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Ergebnisse: Ereignislage und Berichterstattung

  • Hans-Bernd Brosius
  • Frank Esser

Zusammenfassung

Die Zahl der nach Deutschland einreisenden Asylbewerber ist in den zehn Jahren von 1984 bis 1993 kontinuierlich gestiegen (Schaubild 3). Während in den ersten Jahren bis 1987 die meisten Antragsteller aus Polen, der Türkei, dem Iran und Sri Lanka kamen, sind 1988 Flüchtlinge aus Jugoslawien als neue, ständig wachsende Gruppe hinzugekommen. Der sehr starke Anstieg seit 1989 wurde — neben den Bürgerkriegsflüchtlingen aus den Krisenregionen des ehemaligen Jugoslawiens — in hohem Maße durch Rumänen und, weniger stark, Bulgaren verursacht. Es sind also vor allem Menschen aus dem ehemaligen Ostblock, die es nach Deutschland zieht. Seinen bisherigen Höhepunkt erreichte die Asylbewerberstatistik im Jahr 1992, als 438.191 Menschen um Asyl nachsuchten.106 Rund 70 Prozent der Asylbewerber kommen aus Ost-oder Südosteuropa, der Rest aus Afrika und Asien. Obwohl die Anerkennungsquote von 57 Prozent im Jahr 1971 auf 4,3 Prozent (1992) gesunken ist,107 verlassen nur wenige der Abgelehnten zügig das Land. Nachdem mehrere Beschleunigungsnovellen zum Asylverfahrensgesetz nicht den erwünschten Erfolg brachten, wurde Mitte 1993 das Grundrecht auf Asyl eingeschränkt (siehe Kapitel 2). Schätzungen besagen, daß nur ein sehr geringer Teil der Asylbewerber in ihren Heimatländern politisch verfolgt wird. „Über 90 Prozent sind Wirtschafts- und Armutsflüchtlinge, die in Deutschland leben wollen, weil sie hoffen, daß es ihnen hier besser ergehen wird als in ihren Heimatländern“, schreibt der Jurist Rudolf Wassermann in einem „Plädoyer für eine neue Asyl- und Ausländerpolitik“. Auch wenn das Motiv verständlich sei, mißbrauchten sie faktisch das deutsche Grundrecht auf Asyl (Wassermann, 1992). Den Rückgang der Asylbewerberzahlen in der zweiten Jahreshälfte 1993 führt das Bundesinnenministerium auf die Grundgesetzänderung zurück.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Hans-Bernd Brosius
  • Frank Esser

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