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Widerspruchserfahrung im autobiographischen Projekt

  • Klaus Bergmann
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Zusammenfassung

Durch eine kritische Auseinandersetzung mit Bernd Neumanns Buch Identität und Rollenzwang. Zur Theorie der Autobiographie aus dem Jahre 1970, dem meines Erachtens bislang am meisten entwickelten sozialpsychologischen Ansatz zur Interpretation der Autobiographik, soll im folgenden die Notwendigkeit unterstrichen werden, bei einer Vielzahl von autobiographischen Schriften, inbesondere bei denen von Unterschichtsautoren verfaßten, dem Umstand verletzter Identität und der Widerspruchserfahrung besondere Bedeutung zuzumessen.

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Literatur

  1. 1.
    Zur terminologischen Unterscheidung von Autobiographie und Memoiren vgl. Kapitel 1.Google Scholar
  2. 2.
    Auf die systemtheoretischen Implikationen der Theorie von Niklas Luhmann kann hier nicht eingegangen werden.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. auch die Revision des Goethe-Bildes bei Walter Muschg (1965, S. 3181) und Hans Mayer (1973); in Bezug auf Dichtung und Wahrheit: Hans Mayer (1963, S. 93–121) und Klaus-Detlef Müller ( 1976, S. 262–270 )Google Scholar
  4. 4.
    Dieses Muster der gesellschaftlichen Integration des Individuums haben die um die Arbeiterautobiographien bemühten Ansätze übernommen: Nicht die Gesamtgesellschaft, sondern die Arbeiterbewegung in ihren Kämpfen, ihrer Kultur und in ihren spezifischen Normen und Werten - so diese Theorie - sei für die proletarischen Autoren Bezugspunkt der Integration. So schreibt Michael Vogtmeier über Adelheid Popp in seiner Studie über Die proletarische Autobiographie 1903–1914 (1984, S. 233): “Wie in der klassischen bürgerlichen Autobiographie wird auch hier das Leben eines einzelnen, ‘die Geschichte seines Werdens und seiner Bildung’ (Neumann), die Entwicklung seiner Identität beschrieben; mit dem Unterschied allerdings, daß bei Popp am Schluß der Autobiographie nicht die Aussöhnung zwischen Ich und Welt, sondern der Eintritt der Autorin in die Sozialdemokratie, ihr Aufgehen in die Arbeiterbewegung steht.”Google Scholar
  5. 5.
    Zuerst Hans Glagau (1903).Google Scholar
  6. 7.
    Ausgeklammert werden kann in diesem Kontext die Frage, inwieweit der Labeling Approach in der Lage ist, sozialstrukturelle Ursachen abweichenden Verhaltens zu erklären. (Vgl. u.a. die Kontroversen im Kriminologischen Journal,insbesondere 4. Jahrgang (1972) H.1; vgl. auch Ferchoff/Peters 1981.) Diese Frage stellt sich dehalb nicht, weil autobiographisches Agieren (Schreiben, Publizieren; autobiographischer Pakt) auf der symbolisch-interaktionistischen Ebene verbleibt - selbst wenn einige Autoren ihre Lebensgeschichte zum Anlaß nehmen, zu den Ursachen sozialer Deprivation vorzustoßen. Vgl. auch die soziologische Arbeit von Helga Cremer-Schäfer Biographie und Interaktion. Selbstdarstellung von Straftätern und der gesellschaftliche Umgang mit ihnen,die in der Interpretation von autobiographischen Texten von Straftätern aus den Jahren 1968 bis 1981 ebenfalls an der Stigmatheorie anknüpft. Viel nachhaltiger als in dieser Arbeit geht die Autorin der Frage nach, wie die (potentiellen) Reaktionen der Leser auf die Gefangenentexte geartet sind.Google Scholar
  7. 8.
    Erinnert sei an die KZ-Tätowierungen oder an neuere Vorschläge, AIDS- Kranke unübersehbar zu tätowieren. Vgl. auch Zeichen auf der Haut. schichte der Tätowierung in Europa (1979) von Stephan Oettermann, Kapitel VI: In der Strafkolonie: “Die Geschichte der europäischen Tätowierung ist eng mit der der Brandmarkung verknüpft.” (S. 103)Google Scholar
  8. 9.
    Basis der sozialen Homogenität ist die Produktion. Die homogene Gesellschaft ist die produktive, das heißt die nützliche Gesellschaft. Jedes unnütze Element wird ausgeschlossen…. Eine nützliche Tätigkeit kann immer mit einer anderen nützlichen Tätigkeit auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.“ (Bataille 1978, S. 10 )Google Scholar
  9. 10.
    Freak (Miget, Dwarf, or Giant; Ugly, fat or disfigured person; mentally retarded person)…Sinful (Sinner, Apostate, Traitor)…; Criminal (Murderer, Burglar, Embezzler, Addict)…Sick (Psychotic, Psychoneurotic)…; Alienated (Bum, Tramp, Suicide, Hippie, Bohemian)…“ (Dinitz u.a. 1969,S. 13, zit. nach Meudt 1975, S. 51 )Google Scholar
  10. 11.
    Meudt 1975, S. 51. Zur Erläuterung heißt es bei Volker Meudt an gleicher Stelle weiter: “Von verschiedenen Seiten werden die unterschiedlichsten normativen Erwartungen an uns gerichtet, die wir unmöglich alle gleichzeitig erfüllen können. Wir übertreten permanent irgendwelche Normen und verhalten uns in diesem Sinn dauernd in der einen oder anderen Weise abweichend.”Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

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  • Klaus Bergmann

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