Advertisement

Massenmedien als Spiegel oder Gestalter gesellschaftlicher Realität

  • Hans-Bernd Brosius
  • Frank Esser

Zusammenfassung

Nicht nur beim Thema „Fremdenfeindliche Straftaten“ wird die Rolle der Massenmedien heftig diskutiert. Die Geschichte der Medienwirkungsforschung rankt sich um die Frage, ob die Medien lediglich gesellschaftliche Realität beschreiben und damit reflektieren oder ob sie aktiv auf die gesellschaftliche Prozesse Einfluß nehmen. Wie allgegenwärtig die Medien mittlerweile sind und welche zentrale Rolle sie für unser Weltbild spielen, hat schon Walter Lippmann in seinem 1922 erschienen Buch „Public Opinion“ beschäftigt. Er beschreibt eine Insel, auf der im Jahre 1914 Engländer, Franzosen und Deutsche friedlich zusammenlebten. Es gab keine Funkverbindungen zu diesem abgelegenen Eiland und ein britischer Postdampfer war die einzige Verbindung zur Außenwelt. Als das Schiff Mitte September wieder einmal anlegte, erfuhren die Inselbewohner, daß Franzosen und Engländer seit sechs Wochen gegen die Deutschen kämpften. In jenen sechs Wochen hatten sich die Inselbewohner wie Freunde verhalten, tatsächlich waren sie jedoch Feinde. Sie hatten sich auf „das Bild in ihrem Kopf“ verlassen (Lippmann, 1922, S. 3ff).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 27.
    Thomas ( 1966, S. 154–167) stellte fest: “If men define situations as real, they are real in their consequences”.Google Scholar
  2. 28.
    Vgl. Schulz (1985), Donsbach (1987) oder Schenk (1987, S. 423–441 ).Google Scholar
  3. 29.
    Zwar sind in solchen Konzeptionen durchaus Rückkopplungsschleifen vorgesehen (vgl. Westley & MacLean, 1957; Maletzke, 1963), der Realitätsbezug journalistischer Aussagen wird jedoch nicht in Zweifel gezogen.Google Scholar
  4. 30.
    Im Oktober 1991, nach den intensiv berichteten Ausschreitungen in Hoyerswerda, gaben 58 Prozent der Westdeutschen an, die Mehrheit der Deutschen billige gewalttätige Über- griffe auf Asyl-Wohnheime. Die Frage, ob sie persönlich Verständnis für derartige Angriffe hätten, bejahten hingegen 12 Prozent. Die entsprechenden Antworten der Ostdeutschen lagen bei 48 bzw. 11 Prozent ( Allensbach Archiv, IfD-Umfrage 5056 ).Google Scholar
  5. 31.
    Allensbach Archiv, IfD-Umfragen 5025 (Sept./Okt. 1989), 9001 (Mai 1990) und 4088 (April 1987).Google Scholar
  6. 32.
    Vgl. Time, 6. 1. 1992: Man of the Year: Ted Turner, S. 20–49 sowie Time, 20. 4. 1992, S. 39–40.Google Scholar
  7. 33.
    Zur Unterscheidung kausaler und finaler Erklärungsansätze der Nachrichtenauswahl vgl. Staab (1990).Google Scholar
  8. 34.
    Vgl. Schulz (1976, 1989), Schmidt (1990, 1993), Krippendorff (1993), Weischenberg (1993).Google Scholar
  9. 35.
    Vgl. Hachmeister (1992); Bentele (1993), Haller (1993), Kepplinger (1993), Saxer (1993).Google Scholar
  10. 36.
    Gegen die wissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Qualität des “radikalen” Konstruktivismus wird argumentiert, dieser hebe sich selber auf, denn wenn Menschen die Wirklichkeit als solche nicht erkennen können, dann bleibt auch die Botschaft des radikalen Konstruktivismus empirisch leer und für die empirische Wissenschaft irrelevant. Der zweite Hauptvorwurf liegt in seinem erkenntnistheoretischen Solipsismus, der die Welt nur als individuelle Schöpfung von Beobachtern konzipiert (vgl. Saxer, 1993, S. 70). Der Grundgedanke des Konstruktivismus, “die Welt als Wille und Vorstellung”, ist alles andere als neu.Google Scholar
  11. 37.
    Zum Hintergrund siehe Schulz (1976, S. 25ff; 1989), Kepplinger ( 1978, 1989 ).Google Scholar
  12. 38.
    Dem stimmt, trotz seiner Nähe zum Konstruktivismus, auch Schulz ( 1989, S. 145) ausdrücklich zu.Google Scholar
  13. 39.
    Dies ergab eine 1993 durchgeführte Befragung von 1.498 Journalisten, vgl. Weischenberg, Löffelholz & Scholl (1994a, b).Google Scholar
  14. 40.
    Vgl. hierzu auch Mühlberger (1979).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Hans-Bernd Brosius
  • Frank Esser

There are no affiliations available

Personalised recommendations