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Die Planungen in den Untersuchungsvierteln

  • Everhard Holtmann
  • Rainer Schaefer

Zusammenfassung

Nachdem im Kapitel 6 Konzeption und Implementation der kommunalen Wohnungspolitk in Nürnberg dargestellt wurden, sollen nun in den drei Untersuchungsvierteln die Auswirkungen von Planungen auf die Infrastruktur und die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung betrachtet werden. Dabei gehen wir der Frage nach, inwieweit die übergeordneten Ziele kommunaler Wohnungspolitik in den konkreten Planungen „vor Ort“ noch erkennbar sind, oder ob sie durch Zielkonflikte mit anderen Erfordernissen der Stadtentwicklung bzw. durch die Eigendynamik wirtschaftlicher, demographischer und sozialer Prozesse überlagert werden. Aus der Analyse ergeben sich Hinweise, welche Präferenzen durch den Strukturwandel der Viertel begünstigt werden, und welche Gruppen ihre Vorstellungen während des Planungsprozesses artikulieren.

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Literatur

  1. 363.
    Ergebnisse einer „Prognos-Studie“, die Mitte der 70er Jahre im Auftrag der Stadt Nürnberg durchgeführt wurde (REGIONALE WOHNUNGSMARKTANALYSE 1977, S.76).Google Scholar
  2. 364.
    Das Entwicklungskonzept Altstadt wurde vom Stadtrat 1972 mit der Maßgabe beschlossen, es „im Zuge der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Entwicklung zu überprüfen und fortzuschreiben“ (ENTWICKLUNGSKONZEPT ALTSTADT 1979, S.I). Diese Fortschreibung wurde in zwei Teilen vorgelegt: 1976 der „Bericht zur Entwicklung der Altstadt”, 1979 das überarbeitete „Entwicklungskonzept Altstadt“. Der Entwurf lag im Januar 1978 dem AfS vor, wurde im Laufe des Jahres 1978 von Verbänden, Institutionen und Bürgern diskutiert und unter teilweiser Berücksichtigung der Anregungen im Juni 1979 vom Stadtrat verabschiedet. Den Entwurf einer Aktualisierung legte die Verwaltung 1991 vor (AfS vom 13.6. 1991, Beilage 3.2). Die Schwerpunktsetzungen des Konzepts von 1979 wurden darin ausdrücklich beibehalten.Google Scholar
  3. 365.
    Die Einbeziehung ging über die im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens vorgeschriebene Beteiligung hinaus. Unter anderem wurden neben umfangreichen Präsentationen des Konzepts in Veranstaltungen und einer Ausstellung Fragebögen ausgegeben sowie 33 in der Region tätige Organisationen angeschrieben und um Stellungnahmen gebeten.Google Scholar
  4. 366.
    Die sich über fünf Jahre hinziehende politische Auseinandersetzung um die Sperrung des Rathausplatzes, während der es sogar zu einem vorübergehenden Bruch der rotgrünen Zusammenarbeit im Stadtrat kam, ist ausführlich dokumentiert bei MAYER 1989. Die Probesperrung war am 24.9.1986 vom Stadtrat beschlossen worden.Google Scholar
  5. 367.
    Der Entwurf der Verwaltung vom Juni 1991 sieht Begrünung, Entsiegelung und weitere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vor, betont aber auch, daß die Erweiterung von Grünanlagen in St. Sebald kaum realisierbar ist (AfS vom 13.6.1991, Beilage 3.2).Google Scholar
  6. 368.
    Diese Entwicklung hatte das Entwicklungskonzept Altstadt 1979 bereits in einem Hinweis antizipiert: „Ein Zielkonflikt kann auch dann entstehen, wenn die an sich wünschenswerte Verbesserung der Wohnverhältnisse ein solches Ausmaß annehmen und so intensiv erfolgen würde, daß viele Altstadtbewohner verdrängt würden, weilGoogle Scholar
  7. 369.
    Angaben nach Wohnungs-und Haushaltserhebung 1981 (AfS vom 20.1.1983, Beilage 2.1) und ERHALTUNGSSATZUNG. MATERIALIEN, S.6 ff.Google Scholar
  8. 370.
    Da das Gebiet nicht mit den Distriktgrenzen übereinstimmt, ist eine Aktualisierung nicht möglich. Auch die Stadt mußte vor Erlaß einer Erhaltungssatzung gesonderte Erhebungen mit einer dichteren Stichprobe durchführen, da die Datenbasis der 10Prozent-Wohnungs-und Haushaltserhebung 1981 hierfür unzureichend war.Google Scholar
  9. 371.
    Der aktuelle Anlaß war der Verkauf eines Hauses in diesem Gebiet an eine Baubetreuungs GmbH. Die Grünen fürchteten eine Nutzungsänderung durch den neuen Eigentümer (AfS vom 14.4.1982).Google Scholar
  10. 372.
    Die ursprünglichen Planungen gingen von 4.300 qm für Läden, 4.450 qm für Büros und Praxen, 1.050 qm für Gasträume, ein Hotel mit 138 Zimmern und nur sieben Wohnungen aus (NN vom 11.10.1991). Im Verlauf der weiteren Planungen wurde eine Verkleinerung der Gesamtdimension und eine vermehrte Anzahl von Wohnungen erwogen.Google Scholar
  11. 373.
    In der Erklärung heißt es: „Wir befürchten, daß dieses außerordentlich aufwendige Vorhaben inmitten der Sebalder Altstadt Wohn-und Geschäftsräume mit sehr hohen Mieten schaffen würde, die ausschließlich für einen kleinen Kreis besonders zahlungskräftiger Interessenten finanzierbar wären.“ (NN vom 9.11.1992)Google Scholar
  12. 374.
    Zur Definition eines Kerngebietes vgl. Kap. 5.2.1, Anm. 211. Ob die Ausweisung als Kerngebiet in diesem Fall zulässig war, ist umstritten.Google Scholar
  13. 375.
    Nach § 4a BauNVO: „Gebiete zur Erhaltung und Entwicklung der Wohnnutzung (besondere Wohngebiete)“. Sie sollen in Zonen mit gemischter Nutzung Anwendung finden, die „eine besondere Eigenart aufweisen und in denen unter Berücksichtigung dieser Eigenart die Wohnnutzung erhalten und fortentwickelt werden soll”.Google Scholar
  14. 376.
    In den aktuellen Überlegungen innerhalb der Stadtverwaltung, welche Gebiete in Zukunft für Stadterneuerungsmaßnahmen in Frage kommen, ist St. Johannis noch erwähnt, jedoch wird keine besondere Dringlichkeit gesehen: „Das Gebiet weist städtebauliche Mängel auf. Die guten Lagemerkmale lassen jedoch im Rahmen einer privat initiierten Innenentwicklung eine Verbesserung der städtebaulichen Situation auch ohne Einsatz der Städtebauförderung erwarten.“ (internes Strategiepapier der AG-Stadterneuerung vom Juni 1993)Google Scholar
  15. 377.
    Kleinweidenmühle ist ein Ortsteil, der südlich der Pegnitz zwischen Johannis und Gostenhof liegt. Der nördliche, in Johannis liegende Teil des Gebietes, der uns hier vor allem interessiert, heißt „Großweidenmühle“.Google Scholar
  16. 378.
    Zur Diskussion stand unter anderem ein Jugendfreizeitheim. Hierfür wurde schließlich ein anderer Standort im Bezirk 23 gefunden. Die Nutzung als Männerwohnheim wurde beibehalten. Die Renovierung des Sebastianspitals wird frühestens Ende der 90er Jahre abgeschlossen sein (vgl. Nordwest-Anzeiger 1.4.-7.4.1993).Google Scholar
  17. 379.
    Zu diesem Zeitpunkt war der Bebauungsplan bereits rechtskräftig (seit 16.3.1988).Google Scholar
  18. 380.
    Konkret heißt es in § 34 BauGB: „Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist.“Google Scholar
  19. 381.
    Akten zu Baugenehmigungsverfahren liegen bei der Bauordnungsbehörde und werden dort weitgehend unter formalen rechtlichen Gesichtspunkten bearbeitet. Außerdem ist ihre öffentliche Zugänglichkeit problematisch.Google Scholar
  20. 382.
    Besonders auffällig war die Aufwertung im südlichen Teil des Sanierungsgebiets (das außerhalb von St. Johannis liegt). Hier und in den angrenzenden Gebieten des Ortsteils Kleinweidenmühle entstanden partiell Luxuswohnungen. Darüber hinaus finden in diesem Quartier bereits seit den 70er Jahren aufwendige Modernisierungs-und Umwandlungsaktivitäten statt.Google Scholar
  21. 383.
    Das Umfeld und die Lage ist ein entscheidender Anreiz für Investoren. In einer Werbebroschüre für Eigentumswohnungen in Johannis wird die Attraktivität des Wohnumfelds hervorgehoben: „Wer Nürnberg von seiner schönsten Seite kennenlernen möchte, kommt am Stadtviertel St. Johannis nicht vorbei. Hier spürt man den Geist der Nürnberger Vergangenheit, hier gibt es eine Fülle historischer Schätze…“Google Scholar
  22. 384.
    Vorgesehen waren ein Gemeinschaftshaus, Kindergarten, Werkstätten, ein Alten-und Pflegeheim, eventuell eine Schule. Träger wurde eine religiös-weltanschaulich ausgerichtete Gesellschaft.Google Scholar
  23. 385.
    WA heißt „Allgemeines Wohngebiet“ (§ 4 BauNV). Zugelassen sind neben Wohnungen auch Infrastruktureinrichtungen (Läden, kulturelle und soziale Einrichtungen etc.).Google Scholar
  24. 386.
    Ein ähnlicher Fall hatte sich im Quartier 1981 ereignet. Der Stadtrat wollte zwei denkmalgeschützte Anwesen vor dem geplanten Abriß aus „wohnungspolitischen und städtebaulichen Gründen“ bewahren. Hierzu sollte ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Der Wirtschaftsreferent hielt dagegen aus wohnungswirtschaftlichen Gründen Abriß und Neubau für die richtige Lösung und setzte sich mit Hilfe der Regierung von Mittelfranken durch (AfS vom 4.6.1981).Google Scholar
  25. 387.
    Von allen Wohnungen waren (Stand 31.12.1991) im Distrikt 230 31 Prozent, im Distrikt 232 33 Prozent Sozialwohnungen.Google Scholar
  26. 388.
    Ursprünglich war ein Großteil des gesamten Bezirks 23 als Erhaltungssatzungsverdachtsgebiet ermittelt worden, d.h. als Gebiet mit hoher Wohndauer und niedriger Mobilität. Da jedoch im westlichen Johannis vorwiegend Wohnungen der WBG liegen, bestand in diesen Gebieten kein Eingriffsinteresse. Auch ein weiteres Verdachtsgebiet in Johannis-Mitte (Distrikt 072) mit größeren Wohnanlagen von Gemeinnützigen und Werkswohnungen wurde aus diesem Grunde ausgegrenzt.Google Scholar
  27. 389.
    Es umfaßt etwa 2/3 des Distrikts 073, nördlich der Wieland-/Frommanstraße, den nördlich der Sandrartstraße gelegenen Bereich des Distrikts 072 und den südlichsten Teil des Untersuchungsdistrikts 242 zwischen Kirchenweg und Rieterstraße.Google Scholar
  28. 390.
    In dem Antrag war ein Gesamtkonzept für den Stadtteil Johannis gefordert worden (AfS vom 14.2.1980; 22.1.1981). Unmittelbarer Anstoß war der geplante Abbruch eines Mietshauses in der Roritzer Straße.Google Scholar
  29. 391.
    Öffentliches Aufsehen erregte 1989 die Besetzung eines seit 16 Jahren leerstehenden Hauses in der Kirschgartenstraße. Das Wohnungsamt verwies hier auf einen langwierigen Rechtsstreit mit dem Eigentümer.Google Scholar
  30. 392.
    Den im folgenden genannten Planungen liegt ein Gesamtkonzept zur Verkehrsberuhigung in Johannis zugrunde, das am 17.7.1980 vom Verkehrsausschuß beschlossen worden war.Google Scholar
  31. 393.
    Zur Bedeutung, die der Stadterneuerung im Gesamtkonzept der kommunalen Wohnungspolitik in Nürnberg nach wie vor zukommt, vgl. Kap. 6.4.2.4.Google Scholar
  32. 394.
    Vgl. auch die diesbezüglichen Stadtrats-und Ausschußbeschlüsse vom 21.3.1974 bzw. 10.4.1975 und das ergänzende Strukturplanungskonzept E (AfS vom 30.6. 1977), das die Mischungsverhältnisse zwischen Geschoßwohnungsbau und Eigenheimbau festlegte.Google Scholar
  33. 395.
    Vor der Verabschiedung des Gesamtprogramms für die Langwasserwiese war lediglich die im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs 1972 erstellte „Elementa“Siedlung im äußersten Nordwesten des Bezirks bewohnt.Google Scholar
  34. 396.
    Die Einfamilienhäuser befinden sich im südlichen Abschnitt des Baugebiets, während die Geschoßwohnungen am Langwassersee und im nordwestlichen, an das Baugebiet T anschließenden Bereich erstellt werden.Google Scholar
  35. 397.
    So entstand im Baugebiet 1984 ein Modellprojekt für Selbsthilfemaßnahmen bei der Errichtung von Familienheimen. Einbezogen waren 58 Familienheime (AfS vom 13.9.1984).Google Scholar
  36. 398.
    Das Gebiet ist vom Rest des Viertels durch eine parkähnliche Landschaft um den Langwassersee, mit noch intakten Baumbeständen, getrennt.Google Scholar
  37. 399.
    Auch eine Ausweisung als Sonderbaufläche wurde aufgehoben, da für ein geplantes Berufschulzentrum der Bedarf fehlte (AfS vom 27.6.1985; 12.9.1985; endgültiger Beschluß: 12.3.1987).Google Scholar
  38. 400.
    Darauf deutet ein Hinweis in einer Eingabe während des Bebauungsplanverfahrens für den Dienstleistungspark hin, wo sich Bürger über die „stillschweigende Bebauungsplan-Änderung“ beschwerten (AfS vom 1.3.1990, Beilage 1.1.3). Sie hatten aber zuvor die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung bei der Änderung des Bebauungsplans nicht wahrgenommen (vgl. AfS vom 12.3.1987). Darauf konnte die Verwaltung bei ihrer Antwort — zumindest formal völlig zu Recht — verweisen (AfS vom 1.3.1990, Beilage 1.1.3).Google Scholar
  39. 401.
    Der Anschluß sollte erst dann ausgebaut werden, wenn sich herausstellen sollte, daß „der alleinige Anschluß an die Otto-Bärnreuther-Straße zu verkehrlichen Mißständen führt“ (AfS vom 1.3.1990, Beilage 1.1.3).Google Scholar
  40. 402.
    Auch im Bürgerverein gab es offensichtlich eine Mehrheitsmeinung, die den Bau als „atypisch“ für das Gebiet ablehnte. Der Vorsitzende des Bürgervereins Langwasser äußerte dagegen keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Hochhaus (Interview vom 16.11.1992).Google Scholar
  41. 403.
    Das gilt vor allem für den Distrikt 373 im Westen des Bezirks. Hier gehören alle Sozialwohnungen (53,2% des gesamten Wohnungsbestandes im Distrikt) freien Wohnungsunternehmen. 58 Prozent von ihnen fallen bis zum Jahr 2000 aus der Bindung.Google Scholar
  42. 404.
    Eine derartige Ausweitung wäre verwaltungstechnisch sehr aufwendig, da immer mehr Stadtgebiete in die Voruntersuchungen einbezogen werden müßten. Auch die Bindung an den Kriterienkatalog würde zwangläufig gelockert.Google Scholar
  43. 405.
    So kam es z.B. zu massiven Protesten von Anwohnern in Langwasser-Südost gegen die Eröffnung eines neuen Baugebiets im Bannwald, östlich ihres Quartiers. Im Stadtteil Worzeldorf, für den das Entwicklungskonzept 2000 eine umfassendere Neubauplanung vorsieht, wurde unter Mitwirkung des örtlichen Bürgervereins eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben gegründet. Auch bei kleineren Bauvorhaben sind Proteste der Anwohner gegen die Verdichtung ihres Wohnumfelds fast schon die Regel (so die Aussagen mehrerer Stadträte).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Everhard Holtmann
    • 1
  • Rainer Schaefer
    • 2
  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftMartin-Luther-Universität Halle-WittenbergHalleDeutschland
  2. 2.SonderforschungszentrumUniversität Erlangen-NürnbergNürnbergDeutschland

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