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Formen der Vermittlung

  • Els Andringa
Chapter
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Part of the Konzeption Empirische Literaturwissenschaft book series (KEL, volume 27)

Zusammenfassung

In Kapitel 3 kam das Spannungsverhältnis zwischen “Ermittlung” und “Vermittlung” zur Sprache. Waren die Grand Old Men der hermeneutischen Interpretation noch von der Harmonie des Verstehens und der sprachlichen Übermittlung überzeugt, so entstehen Kontroversen, sobald die Interpretationspraxis mit verschärften Wissenschaftlichkeitsansprüchen konfrontiert wird. Jedesmal wenn Stimmen laut werden, die entweder das Interpretieren als Wissenschaft diskreditieren oder es strengen wissenschaftlichen Maßstäben unterwerfen wollen, wird eine Aufspaltung in der kommunikativen Zielsetzung manifest. Dominiert die Aufgabe, die Leser durch “erläuternde Dazwischenrede” (Gadamer) zum verstehenden Lesen eines Textes hinzuführen, oder dominiert die Aufgabe, den eigenen Verstehensweg durch genaue Klarlegung der Ausgangspunkte, Voraussetzungen und Denkschritte zu objektivieren? Unter dem Einfluß von allgemeinen wissenschaftskritischen Tendenzen werden in den siebziger Jahren sowohl der Theorieaufbau und die gängigen Verfahren als auch Gepflogenheiten in der sprachlichen Darbietung, im Argumentieren und in der Anwendung von Begriffen in einer Reihe von Untersuchungen durchleuchtet. Opfer der empirischen Nachweise sind vor allem die traditionellen Interpretationen, die den strengen Kriterien nur allzu oft nicht standzuhalten vermochten.

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Referenzen

  1. 1.
    Diese willkürlich ausgewählte Stelle ist folgender Arbeit entnommen: Joachim Hoffmann, Klassifizierung und Übertragbarkeit semantischer Relationen im menschlichen Gedächtnis. In: Manfred Bierwisch (Hrsg.), Psychologische Effekte sprachlicher Strukturkomponenten. München 1980, S. 153.Google Scholar
  2. 2.
    Labov (1984) bietet eine Übersicht über linguistische Elemente, die das, was er “Intensität” nennt, zum Ausdruck bringen. Er beschreibt Intensität als Ausdrücke der emotionalen Involvierung und “the commitment of the self to the proposition”. Universale Quantoren sind darin eine wichtige Kategorie. Chafe (1986) unternimmt einen ersten Versuch, solche Elemente im Wissenschaftsdiskurs aufzuzeigen.Google Scholar
  3. 3.
    Die Analyse von Verbeeck (1981) wurde in Kapitel 5 nicht eigens behandelt. Sie versucht Analysekategorien des französischen Narratologen Greimas auf die Legende anzuwenden. Der Autor will damit den Entwurf eines Interpretationsrahmens geben. Nicht klar wird jedoch, was die relativ komplizierten Vorbereitungen für die Deutung genau erbringen. Die am Schluß angefügten Deutungshinweise scheinen auch ohne sie möglich.Google Scholar
  4. 4.
    Hier tritt allerdings ein Problem auf. Nicht selten entsteht der Eindruck, daß der Wissenschaftsdiskurs, soweit man sich nicht des “Wissenschaftsamerikanischen” bedient, in verschiedenen Sprachen anders aussieht. Vor allem in den Geisteswissenschaften haben sich eigene Traditionen im Schreiben und Argumentieren herausgebildet. Zwar sind in der Kafka-Forschung die englische und deutsche Forschung ziemlich stark miteinander verwoben (siehe Kapitel 2.3.), es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sich bei genauerem Hinsehen gerade in der Form kleinere Unterschiede zeigen würden. In der kwantitativen Überprüfung wird auf diese Möglichkeit Rücksicht genommen.Google Scholar
  5. 5.
    Hier liegt wieder ein Fall von gegenseitiger Konstituierung von Textdeutung und Bezugsrahmen vor; sie geschieht durch die Beimischung theorieeigener Begriffen in den paraphrasierenden Äußerungen.Google Scholar
  6. 6.
    Folgende Stellen wurden benutzt. In Klammern stehen die Zeilen. Frühe Gruppe: Kaiser 36 (26)-37 (35)/ 44 (17)-45 (25), Emrich 266–269, Henel 51 (22)-52 (17)/ 60 (5)-61 (26)/ 69 (13–29), Allemann 282 (3)-283 (14)/ 286 (12)-287 (19), Sokel 1 200 (1)-201 (15)/ 202 (26)-203 (30), Deinert 192 (1–34)/ 195 (1)-196 (9), Born 175 (15)-178 (10), Zimmermann 169 (1)-170 (10)/ 172 (7)-174 (13), Weinberg 133 (12)-135 (4), Kobs 525 (34)-528 (8). Späte Gruppe: Elm (428 (14)-430 (31), Kurz 165 (1)-167 (36), Verbeeck 66 (l)-67 (19)/72 (15)-73 (6), Abraham 637 (7)-638 (12)/640 (21)-642 (3), Hiebel 221 (40)-224 (32), Nägele 24 (32)-27 (26), Eschweiler 135 (26)-139 (15), Binder 39 (1–16)/47 (38)-48 (37)/ 54 (29)-55 (40), Duhamel 25 (16)-28 (4), Voigts 600 (5)-602 (30).Google Scholar
  7. 7.
    Nach dem T-Test ist t = 6.85, p < .01.Google Scholar
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    Nach dem T-Test ist t = 0.84, p > .10.Google Scholar
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    Nach dem X2-Test ist X2 = 16.99, p < .01.Google Scholar
  10. 10.
    Ein Modell mit zwei Ebenen ist eine starke Vereinfachung. In der Narratologie liegen Modelle mit vier bis sechs Ebenen vor (siehe zum Beispiel Stierle 1977 oder Rimmon-Kenan 1983). Ein solches Modell würde hier die Sache aber unnötig komplizieren.Google Scholar
  11. 11.
    Soweit dies den Literaturangaben zu entnehmen ist, kannte Elm auf jeden Fall die Arbeiten von Gaier und Steinmetz. Hart Nibbrig erwähnt er nicht.Google Scholar
  12. 12.
    Wie in manchen Symphonien der Spätromantiker ist auch das Ende dieses Deutungsgebildes etwas langatmig; es dauert noch mehrere Seiten, bis der Text wirklich aufhört.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Els Andringa

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