Advertisement

Von der Fürsorge zur Wohlfahrtspflege: Modernisierung, spezialisierung und Verwissenschaftlichung städtischer Fürsorge

  • Christoph Sachße
Chapter
  • 180 Downloads

Zusammenfassung

Die geschilderten Reformen der städtischen Armenfürsorge waren Ausdruck einer Überforderung durch soziale Probleme neuer Art und neuen Ausmaßes. Dies galt aber nicht nur für die Verwaltungsorganisation, sondern auch für Art und Umfang der Fürsorgeleistungen und ihrer Erbringung. Seit Beginn der neunziger Jahre begann parallel zu den eben geschilderten Reformen ein Ausbau neuer Fürsorgemaßnahmen und -leistungen jenseits des klassischen Kernbereichs der überkommenen Armenfiirsorge, indem sich zugleich ein tiefgreifender Wandel der Anschauungen über die gesellschaftlichen Aufgaben öffentlicher Fürsorge ausdrückte. Ihrem Selbstverständnis nach handelte es sich bei dem neuen Typus »sozialer Fürsorge« darum, der Verarmung durch planmäßige Maßnahmen vorzubeugen, die Lebensverhältnisse der städtischen Armutsbevölkerung sozialpolitisch zu gestalten, ohne Diskriminierung und politischen Zwang. Gerade in der Kritik am Prinzip der Ehrenamtlichkeit des Elberfelder Systems war deutlich geworden, daß auch die bürgerlich-patriarchalische Form oder — wenn man so will — Mentalität der Armenbetreuung nicht mehr als der »neuen Armut« angemessen betrachtet wurde. Ihr Vorbild fanden die kommunalen Fürsorgereformen im englischen »Municipalsozialismus« ihrer Zeit, einer Schöpfung der »Fabian Socialists« um das Ehepaar Webb, G. B. Shaw und H. G. Wells.1

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    v. Hippel 1792, zit. nach dem Neudruck Frankfurt 1977, S. 48.Google Scholar
  2. 2.
    Zu den Anfängen der deutschen Frauenbewegung in der Revolution von 1848 vgl. Twellmann 1976; Gerhard 1990, S. 42ff. Zur Hamburger Frauenhochschule vgl. Monika Simmel 1980, S. 111ff; Spranger 1916, S. 22ff.Google Scholar
  3. 3.
    Zu Person und Aktivitäten von Louise Otto vgl. neben Twellmann 1976, S. 1–33, vor allem Gerhard/Hannover-Drück/Schmitter 1980, insbes. die instruktive Einleitung.Google Scholar
  4. 4.
    Zur Entwicklung der Frauenbewegung zwischen 1865 und 1889 vgl. Twellmann 1976, S. 34ff; Schenk 1981, S. 26ff; Bussemer 1985; Gerhard 1990, S. 72ff; zur Gründung des BDF insbes. Greven-Aschoff 1981, S. 87ff; zur Geschichte des ADF nach 1890 Stoehr 1990. Einen knappen, aber instruktiven Überblick über Entwicklung und Stand der Frauenbewegung in Deutschland gibt das Einführungskapitel in: Kaiserliches Statistisches Amt 1909, S. 5–28.Google Scholar
  5. 5.
    Zur Entstehung und Entwicklung der sozialistischen Frauenbewegung in Deutschland vgl. Thônnessen 1976, insbes. S. 11–79; Evans 1979, insbes. S. 53–82, Quataert 1979 sowie die Arbeiten von Niggemann 1981 und Richebächer 1982.Google Scholar
  6. 6.
    Marx 1969, S. 514.Google Scholar
  7. 7.
    Die »heimliche Bürgerlichkeit« der in der sozialistischen Theorie entworfenen und in der proletarischen Frauenbewegung rezipierten Vorstellungen von Familie, Erziehung und Sexualität wird bei Niggemann 1981 gründlich und überzeugend herausgearbeitet, vgl. insbes. S. 237–281. Im Ergebnis ebenso Richebächer 1982; neuerdings ausführlich Rosenbaum 1992.Google Scholar
  8. 8.
    Zit. nach v. Zahn-Harnack 1928, S. 166.Google Scholar
  9. 9.
    Organisatorische Kristallisationspunkte des »linken Flügels« waren der Berliner »Verein Frauenwohl«, der eine Reihe von Schwesterorganisationen in Norddeutschland und Ostpreußen begründet hatte, und der »Verband fortschrittlicher Frauenvereine«, der 1899 in Berlin gegründet wurde und eine eigene Dachorganisation für die »linken« Vereine bildete, die ihrerseits aber durchweg im BDF Mitglieder blieben. Die Einflußchancen des linken Flügels im BDF stiegen insbesondere nach 1899, als Marie Stritt, die selbst dem linken Flügel zugerechnet wurde, als Nachfolgerin von Auguste Schmidt zur Vorsitzenden des BDF gewählt wurde. Der linke Flügel ist in der offiziösen Geschichtsschreibung der bürgerlichen Frauenbewegung, die im wesentlichen von Frauen aus dem Umkreis der Gemäßigten bestritten wurde, recht stiefmütterlich behandelt worden. Über die Arbeit der Radikalen informieren in der zeitgenössischen Literatur nur einige kleinere Schriften. Vgl. E. Lüders 1904 und Cauer 1913. Gründliche Darstellungen der Richtungskämpfe im BDF, die in gewisser Weise an die Auseinandersetzungen im »Verein für Socialpolitik« gemahnen, fmden sich in der neueren Literatur vor allem bei Evans 1976, S. 186ff, sowie Greven-Aschoff 1981, insbes. S. 87–124. Vgl. ferner Feministische Studien, Heft 1/Mai 1984 (Schwerpunkt: Die Radikalen in der alten Frauenbewegung), insbes. Wischermann 1984, Gerhard 1984, Braun-Schwarzenstein 1984 und Dürkop 1984; neuerdings Clemens 1988 und Gerhard 1990, S. 170ff, 216ff.Google Scholar
  10. 10.
    Bäumer 1905, S. 324. Ausführlich zum Frauenbild Gertrud Bäumers: Witt-rock 1983, S. 14ff, die allerdings die Propagierung des Mütterlichkeitsideals ganz in die zwanziger Jahre verlegt und die älteren Traditionen übersieht.Google Scholar
  11. 11.
    Zit. nach Twellmann 1976, S. 21. Vgl. E. Lüders 1904 und Cauer 1913. Gründliche Darstellungen der Richtungskämpfe im BDF, die in gewisser Weise an die Auseinandersetzungen im »Verein für Socialpolitik« gemahnen, fmden sich in der neueren Literatur vor allem bei Evans 1976, S. 186ff, sowie Greven-Aschoff 1981, insbes. S. 87–124. Vgl. ferner Feministische Studien, Heft 1/Mai 1984 (Schwerpunkt: Die Radikalen in der alten Frauenbewegung), insbes. Wischermann 1984, Gerhard 1984, Braun-Schwarzenstein 1984 und Dürkop 1984; neuerdings Clemens 1988 und Gerhard 1990, S. 170ff, 216ffGoogle Scholar
  12. 12.
    Zur Entwicklung des bürgerlichen Familienbildes seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vgl. Rosenbaum 1982, insbes. Kap. 4, Die Familie im Bürgertum, S. 251–380; Schwab 1975. Zur Bedeutung der Entstehung der bürgerlichen Familie irn gesellschaftlichen Prozeß der Polarisierung von Öffentlichkeit und Privatsphäre vgl. Habermas 1990, S. 107ff.Google Scholar
  13. 13.
    Die Entwicklung von Kindheit und Mütterlichkeit als Komplementärbegriffen wird anschaulich herausgearbeitet bei Reyer 1981; ausführlicher Reyer 1983. Zur Entwicklung des Mutter-Kind-Verhältnisses als Kern der modernen Kleinfamilie vgl. auch Shorter 1977, S. 199ff; zur Entdeckung der Kindheit grundsätzlich Ariès 1975, dessen Quellenmaterial sich allerdings ganz auf Frankreich bezieht; zur Kindheit in Deutschland im ausgehenden Mittelalter Ulbricht 1992.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu Hausen 1980, S. 161ff; zur Entstehung eines gesellschaftlichen Bildes der Frau als Haus-und Familienwesen vgl. auch Gerhard 1978, insbes. S. 124–153.Google Scholar
  15. 15.
    Carl Welcker, Geschlechtsverhältnisse, in: Karl Rotteck/Carl Welcker (Hg.), Staatslexikon oder Enzyklopädie der Staatswissenschaften, Bd. 6, Altona, 1838 (zit. nach Hausen 1980, S. 168).Google Scholar
  16. 16.
    Zu den utopischen Gehalten dieses Familienbildes vgl. Greven-Aschof 1981, S. 31ff.Google Scholar
  17. 17.
    Greven-Aschoff 1981, S. 36.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Gebert, o.J.; zu Fröbels Pädagogik und ihrer Rezeption in der Frauenbewegung vgl. den Überblick bei Twellmann 1976, S. 73ff; zur Mütterlichkeitspädagogik von Rousseau bis Schrader-Breymann vgl. Simmel 1980.Google Scholar
  19. 19.
    Neben Henriette Schrader-Breymann war es vor allem Henriette Goldschmidt, die sich für die Rezeption der Ideen Fröbels in der bürgerlichen Frauenbewegung und deren Umsetzung in spezifische Frauenberufe eingesetzt hat. Sie gründete 1871 (noch vor dem Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus!) den »Leipziger Verein für Familien-und Volkserziehung«, der Kindergärten und ein Kindergärtnerinnen-Seminar betrieb. Gleichzeitig gehörte sie neben Auguste Schmidt und Helene Lange dem Vorstand des ADF an. Zu Henriette Goldschmidts Leben und Arbeit vgl. Siebe/Prüfer 1922. Zu Henriette Schrader Breymann vgl. Lyschinska 1922; Wolffheim 1948/49 und Hoffmann 1962.Google Scholar
  20. 20.
    Bäumer 1909, S. 9, 19.Google Scholar
  21. 21.
    Lange 1904, S. 12ff.Google Scholar
  22. 22.
    Daß dabei klassenspezifische Einschränkungen gemacht werden mußten, irritierte die Protagonistinnen der Kulturaufgabe der Frau wenig: »…ob der größte Teil der Menschheit dauernd darauf verzichten muß in der Berufsarbeit zugleich die volle und innere Befriedigung zu finden, kann niemand voraussagen… Da aber, wo die Arbeit noch Persönlichkeitsausdruck sein kann, wo wirklich geistige und seelisch Werte in ihr Leben gewinnen können, wo es sich um den Aufbau der Kultur im eigentlichen Sinne handelt, soll das weibliche Prinzip überall neben das männliche treten.« Lange 1904, S. 14. Zur Bedeutung des Mütterlichkeitsideals in der bürgerlichen Frauenbewegung um die Jahrhundertwende vgl. Stoehr 1983.Google Scholar
  23. 23.
    Zit. nach: Mädchen-und Frauengruppen 1903, S. 5f. Dort sind der vollständige Wortlaut des Aufrufs, die Namen der Mitglieder des engeren Gründungskomitees sowie eine Liste von 50 weiteren Unterstützerinnen des Aufrufs abgedruckt. In der Zeitschrift »Frauenwohl«, Nr. 15 vom 1. Dezember 1893 ist dem abgedruckten Aufruf eine Liste von 53 UnterstützerInnen angefügt, unter ihnen (als letzter) Max Weber, der sich in der erstgenannten Liste nicht fmdet; vgl Mommsen/Aldenhoff 1993, S. 859ff.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. die heftige Kritik der überkommenen Formen sozialer Vereinsarbeit von Frauen bei Salomon 1908a, S. 40ff.Google Scholar
  25. 25.
    Gründungsaufruf in: Mädchen-und Frauengruppen 1903, S. 5. Die Idee einer Ausbildung für soziale Hilfstätigkeit hatte durchaus Vorläufer im 19. Jahrhundert. Bereits in den dreißiger Jahren hatte Johann Hinrich Wichern im »Rauhen Haus« eine Ausbildungsstätte eingerichtet, in der die von ihm »Brüder« genannten jungen Missionsarbeiter auf ihre vielfältigen Arbeitsgebiete vorbereitet wurden. 1836 begründete Theodor Fliedner in Kaiserswerth die erste Ausbildungsstätte fir Diakonissen, und die Ausbildung für Kindergärtnerinnen in der Tradition Fröbels war in Henriette Schrader-Breymanns Pestalozzi Fröbel-Haus in Berlin bereits seit den siebziger Jahren fest organisiert. Das neue Element in den »Gruppen« war die Lösung sozialer Ausbildung aus dem Kontext religiös motivierter Wohltätigkeit und ihre Verbindung mit dem emanzipativen Gedankengut der deutschen Frauenbewegung. Dadurch gewann der Gedanke der weiblichen Persönlichkeit auch gegenüber dem Konzept von Schrader-Breymann eine neue Dimension.Google Scholar
  26. 26.
    Zur Organisation der »Gruppen«, ihrer praktischen Arbeit und der Entwicklung ihrer Mitgliederzahlen vgl. Mädchen-und Frauengruppen 1903, S. 7ff; Salomon 1913a, S. 11ff.Google Scholar
  27. 27.
    A.a.O., S. 65. Zu Hintergrund und Organisation der Vortragsreihe Webers vgl. Mommsen/Aldenhoff 1993, S. 910f.Google Scholar
  28. 29.
    Durch Ministerialerlaß vom 18. August 1908 war in Preußen das höhere Mädchenschulwesen neu geordnet worden, gleichzeitig wurde das Universitätsstudium auch für Frauen eröffnet. Die Situation erschien also günstig für die Gründung einer neuen weiblichen Bildungseinrichtung in Preußen. Zum Erlaß vom 18. August 1908 vgl. Lange-Appel 1993, S. 33ff; Albisetti 1988, S. 238ff Lange 1921, S. 87.Google Scholar
  29. 30.
    Wachenheim 1973, S. 20f.Google Scholar
  30. 31.
    Zu Bertha Pappenheim vgl. Kaplan 1981, S. 77–115; DeClerck-Sachße/ Sachße 1981.Google Scholar
  31. 32.
    Salomon 1913a, S. 4.Google Scholar
  32. 33.
    Zu Jeanette Schwerin vgl. Sachs 1912, S. 205ff, sowie Ottenheimer 1959, S. 835f; Salomon 1899.Google Scholar
  33. 34.
    Jodl 1917, S. 187. Ein knapper Überblick über Gründung, Ziele und organisatorische Entwicklung der »Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur« findet sich bei M. Henning 1914, S. 34ff, mit informativen Hinweisen auf die zeitgenössische Literatur zur ethischen Bewegung. Zu Felix Adler und der Bewegung für ethische Kultur in den USA vgl. Friess 1981.Google Scholar
  34. 35.
    Vgl. Lübbe 1963, S. 142ff.Google Scholar
  35. 36.
    Vgl. Scheibe 1976, S. 212ff.Google Scholar
  36. 37.
    Vgl. oben Kap. 3.3.Google Scholar
  37. 38.
    Schreiber 1904, S. 1.Google Scholar
  38. 39.
    Jones 1984, S. 252.Google Scholar
  39. 40.
    Auf die Arbeit der Londoner COS wird im Zusammenhang der Entwicklung methodisch-sozialarbeiterischen Handelns genauer eingegangen. Vgl. Teil II, Kap. 7, Exkurs: Methoden in der Sozialarbeit.Google Scholar
  40. 41.
    Vgl. zu allen Aspekten die vorzügliche Studie von Jones 1984, der die Reformansätze im Bereich der Armenfürsorge seit den sechziger Jahren vor dem Hintergrund der spezifischen ökonomischen Strukturen der Armut in London und der sich wandelnden theoretischen Armutsinterpretationen in England diskutiert.Google Scholar
  41. 42.
    Picht 1913, S. 8ff; der Begriff wurde auch von Alice Salomon verwendet. Vgl. Salomon 1914, S. 207.Google Scholar
  42. 43.
    Die folgende Darstellung stützt sich im wesentlichen auf v. Schulze-Gaevernitz 1894 und 1890. Diese Arbeiten rekonstruieren Carlyles Gesellschaftstheorie aus dem umfangreichen Gesamtwerk. Für einen Einblick in Carlyles Gesellschaftsdenken ist von den Einzelwerken am ehesten auf Carlyle 1899, fir seine Einschätzung der Arbeiterbewegung und der sozialen Frage auf Carlyle 1895 und fir eine satirische Zeitkritik auf Carlyle 1900 zu verweisen. Zu Carlyle vgl. ferner den knappen Überblick von Beckmann 1940/41 sowie die ausführliche Biographie von T. Fischer 1882. Dort findet sich auch eine vollständige Bibliographie der Arbeiten Carlyles. Zu Schulze-Gaevernitz vgl. Krüger 1983.Google Scholar
  43. 44.
    Carlyle 1899, S. 236f.Google Scholar
  44. 45.
    Thomas Carlyle, zit. nach: v. Schulze-Gaevernitz 1894, S. 138. 4.6 Thomas Carlyle, zit. nach: v. Schulze-Gaevernitz 1890, S. 271. 47 Zu Ruskin vgl. Broicher 1907; v. Schulze-Gaevernitz 1890, S. 400ff; aus-Google Scholar
  45. fü.
    hrlich: Kemp 1983.Google Scholar
  46. 48.
    Seine gesammelten Werke umfassen insgesamt 39 Bände, London: G. Allen 1903–1912.Google Scholar
  47. 49.
    Ruskin 1857.Google Scholar
  48. 50.
    Ruskin 1902; vgl. dazu Papajewski 1930.Google Scholar
  49. 51.
    Zu Toynbee vgl. v. Schulze-Gaevernitz 1890, S. 408ff; Picht 1913, S. 11ff; Lord Millner, Reminiscence, in: Toynbee 1928, S. IX-XXX.Google Scholar
  50. 52.
    Zu Barnett und der Gründung von Toynbee Hall vgl. Hecker 1968, S. 27ff; Picht 1913, S. 8ff; Barnett 1919.Google Scholar
  51. 53.
    Werner Picht definierte »Settlement« als »eine Niederlassung Gebildeter in einer armen Nachbarschaft, die den doppelten Zweck verfolgen, die dortigen Lebensverhältnisse aus eigner Anschauung kennenzulernen und zu helfen, wo Hilfe nottut«. Picht 1913, S. 1.Google Scholar
  52. 54.
    Picht 1913, S. 83ff.Google Scholar
  53. 55.
    Zit. nach Siegmund-Schultze 1914, S. 86. Die Literatur zu Toynbee Hall und der Settlement-Bewegung ist umfangreich. Für einen ersten Überblick vgl. v. Erdberg 1911; Schreiber 1930; Kellog 1934. Aus der Fülle der zeitgenössischen deutschsprachigen Broschüren-und Aufsatzliteratur sei hier nur verwiesen auf: Schreiber 1904; Jacobi 1914; Siegmund-Schultze 1914; Salomon 1913b; Salomon 1914. Ausführlich: Picht 1913; Foerster 1919, S. 33–128; Pimlott 1935. Aus der neueren Literatur ist insbesondere zu verweisen auf Hecker 1968; Abel 1979; Briggs/Maccartney 1984, sowie die Auseinandersetzungen mit der Settlement-Bewegung unter dem Aspekt einer Geschichte der Methoden sozialer Arbeit bei Woodroofe 1974, S. 56–74, und Müller 1982, S. 35ff.Google Scholar
  54. 56.
    Vgl. die Übersichten bei v. Erdberg 1911, S. 480f, sowie Picht 1913, S. 29ff.Google Scholar
  55. 57.
    Vgl. Hecker 1968, Anhang B.Google Scholar
  56. 58.
    Abel 1979, S. 619; vgl. auch Hecker 1968, S. 67.Google Scholar
  57. 59.
    Vgl. Jones 1984, Kap. 16, S. 281ff. Durch Ministerialerlaß vom 18. August 1908 war in Preußen das höhere Mädchenschulwesen neu geordnet worden, gleichzeitig wurde das Universitätsstudium auch für Frauen eröffnet. Die Situation erschien also günstig für die Gründung einer neuen weiblichen Bildungseinrichtung in Preußen. Zum Erlaß vom 18. August 1908 vgl. Lange-Appel 1993, S. 33ff; Albisetti 1988, S. 238ffGoogle Scholar
  58. 60.
    Booth 1902–1903. Vgl. dazu Hecker 1968, S. 74ff.Google Scholar
  59. 61.
    Abel 1979, S. 622.Google Scholar
  60. 62.
    Dieser Aspekt der Settlement-Arbeit wird besonders betont von Foerster 1919, S. 38ff.Google Scholar
  61. 63.
    William Beveridge, Power and Influence, zit. nach: Woodroofe 1974, S. 68.Google Scholar
  62. 64.
    Zit. nach Siegmund-Schultze 1914, S. 89.Google Scholar
  63. 65.
    Auch zur Settlement-Bewegung in den USA liegt eine umfangreiche Literatur vor. Außer auf die in Anmerkung 52 zitierten Handbuchartikel sei hier verwiesen auf die älteren Darstellungen von Münsterberg 1906 und Henderson 1890 sowie die neueren Arbeiten von Trattner 1979, S. 134–158, und Leiby 1978, S. 111–135. Ausführlich Davis 1967.Google Scholar
  64. 66.
    Vgl. Coit 1893.Google Scholar
  65. 67.
    Vgl. dazu die autobiographische Darstellung von Addams 1913.Google Scholar
  66. 68.
    v. Erdberg 1911, S. 478.Google Scholar
  67. 69.
    Berühmt geworden sind die Hull House Maps and Papers. A Presentation of Nationalities and Wages in a Congested District of Chicago. By Residents ofGoogle Scholar
  68. Hu.
    ll House, a Social Settlement at 335 Halsted St., Chicago, Ill., New York 1895; die Studien The City Wilderness, Boston 1898, und Americans in Process, Boston 1902.Google Scholar
  69. 70.
    Zum Hamburger Volksheim vgl. die knappen Darstellungen bei Oestreich 1965, S. 49f, und Buck 1982, S. 129ff, mit weiteren Nachweisen.Google Scholar
  70. 71.
    Zur Arbeit der SAG und ihrem Gründer Siegmund-Schultze vgl. die ausführlichen Darstellungen von Weyer 1981, Gerth 1975 und Kniffka 1972 sowie die Sammelbände: Lebendige Ökumene 1965; Reschke 1966; Delfs 1972. Eine knappe Darstellung der Settlement-Arbeit in Deutschland findet sich bei Westerkamp 1929.Google Scholar
  71. 72.
    Im Weltkrieg erlebte die Settlement-Arbeit in Deutschland eine bemerkenswerte Variante: 1916 wurde auf Initiative von Siegfried Lehmann im Berliner Scheunenviertel das »Jüdische Volksheim« gegründet. Diese Gründung ist im Zusammenhang einer neu erwachten Begeisterung, insbesondere in Kreisen der jüdischen Intelligenz, fier die spezifisch jüdische Volkskultur zu sehen, wie sie vom Ostjudentum repräsentiert wurde. Die Ausbreitung des zionistischen Gedankens und Erfahrungen deutsch jüdischer Soldaten an der galizischen Front waren mit ursächlich für diese Entwicklung, die zu einer »Umwertung« der Ostjuden im Bewußtsein großer Teile der assimilierten deutschen Juden und einem regen Interesse an ihren Bräuchen und Lebensformen führte. Das »Scheunenviertel«, ein Armutsquartier mitten in Berlin, war ein Ballungszentrum ostjüdischer Einwanderer. Hier versuchte eine Gruppe jüdischer Intellektueller die Gedanken Carlyles, Ruskins und Toynbees gleichsam unter jüdischem Vorzeichen zu neuem Leben zu erwecken: Bildung und kulturelle Aufklärung für die ostjüdische Armutsbevölkerung, von der man zugleich die traditionellen Bräuche und Kulturen jüdischen Volkslebens zurückzugewinnen hoffte. Kinder-, Jugend-und Kulturarbeit (wie man heute sagen würde) standen daher im Zentrum der Arbeit dieses jüdischen Settlements, an dem sich ein Großteil der intellektuellen Prominenz der deutschen Juden beteiligte: Martin Buber, Gerchom Scholem, Gustav Landauer, Franz Kafka, Max Brod. Die Arbeit des Volksheims war von Anfang an umstritten und nur von recht kurzer Dauer. Das Volksheim bestand nur bis 1929. Zum Volksheim vgl. Geisel 1981, S. 19ff, 46ff; Adler-Rudel 1959, S. 51–56; Weil 1930; Lubinski 1930 sowie die programmatischen Artikel von Lehnert 1916/17 und Lemm 1916/17.Google Scholar
  72. 73.
    In vier Aufsätzen befaßte sich Alice Salomon explizit mit der englischen Settlement-Bewegung, in zwei Beiträgen würdigte sie die Arbeit von Jane Addams, und in mehreren Berichten über die soziale Arbeit in England und USA ging sie ebenfalls auf die Settlements ein. Vgl. Muthesius 1958, S. 288ff.Google Scholar
  73. 74.
    Peyser 1958, S. 65. Jenseits der »Standardbiographie« von Dora Peyser existieren zwei autobiographische Arbeiten von Alice Salomon: Salomon 1933; Salomon 1983 sowie drei neuere Arbeiten über Alice Salomon: M. Simmel 1981; Landwehr 1981; Wider 1987; vgl. auch Sachße 1985.Google Scholar
  74. 75.
    Salomon 1927, S. 204. Die Ausbreitung des zionistischen Gedankens und Erfahrungen deutsch jüdischer Soldaten an der galizischen Front waren mit ursächlich für diese Entwicklung, die zu einer »Umwertung« der Ostjuden im Bewußtsein großer Teile der assimilierten deutschen Juden und einem regen Interesse an ihren Bräuchen und Lebensformen führte. Das »Scheunenviertel«, ein Armutsquartier mitten in Berlin, war ein Ballungszentrum ostjüdischer Einwanderer. Hier versuchte eine Gruppe jüdischer Intellektueller die Gedanken Carlyles, Ruskins und Toynbees gleichsam unter jüdischem Vorzeichen zu neuem Leben zu erwecken: Bildung und kulturelle Aufklärung für die ostjüdische Armutsbevölkerung, von der man zugleich die traditionellen Bräuche und Kulturen jüdischen Volkslebens zurückzugewinnen hoffte. Kinder-, Jugend-und Kulturarbeit (wie man heute sagen würde) standen daher im Zentrum der Arbeit dieses jüdischen Settlements, an dem sich ein Großteil der intellektuellen Prominenz der deutschen Juden beteiligte: Martin Buber, Gerchom Scholem, Gustav Landauer, Franz Kafka, Max Brod. Die Arbeit des Volksheims war von Anfang an umstritten und nur von recht kurzer Dauer. Das Volksheim bestand nur bis 1929. Zum Volksheim vgl. Geisel 1981, S. 19ff, 46ff; Adler-Rudel 1959, S. 51–56; Weil 1930; Lubinski 1930 sowie die programmatischen Artikel von Lehnert 1916/17 und Lemm 1916/17Google Scholar
  75. 76.
    Salomon 1908a, S. 12f; zur Vorstellung vom »weiblichen Parasitismus« vgl. Salomon 1912 sowie M. Simmel 1981, S. 375ff.Google Scholar
  76. 77.
    Salomon 1908a, S. 37. Durch Ministerialerlaß vom 18. August 1908 war in Preußen das höhere Mädchenschulwesen neu geordnet worden, gleichzeitig wurde das Universitätsstudium auch für Frauen eröffnet. Die Situation erschien also günstig für die Gründung einer neuen weiblichen Bildungseinrichtung in Preußen. Zum Erlaß vom 18. August 1908 vgl. Lange-Appel 1993, S. 33ff; Albisetti 1988, S. 238ffGoogle Scholar
  77. 78.
    Vgl. die ausführliche Darstellung bei Salomon 1908a, S. 17ff.Google Scholar
  78. 79.
    Mädchen- und Frauengruppen 1900, Sp. 44.Google Scholar
  79. 80.
    Die Ausbreitung des zionistischen Gedankens und Erfahrungen deutsch jüdischer Soldaten an der galizischen Front waren mit ursächlich für diese Entwicklung, die zu einer »Umwertung« der Ostjuden im Bewußtsein großer Teile der assimilierten deutschen Juden und einem regen Interesse an ihren Bräuchen und Lebensformen führte. Das »Scheunenviertel«, ein Armutsquartier mitten in Berlin, war ein Ballungszentrum ostjüdischer Einwanderer. Hier versuchte eine Gruppe jüdischer Intellektueller die Gedanken Carlyles, Ruskins und Toynbees gleichsam unter jüdischem Vorzeichen zu neuem Leben zu erwecken: Bildung und kulturelle Aufklärung für die ostjüdische Armutsbevölkerung, von der man zugleich die traditionellen Bräuche und Kulturen jüdischen Volkslebens zurückzugewinnen hoffte. Kinder-, Jugend-und Kulturarbeit (wie man heute sagen würde) standen daher im Zentrum der Arbeit dieses jüdischen Settlements, an dem sich ein Großteil der intellektuellen Prominenz der deutschen Juden beteiligte: Martin Buber, Gerchom Scholem, Gustav Landauer, Franz Kafka, Max Brod. Die Arbeit des Volksheims war von Anfang an umstritten und nur von recht kurzer Dauer. Das Volksheim bestand nur bis 1929. Zum Volksheim vgl. Geisel 1981, S. 19ff, 46ff; Adler-Rudel 1959, S. 51–56; Weil 1930; Lubinski 1930 sowie die programmatischen Artikel von Lehnert 1916/17 und Lemm 1916/17. Salomon 1913, S. 69.Google Scholar
  80. 81.
    Der Lehrplan dieses Kurses wird ausführlich dargestellt bei Salomon 1908a, S. 57ff.Google Scholar
  81. 82.
    Vgl. oben Kap. 3.3. Die Ausbreitung des zionistischen Gedankens und Erfahrungen deutsch jüdischer Soldaten an der galizischen Front waren mit ursächlich für diese Entwicklung, die zu einer »Umwertung« der Ostjuden im Bewußtsein großer Teile der assimilierten deutschen Juden und einem regen Interesse an ihren Bräuchen und Lebensformen führte. Das »Scheunenviertel«, ein Armutsquartier mitten in Berlin, war ein Ballungszentrum ostjüdischer Einwanderer. Hier versuchte eine Gruppe jüdischer Intellektueller die Gedanken Carlyles, Ruskins und Toynbees gleichsam unter jüdischem Vorzeichen zu neuem Leben zu erwecken: Bildung und kulturelle Aufklärung für die ostjüdische Armutsbevölkerung, von der man zugleich die traditionellen Bräuche und Kulturen jüdischen Volkslebens zurückzugewinnen hoffte. Kinder-, Jugend-und Kulturarbeit (wie man heute sagen würde) standen daher im Zentrum der Arbeit dieses jüdischen Settlements, an dem sich ein Großteil der intellektuellen Prominenz der deutschen Juden beteiligte: Martin Buber, Gerchom Scholem, Gustav Landauer, Franz Kafka, Max Brod. Die Arbeit des Volksheims war von Anfang an umstritten und nur von recht kurzer Dauer. Das Volksheim bestand nur bis 1929. Zum Volksheim vgl. Geisel 1981, S. 19ff, 46ff; Adler-Rudel 1959, S. 51–56; Weil 1930; Lubinski 1930 sowie die programmatischen Artikel von Lehnert 1916/17 und Lemm 1916/17Google Scholar
  82. 83.
    Zur Vorgeschichte der Gründung der Berliner Sozialen Frauenschule vgl. Salomon 1913a, S. 69ff, und Salomon 1908a, S. 60ff. Zur Geschichte der Schule des »Deutsch-Evangelischen Frauenbundes« vgl. Hilpert 1982.Google Scholar
  83. 84.
    Vgl. Levy 1907; v. Frankenberg 1907 sowie: Stenographischer Bericht 1907, insbes. S. 110.Google Scholar
  84. 85.
    Die Kindergärtnerinnen-Ausbildung nach dem Vorbild des Pestalozzi-FröbelHauses wurde in Preußen bereits durch Ministerialerlaß vom 6. Februar 1911 staatlich anerkannt. Zur Entwicklung der Ausbildung für Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen und ihre Vorbildfunktion für die Sozialen Frauenschulen vgl. Mayer-Kulenkampff 1928.Google Scholar
  85. 86.
    Durch Ministerialerlaß vom 18. August 1908 war in Preußen das höhere Mädchenschulwesen neu geordnet worden, gleichzeitig wurde das Universitätsstudium auch für Frauen eröffnet. Die Situation erschien also günstig für die Gründung einer neuen weiblichen Bildungseinrichtung in Preußen. Zum Erlaß vom 18. August 1908 vgl. Lange-Appel 1993, S. 33ff; Albisetti 1988, S. 238ff.Google Scholar
  86. 87.
    Carlyle 1899, S. 237. Durch Ministerialerlaß vom 18. August 1908 war in Preußen das höhere Mädchenschulwesen neu geordnet worden, gleichzeitig wurde das Universitätsstudium auch für Frauen eröffnet. Die Situation erschien also günstig für die Gründung einer neuen weiblichen Bildungseinrichtung in Preußen. Zum Erlaß vom 18. August 1908 vgl. Lange-Appel 1993, S. 33ff; Albisetti 1988, S. 238ffGoogle Scholar
  87. 88.
    Salomon 1908b.Google Scholar
  88. 89.
    Salomon 1908a, Anhang S. 94ff.Google Scholar
  89. 90.
    Vgl. Salomon 1913a, S. 76. Die Angaben über die Gründungsdaten der einzelnen Schulen und die Anzahl der bis Kriegsausbruch begründeten Schulen schwanken. Abweichende Angaben z.B. bei Salomon 1927, S. 57ff; Dietrich 1926/27, S. 219. Zur Geschichte der katholischen Ausbildungseinrichtungen insbes. vgl. Ried 1925.Google Scholar
  90. 91.
    Stenographischer Bericht 1881. Google Scholar
  91. 92.
    Friedenthal 1881; Chuchul 1885; Osius/Chuchul 1896. Auf der 16. Jahresversammlung des »Deutschen Vereins« im September 189& in Straßburg wurde eine Resolution verabschiedet, die die Heranziehung von Frauen zur öffentlichen Armenpflege als »dringende Notwendigkeit« bezeichnete. Vgl. Stenographischer Bericht 1896. Google Scholar
  92. 93.
    Vgl. Hirschfeld 1909, S. 9ff; Salomon 1901, S. 43ff.Google Scholar
  93. 94.
    Hirschfeld 1909, S. 10; Salomon 1901, S. 41f.Google Scholar
  94. 95.
    Münsterberg 1909, S. 146.Google Scholar
  95. 96.
    Apolant 1910, S. 41–76.Google Scholar
  96. 97.
    S. oben Kapitel 3.2, 3.3. Durch Ministerialerlaß vom 18. August 1908 war in Preußen das höhere Mädchenschulwesen neu geordnet worden, gleichzeitig wurde das Universitätsstudium auch für Frauen eröffnet. Die Situation erschien also günstig für die Gründung einer neuen weiblichen Bildungseinrichtung in Preußen. Zum Erlaß vom 18. August 1908 vgl. Lange-Appel 1993, S. 33ff; Albisetti 1988, S. 238ffGoogle Scholar
  97. 98.
    Zuverlässige Statistiken über die Zahl der in diesen Bereichen berufstätigen Frauen vor dem Ersten Weltkrieg existieren nicht. In der Berufsstatistik des Reiches werden sozialarbeiterische Berufe erstmals 1925 selbständig ausgewiesen. Schätzungen und Umfragen für die Zeit vor 1914 sprechen von ca. 450 berufstätigen Frauen in der Wohlfahrtspflege, wobei allerdings die Grenze zu verwandten Berufen nicht immer klar gezogen wird. Vgl. Apolant 1910; Salomon 1913a, S. 80f.Google Scholar
  98. 99.
    Peters 1968, S. 21; Skiba 1969, S. 42ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Christoph Sachße

There are no affiliations available

Personalised recommendations