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Daniel Bell: Die post-industrielle Gesellschaft

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Zusammenfassung

Daniel Bell gehört zu den einflußreichsten US-amerikanischen Intellektuellen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist wohl auch einer der bekanntesten Soziologen der Nachkriegsgeneration (Waters 1996: 11f.). Bell wandte sich erst nach einer erfolgreichen journalistische Laufbahn der Soziologie zu und lehrte dann zunächst an der Columbia University, um später nach Harvard zu wechseln. Neben der akademischen Karriere ist Bell seinem publizistischen Engagement aber immer treu geblieben.

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Referenzen

  1. 28.
    Wie Webster (1995) anmerkt, greift Bell hier auf eine Thematik des „Wissenschaftlichen Marxismus“ zurück, der das Verhältnis zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen als nicht determiniert verstand.Google Scholar
  2. 29.
    In Übertragung dieser Differenzierung zwischen Eigentumsverhältnissen und Technologie auf das Schema der drei gesellschaftlichen Sphären Politik, Kultur und Sozialstruktur unterscheidet Bell innerhalb der Sozialstruktur noch einmal zwischen einer sozio-ökonomischen (Produktions- bzw. Eigentumsverhältnisse) und einer sozio-technischen Dimension (Produktivkräfte). Der Strukturwandel zur post-industriellen Gesellschaft soll also genaugenommen nur die sozio-technische Teilsphäre betreffen. Zum Drei-Sphären-Schema vgl. auch Bell (1976b: 10ff; 1980b) und Waters (1996: 27ff.).Google Scholar
  3. 30.
    Fourastié nahm diese Dynamik zum Ausgangspunkt seiner klassischen These in Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts (1954). Würden die Arbeitsplätze im primären und sekundären Sektor auch mit der Zeit dem technischen Fortschritt und Rationalisierungen anheimfallen, so stellen doch Dienstleistungen ein unerschöpfliches Auffangbecken dar, insofern sie nur in geringem Maße rationalisierbar oder automatisierbar sind und immer neue Arten von Dienstleistungen kreiert werden können.Google Scholar
  4. 31.
    „In identifying a new and emerging social system, it is not only in the portents and social trends, such as the move away from manufacturing or the rise of new social relationships, that one seeks to understand fundamental social change. Rather it is in the defining characteristic of a new system.“ (Bell 1976a: 343). Vgl. auch Bell (1976a: 7ff.) zu verschiedenen Arten von „social forecasting“.Google Scholar
  5. 32.
    Ebenso wie die Charakterisierungen als Wissensgesellschaft oder kommunale Gesellschaft, vgl. Bell (1976a: ix). Zur Thematik der Dienstleistungsgesellschaft vgl. Häußermann/Siebel (1995).Google Scholar
  6. 33.
    Zu Bells Instrumentarium der conceptual schemata, axial principles, axial structures etc. vgl. Bell (1976a: 9ff., 112ff.), sehr aufschlußreich auch Waters (1996: 24ff., 108ff.). Ein von Bell erwähnter Aufsatz „Macro-Sociology and Social Change“, der seinen Ansatz genauer ausführen sollte, ist allem Anschein nach nie erschienen; es könnte sich dabei um eins der unveröffentlichten Manuskripte handeln, das von Waters (ebd.) angeführt wird. Die schematische Kontrastierung mit traditionellen und industriellen Gesellschaften verdeutlicht die Bedeutung dieser Dimensionen. Die traditionelleGoogle Scholar
  7. 34.
    Bell definiert Wissen als „set of organized statements of facts or ideas, presenting a reasoned judgement or an experimental result, which is transmitted to others through some communication medium in some systematic form“ (1976a: 175); das Kriterium der Kodifizierung theoretischen Wissens geht auf den Wissenschaftshistoriker Gerald Holton zurück (ebd.: 35f.). Mit diesem Kriterium distanziert sich Bell auch von Autoren wie Toffler (1970), die einen unfaßbar beschleunigten technischen Wandel und einen enormen Zuwachs des Wissens zum Ausgangspunkt nehmen. Dafür fehlen, wie er in The Coming of Post-Industrial Society zu zeigen versucht, empirische Anhaltspunkte. Bell macht übrigens aus seiner Geringschätzung dieser Ansicht keinen Hehl — Tofflers Schlagwort „future shock“ wird bei ihm zu „future schlock“ (1987: 4f).Google Scholar
  8. 35.
    Zur Identifizierung und Quantifizierung der knowledge class bezieht sich Bell auf die Arbeit von Machlup zur Wissensökonomie (1962), wobei er dessen Kategorien aber einschränkt.Google Scholar
  9. 36.
    Vgl. auch Bell (1960: 39ff.) zum Ende des „Familienkapitalismus“.Google Scholar
  10. 37.
    Als Beispiel diskutiert Bell die Wahl zwischen verschiedenen Systemen hinsichtlich der Taktik, Strategie und Logistik der Bombardierung von Vietnam. Weizenbaum (1980) hat darauf hingewiesen, daß mithilfe des in der Bombardierung von Vietnam eingesetzten Computersystems auch Kambodscha (völkerrechtswidrig) bombardiert werden konnte, ohne daß ein solcher Befehl offiziell erfolgen mußte und ohne daß zur Begutachtung des Systems eingeladene Journalisten etwas anderes als die Bombardierung Vietnams beobachten konnten — die Rationalität des Systems sorgte dafür, daß niemand verantwortlich war und niemand außer den Bombardierten etwas bemerken konnte.Google Scholar
  11. 38.
    Bell spricht hier nur von der „Soziologisierung“ des Unternehmens und seine Unterordnung unter gesellschaftliche Belange und solche der Belegschaft, keineswegs jedoch von einer Wissensorganisation oder etwa flachen Hierarchien.Google Scholar
  12. 39.
    Waters (1996: 148) zufolge plant Bell bereits seit langem eine Buchveröffentlichung zu diesem Thema; bis heute ist allerdings außer einer Reihe von Artikeln noch nichts erschienen. Bei der von Waters (1996: 152) zitierten Veröffentlichung The Third Industrial Revolutionand its Possible Socioeconomic Consequences (Japan: Shukan Diamond, 1990) handelt es sich um einen wenig verbreiteten Vortrag Bells, der wohl weitgehend Bell (1989) entspricht.Google Scholar
  13. 40.
    Bei genauerer Betrachtung wird allerdings deutlich, daß es Bell mit dieser Charakterisierung nicht gelingt, eine Differenz zur Maschinentechnologie zu markieren. Die Kodierung von Information in Maschinen gilt bereits für Watts Dampfmaschine, denn die beruhte auf einer „Informationseinheit“ zur Steuerung des Dampfdrucks. Vermutlich ist jede Maschine auf eine Art automatischer Steuerung angewiesen, und solche Steuereinheiten beruhen, wie auch der Computer, auf dem Prinzip, daß Information in thermodynamischen, mechanischen, elektromechanischen etc. Gesetzmäßigkeiten, Prozessen und Apparaturen verkörpert wird. Diese Verkörperung wird nun in der Tat zunehmend programmierbarer. Die ersten Computern wurden für Aufgaben programmiert, indem man Kabel umsteckte. Dagegen arbeiten heute die Forschungsabteilungen der Computerindustrie daran, auch die Auslegung von Prozessoren und anderer Hardware über Software programmierbar zu machen. Als Symbol dafür, daß Maschinen- und Informationstechnologie sich nicht wesensfremd sind, mag Leibniz gelten, der das binäre Zahlensystem (Grundlage der Informatik wie Informationstechnologie) entwickelte, eine Rechenmaschine baute und sich auch an der Konstruktion einer Dampfmaschine versuchte.Google Scholar
  14. 41.
    Diese Akzentverschiebung wird weiter unten ausführlich thematisiert.Google Scholar
  15. 42.
    Diese Idee war in den 80er Jahren noch weit verbreitet, wie etwa das französische Minitel-System oder das deutsche BTX-System zeigen. Daß sich eine dezentrale und zunehmend auch transnationale Lösung wie das Internet durchsetzen und jeden Gedanken an eine zentrales oder nationales System verdrängen könnte, erschien noch kaum faßbar.Google Scholar
  16. 43.
    Die große empirische Studie dieser Zeit, Blau und Duncans The American Occupational Structure, gibt übrigens keine Anhaltspunkte für eine „Meritokratie“; vgl. Floud (1971: 35f.).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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