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Wissenschaftssoziologie bei Fleck

  • Klaus Riedle
Part of the Sozialwissenschaftliche Studien book series (SWS, volume 20)

Zusammenfassung

In den vorhergehenden Kapiteln ist versucht worden, nachzuweisen, daß sowohl in wissenschaftsgeschichtlichen, -philosophischen und -soziologischen Dimensionen eine Auffassung vorhanden ist, die strikt zwischen Entstehungs- und Begründungszusammenhang wissenschaftlicher Theorien trennt. Wenn diese Auffassung, die eine der Grundannahmen der positivistischen Wissenschaftstheorie ausmacht, stimmt, dann müßte es relativ einfach sein, die nukleare Kontroverse — sofern sie sich in wissenschaftlichen Dimensionen abspielt — rein forschungslogisch oder auch rein an historisch-sozialen Entstehungsbedingungen zu untersuchen. Aber es ist im Verlauf der Arbeit wiederholt darauf hingewiesen worden, daß eine solche Trennung einem umfassenden Verständnis des Wissenschaftsfortschritts im Wege steht. Unsere These ist, daß der Begründungszusammenhang, die Bewertung konkurrierender Problemlösungsvorschläge, nicht abgetrennt von dem Entstehungszusammenhang, der Frage nach Auswahl und Konstituierung wissenschaftlicher Probleme betrachtet werden kann. Dies gilt ganz allgemein, im Besonderen aber für die Analyse der in der Kernenergiediskussion vorhandenen Thesen. In den folgenden Ausführungen wird am Beispiel Flecks Auffassung zum Wissenschaftsfortschritt eine Position sichtbar, die diese Auffassung stützt.

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Literatur

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    Der umfangreichen Literatur wäre hier nichts Neues hinzuzufügen.Google Scholar
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    Hier sei nur exemplarisch erwähnt, die dem positivistischen Sensualismus verpflichtete Arbeit von Geiger, T., Ideologie und Wahrheit, Stuttgart/Wien 1953 und Marica, G.E., Emile Durkheim, Soziologie und Soziologismus, Jena 1932Google Scholar
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    Fleck, a.a.O., S. 65 ff. Dies ist übrigens auch ein Hinweis darauf, daß Wissens- und Wissenschaftssoziologie in gewisser Weise weitgehend getrennte Fachgebiete darstellen, worauf im Zusammenhang mit Mer-tons Wissenschaftssoziologie bereits hingewiesen wurde. Andererseits waren durchaus immer schon Bereiche von Wissenschaft und Forschung auch Gegenstand wissenssoziologischer Betrachtungen; vgl. dazu z.B. entsprechende Aufsätze von Honigsheim (S. 256 ff; S. 263 ff), Hashagen (S. 233 ff), Pleßner (S. 407 ff), alle in: Scheler, Versuche, a.a.O.Google Scholar
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    vgl. dazu Weingart, P., Wissenschaftlicher Wandel als Institutionalisierungsstrategie, in: Weingart, P., (Hrsg.), Wissenschaftssoziologie 2, Determinanten wissenschaftlicher Entwicklung, S. 26 f; siehe auch ebd., S. 21 f, wo er auf die Identität von sozialen und kognitiven Faktoren des Wissenschaftsprozesses verweist, im folg. zit. als: Weingart, WissenschaftssoziologieGoogle Scholar
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    siehe dazu die Einleitung zur Neuausgabe von Fleck, a.a.O.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1984

Authors and Affiliations

  • Klaus Riedle

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