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Spenglers Entgegensetzung von Leben und Tod als methodologische Grundfigur zum Entwurf eines lebensphilosophischen Weltbildes

  • Thomas Kluge
Chapter
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 71)

Zusammenfassung

Der Mathematiker, Historiker und Philosoph Spengler hat sein Hauptwerk “Der Untergang des Abendlandes” bereits vor dem Ersten Weltkrieg konzipiert und unmittelbar danach (Band I 1918 in Wien und Band I und II 19 22/1923 in München) veröffentlicht. Spenglers “Untergang des Abendlandes” gilt als das “bedeutungsvollste Dokument dieses allgemeinen Zeitgeistes” (1); es hat große Teile der Intelligenz einer ganzen Generation, der des Vorfaschismus, geprägt. Dieses philosophische Werk erhebt den Anspruch, die von “...allen dunkel vorgefühlte Philosophie der Zeit zu sein” (2).

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Literaturverzeichnis

  1. (1).
    Vgl. hierzu K. Löwith, Mensch und Geschichte, in: Gesammelte Abhandlungen, Stuttgart 1960, S. 158.Google Scholar
  2. (2).
    O. Spengler, zitiert nach Philosophen-Lexikon, W. Ziegenfuss und G. Jung, Berlin 1949, S. 583.Google Scholar
  3. (3).
  4. (4).
    O. Spengler, Der Mensch und die Technik, München 1931.Google Scholar
  5. (1).
    Vgl. z.B. Preußentum und Sozialismus, München 1919; Jahre der Entscheidung, München 1933; oder auch: Reden und Aufsätze, hrsg. von H. Korn-hardt, München 1938.Google Scholar
  6. (2).
    Th. W. Adorno, Prismen, Frankfurt 1979, S. 52.Google Scholar
  7. (3).
    Chr. Zimmerli hält den “grundlosen Fortschrittsoptimismus” für ein der Vergangenheit angehöriges Problem und folgert daraus — in der Übernahme Spenglerscher Termini — “mithin ist die faustische Zivilisation ... das Abendland untergegangen ...”, aus: Technokratie und Technikpbobie — wohin steuert die Menschheit?, in: Technik — oder: Wissen wir, was wir tun?, hrsg. von Chr. Zimmerli, Basel 1976, S.151.Google Scholar
  8. (4).
    Vgl. G. Hortleder, Gesellschaftsbild des Ingenieurs, Frankfurt 1970, S. 124f.Google Scholar
  9. (5).
    So vertritt beispielsweise G. Ropohl (während einer Diskussion über die sozialen Folgen der Mikroprozessoren im Hessischen Rundfunk am 13.4.1981) die Auffassung, die ökologische Publizistik betreibe eine Dämonisierung der Technik in reiner Wiederholung Spenglers.Google Scholar
  10. (1).
    O. Spengler, Der Mensch und die Technik, München 1931, S. V; (im folgenden abgekürzt als MuT).Google Scholar
  11. (1).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 3.Google Scholar
  12. Vgl. J. Goebbels, Rede vor der Heidelberger Universität, “Das Reich dröhnender Motoren, hiimfêls türmende Erfindungen ... das ist unser Reich der Ranantik”, zitiert nach H. Mehrtens und St. Richter (Hrsg.), Naturwissenschaft, Technik und Nationalsozialistische Ideologie, Frankfurt 1980, S. 51.Google Scholar
  13. (2).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 3.Google Scholar
  14. Diese Verbindung von Glück, Nutzen und Kultur fußt in der Tat auf der ökonomischen Theorie eines Bentham oder Mill — Die Kritik dieses Zusammenhangs hat Spengler von Nietzsche entlehnt: “Diese Erweiterung (die der Bildung) gehört unter die beliebtesten nationalökoncmischen Theorien der Gegenwart. Möglichst viel Erkenntnis und Bildung, daher möglichst viel Produktion und Bedürfnis, daher möglichst viel Glück -so lautet etwa die Formel.”; in: Die Zukunft unserer Bildungsanstalten (1871/72) Friedrich Nietzsche, Nachlaß, Leipzig 1908, S. 298.Google Scholar
  15. (3).
    Vgl. O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 4 u. 5.Google Scholar
  16. (1).
    Vgl. O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 14 oder S. 88: “Optimismus ist Feigheit”.Google Scholar
  17. (2).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 6.Google Scholar
  18. (1).
    O. Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Band I, München 1923, S. 136f .(im folgenden abgekürzt als UdA) .Google Scholar
  19. (2).
    O. Spengler, UdA, a.a.O., Band I, S. 7.Google Scholar
  20. (3).
    ebd., S. 7.Google Scholar
  21. (4).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 11.Google Scholar
  22. (1).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 9 u. 12.Google Scholar
  23. (1).
    Vgl. K. Lowith, Natur und Humanität des Menschen, in: Gesamnelte Abhandlungen, Stuttgart 1960, S. 192ff.Google Scholar
  24. (1).
    Die Raubtier-Symbolik fungiert geradezu als ein Signum faschistischer Gmppierungen, so die “grauen Vfölfe” in der Türkei oder Herr Hoffinann, der der nach ihm benannten (mittlerweile verbotenen) neonazistischen “Wenrsportgruppe” vorstand und sich des öfteren an der Seite eines Tigers ablichten ließ; die staatlichen Symbole hingegen sind auf jedem Fünf-Mark-Stück zu besichtigen,.,Google Scholar
  25. (2).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 15.Google Scholar
  26. (1).
    Vgl. hierzu G. Lukacs in: Zerstörung der Vernunft, Bd. II, Neuwied 1973, S. 146, der die Kontinuität Spenglers zum Faschismus folgendermaßen charakterisiert: “... die solipsistische Wesensart der historischen ‘Gestalten’ ist das methodische Vorbild für die faschistische Rassentheorie.”Google Scholar
  27. (2).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 19f.Google Scholar
  28. (1).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 20, 23.Google Scholar
  29. (2).
    In der Zeit von 1938–1942 hat sich Konrad Lorenz diese Thesen Spenglers zur Ausgangsfrage gestellt. Er ging davon aus, daß die Änderungen im Instinktverhalten domestizierter Tiere (Pflanzenfresser etc.) Symptome des Verfalls seien, daß der Mensch der Zivilisation homolog den domestizierten Tieren vergleichbaren Wirkungen des Zerfalls ausgesetzt sei und mithin sich die Zivilisation (getreu den Spengler-schen Thesen) im Prozeß “des Zerfalls und Untergangs” befinde, um bei solchen Feststellungen zu enden, daß der Mensch der Großstadt Inbegriff des “entarteten Typus” sei. So in: Über Ausfallerscheinungen und Instinktverhalten von Haustieren und ihre sozialpsychologische Bedeutung, zitiert nach Theodora Kalikow: Die ethologische Theorie von Konrad Lorenz; Erklärung und Ideologie, in: H. Mehrtens/St. Richter (Hrsg.), Naturwissenschaft, Technik und Nationalsozialistische Ideologie, Frankfurt 1980, S. 189ff,Google Scholar
  30. (3).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 30.Google Scholar
  31. Die Unterscheidung von Herstellung und Gebrauch fungiert inner noch als bestimmender Faktor gegenwärtiger Techniktheorien: Vgl. z.B. K. Tuchel, Herausforderung der Technik. Gesellschaftliche Voraussetzungen und Wirkungen der technischen Entwicklung, Bremen 1967, S. 30 ff.Google Scholar
  32. oder G. Ropohl, Gesellschaftliche Perspektiven und theoretische Voraussetzungen einer technologischen Aufklärung, in: Lenk (Hrsg.), Technokratie als Ideologie, Stuttgart 1973, S. 227ff.Google Scholar
  33. (1).
    Die These der Organ-Entlastung genießt weite Verbreitung: A. Gehlen hat sie wieder auf genatmen und J, Habermas (Technik und Wissenschaft als Ideologie) hat sie ebenfalls weiterverfolgt. Die erste Ausformulierung dieser These findet sich bei E. Kapp, Grundlinien einer Philosophie der Technik, Braunschweig 1877.Google Scholar
  34. (2).
    Vgl. J. Rohbeck, Zum Verhältnis von Menschheits- und Naturgeschichte in der Fortschrittstheorie des ausgehenden 18. Jahrhunderts, S. 61f., in: Materialistische Wissenschaftsgeschichte, Berlin 1981.Google Scholar
  35. (1).
    Vgl. K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Frankfurt 1971, S. 375ff.Google Scholar
  36. (2).
    Hobbes nahm ebenfalls eine solche Konstante an und hat in vergleichbarer Weise historische Resultate — wie die Ausbildung des Privateigentums — auf die Gesamtgeschichte rückverlängert.Google Scholar
  37. Vgl. Th, Hobbes, Leviathan, Hamburg 1965, hrsg. v. P.G. Mayer-Tasch.Google Scholar
  38. (3).
    So im Original, wiewohl die übliche Schreibweise wohl: ξῶov πoλιτιkόv lauten müßte.Google Scholar
  39. (1).
    K. Marx, Grundrisse, a.a.O., S. 395f.Google Scholar
  40. (1).
    O. Spengler, MuT, a.a.O., S. 34.Google Scholar
  41. (2).
    ebd., S. 35.Google Scholar
  42. (1).
    Parallelen zu Max Schelers Anthropologie: Die Stellung des Menschen im Kosmos, München 1927, sind unverkennbar.Google Scholar
  43. (2).
    O. Spengler, UdA, Bd. II, a.a.O., S. 18.Google Scholar
  44. (3).
    ebd., S. 19.Google Scholar
  45. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. II, a.a.O., S. 18.Google Scholar
  46. (2).
    Vgl. das Kapitel Schicksalsidee und Kausalitätsprinzip, in: UdA, Bd. II, a.a.O., S. 152ff.Google Scholar
  47. (3).
    In O. Spengler, MuT, endet die Anthropologie der Technik hinsichtlich dieses Topos in dem Diktum: Der Mensch sei “Sklave seines Gedankens” geworden.Google Scholar
  48. (1).
    Spengler, der den Krisenzusammenhang nicht auf die “Politik” beschränkt, nennt folgende Bereiche und Krisenprobleme: “__NiedergangGoogle Scholar
  49. der Kunst, Zweifel am Werte der Wissenschaft, die schweren Fragen, welche aus dem Sieg der Weltstadt über das Bauerntum hervorgehen: die Kinderlosigkeit, die Landflucht; den sozialen Rang des fluktuierenden 4. Standes; die Krisis im Sozialismus, im Parlamentarismus, im Rationalismus...” Vgl. O. Spengler, UdA, Wien 1918, S. 68, 69.Google Scholar
  50. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 205.Google Scholar
  51. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 131f.Google Scholar
  52. (2).
    ebd., S. 142.Google Scholar
  53. (1).
    Vgl. O. Spengler, UdA, Bd.I, a.a.O., S. 496ff.Google Scholar
  54. (2).
    Spenglers Dissertation war bereits dem Logos-Begriff bei Heraklit gewidmet. In ihr hat er schon die Grundprinzipien seines historischen Relativismus entwickelt. Vgl. E. Stutz, O. Spengler als politischer Denker, Bern 1958, S. 9ff.Google Scholar
  55. (1).
    Nimmt man den Gesichtspunkt der “Ewigkeit” zur Grundlage, so wird — was den Wandel angeht — seine “Zeitlichkeit” fraglich, weil Kontinuum (Ewigkeit) und Zeitlichkeit sich widersprechen. Auf diesen Widerspruch werde ich später noch zurückkommen.Google Scholar
  56. (1).
    Diese reine Inmanenz der sich selbst belegenden Geschichte erklärt auch, daß für Spengler Geschichte, Leben, Bewegung und Schicksal eine einheitliche Gleichung bilden; Geschichte ohne jeden transzendenten Sinn verneint die Unterscheidung von Zufall und Notwendigkeit, sie sind identisch. Vgl. dazu: K. Löwith, Mensch und Geschichte, a.a.O., S. 166ff.Google Scholar
  57. (2).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 196.Google Scholar
  58. (1).
    O. Spengler, UdA, Bd. I, a.a.O., S. 184.Google Scholar
  59. (1).
    Lukács glaubt, Spenglers Naturwissenschaftskritik mit dem Argument entkräften zu können, daß Spengler mit seiner Kritik “die Tatsache der fortschreitenden Annäherung unserer Naturerkenntnis an die objektive Wirklichkeit der Natur eliminiere-” Vgl. G. Lukács, Zerstörung der Vernunft, Bd. II, a.a.O., S. 143. Lukacs’ strikte Einhaltung der Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften ist es, die ihn blind macht, sowohl gegenüber dem Problem einer Krise in der Physik als auch gegenüber dem Problem einer Kritik der Naturwissenschaft.Google Scholar

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  • Thomas Kluge

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