreichung von T.K.).Google Scholar
  27. (1).
    M. Horkheimer, Zu Bergsons Metaphysik der Zeit, a.a.O., S. 182, 183.Google Scholar
  28. (2).
    ebd., S. 186.Google Scholar
  29. (3).
    Auf den immanenten Widerspruch des “ewigen Wechsels” habe ich schon in der Diskussion des Werdensbegriffs hingewiesen. Nimmt man noch den Aspekt des “expandierenden Universums” hinzu, wie er in der neueren physikalischen Theorie vertreten wird, scheint der Begriff “Ewigkeit” selbst zu einer Antiquiertheit geworden zu sein.Google Scholar
  30. (1).
    Zitiert nach E. Stutz, O. Spengler als politischer Denker, Bern 1958, S. 44. Aus: UdA, Bd. I, München 1919, S. 136.Google Scholar
  31. (2).
    In der Spenglerschen Terminologie bedeutet dies gleichermaßen, daß im Begriff des Lebens der erkennende Geist aufgehoben ist, dagegen der Leib als Organ der Seele gilt. Eine seinerzeit weitverbreitete Seelenmetaphysik, vgl. z.B. L. Frobenius, Paideuma, Umrisse einer Kultur u. Seelenlehre, Ffm./ 19283/ 1908); L. Klages, Mensch und Erde, a.a.O. sowie ders.in: Der Geist als Widersacher der Seele.Bd.I, Leipzig 1929.Google Scholar
  32. (1).
    Diese von Boltzmann formulierte Idee ist für die Geschichte der Thermedynamik insofern ein Durchbruch, als hier zum ersten Mal ein innerphysikalischer Begriff mit wachsender Wahrscheinlichkeit begründet wurde. Weiterhin ist bedeutsam, daß Entropie nicht als Resultat, sondern als Prozeß aufgefaßt wurde. Vgl. Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 133ff. und 206.Google Scholar
  33. (1).
    Prigogine und Stengers, a.a.O., S. 124ff.Google Scholar
  34. (2).
    ebd., S. 137.Google Scholar
  35. (1).
    Prigpgine und Stengers, a.a.O., S. 137. Die kulturellen Auswirkungen dieser Zeitauffassung sind kaum zu übersehen; sie reichen bis zu Freuds psychologisch gefaßtem Energieerhaltungssatz in der Triebtheorie und der Annahme eines Todestriebes auf Grundlage der “kosmologischen” Interpretation des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik. Die Theorie des Todestriebes nimmt bei H. Marcuse und E. Fromm ebenfalls breiten Raum ein.Google Scholar
  36. (2).
    F.G. Jüngers Kultur- und Technikkritik: Die Perfektion der Technik (verfaßt 1939 und erschienen in Frankfurt 1946) umfaßt eine etwas breiter angelegte Technikkritik als die Spenglers. Die Grundthesen Jüngers hingegen sind mit Spenglers insofern identisch, als auch Jünger ins Zentrum seiner Kritik eine vergleichbare Kritik der Zeit und eine vergleichbare Interpretation der Entropie stellt. Wie bei Spengler hilft auch hier nur eine differenzierte Kritik. Jünger erweitert seine Interpretation der Entropie noch anhand des “Raubbaues” an der Natur und gibt unter diesem Aspekt eine Vielzahl von Schilderungen der Vergeudung und Zerstörung äußerer Natur. Seine Todesvision der Technik — mit literarisch sehr eingängigen Bildern — endet ebenfalls in einer dramatischen Gegenüberstellung von Leben und Tod: “Wir können überall beobachten, wie. mit dem Vordringen von mechanischen Werken, die dort auftauchen, wo tote Zeit auf sie wartet, die tote Zeit in die Lebenszeit eindringt1.”,ebd. ,S.39 oder aber:”Man kann die tote Zeit auch beliebig stückeln und zerstückeln, was bei der Lebenszeit ebensowenig möglich ist wie bei Organismen, die in ihr leben, Samen, Blüten, Pflanzen, Tiere, — Menschen, organische Gedanken. “, ebd., S. 38. Die Perspektive aus der Statik des Gleichgewichts entwickelt auch politisch betrachtet konservative Strukturen (vgl. auch die Anmerkung zu F.G. Jüngers “Subjek-tivierung” der äußeren Natur, S. 101).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1985

Authors and Affiliations

  • Thomas Kluge

There are no affiliations available

Personalised recommendations