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Epilog: Theorie des Wertewandels als Theorie der Kulturgeschichte?

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Zusammenfassung

Wertewandelforschung insbesondere unter der Führung des „normativen Paradigma“ wurde in den älteren Sozialwissenschaften als Grundlage der Soziologie, als Grundlagentheorie des sozialen Wandels und der Kulturgeschichte generell und als allgemeine Theorie von Modernisierung und Industrialisierung — Theorie traditioneller und moderner Gesellschaften — im besonderen formuliert. Man glaubte in grossen Teilen der älteren Soziologie, in Werten und im Wertewandel einen Schlüssel zum Verständnis sozialen Wandels gefunden zu haben. Bis in die Zeit, in der die Theorie Parsons dominierte, war diese Auffassung stark vertreten. In den letzten 30 Jahren hat diese Auffassung jedoch stark an Boden verloren ohne dass dies häufig offen ausgesprochen wird. Jedoch ist festzustellen, dass in den letzten 30 Jahren kaum noch ernstzunehmende Versuche unternommen wurden, die älteren Theorieansprüche erneut zu erheben und zu untermauern. Man beschreitet nicht mehr den Weg, eine Großtheorie der Kulturgeschichte, des sehr langfristigen sozialen Wandels zu formulieren, die primär auf Werten und Wertewandel basiert. Ferner fällt auf, dass nur selten darauf reflektiert wird, dass diese Bemühungen ins Hintertreffen geraten sind. Nur ungern gibt man zu, dass die zeitgenössische Theorie des Wertewandels viel geringere Erklärungsansprüche hat als die älteren Großtheorien. Man weigert sich zumindest unbewußt — diesen Eindruck kann man gewinnen — die Reduktion der Ansprüche und das Ungenügende der älteren Bemühungen zuzugeben und hält zumindest teilweise verbal und symbolisch an diesem älteren Theoriemodell fest. Die symbolische Aufrechterhaltung alter Ansprüche kontrastiert mit den tatsächlichen Forschungsinvestitionen in diese theo-retischen Versuche und Bemühungen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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