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Struktureller Wandel in Oberhausen aus der Sicht der Bevölkerung

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Part of the Stadtforschung aktuell book series (STADT, volume 88)

Zusammenfassung

Das vorangegangene Kapitel hat gezeigt, wie tiefgreifend sich die Stadt Oberhausen in den vergangenen 30 Jahren verändert hat. Dieser Wandel in den ökonomischen Strukturen, in der Verteilung von Arbeit und Wohlstand und auch in den Lebenschancen der Menschen dieser Stadt, ist für jeden einzelnen Bürger dieser Stadt bedeutsam, wenngleich auch auf unterschiedliche Art und Weise. Auf einer eher allgemeinen Ebene betrachtet vollzieht sich der Wandel der Stadt für jeden einzelnen greifbar als ein Verschwinden der (Montan-)Industrie, auch ihrer baulich-räumlichen Präsenz und ihrer ökologischen Folgewirkungen, und, in der jüngeren Vergangenheit, als eine konsum- und freizeitorientierte Entwicklung mit ihren vielfältigen Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. Auf einer tiefer liegenden, individuellen Ebene macht sich der Wandel unter anderem in den veränderten Zukunftsperspektiven bemerkbar, insbesondere bei jüngeren Menschen. So ist die überkommene, inter-generative Kontinuität einer Beschäftigung im industriellen bzw. montan-industriellen Sektor weitgehend obsolet geworden und damit die Integration eines Großteils der (männlichen) Erwerbsbevölkerung in stabilen und gut bezahlten Beschäftigungsverhältnissen in Frage gestellt. Dies wiederum wirft die Frage auf, wer in welchem Umfang an einer konsum- und freizeitorientierten Stadtentwicklung partizipieren kann. Und für nicht wenige (zumeist ältere) Personen bedeutet die Deindustrialisierung die Einbuße der eigenen Arbeit und damit, neben den materiellen Folgen, den Verlust eines zentralen Aspektes der persönlichen und sozialen Identität.

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Literatur

  1. 93.
    Zur Zitierweise von Exzerpten aus den Gespr ichstranskriptcn ist Folgendes anzumerken: I. Anmerkungen des Autors sind durch eckige Klammern [] kenntlich gemacht, 2. Auslassungen sind durch drei Punkte, Pausen im Redefluss durch zwei Punkte gekennzeichnet, 3. den Seitenangaben (in runden Klammern) folgt die Zeilenangabe der zitierten Textstelle.Google Scholar
  2. 94.
    Wie PENSÉ (1994: 122) hervorhebt, sind „soziale Normen und Wertorientierungen... Elemente von sozialen Deutungsmustern, insofern ihre Geltung immer auf kollektive Deutungen bezogen ist.“Google Scholar
  3. 95.
    Weiter handelt es sich bei Deutungsmustern um... Interpretationen, die von einer Mehrheit innerhalb eines sozialen Aggregats zur Deutung bestimmter Ereignisse und Situationen angewendet werden.“ (LüDEMANN 1992: 119)Google Scholar
  4. 96.
    Insgesamt 21 Gesprächspartner haben dieses Bewertungsmuster thematisiert, z.T. sehr ausführlich und in großer thematischer Vielfalt (so insbesondere Herr A., Herr B., Herr und Frau T., Herr und Frau W.).Google Scholar
  5. 98.
    Im Verlauf des Gesprächs hebt der Gesprächspartner hervor, dass Oberhausen zwar einen ökonomischen Strukturwandel durchlaufen habe, nämlich von der Industrie hin zu Dienstleistungen (S. 260, 35–37), dass die Stadt soziokulturell hingegen weitgehend unverändert eine „Arbeiterstadt“ geblieben sei (S. 261, 14–17).Google Scholar
  6. 99.
    Herr T. ist als Kind mit seinen Eltern aus der Türkei zugewandert und ist gegenwärtig als ausgebildeter Schlosser tätig, Herr N. besitzt das Abitur und beabsichtigt, sich in der Wohnungswirtschaft mittelfristig selbstständig zu machen, Frau O. ist Studentin der Sprachwissenschaften.Google Scholar
  7. 100.
    Die hohe horizontale Mobilität ist im Übrigen auch für die meisten anderen Gesprächspartner, vor allem für die jüngeren, kennzeichnend.Google Scholar
  8. 101.
    Die große Differenz zwischen beiden Zahlen ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass in Gruppengesprächen eine gestellte Frage nicht unbedingt von allen beantwortet wird, es sei denn, der Interviewer fordert jeden einzelnen Gesprächspartner explizit dazu auf. Zum Zwecke einer „natürlicheren“ Form des Gesprächs wurde in der vorliegenden Befragung hiervon aber weitgehend abgesehen.Google Scholar
  9. 102.
    Hierbei handelt es sich um neun Gesprächspartner mit einer skeptischen bzw. kritischen Einschätzung sowie um einen Gesprächspartner mit einer eher ambivalenten Einschätzung.Google Scholar
  10. 103.
    z.T. haben auch die Kinder der Ehepartner an diesen Gesprächen teilgenommen.Google Scholar
  11. 104.
    Wie KRUSE und LICHTE (1991: 15) als Herausgeber der Studie hervorheben, zeichnete sich erst nach Fertigstellung der Studie die Errichtung des „größten Einkaufs-und Vergnügungszentrums der Welt“, des „World Tourist Center” der kanadischen Investorengruppe Triple Five ab.Google Scholar
  12. 105.
    Dieser Punkt — das überkommene niedrige Selbstwertgefühl der Oberhausener Bevölkerung sowie der Wunsch nach einer Schärfung des historischen Bewusstseins durch eine stärkere Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte — wird Gegenstand des Deutungsmusters 111 sein.Google Scholar
  13. 106.
    Herr S. thematisiert in diesem Zusammenhang die Gesamtschulen, die er pauschal als „Kaderschmieden“ der SPD ablehnt (Transkript, S. 213).Google Scholar
  14. 107.
    Wie die (Sündenbock-)Diskussion (vgl. S. 256) gezeigt hat, werden Jugendliche sehr häufig als „Problemfaktoren“ im Prozess des Wandels identifiziert. Insofern ist die häufige Nennung von Jugendlichen in dem hier diskutierten Zusammenhang weder ein Zufall, noch kann sie überraschen. Auch Herr E., Frau J., Frau U. und Herr W. sehen bei Jugendlichen eine generell geringe Bereitschaft, dem Gebot der individuellen Leistungsbereitschaft zu entsprechen.Google Scholar
  15. 108.
    Zwei Gesprächspartner, die auch dem Deutungsmuster I zugeordnet sind, betonen ihre Indifferenz gegenüber den historischen Charakteristika der Stadt.Google Scholar
  16. 110.
    Das spezifische Gepräge der überkommenen Regionalkultur des Ruhrgebiets leitet sich nach Rohe im Wesentlichen von seinen ökonomischen Strukturen ab, und dies sei auch für die Zukunft zu erwarten. Aber: „die spezifische Färbung durch Kohle und Eisen wird in der Zukunft nicht mehr das sein, was sie einstmals war. Das dürfte erhebliche Folgewirkungen haben, wenn man bedenkt, dass das Ruhrgebiet sozialkulturell so weit reichte, wie sich die Fördertürme erstreckten.“ (ebd.: 144)Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

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