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Methoden für das Raum-Erforschen

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Zusammenfassung

„Unter einer Methode versteht man allgemein ein systematisches, geregeltes und planvolles Vorgehen, um ein angestrebtes Ziel zu erreichen“ — so formulieren es Klaus Lankenau und Gunter Zimmermann in den „Grundbegriffe(n) der Soziologie” (1995, S. 192). Dieser Satz scheint nur auf den ersten Blick eine eindeutige Aussage über die Aufgabe und den Inhalt von Methoden zu machen. Auch wird nicht unterschieden nach alltäglich oder wissenschaftlich. Unter regelgeleitetem Vorgehen zur Erlangung von Erkenntnissen oder praktischen Ergebnissen könnte also allgegenwärtig und eventuell gar überall ungeteilt dasselbe verstanden werden?

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Literatur

  1. 1.
    Wie im Einleitungskapitel anvisiert, stelle ich hier als Rahmen eine allgemeine Systematik über Methoden und Verfahren/Instrumente und Strategien empirischer (Sozial-)Forschung vor. Die Bezüge zum Raum-Erforschen finden in den angeführten Beispielen ihren Widerhall. Nicht zu allen dargestellten methodologischen Facetten konnte ich disziplinenspezifische Belege anführen, was sowohl auf,blinden Flecken’ im raumplanerischen Methodendiskurs verweist als auch auf meine selektive und teils unvollständige Einsicht. Aber auch zu den Methoden, mit denen umfangreich in der Raumplanung gearbeitet wird, sind verständlicherweise nur ausschnitthaft Beispiele angeführt!Google Scholar
  2. 2.
    Zweck ist von Ziel zu unterscheiden, insofern Ziele als angestrebte Zustände zu betrachten sind, während Zwecke solche Zustände unter Berücksichtigung vorhandener Mittel und Strategien, den Zielzustand zu erreichen, darstellen. Während das Ziel idealerweise als Ergebnis erreicht wird, entspricht der Zweck dem Prozeß und der Umsetzungsstruktur von Zielen, erfordert also implizit ein operationalisiertes Ziel.Google Scholar
  3. 3.
    John Stuart Mill (1806–1873) war als Philosoph und Nationalökonom ein Vertreter des so-genannten älteren Positivismus. In seinem „System der deduktiven und induktiven Logik“ (1843) entwarf er eine allgemeine Methodologie der Wissenschaften mit dem Ziel, die Logik so auszubauen, daß sie auch auf Politik und Soziologie anwendbar würde und dort zu ebenso exakten Voraussagen fiihrte, wie sie Newtons Theorie für die Physik ermöglichte. Diesem Ziel sollte seine induktive Logik als Lehre von den richtigen Verallgemeinerungen aus genauen partikularen Analysen dienen.Google Scholar
  4. 4.
    Emile Durkheim (1858–1917) lehrte als Soziologe an der Pariser Sorbonne. Seine wissen-schaftlichen Bemühungen galten der Soziologie als eigenständiger Wissenschaft. Mit der antispekulativen Forderung, soziale Tatsachen wie Dinge zu behandeln, verband er seine methodologische Grundthese: Die Erscheinungen stellen eine Wirklichkeit sui generis dar, welche den Individuen äußerlich ist und Zwang auf sie ausübt. In der neueren Soziologie erfuhren seine Thesen eine gewisse Rezeption im Strukturalismus und Funktionalismus.Google Scholar
  5. 5.
    Wilhelm Dilthey (1833–1911) lehrte als Philosoph in Basel, Kiel, Breslau und Berlin. Er gilt als Begründer der Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften und als ein Hauptvertreter der hermeneutischen Wissenschaften. Er versuchte, eine „Erfahrungswissenschaft der geistigen Erscheinungen“ (1910) aufzubauen und methodologisch zu sichern: Im Unterschied zu den Naturwissenschaften, in denen unabhängig vom menschlichen Handeln gegebene Ereignisse durch theoretische Entwürfe systematisiert und erklärt werden, muß der bzw. die Geisteswissenschaftlerin seinen bzw. ihren Gegenstandsbereich, dessen Teil er bzw. sie selbst ist, die symbolischen Zusammenhänge der gesellschaftlichen und geschichtlichen Wirklichkeit des Menschen durch Nachvollziehen dieser Lebensäußerungen verstehen.Google Scholar
  6. 6.
    Gustav von Schmoller (1838–1917) lehrte als Nationalökonom in Halle, Straßburg und Berlin. Er war Begründer der jüngeren historischen Schule der Nationalökonomie. Seine Abkehr von klassischer Nationalökonomie und Grenznutzenschule begründete den jahrelangen Methodenstreit zwischen theoretisch und historisch orientierten Ökonomen, der sich im „Verein für Socialpolitik,,, dessen Vorsitzender er ab 1890 war, fortsetzte.Google Scholar
  7. 7.
    Max Weber (1864–1920) lehrte Recht, Nationalökonomie und Soziologie in Berlin, Freiburg, Heidelberg, Wien und München. Mit seinen Aufsätzen zur Wissenschaftslehre griff er in den Methodenstreit der Nationalökonomie ein. Indem er theoretisch-systematisierende und historisch-individualisierende Methoden in seinem Aufsatz „Die,Objectivität` sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis“ (1904) miteinander verband, legte er eine der Grundlagen für historisch orientierte Kultur-und Sozialwissenschaft. Dieser programmatische Artikel lenkte zugleich den Methodenstreit auf das Zentralthema der Wertfreiheit: Im Verlauf der Kontroverse erschienen insbesondere Max Weber und Werner Sombart (1863–1941) als Anhänger des strikten Ausschlusses von Werturteilen aus der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung und Forschung (Ritsert, 1996, S. 23ff).Google Scholar
  8. 8.
    Dabei stelle ich den philosophisch-historischen Gegensatz von transzendentaler Methode (Kant) versus dialektischer Methode (Hegel) hinten an in der Erwartung, daß beide Sichtweisen in einer zu entwickelnden aktuellen Methodenproblematisierung aufgehoben sind.Google Scholar
  9. 9.
    Heraklit (um 550–480 v.u.Z.) aus Ephesos zählte zu den Philosophen der Vorso-kratik. In seiner Lehre steht das ununterbrochene Werden und Vergehen, dem alle Dinge unterworfen sind, im Vordergrund. Dabei ist nichts vorstellbar ohne seinen Gegensatz und aus genau diesem Spannungsverhältnis leitet sich alles Geschehen ab. Als Gesetz, das den Wandel vollzieht, gilt der Logos, den zu erkennen Weisheit ist. Mit seinem Gedanken der Einheit der Gegensätze kann Heraklit als erster dialektischer Denker gelten (Kunzmann, Burkard & Wiedmann, 1991, S. 33).Google Scholar
  10. 10.
    Der Begriff der Komplementarität wird in der Quantentheorie verwendet, um das gegenseitige Sichausschließen von bestimmten mikrophysikalischen Ereignissen, Meßprozessen, Eigenschaften oder Verhaltensweisen zum Ausdruck zu bringen, die zugleich aber als Observablenpaar zueinander kanonisch konjugiert sind (Bohr, 1931). Diese Komplementarität ist u.a. ein Ausdruck des Welle-Teilchen-Dualismus (als Beispiel für die Komplementarität von Verhaltensweisen bzw. Eigenschaften). Sie hat zur Folge, daß die Beschreibungs-bzw. Darstellungsformen von der Art des Experimentes abhängen, also die beobachteten Eigenschaften nicht den mikrophysikalischen Objekten direkt zugeordnet werden können, sondern immer eine Beziehung zwischen diesen und dem/r Beobachterin bzw. der Meßapparatur darstellen (vgl. Mittelstaedt, 1972). Entsprechend werden in der Biologie oder der Chemie die wechselseitige Entsprechung der Struktur zweier Größen und in den Sprachwissenschaften ein semantisches Gegensatzverhältnis versehen mit einer besonderen Form der Inkompatibilität (z.B. männlich-weiblich) als Komplementarität bezeichnet. In der Wirtschaftstheorie wurde der Begriff übernommen für die Beziehung zwischen Konsumgütern bzw. Produktionsfaktoren, die nur bei gleichzeitigem Konsum bzw. Einsatz eine Bedürfnisbefriedigung bzw. Produktion ermöglichen (z.B. die Beziehung zwischen Elektrizität und elektrischen Geräten).Google Scholar
  11. 11.
    „empirisch bedeutet, auf Erfahrung, Beobachtung beruhend. Es wurde entlehnt aus dem griechischen em-peirikôs, was ursprünglich hieß „im Versuch, im Wagnis seiend“, also „erfahren, kundig” seiend.Google Scholar
  12. 12.
    Das Datum (im Plural: Daten) stammt vom lateinischen Verb dare bzw. dem griechischen didônai, was beides „geben, ausfertigen, schreiben“ heißt. Als Substantiv bedeutet es „das Gegebene, das Ausgefertigte”.Google Scholar
  13. 13.
    Abstraktion geschieht durch Begriffsbildung bzw. die Bildung einer Äquivalenzklasse. Ein Begriff wird gebildet durch Absehen von allen unwesentlichen Eigenschaften der in Betracht kommenden Gegenstände. Nur die gemeinsamen wesentlichen Eigenschaften werden,herausgezogen` (lat.: abstrahere).Google Scholar
  14. 14.
    Dem Begriff der Theorie liegt das griechisch-lateinische theôria zugrunde, „das Zuschauen; Betrachtung, Untersuchung; wissenschaftliche Erkenntnis“. Ursprünglich ist dies zusammengesetzt aus théa, „das Anschauen, die Schau” und horäein, „sehen“. Aus dem „Zuschauer eines Schauspiels” ist heute die „abstrakte Betrachtungsweise“ geworden.Google Scholar
  15. 15.
    Aristoteles (384–324 v.u.Z.) war 20 Jahre lang Schüler des Platon. Um 342 wurde er zum Lehrer des makedonisch-hellenistischen Königs Alexander berufen. Später gründete er in Athen eine eigene Schule: das Lykeion, auch die peripatetische Schule genannt. Die vonGoogle Scholar
  16. 16.
    Unter Zusammenhängen werden funktionale wie statistisch-stochastische verstanden. Als Relationstypen sind u.a. möglich: Ursache — Wirkung, singulär kausal, Gründe — Folgen, Beeinflussung durch Dritte(s), zielgerichtetes Handeln, Intentionen etc.Google Scholar
  17. 17.
    In der Raumplanung hängen die praktischen Bedingungen der Theorieproduktion u.a. vom disziplinären Ausbildungshintergrund der Forschungstreibenden ab, die je nach Herkunftsfach unterschiedliche Konnotationen für,Raum` verwenden. Bei den praktischen Konsequenzen könnte z.B. untersucht werden, welche Folgen eine Veränderung des Naturverständnisses auf das individuelle Umweltverhalten oder staatliche Umweltpolitik hat, oder, welche Folgen die klassische Mechanik hat für die Mechanisierung der Arbeit und die Nutzung räumlicher Substrate. Hinsichtlich praktischer Implikationen gehe ich davon aus, daß soziale (Geschlecht, Generation, Ethnie, Milieu) wie kulturelle (Sprache, Symbolträger, Historisches) Praxen Einfluß nehmen auf die Kemvorstellungen einer Theorie und die Art der Idealisierung bzw. Abstrahierung im Prozeß der Theorieproduktion; auch daraus sind verschiedene Raum-oder Planungskonzeptionen zu begründen.Google Scholar
  18. 18.
    „Ein Modell ist eine Abbildung, die Wirklichkeit schematisch repräsentiert und als verbindendes Glied zwischen Theorie und Realität fungiert. Ein Modell ist somit einerseits,Stellvertreter` der Wirklichkeit, andererseits struktureller Teil einer Theorie“ (Eisenhardt, Kurth & Stiehl, 1995, S. 285).Google Scholar
  19. 19.
    Im weitesten Sinne bedeutet Messen die Zuordnung von Zahlen zu Objekten oder Ereignissen entsprechend irgendeiner Regel (Stevens, 1959, S. 19) und wird als Abbildung von einem empirischen Relativ in ein numerisches Relativ dargestellt. In der klassischen McBtheorie (vgl. Campbell, 1928) wird zwischen fundamentaler Messung — als direkte Zuweisung von Zahlen zu Objekten — und der häufiger vorkommenden abgeleiteten Messung unterschieden, die als Zusammensetzung vorausgehender fundamentaler Messungen definiert ist, also mathematische Funktionen oder statistische Zusammenhänge zu Hilfe nimmt (z.B. Dichte als Verhältnis von Masse zu Volumen, Geschwindigkeit als Verhältnis von Weg zu Zeit). U.a. J. Pfanzagl (1968) diskutiert dagegen das Messen per fiat bzw. vereinbartes Messen, das auch Messung per Definition, willkürliche Messung oder pragmatische Messung genannt wird. Diese Variante ordnet den Merkmalsausprägungen einer Variablen des empirischen Relativs Zahlen ohne explizite meßtheoretische Begründung hauptsächlich aus Plausibilitätsaspekten zu (z.B. Intelligenztests, Einstellungsskalen, aber ebenso auch Index-bildung oder Verwendung von Indikatoren). Der Nutzen insbesondere von Messungen per fiat wird per Gütekriterien beurteilt.Google Scholar
  20. 20.
    „reliabel = zuverlässig“ steht für „die intertemporale, intersubjektive und interinstrumentelle Stabilität erhaltener Meßwerte” (Esser, Klenovits & Zehnpfennig, 1977, S. 93). Die intertemporale Stabilität — bei wiederholten Messungen desselben Phänomens liefert das Meßinstrument die gleichen Ergebnisse — ist problematisch zu überprüfen, da von der Genauigkeit/Präzision des Instrumentes abhängig. Die intersubjektive Stabilität hängt von der intertemporalen ab und wird auch als Objektivität des Instrumentes bezeichnet. Die interinstrumentelle Stabilität verweist auf Erhebungen gleicher Merkmalsdimensionen mittels unterschiedlicher Instrumente und ist kaum zu trennen von der Frage der Gültigkeit (Kromrey, 1986, S. 125ff). Unterschiedlichen Formen der Reliabilität entsprechen im wesentlichen drei verschiedene Prüfverfahren: Re-Test-Stabilität, instrumenteninterne Konsistenz mittels split-half-Ansatz, Parallel-Test mit äquivalenten Instrumenten.Google Scholar
  21. 21.
    „valide = gültig, tauglich“ ist ein Indikator bzw. ein Verfahren, wenn er bzw. es tatsächlich den Sachverhalt anzeigt oder mißt, der mit dem definierten Begriff bezeichnet worden ist. Dieses Gütekriterium bezieht sich also auf die Interpretation bzw. die Bedeutung der erhobenen Daten. Bei der Validität einer Skala, eines Testes oder eines Index wird nach Außenkriterium, Vorhersagevalidität, Extremgruppen-und Konstruktvalidität unterschieden (vgl. Lienert, 1967), wozu entsprechende Prüfverfahren entwickelt sind. Im Zusammenhang mit experimentellen Versuchsplänen wird zwischen interner und externer Validität unterschieden. Je geringer interne systematische Fehler sind, desto größer ist die interne Validität eines Experimentes. Ist diese noch vergleichsweise umfangreich zu kontrollieren (Campbell & Stanley, 1963), so bietet sie jedoch keine hinreichende Bedingung fur externe Validität, die definiert ist als das Ausmaß, „in dem sich die experimentell gewonnenen Ergebnisse auf Populationen außerhalb des Labors generalisieren lassen” (Zimmermann, 1973, S. 79). Die externe Gültigkeit eines Experimentes ist weitestgehend nicht überprüfbar.Google Scholar
  22. 22.
    Bei der Durchfiihrung von Messungen oder Tests drückt die Objektivität die Meßgenauigkeit bezüglich Durchführung und Auswertung aus. Ist diese als erfüllt anzunehmen, drückt die Reliabilität allgemeiner und weitreichender die Zuverlässigkeit der Messung des Tests aus. Hohe Validität — also Gültigkeit — „kann nur eintreten bei hoher Objektivität und hoher Reliabilität. Eindeutige Kriterien für die Gültigkeit existieren allerdings nicht“ (Heidenreich, 1987, S. 405). So muß diskutiert werden, in welchem Ausmaß ein Test das mißt, was er messen soll.Google Scholar
  23. 23.
    Ich unterscheide materiell und material, indem ich,materiell` traditionell im Sinne von „stofflich, körperlich, sachlich“ verwende, unter,material` aber zusätzlich all das verstehe, was infolge menschlicher Interaktionen untereinander und mit belebter oder unbelebter Natur entsteht, also auch alle in der Soziologie typischen Gegenstände wie Institutionen und Organisationen, Normen-und Regelsysteme, Präferenzmuster und Vorstellungsbilder etc.Google Scholar
  24. 24.
    Francis Bacon (1561–1626) vertrat als Anwalt und Politiker eine absolutistische Staats-und Rechtstheorie im Dienste des englischen Königshauses; zeitweise wirkte er auch als Inquisitor. Als Ziel der Wissenschaft gilt ihm die Beherrschung der Natur zum Nutzen der Gesellschaft. Wissen bedeutet ihm Macht. Als richtige Methode, um zu wahrer Erkenntnis zu kommen und Trugbilder aufzulösen, proklamierte er die Induktion — gegen das geltende rein deduktiv orientierte Methodenideal — und das planmäßige Arbeiten in gezielten Experimenten. Neben der seine Vorstellung von rationaler Empirie zusammenfassenden Instanzenlehre entwickelte er in zahlreichen Untersuchungen zur Entstehung von Vorurteilen eine Idolenlehre.Google Scholar
  25. 25.
    Pierre Maurice M. Duhem (1861–1916) war Physiker, Philosoph und Wissenschaftshistoriker, der als Professor in Lille, Rennes und Bordeaux lehrte. Er vertrat die neopositivistische Ansicht, daß physikalische Theorien bloß symbolische Konstruktionen des Menschen seien und daher die Wirklichkeit nur reflektieren, aber nicht vollständig und genau wiedergeben können, während philosophische Modelle zwar nicht mit natürlichen Klassifikationen auf hinaus, daß die Wissenschaft nicht über einen Satz methodologischer Techniken verfügt, die schnell oder entscheidend die Existenz natürlicher Phänomene beweisen oder zurückweisen können. Ein vorher nicht antizipierter Aspekt dieser Schlußfolgerung besagt, daß die Wiederholbarkeit von Ergebnissen keine feste Beziehung zwischen Theorie und Beobachtung schafft.chrw(133) Des weiteren hat man herausgefunden, daß technische Argumente durch kulturelle Zwänge und durch die Verteilung von Macht stärker begrenzt werden als durch,internes` technisches Wissen oder logische Möglichkeiten“ (1985, S. 144).Google Scholar
  26. 26.
    Eine im weitesten Sinne neopositivistische Wissenschaftstheorie unterscheidet Entdeckungs(Genesis), Begründungs- (Geltung) und Wirkungs-bzw. Verwertungszusammenhang im forschungslogischen Ablauf einer empirischen Untersuchung (z.B. Friedrichs, 1980, S. 51). Zum Entdeckungszusammenhang gehört der Anlaß eines Forschungsprojektes, Ideen, Gespräche, Hypothesen, Theorien und Fragestellungen sowie Explorationen, die allesamt ein Problem vorstrukturieren sollen. Wissenschaftsgeschichte, -psychologie und Wissenssoziologie interessieren sich — sofern diese Dreigliederung angenommen wird! — primär für diese erste Phase — z.B. bei der Frage nach den sozialen Bedingungen der Ideenproduktion. Dagegen konzentriert sich die analytische Wissenschaftstheorie hauptsächlich auf den Begründungszusammenhang, wobei es um die Prüfharkeit verschiedener (empirischer, logischer, präskriptiver) Sätze für die Geltung wissenschaftlicher Aussagen geht (vgl. Diekmann, 1995, S. 145f). Unter dem Begründungszusammenhang werden all die methodologischen Schritte verstanden, mit deren Hilfe ein Problem untersucht werden soll. Unter Verwertungs-und Wirkungszusammenhang werden die Effekte einer Untersuchung verstanden, ihr Beitrag zur Lösung des anfangs formulierten Problems. Dazu gehört bereits die Form der Darstellung, die wiederum auf den Anlaß und damit auf den Entdeckungszusammenhang verweist.Google Scholar
  27. 27.
    Als Äquivalenzklasse wird die Klasseneinteilung einer Menge von Objekten bezeichnet, die mindestens bezüglich einer Eigenschaft gleich sind, z.B. alle Geraden, die parallel sind. Die Aquivalenzeigenschaft ist dann die Parallelität.Google Scholar
  28. 28.
    Der Begriff der Objektivierbarkeit wurde von Niels Bohr (vgl. Kap.4) bei der philosophischen Begründung der Quantenmechanik in die theoretische Physik eingeführt. Er beinhaltet das Vorhandensein eines physikalischen Gebildes als von dem bzw. der BetrachterIn unabhängiges Objekt und bringt zum Ausdruck, daß die Eigenschaften eines Objektes diesem objektiv, d.h. unabhängig von der speziellen Meßmethode und vom beobachtenden Subjekt, zukommen.Google Scholar
  29. 30.
    „Als Operationalisierung einer Variablen definieren wir eine Menge hinreichend genauer Anweisungen, nach denen Untersuchungseinheiten den Kategorien einer Variablen zugewiesen werden“ (Diekmann, 1995, S. 208).Google Scholar
  30. 31.
    Partielle Ordnungen sind all die Mengen, die irgendwie geordnet sind — z.B. nach der Größe ihrer Elemente oder alphabetisch etc. — wobei die Ordnung aber unvergleichbare Elementpaare zuläßt, also keine Ranglisten erstellt werden können. Für partiell geordnete Mengen sind Messungen nur auf Nominalskalenniveau möglich. Allerdings,verfiihrt` jegliche Skalierung zum vergleichenden Denken.Google Scholar
  31. 32.
    Eine Menge ist eine Zusammenfassung bestimmter wohlunterschiedener Objekte unserer Anschauung oder unseres Denkens — welche die Elemente der Menge genannt werden — zu einem Ganzen. Eine mathematische Menge unterscheidet sich allerdings von einer statistischen! Letztere besteht aus Individuen oder Ereignissen, bei denen gewisse gleichartige Merkmale interessieren und nicht die Elemente in ihrer Totalität:Google Scholar
  32. 34.
    Im Meßvorgang, d.h. bei der Abbildung vom empirischen Relativ in das numerische Relativ, wird jedem Merkmalsträger hinsichtlich aller interessierenden Variablen je eine Maßzahl zugeordnet. Um die im empirischen Relativ angenommene Ordnung zu erhalten, muß eine strukturtreue Abbildung gewährleistet sein, Morphismus genannt. Die Abbildung kann folglich isomorph oder homomorph sein, wobei die abgeschwächte Forderung eines Homomorphismus genügt:Google Scholar
  33. 35.
    In einer linearen Funktion als Abbildung zwischen den algebraisch strukturierten Mengen A und B tauchen keine Exponenten größer als 2 an den Variablen x als Element von A und y als Element von B auf. Der Graph einer linearen Funktion, d.h. ihre geometrische Darstellung in einem kartesischen Koordinatensystem, ist immer eine Gerade. Die Summe der Funktionsvariablen einer linearen Funktion ist gleich der Summe der Funktionen der einzelnen Variablen. Nichtlineare Funktionen sind alle, für welche die obigen Bedingungen präzise nicht gelten.Google Scholar
  34. 36.
    „Ein deterministisches System ist chaotisch, wenn eine beliebig kleine Änderung der Anfangsbedingungen (Ursachen) zu qualitativ völlig anderen Ergebnissen (Wirkungen) führt. Eine sich drehende Münze ist ein einfaches chaotisches System: Jede winzige Änderung des Anschnippens führt entweder zu Kopf oder Zahl. Diese Systeme sind anfangsbedingungssensitiv, so daß auch Systemteile, die am Anfang beliebig nahe zusammen sind, nach endlicher Zeit beliebig weit voneinander entfernt sein können. Das starke Kausalitätsprinzip ist nicht erfüllt“ (Eisenhardt, Kurth & Stiehl, 1995, S. 282).Google Scholar
  35. 37.
    Unter einem System sei hier eine Menge von Teilen verstanden, deren Interaktion mittels Regeln und/oder Gleichungen beschrieben werden kann — z.B. Bundespost, menschlicher Kreislauf, Ökologie, Betriebssystem eines PC etc.. Eine solch geordnete Menge von Gegenständen oder Ereignissen hat mindestens ein Co-System, von dem sie sich abgrenzt.Google Scholar
  36. 38.
    Struktur ist vom lateinischen struere (structum) = „schichten, neben-oder übereinanderlegen, zusammenfügen, aufbauen, errichten“ abgeleitet. Die structura bezeichnete nicht nur das Bauwerk, sondern auch Sicherheit, Ordnung oder ordentliche Zusammenfügung. — Meine Verwendung des Strukturbegriffes beruht immer auf dessen empirischer Rückkoppelbarkeit! Daneben verwenden zahlreiche AutorInnen,Struktur` für ausschließlich theoretisch formulierte Konzepte.Google Scholar
  37. 39.
    Ein System heißt stabil, wenn es bei einer Störung nach kurzer Abweichung von seinem Anfangszustand wieder in diesen zurückkehrt.Google Scholar
  38. 41.
    Laut Ronald S. Burt (1980) stehen für die Untersuchung von Beziehungsstrukturen zwei analytische Ansätze zur Verfügung: eine verbundenheitsorientierte/relationale und eine positionsorientierte/positionale Strategie zur Bildung von Teilgruppen im Netz. Letztere grenzt unter Berücksichtigung des Gesamtmusters strukturell-äquivalente Positionen ab, was eine relativ hohe Abstraktionsebene voraussetzt.Google Scholar
  39. 41.
    Laut Ronald S. Burt (1980) stehen für die Untersuchung von Beziehungsstrukturen zwei analytische Ansätze zur Verfügung: eine verbundenheitsorientierte/relationale und eine positionsorientierte/positionale Strategie zur Bildung von Teilgruppen im Netz. Letztere grenzt unter Berücksichtigung des Gesamtmusters strukturell-äquivalente Positionen ab, was eine relativ hohe Abstraktionsebene voraussetzt.Google Scholar
  40. 43.
    Charles Sanders Peirce (1839–1914) war zunächst Astronom am Harvard Observatorium, später Physiker im Dienst der amerikanischen Küstenvermessung und schließlich Dozent für Logik in Baltimore. Er begründete den Pragmatismus, den Karl-Otto Apel (1975) als dritte philosophische Richtung — neben Marxismus und Existenzphilosophie — sieht, in der Theorie und Praxis faktisch vermittelt werden sollen. Peirce entwickelte unabhängig und parallel zu Gottlob Frege (1848–1925) die Quantorenlogik/das Prädikatenkalkül und entwickelte die Relationenlogik weiter. Seine Kategorienlehre findet gegenwärtig insbesondere in an semiotischen Prozessen orientierten Handlungstheorien Verwendung. „Ein Zeichen (Repräsentamen) steht in Relation zu einem Gedanken, der es interpretiert (Interpretant), und es ist ein Zeichen für ein Objekt durch eine Qualität, die es mit seinem Objekt in Verbindung bringt” (zit. n. Kunzmann, u.a., 1991, S. 173).Google Scholar
  41. 44.
    Diese Qualität macht die Abduktion zur typischen,Sherlock-Holmes-Methode, die in der Kriminalliteratur vielfach verwandt wird und z.B. von Umberto Eco, einem Semiotik-Professor, entsprechend rezipiert wird (1990).Google Scholar
  42. B.
    eim abduktiven Vorgehen liegt das Erkenntnisziel in der Dechiffrierung der den Erscheinungsformen zugrundeliegenden Struktur. Je nach Schwerpunktsetzung auf der Ausgangsebene prägt sichGoogle Scholar
  43. 45.
    Hermeneutik ist eine Lehre der Textauslegung, von der es die verschiedensten Spielarten zwischen Kunstlehre und philosophischer Erkenntnistheorie gibt. Die,hermeneutische Spirale’ bzw. der,hermeneutische Zirkel’ gehört als Vorgehensweise in die sozialwissenschaftliche Methodendiskussion: Gemeint ist damit der wechselseitige Beeinflussungsprozeß zwischen dem Subjekt und einem unter ständig neuen Gesichtspunkten zu verstehenden Objekt. Durch interaktive Annäherung beim wiederholten Durchlaufen des Zirkels vertieft und ergänzt sich das Verständnis des Objektes in seinen Teilen und als Ganzes. Ich präferiere den Begriff,Spirale, um deutlich zu machen, daß ich nach einer,Umrundung` nicht wieder zu derselben Position gelange, sondern zu einer durch Erkennen veränderten bzw. verschobenen ähnlichen.Google Scholar
  44. 46.
    Die BfLR stellt auch selbst raumbezogene Datensätze zusammen: Das Informationssystem der Laufenden Raumbeobachtung findet in der Zeitschrift „Informationen zur Raumentwicklung“ seit 1984 häufig seinen Niederschlag.Google Scholar
  45. 47.
    Demographie beinhaltet die Untersuchung und Beschreibung von Zustand und zahlenmäßiger Veränderung einer Bevölkerung oder ihrer Teile (vgl. Sturm, 1996).Google Scholar
  46. 48.
    Als Erhebungsinstrument ist die Inhaltsanalyse in raumbezogenen Studien weitverbreitet, wenn auch methodisch wenig reflektiert. Vor allem in der Freiraumplanung wird sie bewußt und vielfältig eingesetzt (Hard, 1985, 1993b; Schneider, 1989; Gröning & Herlyn, 1990; Herlyn & Poblotzki, 1992), aber auch zur Materialbeschaffung für alle historischen Vergleiche egal, ob es um Mobilitätsmuster (Schivelbusch, 1979), Stadtgestalt (ScherpeGoogle Scholar
  47. 49.
    Die Syntax bezieht sich auf die formalen Regeln der Verknüpfung von Zeichen, die Semantik auf die Zuordnung zu Objekten sowie auf die Bedeutung mittels extensionaler und intensionaler Definition, die Pragmatik schließlich auf Herkunft, Art der Verwendung und Wirkung auf die Empfänger.Google Scholar
  48. 50.
    Eine Kohorte bezeichnet in den Sozialwissenschaften „eine Bevölkerungsgruppe, die durch ein zeitlich gemeinsames, längerfristig prägendes Startereignis definiert ist“ (Diekmann, 1995, S. 279f): Alters-, Geburts-, Eheschließungs-, Berufseintritts-Kohorten etc.Google Scholar
  49. 51.
    Mit diesem Begriff möchte die Diskussion um Erklären versus Verstehen vermeiden und zugleich beide Vorgehensweisen unter einem Operationalisierungsschritt zusammenfassen. werden lassen, wenn die politischen Entscheidungsinstanzen denn solche Analysen aufnehmen würden. So arbeitet seit langem schon die Ökonomie mit Trendanalysen hinsichtlich Arbeitsmarkt (z.B. Bade, 1994) oder sektoraler Wirtschaftsstruktur (Schönebeck, 1996), werden anhand ungleicher Mobilitätsrnöglichkeiten die zukünftigen Landkarten neu kreiert (Spiekermann & Wegener, 1995) oder untersucht das Wuppertal-Institut das,,zukunftsfähige Deutschland“ (BUND & Misereor, 1996) hinsichtlich seiner naturhaushaltlichen Tragfähigkeiten.Google Scholar

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