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Chancen sozialer Bewegungen — eine Antwort

  • Lothar Rolke
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 97)

Zusammenfassung

40 Jahre nach Kriegsende hat di e bundesdeutsche Demokrat i e ein Maß an Selbstverständlichkeit erreicht, das — entgegen den anfänglichen Befürchtungen vieler aus- und inländischer Beobachter — mit dem der westeuropäischen Nachbarn vergleichbar ist. Diese Selbstverständlichkeit aber wäre ohne die Beständigkeit der außerparlamentarischen Protestbewegungen und dem Engagement ihrer Mitglieder, die mit dem emphatischen Anspruch von Demokratie ernst machten, daß alle Gewalt vom Volke ausgehe, kaum denkbar gewesen. Denn ohne sie hätte ein wesentliches, von keiner anderen Institution oder Gruppierung herzustellendes Korrektiv zu den Staatsapparaten gefehlt, die in modernen Gesellschaften strukturell zu einer Immunisierung gegenüber ihrem Souverän neigen — eben den Bürgern des Staates. Die Protestbewegungen sorgten dafür, daß die Widersprüche zwischen den Zielen des politischen Systems und den Vorstellungen seiner Bürger seit Bestehen der Bundesrepublik immer wieder kritisch zur Geltung kamen, aber auch dafür, daß die Protesterfahrungen an die jweilige Nachfolgebewegung weitergegeben, das plebiszitäre Wissen experimentell weiterentwickelt und die Massenbasis um Aktivisten und Sympathisanten insgesamt er-weitert wurde. Die Stabilität dieses Massenlernprozesses war es, der die Protestbewegungen zu einem Traditionszusammenhang und damit zu einem beständigen Faktor in der Geschichte der Bundesrepublik machte.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1987

Authors and Affiliations

  • Lothar Rolke

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