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Raum als Gegenstand der Grundlagenforschung in den Planungswissenschaften

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Zusammenfassung

In der historischen Perspektive bescheinigt Ursula von Petz (1994) der Raumplanung runde 125 Jahre Wirkungsgeschichte. Ihren Namen trägt diese Disziplin in Deutschland jedoch erst seit den 30er Jahren, was mein erstes Interesse liefert, Kontinuitäten und Veränderungen nicht nur des Faches, sondern vor allem des Bezugsobjektes ‚Raum‘ ins analytische Blickfeld zu nehmen. Für das Fach identifiziert von Petz bislang drei Phasen: Während der ersten‚industrialisierten‘ Phase war Raumplanung Städtebau. Der Städtebau als interdisziplinäre Wissenschaft entwickelte zwischen etwa 1870 und dem 1. Weltkrieg Analyse- und Planungsmethoden, die auf die Probleme veränderter gewerblicher Produktion, auf die neuen Netze der Märkte und der Kommunikation, auf die veränderte Lebensumwelt und die Lebensbedingungen der Menschen im Verstädterungsprozeß eingehen mußten. Ausgelöst durch Hygiene-Katastrophen — wie die Cholera — bedurften die wachsenden Gemeinden einer neuen kommunalen Regulation, deren Vertreter Konflikte wie zukünftige Entwicklungen als eigenständige Akteure zwischen der Bürgerschaft und dem kapitalistischen Unternehmertum zu steuern versuchten. So wuchsen mit dem Eisenbahnzeitalter die Aufgaben einer öffentlichen Planungsverwaltung. Die zweite Phase vom 1. Weltkrieg bis etwa 1970 diente der Konsolidierung der Disziplin unter dem Vorbild einer Modernisierung gemäß „Taylors Theorie und Fords Praxis“ (ebd., S. 5). Die Eisenbahn als Massentransportmittel wird seitdem durch den Individualverkehr abgelöst, und das Planungsziel hieß während des ‚kurzen‘ 20. Jahrhunderts „autogerechte Stadt“ (ebd., S. 6f.). Die Leitbilder der Moderne wurden vom Nationalsozialismus nur sehr kurzfristig überdeckt durch Autarkie- und Autonomiebestrebungen und sehr bald für eigene Modernisierungszwecke (vgl. Prinz & Zitelmann, 1994) eingesetzt, denn die zeitgenössischen Rationalisie- rungen förderten die Durchsetzung hegemonialer Machtansprüche mit dem Mittel des Krieges. Die Geopolitik (vgl. Kap. 5) lieferte die Ideologie und die Sprache für eine nationale Expansions- und Aggressionspolitik für ein ‚Volk ohne Raum‘, für die das ganze Land gemäß rüstungspolitischen Gesichtspunkten umgestaltet werden mußte. Dazu paßte der Umbau der kommunalen wie regionalen Siedlungsstruktur für den Individualverkehr, da „dessen Eigenschaft als hierarchisches System… Analogien zwischen politischen… und räumlichen Ordnungssystemen“ zuließ (v.Petz, 1994, S. 7). Städtebauliche und landesplanerische Konzepte veränderten nach 1945 eher die Begrifflichkeit denn ihren Gehalt, und auch die Organisationsformen blieben als adäquat moderne weitgehend erhalten. Die „professionelle Perfektion (‚ die die Planung in den 40er Jahren in Deutschland) erreicht hatte, (stellte) die Brücke in die Nachkriegszeit dar“ (ebd., S. 10). Die universitären Fachbereiche für Raumplanung wurden mit dem Ende dieser fordistischen Planungsphase gegründet, was Michael Wegener „auf eine Fehleinschätzung“ der weiteren „gesellschaftlichen und politischen Entwicklung“ seitens der Politik zurückführt (1984, S. 4). Ursula von Petz fragt dazu selbstkritisch, ob es nicht auch bedeutet: „25 Jahre Planung im Postfordismus, ohne daß wir das hier entsprechend verifiziert hätten“ (1994, S. 10). Ich möchte daran anknüpfend weniger nach dem heutigen Stellenwert von Planung fragen, sondern genauer beleuchten, was als Raum bzw. wie Raum als Planungsobjekt unterschiedlich rezipiert und gestaltet worden ist.

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