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Vorgehensweise und Material

  • Els Andringa
Chapter
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Part of the Konzeption Empirische Literaturwissenschaft book series (KEL, volume 27)

Zusammenfassung

Einer der Impulse zur Entwicklung der empirischen Literaturwissenschaft war das Unbehagen an der Tradition des Interpretierens. Groeben (1977 und 1982) entwickelte die ersten Schritte aus einer polemischen Stellungnahme zur Vermischung des deutenden Subjekts mit seinem Objekt. Dadurch, daß ein Interpret notgedrungen seinen eigenen Leseprozeß mit zum Gegenstand des Forschens macht, hafte seiner Tätigkeit per definitionem Willkür und Subjektivität an. Daraus sei dann auch der Wildwuchs an Interpretationen zu erklären, deren Relevanz für andere Leser nicht immer ersichtlich sei. Groebens fundamentaler Vorschlag war nun, den Schwerpunkt der Forschung zu verlagern: nicht die Suche nach, oder eigentlich: die Konstituierung von Textbedeutung, sondern die Art und Weise, wie die Bedeutung (en) zustande kommen, sollte Aufgabe bzw. Gegenstand der Literaturwissenschaft sein. Als Forscher stellt man sich damit außerhalb des Prozesses der Bedeutungskonstituierung und untersucht, mit welchen Mitteln und unter welchen Voraussetzungen andere Leser (gruppen) Bedeutungen zustande bringen. Obwohl Groeben zunächst — nicht ganz konsequent — mit den empirisch erhobenen “Daten” auch selbst einen Beitrag zur Textinterpretation liefern wollte, verschob sich das Interesse allmählich ganz in die Richtung der Textverarbeitungsprozesse und der Variablen, die dabei eine Rolle spielen.

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Referenzen

  1. 1.
    Eine Auseinandersetzung mit den Begriffen “System” und “Feld” ist zu finden bei Bourdieu (1991). Ein weiteres Konzept in dieser Reihe ist Even-Zohars “Polysystem” (Even-Zohar 1979). Dieses Konzept ist jedoch stark in der Semiotik verankert -es steht der Systemauffassung der Strukturalisten Tynjanov, Jakobson und Vodička wohl am nächsten — und nimmt die Zeichensysteme (Sprache, Literatur, Kultur), weniger die Bedingungen ihres Gebrauchs, zum Ausgangspunkt. Für Literatur bedeutet dies, daß die Texte an zentraler Stelle stehen und daß Begleitdiskurse wie die Kritik und Literaturwissenschaft als Ko-Systeme betrachtet werden. Der soziologische Gesichtspunkt tritt dabei in den Hintergrund.Google Scholar
  2. 2.
    Diese Verteilung ist nicht immer deutlich. Manche Rollen überschneiden sich, andere sind kaum unterzubringen. Eine detaillierte Kritik führt hier aber zu weit vom Thema weg.Google Scholar
  3. 3.
    Siehe dafür zum Beispiel Hauptmeier & Schmidt (1985).Google Scholar
  4. 4.
    Siehe zum Beispiel die Bände von Huber & Mandl (1982) und Jüttemann (1985).Google Scholar
  5. 5.
    Kafkas Werke werden zitiert nach der Fischer Lizenzausgabe in sieben Bänden aus dem Jahre 1986.Google Scholar
  6. 6.
    Nach dem bibliographischen Hinweis aus der Fischer-Ausgabe im Band Erzählungen, S. 242.Google Scholar
  7. 7.
    Damit ist nicht gesagt, daß es keine früheren Interpretationen gibt. Bereits 1929 lag eine Arbeit vor, die auch eine Deutung von VdG enthielt (Susmann 1929). Nicht unbekannt ist auch die Arbeit Taubers (1949), die ebenfalls die Legende behandelt.Google Scholar
  8. 8.
    Die Legende VdG wurde auch bereits in der Leserforschung verwendet. Siehe zum Beispiel Fingerhut (1990) und Hálàsz (1991).Google Scholar
  9. 9.
    Viehoff (1991) untersuchte eine Interpretationssammlung zu Kafkas ‘Verwandlung’ aus fast dem gleichen Zeitraum. Sein Material ergibt die folgenden Zahlen: 1951–55: 6 1971–75: 24 1956–60: 12 1976–80: 21 1961–65: 12 1981–85: 17 1966–70: 13 Hier ist also keine Abnahme zwischen 1971 und 1975 zu verzeichnen. Zu vermuten ist, daß der Rückgang bei VdG nicht repräsentativ für die Literatur über Kafka überhaupt ist.Google Scholar
  10. 10.
    Ein kräftiges Beispiel für solche Kritik stammt von Susan Sontag, die in ihrem ‘Against Interpretation’ (1964) gerade die Kafka-Forschung aufführt, um den “Philistinism of interpretation” zu belegen: “The work of Kafka, for example, has been subjected to a mass ravishment by no less than three armies of interpreters. Those who read Kafka as a social allegory see case studies of the frustrations and insanity of modern bureaucracy and its ultimate issuance in the totalitarian state. Those who read Kafka as a psychoanalytic allegory see desperate revelations of Kafka’s fear of his father, his castration anxieties, his sense of his own impotence, his thralldom to his dreams. Those who read Kafka as a religious allegory explain that K. in The Castle is trying to gain access to heaven, that Joseph K. in The Trial is being judged by the inexorable and mysterious justice of God.” (S. 614)Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

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  • Els Andringa

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