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Terroristische Karrieren

Soziologische Analyse anhand von Fahndungsunterlagen und Prozeßakten
  • Gerhard Schmidtchen
Part of the Analysen zum Terrorismus book series (AZT)

Zusammenfassung

Terroristisches Verhalten ist statistisch gesehen unwahrscheinliches Verhalten. Damit tritt es aber zugleich aus dem Verständnishorizont heraus, aus dem die meisten Beobachter ihr eigenes Verhalten und das anderer Menschen interpretieren. So wirken die terroristischen Aktionen als doppeltes Ärgernis. Die Effekte sind dramatisch, und die Motive bleiben unverständlich. Ein Verhalten jenseits unserer Interpretationsmöglichkeiten bezeichnen wir gern als verrückt, als pathologisch, damit sind indessen keine Diagnosen, sondern nur Verständnisgrenzen gekennzeichnet. Gerade extremes, unwahrscheinliches, einem breiten Verständniskonsens entrücktes Handeln muß außerordentlich prägnanten Ordnungsprinzipien unterliegen, wenn es sich überhaupt ereignen soll. Das von außen unverständlich Wirkende ist im Bewußtsein des Akteurs nicht nur überzeugendes, sondern auch folgerichtiges Handeln, zu dem es für ihn keine sinnvolle Alternative gibt.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Mihaly Csikszentmihalyi und Olga V. Beattie: Life Themes: A Theoretical and Empirical Exploration of Their Origins and Effects. In: J. Humanistic Psychology Vol. 19, No. 1. Winter, 1979.Google Scholar
  2. 2.
    David C. Schwartz: Political Alienation and Political Behaviour, Chicago 1973.Google Scholar
  3. 3.
    Diese Zusammenhänge sind ausführlicher dargestellt in der Studie des Autors „Protestanten und Katholiken. Soziologische Analyse konfessioneller Kultur.“ Francke, Bern, 1973 und 1979. Die Analyse des politischen Verhaltens der deutschen Protestanten führte zwangsläufig zu der Prognose, daß das Moment der politischen Überraschung dem deutschen Protestantismus inhärent bleiben werde. Es sei denn, er ändert sich theologisch. Aufgrund dieser Zusammenhänge hat der Autor auf dem CDU-Kongreß 1977 über das Thema „Der Weg in die Gewalt“, bevor einschlägige Daten bekannt waren, die Diagnose gestellt, daß die Mehrheit der deutschen Terroristen aus dem protestantischen Milieu kämen.Google Scholar
  4. 4.
    Ilse Korte-Pucklitsch: Warum werden Frauen zu Terroristen? Versuch einer Analyse, in: Vorgänge 40–41/1979, S. 121 ff.Google Scholar
  5. 5.
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    Sozialforschungsstelle der Universität Zürich: Zürichs Jugend über Drogenkonsum, Januar 1979.Google Scholar
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  8. 8.
    Neidhardt, Friedhelm: Soziale Bedingungen terroristischen Handelns. Das Beispiel der „Baader-Meinhof-Gruppe“ (RAF), in: Baeyer-Katte, Wanda v.; Ciaessens, Dieter; Feger, Hubert; Neidhardt, Friedhelm: Gruppenprozesse, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1982 (Reihe Analysen zum Terrorismus 3).Google Scholar
  9. 9.
    Stanley Schachter: The Psychology of Affilation, Stanford, 1967.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1981

Authors and Affiliations

  • Gerhard Schmidtchen

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