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Die Theorie Kuhns

  • Klaus Riedle
Part of the Sozialwissenschaftliche Studien book series (SWS, volume 20)

Zusammenfassung

Kuhn hat mit seiner Arbeit über „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ den erneuten Versuch unternommen, die theoretisch-methodische Ebene mit der soziologischen zu verknüpfen.

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Literatur

  1. 1).
    Kuhn, Entstehung, a.a.O., S. 43Google Scholar
  2. 1).
    Auf der allgemeinsten Ebene finden sich Metaparadigmata, die als metaphysisches Prinzip die Realität vorstrukturieren.Google Scholar
  3. 2).
    Die soziologischen Paradigmata stellen wissenschaftliche Leistungen dar, die den Rahmen, innerhalb dessen eine scientific community3) arbeitet, abstecken.Google Scholar
  4. 1).
    Merton, Social Theory and Social Structure, a.a.O., S. 606Google Scholar
  5. 2).
    Zur Diskussion Merton vs. Kuhn vgl. insbes. King, a.a.0.Google Scholar
  6. 3).
    Ich lasse den Begriff “scientific community” un-übersetzt, weil er mehrere Bedeutungsdimensionen enthält, die sich in einem gängigen deutschen Begriff nicht finden lassen. Ich sehe im wesentlichen drei Bedeutungsdimensionen: Gruppe, Gemeinschaft, ÖffentlichkeitGoogle Scholar
  7. 1).
    Die erste Komponente stellen “symbolische Verallgemeinerungen” dar. Darunter werden allgemeine Formeln verstanden, die den Umgang mit mathematischen und logischen Techniken überhaupt erst ermöglichen.Google Scholar
  8. 2).
    Das zweite Element läßt sich als “metaphysisches Paradigma” beschreiben. Es ermöglicht ein grundlegendes Vertrauen der scientific community in Modelle und liefert Analogien und Metaphern.Google Scholar
  9. 3).
    Als dritte Komponente nennt Kuhn “Werte”. Sie fungieren als wissenschaftslogische Regulative, die regeln, was als Problemlösung zulässig ist, welche Prüfverfahren angewendet werden können, welche neueGoogle Scholar
  10. 1).
    Vgl. Masterman, M., Die Natur eines Paradigmas, in: Lakatos/Musgrave (Hrsg.), a.a.O., S. 61 ff. Die Mehrdeutigkeit des Paradigmabegriffs hat sicher mit dazu beigetragen, daß in der sich an Kuhn anschließenden Diskussion die Verwendung des Begriffs sehr dilatabel erfolgt.Google Scholar
  11. 2).
    Vgl. Kuhn, Entstehung, a.a.O., S. 389–420; ders., Postscript, a.a.0.; ders., Bemerkungen zu meinen Kritikern, in: Lakatos/Musgrave (Hrsg.), a.a.0.Google Scholar
  12. 3).
    Vgl. Kuhn, Postscript, a.a.0., S. 294 ff Ideen zulässig sind, innerhalb welcher Grenzen die offenen Fragen liegen etc.Google Scholar
  13. 4).
    Als letzte Komponente führt Kuhn die “exemplars” an, schulstiftende Mustermodelle oder beispiellose wissenschaftliche Leistungen, die sowohl den Sozialisationsprozeß steuern, als auch beispielhaft Problemlösungstechniken und Arbeitsanleitungen geben.Google Scholar
  14. 1).
    Kuhn, SSR, a.a.O., S. 21 und Kritik möglich macht.“1) Die unterschiedlichen kognitiven Orientierungen und Handlungsnormen führen dazu, daß dieselben Phänomene - z.B. Wärme oder Elektrizität - von den verschiedenen Schulen auf unterschiedliche Weise beschrieben und interpretiert werden oder auch dazu, daß eine Schule gewisse Tatsachen nicht sieht oder für irrelevant erachtet, die für eine andere von zentraler Bedeutung sein können. Die Funktion dieser je unterschiedlichen kognitiven Orientierungen ist die Bestimmung des für relevant erachteten Datenmaterials oder anders ausgedrückt: diese Orientierungen liefern eine Anleitung dafür, welche Tatsachen aus der Vielfalt der Tatsachen zur Bestimmung und Erklärung bestimmter Phänomene herangezogen werden sollen.Google Scholar
  15. 1).
    Kuhn, SSR, S. 36Google Scholar
  16. 2).
    Ebd., S. 21Google Scholar
  17. 3).
    Ebd., S. 22Google Scholar
  18. 4).
    Ebd., S. 20Google Scholar
  19. 1).
    Masterman, a.a.O., S. 73Google Scholar
  20. 2).
    Ebd., S. 73 f; siehe dazu auch: Lammers, C.J., Mono-and Poly-Paradigmatic Developments in Natural and Social Sciences, in: Whitley, R., (ed.), Social Processes in Scientific Development, London 1974Google Scholar
  21. 3).
    Kuhn, SSR, a.a.O., S. 34 und psychologischen Faktoren unterworfene Tätigkeit, wobei der Schwerpunkt des Sammelns sich auf leicht zugängliche Fakten richtet. Fast alle Fakten sehen hier zunächst gleichermaßen relevant aus. Es gibt keinen Grund, nach versteckteren Informationen zu suchen und entdeckt man tatsächlich verstecktere Informationen, so sind sie Resultat schon bestehender Fertigkeiten wie z.B. Medizin, Kalendererstellung etc.Google Scholar
  22. 1).
    ) Kuhn, Postscript, a.a.O., S. 290 f 70 ten scientific community als Grundlage ihrer weiteren Arbeit anerkannt. Es gibt den Wissenschaftlern sowohl Rätsel auf, als auch gleichzeitig die Maßstäbe für ihre Lösung an die Hand. Damit sich ein Paradigma durchsetzt, muß es von vielen Mitgliedern angenommen werden. Es muß zu einer allgemeinen Übereinstimmung über die Natur wissenschaftlicher Probleme und den Charakter der Problemlösungen kommen. Weichen Wissenschaftler von diesem allgemeinen Konsens ab, so werden sie von denjenigen isoliert, die diesen Konsens teilen. Es kommt zu einer “normalwissenschaftlichen” Forschungsphase, in der Faktensammeln und Theorie-Präzisierung eine gezielte Tätigkeit wird. Die “Normalwissenschaftler” forschen an subtilen und esoterischen Aspekten innerhalb des neuen Paradigma. Es gibt keine grundlegenden Auseinandersetzungen über den gesamten Gegenstandsbereich mehr. Dadurch erhöht sich die Leistungsfähigkeit und Wirksamkeit der Forschung erheblich.Google Scholar
  23. 1).
    ) Kuhn, SSR, a.a.0., S. 60 fGoogle Scholar
  24. 1).
    ) Direkt durch das Paradigma bestimmte Fakten, die besonders aufschlußreich sind.Google Scholar
  25. 2).
    ) Fakten, die Voraussagen des Paradigmas darstellen.Google Scholar
  26. 3).
    ) Fakten, die das Paradigma präzisieren.1) Google Scholar
  27. 1).
    ) Bestimmung signifikanter Fakten.Google Scholar
  28. 2).
    ) Gegenseitige Anpassung von Fakten und Theorie.Google Scholar
  29. 3).
    ) Präzisierung der Theorie.Google Scholar
  30. 1).
    ) Kuhn, SSR, a.a.O., S. 47 ffGoogle Scholar
  31. 2).
    ) Auch Fleck spricht von einem “mosaikartigen” Zusammenfassen einzelner Arbeiten. Dabei entwickelt sich nach ihm aus der sog. “Zeitschriftenwissenschaft” die “Handbuchwissenschaft”, siehe Fleck, a.a.O., S. 156 ff.Google Scholar
  32. 3).
    ) Kun, SSR, a.a.O., S. 114Google Scholar
  33. 1).
    Kuhn, SSR, a.a.O., S. 71Google Scholar
  34. 2).
    Ebd., S. 98Google Scholar
  35. 1).
    ) Kuhn, SSR, a.a.O., S. 141 Es liegt auf der Hand, daß sich Kuhns These von der Inkommensurabilität konkurrierender Paradigmata als einer der Hauptangriffspunkte der Popper-Schule erwies. Denn, wo Inkommensurabilität besteht, läßt sich der auf inter-subjektiver Überprüfung aufbauende Falsifikationsprozess nicht aufrechterhalten. Da keine Kriterien der “Vernunft” die Entscheidung für ein bestimmtes Paradigma bestimmen, so folgern einige Kritiker, wird Wissenschaft zu einem subjektiven Entscheidungen unterworfenen Prozess bloßer Willkür.Google Scholar
  36. 1).
    ) Vgl. dazu Sklair, L., Organized Knowledge, London 1973, S. 130 ff. Auch Sklair bezieht sich hauptsächlich auf die Beiträge in: Lakatos/Musgrave (Hrsg.), a.a.0.; einige der folgenden Überlegungen finden sich bei Sklair; siehe dazu auch Barnes, Scientific Knowledge, a.a.0., S. 22 ffGoogle Scholar
  37. 2).
    Kuhn, Postscript, a.a.O., S. 296Google Scholar
  38. 3).
    Kuhn, SSR, a.a.O., S. 135Google Scholar
  39. 1).
    ) Kuhn, Bemerkungen zu meinen Kritikern, a.a.O., S. 253Google Scholar
  40. 2).
    Ebd., S. 254Google Scholar
  41. 3).
    Ebd., S. 225Google Scholar
  42. 4).
    Kuhn schneidet hier - ohne es selbst zu explizieren - eine Thematik an, die bereits Gegenstand der auf Max Weber zurückgehenden Werturteilsdiskussion war, die dann im sogenannten Positivismusstreit wiederaufgenommen wurde.Google Scholar
  43. 1).
    ) Insbesondere Lakatos hat sich zentral in die Debatte über die Kuhnschen Thesen eingeschaltet. Vgl. seine Beiträge in Lakatos/Musgrave (Hrsg.), a.a.O.Google Scholar
  44. 1).
    ) Vgl. Lakatos, Falsifikation, a.a.O., S. 129 ffGoogle Scholar
  45. 2).
    ) Lakatos, Falsifikation, a.a.O., S. 171; es ist vielleicht ganz nützlich, anzumerken, daß Kuhn in einem frühen Aufsatz den Begriff des Dogma gebrauchte, den er bald darauf durch den Begriff des Paradigma ersetzte, vgl. Kuhn, The Function of Dogma in Scientific Research, in: Crombie, A.C., (ed.), Scientific Change, London 1961Google Scholar
  46. 3).
    ) Watkins, J., Gegen die “Normalwissenschaft”, in: Lakatos/Musgrave, (Hrsg.), a.a.O., S. 27 Die Unterschiede dieser beiden Wissenschaftstypen reduzieren sich letztlich auf die Frage nach den Gründen, die Wissenschaftler veranlassen, eine Theorie anzunehmen oder zu verwerfen. Dazu nochmals Lakatos: “Es gibt keinen besonderen, rationalen Grund für das Auftreten einer Kuhnschen ‘Krise’. ‘Krise’ ist ein psychologischer Begriff; sie ist eine ansteckende Panik. Dann taucht ein neues ’Paradigma’ auf, inkommensurabel mit seinem Vorgänger. Es gibt keinen rationalen Maßstab für den Vergleich der beiden. Jedes Paradigma enthält seine eigenen Maßstäbe. Die Krise fegt nicht nur die alten Theorien und Regeln fort, sondern auch jene Maßstäbe, auf deren Grundlage wir sie respektieren. Das neue Paradigma bringt eine vollkommen neue Rationalität mit sich. Es gibt keine über-paradigmatischen Maßstäbe. Der Wandel ist eine Sache der Mode. So ist nach Kuhns Ansicht die wissenschaftliche Revolution irrational, eine Angelegenheit der mob psychology.Google Scholar
  47. 1).
    ) Lakatos, Falsifikation, a.a.O., S. 172Google Scholar
  48. 2).
    ) Watkins, a.a.O., S. 34Google Scholar
  49. 3).
    ) Eine gute Verteidigung der Inkommensurabilitätsthese liefert Stegmüller, a.a.O., S. 527 ffGoogle Scholar
  50. 1).
    ) Fleck, a.a.O., S. 70Google Scholar
  51. 1).
    Lakatos, Falsifikation, a.a.0., S. 150Google Scholar
  52. 2).
    Kuhn, SSR, a.a.0., S. 214Google Scholar
  53. 3).
    Kuhn, Postscript, a.a.0., S. 290 fGoogle Scholar
  54. 1).
    ) Vgl. Kap. 1.2.Google Scholar
  55. 1).
    ) Stegmüller, a.a.O., S. 525Google Scholar
  56. 2).
    Kuhn, SSR, a.a.O., S. 223Google Scholar
  57. 1).
    ) Kuhn, Bemerkungen zu meinen Kritikern, a.a.O., S. 230Google Scholar
  58. 2).
    ) Kuhn, Entstehung, a.a.O., S. 381 84 nicht aufgrund logischer Schritte, sondern aufgrund von Konversion. Kuhn hat diesen Vorgang mit einem psychologischen “Gestaltswitch” verglichen.Google Scholar
  59. 1).
    ) Kuhn, SSR, a.a.O., S. 151 ff, auch hier ist die Quelle bei Fleck zu finden, vgl. Fleck, a.a.O., S. 40Google Scholar
  60. 2).
    ) Vgl. Kuhn, Postscript, a.a.O., S. 288; ders., Entstehung, a.a.O., S. 38. Identische Schwierigkeiten ergeben sich auch bei Fleck, der das Denkkollektiv durch den Besitz eines Denkstils bzw. stilgebundenen Meinungssystems charakterisierte und den Denkstil als das, was dem Denkkollektiv gemeinsam ist.Google Scholar
  61. 1).
    ) Kuhn, Postscript, a.a.O., S. 317Google Scholar
  62. 2).
    ) Einen breiten Literaturüberblick bieten SpiegelRösing, Wissenschaftsentwicklung, a.a.O.; Kisiel, a.a.O., sowie die Arbeiten in Spiegel-Rösing, I./ de Solla Price, D., (eds.), Science, Technology and Society, London and Beverly Hills 1977. Auch Tschiedel geht ausführlich auf wissenschaftssoziologische Ansätze ein. Den Ausführungen wäre hier nichts wesentlich Neues hinzuzufügen, zumal die Arbeiten, die in jüngerer Vergangenheit entstanden sind, keine entscheidenden neuen Gesichtspunkte enthalten; Tschiedel, R., Zur Theorie der Orientierung von Wissenschaft, Münster 1976 (Diss.), im folg. zit. als: Tschiedel, Wissenschaft Mit dem Begriff des Wissenschaftsfortschritts von Sarton und Popper einerseits und von Fleck und Kuhn andererseits sind zwei deutlich unterschiedene Konzeptionalisierungen des Wissenschaftsprozesses herausgearbeitet worden.Google Scholar
  63. 1).
    ) Diese Anschauung deckt sich auch mit der Auffassung Piagets; siehe dazu: Piaget, J., Einführung in die genetische Erkenntnistheorie, Frankfurt 1973, bes. auch S. 10.Google Scholar
  64. 1).
    ) Zum Problem einer Definition von Wissenschaft vgl. u.a. Bernal, J.D., Wissenschaft, a.a.O., S. 9 ff; Barber, B., Science and the Social Order, a.a.O., S. 3 ff; Lenk, H., Rationalität in den Erfahrungswissenschaften, in: Vente, R., (Hrsg.), Erfahrung und Erfahrungswissenschaft, Stuttgart 1974, S. 170; Spiegel-Rösing, Wissenschaftsentwicklung, a.a.O., S. 5 ffGoogle Scholar
  65. 2).
    ) Kitschelt, H., Kernenergiepolitik und ihre Zuspitzung als gesellschaftlicher Interessenkonflikt in der Bundesrepublik Deutschland, Bielefeld 1978 (Diss.) Aber wie Veranstaltungen wie das sogenannte “GorlebenHearing” zeigen1), das als eine Form wissenschaftlicher Diskussion zwischen Kernenergiebefürwortern und -gegnern benannt werden kann2), ist auch im aktuellen Konflikt um die friedliche Nutzung der Kernenergie, Wissenschaft beteiligt. Während es sich bei dem Konflikt fraglos um einen sozialen und politischen Konflikt handelt, scheint eine Beantwortung der Frage, ob es sich dabei auch um einen wissenschaftlichen Konflikt in Form einer wissenschaftlichen Kontroverse handelt, nicht ohne weiteres auf der Hand zu liegen.Google Scholar
  66. 1).
    ) Es fand vom 28.3.-3.4.1979 in Hannover statt und kam auf Initiative der niedersächsischen Landesregierung zustande.Google Scholar
  67. 2).
    ) Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß der faktische Ablauf dieses Hearings oft eher an ein inszeniertes Soziodrama als an ein wissenschaftliches Symposium denken ließ.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1984

Authors and Affiliations

  • Klaus Riedle

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