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Über Entstehungsbedingungen von Wahlsystemen und Wahlreformen

  • Dieter Nohlen
Chapter
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Part of the Grundwissen Politik book series (GPOL)

Zusammenfassung

Die Debatte über die Wahlsysteme, ihre Vor- und Nachteile, suggeriert eine relativ große Optionsmöglichkeit politischer Entscheidungsträger. Demgegenüber lehrt jedoch die nähere Beschäftigung mit den Wahlsystemen, daß ihre Entwicklung und die Ausbreitung der verschiedenen Wahlsystemgrundtypen und Untertypen eng verbunden ist mit der soziopolitischen und politisch-institutionellen Entwicklung westlicher Demokratien. Wahlsysteme sind Ausdruck politischer Machtverhältnisse. Ob nun eine soziale Klasse oder politische Gruppe ein bestimmtes Wahlsystem durchsetzte, um die Loyalität der Wählerschaft gegenüber der etablierten gesellschaftlichen Ordnung institutionell abzusichern, oder ob verschiedene politische Gruppen im eingerichteten Wahlsystemen einen Kompromiß eingingen, immer waren es konkrete politische Machtverhältnisse, die die Frage des Wahlsystems entschieden. Es ist irrig anzunehmen, daß Wahlsysteme sozialtechnologisch verordnet werden können oder primär nach (funktional-) staatstheoretischen Gesichtspunkten eingeführt werden. In den vielen Fällen sind sie das (oftmals unentwegt in Frage gestellte) Ergebnis von Auseinandersetzungen zwischen sozialen Klassen und zwischen politischen Gruppen im Prozeß ihrer Entwicklung und des Wandels ihrer Ziele, Werte, Ideologien. Diese Überlegungen zur Genesis von Wahlsystemen verweisen erneut auf die Notwendigkeit, die historischen Bedingungen und soziopolitischen Faktoren in die vergleichende Analyse von Wahlsystemen einzubeziehen.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1986

Authors and Affiliations

  • Dieter Nohlen
    • 1
  1. 1.Universität HeidelbergDeutschland

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