Advertisement

Einleitung

  • Hans-Bernd Brosius
  • Frank Esser

Zusammenfassung

Im Januar und Februar 1981 strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen an sechs aufeinanderfolgenden Sonntagen eine Fernsehserie mit dem Titel „Tod eines Schülers“ aus. Inhalt der Serie war der Selbstmord eines 19jährigen Schülers, der sich vor einen fahrenden Eisenbahnzug warf. In den sechs Folgen wurden die Motive des Schülers Claus Wagner und die Entwicklung hin zum Selbstmord aus den Perspektiven seiner selbst, seiner Mitschüler, seiner Lehrer, seiner Freundin und seiner Eltern dargestellt. Zu Beginn jeder Folge wurde die Szene des überrollenden Eisenbahnzuges noch einmal gezeigt. Schmidtke & Häfner (1986)1 untersuchten daraufhin die Selbstmordraten von Personen, die im Zeitraum von 1976 bis 1984 auf den Schienen der Deutschen Bundesbahn Selbstmord begangen hatten. Sie stellten fest, daß — verglichen mit den vorausgegangenen und folgenden Jahren — während der Ausstrahlung der Sendung und unmittelbar danach die Zahl der Eisenbahnselbstmorde stark erhöht war. In der Altersgruppe der 15- bis 19jährigen männlichen Jugendlichen war dies am deutlichsten. Die Autoren verzeichneten in den Wochen nach der Fernsehserie einen Anstieg von 175 Prozent (also fast dreimal so viele Eisenbahnselbstmorde). Wesentlich geringer fiel die Steigerung der Selbstmordrate bei älteren bzw. weiblichen Teilpopulationen aus. Offenbar wurden vor allem solche Jugendliche, dem dem Vorbild Claus Wagner ähnlich waren, nach dem Sehen der Sendung motiviert, ihrem Leben ebenfalls ein Ende zu setzen, indem sie die Art des Selbstmordes detailgetreu imitierten.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Vgl. auch Häfner & Schmidtke (1989).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. schon Rost (1912); siehe auch die Überblicke in Pell & Watters (1982) oder Robbins & Conroy (1983).Google Scholar
  3. 4.
    Medien und Gewalt (1994); Krönig (1994).Google Scholar
  4. 5.
    Die Frankfurter Allgemeine berichtete am 22. 1. 1994 von einem 15-jährigen Türken, der sich ebenfalls ein Hakenkreuz in den linken Oberarm ritzte und Rechtsradikale dafür verantwortlich machte (vgl. auch Der Spiegel,3/1994, S. 59). Zu ähnlichen Fällen siehe Jesse (1993, S. 106).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Hans-Bernd Brosius
  • Frank Esser

There are no affiliations available

Personalised recommendations