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Der gewohnte Schrecken

  • Albert Ilien
  • Utz Jeggle
Chapter
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Zusammenfassung

In einer einschlägigen Sagensammlung des 19. Jahrhunderts ist folgende Geschichte notiert: „Ein junger Bursch aus Hausen war zum Holzmachen im Klosterwald. Als es dunkel wurde und er heimwollte, sprang ein wilder Hund auf ihn zu. Er trug im Maul einen Hafen voll Gold. Der Bursche griff nach ihm und ließ sein Holz liegen. Zu Hause zerfiel das Gold in fauliges Holz.“ Diese Erzählung ist nicht nur eine Geschichte, sondern darin steckt auch Hausener Geschichte, zusammengedrängt auf wenige Grunderfahrungen, die aber das Leben der Hausener in den vergangenen Jahrhunderten so ehern festlegten, daß sie ihnen — und vielen Sagenforschern — natürlich und geschichtslos erschienen. Der emotionsarme, fast unbeteiligte Erzählstil der Sage ist für den Charakter dieser Erfahrungen kennzeichnend; das alles wurde zwar erlebt, aber nicht erlitten. Die Not war stärker als die Furcht, beim Holzdiebstahl ertappt zu werden, das war eine einfache Rechnung. Die Angst, die allerdings darin steckte und spukte, war so heftig, daß sie nicht festgehalten werden konnte, sondern aus einem heraussprang und in wilde Erscheinungen flüchtete, die sich einem in den Weg stellten und das Innenleben in der Außenwelt begegnen ließen. Auch die Hoffnung auf Glück, der Hafen (= Topf) voll Geld, das Leben ohne Not, scheinen in dieser Geschichte nur dazu da zu sein, um enttäuscht zu werden und so die Hoffnungslosigkeit noch zu verschärfen. Der Traum von der Erfüllung wird im Traum noch zerstört: Modriges Holz ist der Lohn für den Wunsch nach anderem und mehr.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1978

Authors and Affiliations

  • Albert Ilien
  • Utz Jeggle

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