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Einleitung

  • Everhard Holtmann
  • Rainer Schaefer

Zusammenfassung

Der gesellschaftliche Wandel in der Bundesrepublik hat seit den späten 60er Jahren die Strukturen von Haushalten, ihre Art zu wohnen und ihre Ansprüche an das Wohnen entscheidend verändert. Tradierte Modelle der Lebensführung verloren ihre Gültigkeit als gesellschaftliche Norm. Eine zunehmende gesellschaftliche Individualisierung trat an die Stelle festgelegter männlicher wie insbesondere weiblicher Normalbiographien (vgl. BECK 1986; BECK/BECK-GERNSHEIM 1991). Die Familie mit Kind, jahrzehntelang die Zielgröße bundesdeutscher Wohnungspolitik, stellt schon lange nicht mehr den Regelfall dar. Dominierend sind heute Ein- und Zweipersonenhaushalte, die allerdings sozial und generativ höchst unterschiedlich strukturiert sind. Dazu gehören Jugendliche in der Ausbildungsphase ebenso wie die wachsende Zahl nicht mehr berufstätiger älterer Menschen — Bevölkerungsgruppen mit in der Regel kleinen finanziellen Budgets. Hierzu zählen aber auch beruflich etablierte kinderlose Paare und Singles, mit oft guten, durch keine Versorgungskosten für Kinder geschmälerten Einkommen. Schließlich stellen neue Formen des Gemeinschaftswohnens (z.B. Wohngemeinschaften) die Definition des Haushalts als einer familiären Wohn- und Konsumentengemeinschaft überhaupt in Frage. Diese neuen Haushaltstypen (vgl. zu dem Begriff SPIEGEL 1986) konkurrieren mit traditionellen Familien mit Kindern um knappen Wohnraum.

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Literatur

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    Der Begriff,demand entstammt der politikwissenschaftlichen Systemtheorie und bezeichnet einen Teil des,Inputs eines politischen Systems, nämlich die (An-)Forderungen und Interessen, mit denen ein politisches System konfrontiert ist (vgl. EASTON 1967).Google Scholar
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    Zur Entwicklung des Forschungsansatzes vgl. Kapitel 2.2.1.Google Scholar
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    Die Geschäftsberichte größerer Unternehmen bieten über die Darstellung unternehmensbezogener Daten hinaus oft auch hervorragendes Material zur Situation der Bauwirtschaft im jeweiligen Berichtsjahr. Dies gilt besonders für die Geschäftsberichte der WBG und des ESW.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Everhard Holtmann
    • 1
  • Rainer Schaefer
    • 2
  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftMartin-Luther-Universität Halle-WittenbergHalleDeutschland
  2. 2.SonderforschungszentrumUniversität Erlangen-NürnbergNürnbergDeutschland

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