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Die Problematik des Bindungsgedankens

  • Ludwig Mülhaupt

Zusammenfassung

In richtiger Erkenntnis der Tatsache, daß jede Investition mit der Festlegung von Zahlungsmitteln verbunden ist, liegt nahezu allen Betrachtungsweisen und den aus ihnen abgeleiteten Finanzierungsmaximen die Forderung zugrunde, daß die Dauer der Kapitalüberlassung der Dauer der Kapitalverwendung oder Kapitalbindung entsprechen müsse. Mit anderen Worten, zwischen der Investition und ihrer Finanzierung müsse Kongruenz hinsichtlich des Betrages und der Fristen bestehen. Dabei wird unter dem Begriff der Bindungsdauer die Zeit verstanden, während der das in einem einzelnen Investitionsobjekt, einer Gruppe von Objekten, im gesamten Vermögensbestand usw. gebundene Kapital wieder freigesetzt wird30). Der Zweck dieser Maxime dürfte in erster Linie in der Liquiditätssicherung zu sehen sein. Indem man Fristenkongruenz fordert, hofft man, die aufgenommenen Finanzierungsmittel aus dem Gelde zurückzahlen zu können, das im Zuge des Umsatzprozesses aus dem betreffenden Investitionsobjekt, der Gruppe usw. freigesetzt wird. Man möchte den Rückzahlungstermin zum Beispiel eines aufzunehmenden Kredits so weit in die Zukunft verlegen, bis der zu finanzierende Vermögensteil die für die Tilgung des Kredits notwendigen Zahlungsmittel selbst reproduziert hat. Dabei orientiert man sich für die Bemessung der Kapitalüberlassungsdauer an der Bindungs- oder Wiedergeldwerdungsdauer des Kapitals in dem betreffenden Vermögensobjekt.

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Referenzen

  1. 30).
    So versteht Polak (Enige Grondslagen..., a. a. O., S. 47, zitiert bei Mey, Theoretische Bedrijfseconomie, a. a. O., S. 17) unter der Bindungsdauer die Zeit, „die vergeht von dem Augenblick, in dem das Kapital in einem bestimmten Kapitalgut investiert wird, bis zu dem Zeitpunkt, in dem es wieder in Form von Geld verfügbar ist“.Google Scholar
  2. 31).
    Dabei müßte exakt bestimmt werden, welche Auszahlungen der jeweiligen Gruppe zugerechnet werden sollen, ob nur Auszahlungen für die Neu-, Ersatzbeschaffung und Instandhaltung von Anlagen der betreffenden Gruppe oder auch Auszahlungen für Löhne, Materialbeschaffungen usw. zur Nutzung dieser Anlagen. Entsprechendes gilt für die Einzahlungen. Das gleiche Problem tritt bekanntlich auch bei der Investitionsplanung auf, wenn die Vorteilhaftigkeit einer einzelnen Investition geprüft werden soll.Google Scholar
  3. 32).
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    Vgl. dazu auch H. Koch, in: Gegenwartsfragen finanzieller Unternehmungs-führung, a. a. O., S. 124.Google Scholar
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  8. 37).
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    R.-R. Hoffmann (a. a. O., S. 82 f.) spricht in Anlehnung an Gutenberg von dem Risiko mangelnder Kapitalnachfolge, das es grundsätzlich ratsam erscheinen lasse, „die betriebliche Investitions- und Finanzpolitik nach den entwickelten klassischen Finanzierungsgrundsätzen auszurichten“. (S. 104.)Google Scholar
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  17. 46).
    Über die Bedeutung der Wiedergeldwerdungsdauer für die Finanzplanung des Unternehmers vgl. Abschnitt III dieser Arbeit (S. 67 ff.).Google Scholar
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  21. 50).
    J. L. Mey, Theoretische Bedrijfseconomie II., a. a. O., S. 31.Google Scholar
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  23. 52).
    J. L. Mey, Kritische Bemerkungen, a. a. O., S. 531.Google Scholar
  24. 53).
    B. Pruyt, a. a. O., S. 3.Google Scholar
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    Vgl. dazu M. Lohmann, Zur Problematik der Goldenen Bilanzregel, Die Wirtschaftsprüfung, 12. Jg. (1959), S. 141 ff.Google Scholar
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    E. Gutenberg, Gewinnverwendungspolitik, a. a. O., S. 68 ff.Google Scholar
  33. 61).
    Vgl. dazu Abschnitt III dieser Arbeit (S. 67 ff.).Google Scholar
  34. 62).
    In der Literatur wird daher vielfach gefordert, daß die durch die goldene Bilanzregel der neueren Fassung fixierte horizontale Relation durch eine vertikale Relation, d. h. durch ein bestimmtes Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital ergänzt wird.Google Scholar
  35. 63).
    E. Gutenberg, Gewinnverwendungspolitik, a. a. O., S. 69.Google Scholar
  36. 64).
    Vgl. dazu auch D. Härle, Finanzierungsregeln und ihre Problematik, a. a. O., S. 49.Google Scholar
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  38. 66).
    Von einem Geldbedarf für außerordentliche Ausgaben sei abgesehen.Google Scholar
  39. 67).
    Diese Feststellung gilt nicht nur für die goldene Bilanzregel, sondern selbstverständlich in gleichem Maße für alle aus der objekt-, gruppen- und gesamt-vermögensbezogenen Betrachtungsweise hergeleiteten Finanzierungsnormen.Google Scholar
  40. 68).
    M. Lohmann, Zur Problematik der goldenen Binlanzregel, a. a. O., S. 141.Google Scholar
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    Vgl. hierzu auch H. Reinboth, Schuldscheindarlehen als Mittel der Unternehmungsfinanzierung, Wiesbaden 1965, S. 125 ff.CrossRefGoogle Scholar
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    Vgl. dazu D. Härle, a. a. O., S. 120 ff., sowie H. Reinboth, a. a. O., S. 158 ff.Google Scholar
  43. 71).
    Auf das Problem der Sicherheit, das bei einer solchen Betrachtungsweise auftritt, wird im letzten Teil dieses Beitrages eingegangen. Vgl. dazu Abschnitt III, S. 67 ff.Google Scholar
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    Vgl. dazu auch van der Velden, De obligatiefinanciering in deze tijd, Maandblad voor Bedrijfsadministratie, Mai 1956, S. 89.Google Scholar
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    Vgl. H. Albach, Zur Finanzierung von Kapitalgesellschaften durch ihre Gesellschafter, a.a.O., S. 667 ff. Vgl. auch die dort angegebene weitere Literatur zu dieser Frage.Google Scholar
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    Vgl. ferner H. Hesse, Die herkömmlichen Finanzierungsgrundsätze im Lichte der Erfahrungen aus unserer jüngsten Wirtschaftsgeschichte, Kiel 1958 (unveröffentlichte Diplomarbeit);Google Scholar
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  59. 81).
    Vgl. dazu H. D. Deppe, Zur Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung von Kreditinstituten, a. a. O., S. 306.Google Scholar
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    Vgl. hierzu auch E. Witte, Die Liquiditätspolitik der Unternehmung, Veröffentlichungen der Akademie für Wirtschaft und Politik, Tübingen 1963.Google Scholar
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    Mit dem Zusammenhang zwischen Liquiditätspolitik und Investitionspolitik unter Berücksichtigung der Interdependenz der Planperioden hat sich besonders H. Albach in seinem Buch: Investition und Liquidität, a.a.O., befaßt, auf das hier hingewiesen sei.Google Scholar
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    Vgl. dazu D. Härle, Finanzierungsregeln und ihre Problematik, a. a. O., S. 85; sowie K. v. Wysocki, Das Postulat der Finanzkongruenz als Spielregel, Veröffentlichungen der Wirtschaftshochschule Mannheim, Reihe 2, Heft 9, Stuttgart 1962, S. 8 ff.Google Scholar
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  65. 87).
    H. Albach, Investition und Liquidität, a. a. O., S. 180.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1966

Authors and Affiliations

  • Ludwig Mülhaupt
    • 1
  1. 1.Universität MünsterDeutschland

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