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Peter F. Drucker: Die Wissensgesellschaft

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Zusammenfassung

Peter F. Drucker gilt seit über einem halben Jahrhundert als ein scharfer und origineller Beobachter der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Seine Schriften zählen zu den Klassikern der Managementliteratur, und die Idee einer „Wissensgesellschaft“, die er in The Age of Discontinuity (1969) erstmals entwickelt, erfährt eine breite Rezeption über die Fachgrenzen der Managementtheorie hinaus. Die zentrale — und wohl meistzitierte — These ist, daß Wissen und Information die zentralen Ressourcen der modernen Gesellschaft darstellen: „Wissen [ist] zur eigentlichen Grundlage der modernen Wirtschaft und Gesellschaft und zum eigentlichen Prinzip des gesellschaftlichen Wirkens geworden“ (ebd.: 455f.).

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Referenzen

  1. 9.
    Insofern Drucker mit der Idee der Weltwirtschaft über internationalen Handel und einen Weltmarkt klar hinausgeht, könnte man darin einen Vorläufer der Globalisierung-These sehen.Google Scholar
  2. 10.
    Ein Beispiel, das Drucker heranzieht, ist die Frage, ob ein Land wirtschaftlich auf eine prosperierende Stahlindustrie angewiesen ist und in welchem Maße Investitionen oder sogar Subventionen gerechtfertigt sind, um die heimische Industrie angesichts technischen Wandels wettbewerbsfähig zu halten. Das ist weiterhin eine aktuelle Frage, der etwa Cohen und Zysman (1986) nachgehen.Google Scholar
  3. 11.
    Gegenüber den Sozialwissenschaften beklagt Drucker eindringlich die vollständige und anhaltende Mißachtung der Organisation als dem zentralen Charakteristikum der modernen Gesellschaft, bei Weber seien sie nicht einmal erwähnt (am deutlichsten in Drucker 1993: 43ff.)- Davon kann aber gar keine Rede sein. So definiert etwa Weber in Wirtschaft und Gesellschaft unter §15: „Betrieb soll ein kontinuierliches Zweckhandeln bestimmter Art, Betriebsverband eine Vergesellschaftung mit kontinuierlich zweckhandelndem Verwaltungsstab heißen.“ (Weber 1980: 28). Das entspricht genau Druckers Bestimmung der Organisation. Es würde zu weit führen, hier noch auf die zentrale Bedeutung einzugehen, die Weber der Bürokratie und dem Prozeß der Rationalisierung für die moderne Gesellschaft beimißt. Auch kann nur darauf hingewiesen werden, daß der von Drucker als revolutionär neu hervorgehobene Tatbestand eines „Pluralismus der Organisationen“ durchaus an das Stichwort der funktionalen Differenzierung gemahnt — ein klassischer soziologischer Befund, der als zentraler Begriff zur Kennzeichnung wie auch Analyse moderner Gesellschaften herangezogen wird.Google Scholar
  4. 12.
    Als Beispiel führt Drucker an, daß die Schulen in den USA in dem Moment an Lehrqualität eingebüßt hätten, als sie neben der Bildung auch noch die Integration von Minderheiten leisten sollten.Google Scholar
  5. 13.
    An dieser Stelle wird noch einmal deutlich, wie sehr Willke (1997) in seiner Behandlung der Wissensgesellschaft auf Drucker aufbaut, ist doch das Unternehmen einer Kritik und Neubestimmung von Politik und Staat die erklärte Programmatik in seiner Supervision des Staates (1997).Google Scholar
  6. 14.
    In seiner Argumentation schließt Drucker letztlich aus der Beschreibung, nach der es sich um einen Pluralismus der auf je spezifische Funktionen ausgerichteten Organisationen handelt, daß es notwendig und wünschenswert sei, auch mit anderen Aufgaben so zu verfahren. Dieser Übergang vom Faktischen zum Normativen auf einer argumentativ schwachen Basis von Effizienzerwägungen ist zumindest problematisch.Google Scholar
  7. 15.
    Drucker führt keine weiteren empirischen Belege für diese Thesen an.Google Scholar
  8. 16.
    Einen kritischen Standpunkt zur Rolle Taylors und des „scientific management“ vertritt dagegen Nelson (1980).Google Scholar
  9. 17.
    Die deutsche Ausgabe von Age of Discontinuity übersetzt „knowledge worker“ durchgehend mit „Kopfarbeiter“.Google Scholar
  10. 18.
    Drucker sieht in der Schaffung von ausreichend viel Arbeitsplätzen für Wissensarbeiter eine große Leistung der US-amerikanischen Unternehmen, denn: „Wenn wir nicht imstande gewesen wären, den Erwartungen der gebildeten Leute in bezug auf Arbeitsstellen für Kopfarbeiter zu entsprechen, hätten wir heute ein arbeitsloses und nicht einsatzfähiges Proletariat, wie es die Welt noch nie gesehen hat. Das würde ein unvergleichlich gefährlicheres Problem als unsere Rassengettos darstellen“ (Drucker 1969: 356).Google Scholar
  11. 19.
    Vgl. Schumm (1999), der die Ansätze zur Wissensgesellschaft von Stehr (1994) und Willke (1997) vor diesem Hintergrund kritisiert.Google Scholar
  12. 20.
    Piore und Sabel (1984) etwa betonen ganz im Gegenteil, daß Facharbeiter nicht nur neue Techniken und Werkzeuge anwenden können, sondern diese auch kreativ mit ihren besonderen Fähigkeiten verbinden, um so gewissermaßen die technische Neuerung durch Anwendung zu weiteren Neuerungen zu nutzen.Google Scholar
  13. 21.
    Drucker skizziert die Entstehung des Kapitalismus folgendermaßen: durch den Wandel der Bedeutung des Wissens wird die industrielle Revolution und ein rapider technischer Wandel angestoßen. Der technische Wandel erfordert Kapital, um Maschinen zu kaufen, so daß die selbständigen Handwerker sich im Zuge dieser Entwicklung die Produktionsmittel nicht mehr leisten können. Ein Proletariat entfremdeter Lohnarbeitern entsteht, Kapitalisten und Arbeiter werden die entscheidenden Klassen in der Gesellschaft (1993: 23ff.; passim).Google Scholar
  14. 22.
    In den USA rangiert die Größe von Pensionsfonds zwischen einer und 80 Milliarden Dollar. Institutionelle Investoren hielten 1992 gut 50% der Anteile an großen Unternehmen und stellten auch etwa 50% ihrer Kredite. Nach Drucker werden institutionelle Investoren dieser Art auch in anderen reichen Industrienationen bald an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt aufgrund der Überalterung der Bevölkerungen.Google Scholar
  15. 23.
    Zur Wissensökonomie oder „knowledge-based economy“ vgl. auch Neef (1998; 1999).Google Scholar
  16. 24.
    Diese Thematik wird mit kritischer Stoßrichtung auch von Voß und Pongratz (1998) diskutiert.Google Scholar
  17. 25.
    Zumindest in The New Realities (Drucker 1989: v.a. 245ff.) mißt Drucker den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien große Bedeutung zu; abgesehen von der Woge neuen Unternehmertums, den wirtschaftlichen Wachstumsimpulsen der neuen Technologien, Produkte und Märkte, und die hier besprochene Umstrukturierung von Unternehmen bleibt er jedoch sehr allgemein. So erwartet er einerseits eine weitreichende Demokratisierung und eine Einschränkung staatlicher Souveränität durch die Transnationalität von Informationsflüssen. Andererseits sieht er einen Zerfall bisheriger urbaner Strukturen und Funktionen u.a. durch Telearbeit, die gegenwärtigen Spekulationen auf dem Immobilienmarkt seien schließlich kein Zeichen der Gesundheit: „The city might become an information centre rather than a centre for work, the place from which information — news, data, music — radiates“ (ebd.: 248).Google Scholar
  18. 26.
    Vgl. zur Bedeutung der Erfahrung der Mitarbeiter bei der Optimierung von Arbeitsabläufen auch Drucker (1993: 82f).Google Scholar
  19. 27.
    Druckers Wertschätzung des Managements wird besonders deutlich in einem Kapital, das er „Management as Social Function and Liberal Art“ titelt (vgl. Drucker 1989: 213ff.) Die Bedeutung, die Drucker Schumpeter zumißt, zeigt sich verschiedentlich, vor allem im Gegensatz zu anderen Wirtschaftstheoretikern (vgl. etwa Drucker 1969: 185; 1993: 11 Iff.).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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