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Einleitung

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Zusammenfassung

Die folgende Untersuchung über den Wandel von Ehebeziehungen ist als ein Beitrag zur empirischen Sozialstrukturanalyse zu verstehen. Gegenstand der Untersuchung sind die Interaktionsbeziehungen zwischen positional verorteten Personen.1 Das Heiratsverhalten dient als Kriterium der Vergesellschaftung von sozialen Klassen, d.h. als eine langfristig wirksame Beziehung zum Nachweis der Verhaltensrelevanz sozialer Ungleichheiten. Durch soziale Schließung (Endogamie) und Distinktion von Bildungs- und Berufsgruppen strukturiert sich ein bestimmtes Gefüge sozialer Positionen. Der Wandel der Beziehungen zwischen 1978 und 1987 spiegelt Prozesse der Veränderung in den sozialen Distanzen zwischen sozio-kulturellen sozialen Klassen und Milieus wider. „Das connubium ist gerade für die Ausbildung von „sozialen Klassen“ ein wichtiger Indikator, der sowohl den personalen Interaktionsraum wie den typischen Mobilitätsbereich sozialer Gruppen bestimmt. Auch Weber rechnete das connubium zu den Merkmalen „ständischer“ Verkehrskreise, so Lepsius (1988, S. 132).

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Literatur

  1. 1.
    Peter M. Blau (1994, S. 3) schreibt: „Broadly defined, a social position (in a single dimension) is any difference among people in terms of which they make social distinctions among themselves in intercourse.“Google Scholar
  2. 2.
    Bolte (1990, S. 47) schreibt: „Die vorliegenden Infornuuionen über Heirats-und Kontaktkreise sowie andere Formen sozialer Anziehung bzw. Abschließung sind begrenzt und ausbauwürdig“ (Hervorhebung im Original — W.T.). Ahnlich urteilt auch Mare (1991) in einer neuen Untersuchung nach der Durchsicht angloamerikanischer Literatur.Google Scholar
  3. 3.
    Siehe zu dem hier vertretenen Ansatz Kapitel I.2.3.Google Scholar
  4. 4.
    Dazu Blau (1994, S. 6):,,… networks constitute the social structure and the assumption is that this network structure determines the roles of individuals — „nodes“ — in the group.”Google Scholar
  5. 5.
    Der Wert vieler „positionalen Güter“ (Hirsch 1976) liegt schon allein in ihrer „Knappheit”; wie Knappheiten zu Bewertungen führen können, wurde schon von Peter A. Blau (1964, S. 318) erkannt: The value of most rewards rests not so much on their inherent utility as on the social demand for them. Since goods in great demand tend to be scarce, scarcity itself becomes a symbol of value.“Google Scholar
  6. 6.
    Wie diese Bewertungen zustande kommen, ist durchaus strittig. Talcott Parsons würde die Bewertungen als Ausdruck gesellschaftlicher Normen ansehen, andere dagegen als tatsächlich vollzogenes Verhalten, in dein sich Präferenzen manifestieren (vgl.: Pappi 1976, S. 228). Ich werde im Kapitel I. eher zu letzterer Position tendieren.Google Scholar
  7. 7.
    Zu Anfang der 60er Jahre wirft Dahrendorf (1965, S. 96) dann auch der Tradition der Schichtbestimmung „informierte Willkür“ vor, obwohl er in ähnlicher Weise vorgeht.Google Scholar
  8. 8.
    Gegen die auf Indices beruhenden, vorgeblich eindimensional interpretierten, hierarchisch geordneten Schichtmodelle wendet sich in letzter Zeit vor allem die Kritik einiger jüngerer Sozialwissenschaftler (Hradil 1987), die dabei häufig vergessen, daß die Einteilung in ein hierarchisches Modell beliebiger Ober-, Mittel-und Unterschichten, die zunächst nicht notwendigerweise verhaltensrelevant sind, in den USA eine größere Verbreitung gefunden hat als in der Bundesrepublik, wo schon seit Anfang der siebziger Jahre multidimensionale Modelle gang und gäbe sind, die von Berufsgruppen als der zentralen, aber nicht notwenigerweise ranggeordneten Variablen ausgehen.Google Scholar
  9. 9.
    Ob es gelang, ist freilich aufgrund unterschiedlicher geschichtlicher Erfahrungen und Traditionen in den USA im Vergleich zu Europa sehr fraglich. Historisch treffender hätte Parsons auch den Begriff „estates“ für die Übersetzung von „Ständen” wählen können.Google Scholar
  10. 10.
    Pappi geht bei seinen Untersuchungen von den beruflichen Tätigkeiten aus, für die sich am ehesten das Sozialprestige als deskriptive Meßeinheit anbietet (Wegener 1988, S. 119f). Ich entscheide mich für die Statusdimension der „beruflichen Stellungen“, die unterschiedliche Handlungsressourcen bezeichnen können und nur innerhalb der Grobklassen (Arbeiter, Selbständige, Angestellte, Beamte) eindeutig hierarchisch geordnet sind.Google Scholar
  11. 11.
    Dies gilt selbst für sozialistische Gesellschaften in Zeiten raschen Umbruchs, z.B. in Polen (Sawinski, Domanski 1991).Google Scholar
  12. 12.
    Also entscheide ich mich hier wie Giddens (1979) für die analytische Dimension des Klassenbegriffs, d.h. weder für die dichotomische, agitatorisch-klassenkämpferische Unterscheidung allein zwischen Kapitalisten und Proletariem des „Kommunistischen Manifests“, noch für die historisch-differenziertere des „Achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte”.Google Scholar
  13. 13.
    Dies verwundert aufgrund der zu Zeiten Marx noch obwaltenden einfachen Grenzproduktivitätstheorie auch nicht: Als maßgeblich wurde die Quantität von Arbeit erachtet, nicht ihre Qualität.Google Scholar
  14. 14.
    Wenngleich Marx das Problem der Verfügungsgewalt über Eigentum im Gegensatz zum Besitz desselben nie ganz deutlich erkannt hat. (Siehe dagegen: Wittfogel 1962).Google Scholar
  15. 15.
    Sicherlich definiert sich die Stellung bei Marx primär durch das Verhältnis zu den Produktionsmitteln und bei Weber ursächlich durch die Chance am Markt (auch: Weber 19855, S. 531). Doch an der grundsätzlich konzedierten Asymmetrie in den Beschäftigungsverhältnissen zwischen „Besitzklassen“ und „Erwerbsklassen” ändert dieser Unterschied nichts.Google Scholar
  16. 16.
    Spieltheoretische Überlegungen von John E. Roemer (1982) haben Anthony Giddens (19893, S. 299) offenbar in eine ähnliche Richtung beeinflußt, wenn er bemerkt. The collective withdrawl of labour power or its threat thus comes to constitute a major feature of capital — labour conflicts.“ Überlegungen zur Veränderung der Machtverteilung auf dem Heiratsmarkt durch Verwei- gerung könnten in eine ähnliche Richtung verlaufen: Was passiert z.B., wenn Frauen (oder bestimmte Berufsgruppen von Frauen) nicht mehr willens sind, in das Tauschgeschäft derAustauschbeziehungen bestehents. In der Gene Ehekoalition einzutreten? Auch alternative Trade-offs der auf dem Arbeitsmarkt Benachteiligten sind natürlich denkbar: Verleiten Vorteile auf dem Heiratsmarkt dazu, sich auf dem Arbeitsmarkt rar zu machen? Wir werden sehen, daß letztere Variante eher für vergangene Zeiten zutrifft. Solch vage Verheißungen motivieren aber vielleicht noch Frauen im Post-Sozialismus. Statusgewinn durch Heirat ist jedoch in Deutschland seltener geworden; näheres dazu in den folgenden Kapiteln.Google Scholar
  17. 17.
    Das verfügbare Haushaltseinkommen wird aber am stärksten durch die Zahl der Kinder beschränkt, mithin durch dem Arbeitsmarkt exogene Faktoren.Google Scholar
  18. 18.
    Weber 19855, S. 177: „Soziale Klasse soll die Gesamtheit derjenigen Klassenlagen heißen, zwischen denen ein Wechsel a. persönlich, b. in der Generationenfolge leicht möglich ist und typisch stattzufinden pflegt.“ Eine empirisch gelungene Umsetzung der Bündelung von Berufspositionen zu sozialen Klassen nach dem Mobilitätskriterium findet sich in Breiger (1981).Google Scholar
  19. 19.
    Insofern, als nicht mehr nur Wirtschaftsunternehmen für die soziale Reproduktion der Arbeitskraft zuständig sind (Renten, Arbeitslosenunterstützung), läßt sich sowohl das Schlagwort vom „staatlich gelenkten Kapitalismus“ als auch theoretisch sehr wohl das Konzept der „Versorgungsklassen” (Lepsius 1979) — neben den Besitz-und Erwerbsklassen — vertreten. Empirisch bedingt aber die Erwerbsbeteiligung im Sinne der Selbstvorsorge die durch Versorgungsklassen erzeugte Ungleichverteilung. Inwieweit die Versorgungslage der Erwerbslage entspricht, wäre erst zu prüfen (Alber 1984; Mayer, Blossfeld 1990, S. 300).Google Scholar
  20. 20.
    Hier wird ausdrücklich auf die ausführlichere amerikanische Ausgabe verwiesen.Google Scholar
  21. 21.
    Anders in den Statuszuweisungsmodellen auf der Ebene von Individualdaten; in diesem Falle wird bekanntlich eine Skalierung der Berufe, der Bildung etc. ex ante vorgenommen, die dann nur noch Aussagen über die Stärke der jeweiligen Beziehungen in Form von Koeffizienten erlaubt (zu dein Vor-und Nachteilen von Statuszuweisungsmodellen vgl.: Teckenberg 1985).Google Scholar
  22. 22.
    Blau (1994, S. 114) bezeichnet strukturelle Austauschmobilität als „emergent properties of a population“.Google Scholar
  23. 23.
    Amartya Sen (1995) weist allerdings auf notwendige Erweiterungen der neoklassischen Annahmen hin.Google Scholar
  24. 24.
    Dies wird auch in neueren französichen Studien betont (Forsé, Chauve) 1995).Google Scholar
  25. 25.
    Blau schreibt (1994, S. 48, Fn.23): „The total variation in any encompassing unit (z.B. Haushalt — W.T.) is the sum of the mean variation within subunits (hier: Partner — W.T.) and the variation among them.“ Definiert man den Familienstatus (Sf) als die gewichtete Summe der einzelnen Partnerstatus (Sm; S,,,), so ergibt sich: S, = a + b S„, +1), S, die Varianz des Familienstatus ist dann: Var,,,, = b,2var„m, + b,2vaç,„,, + 2cov,,,,, (auch Hout 1982). Demnach muß auch Vermutungen von Winch (1988, S. 13) vehement widersprochen werden, eine Angleichung der Einkommensverteilung sei infolge der Zunahme von Doppelverdienern im Haushalt zu erwarten.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  1. 1.HeidelbergDeutschland

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