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Erfahrungen von Autorität und Abhängigkeit in der Familie und in der Verwandtschaftsgruppe

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Part of the Reihe Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 27)

Zusammenfassung

Macht- und Entscheidungsmöglichkeiten richteten sich in der vorkolonialen Gesellschaft von Palau innerhalb der Strukturen der Verwandtschaftsgruppen nach dem zurückgelegten Weg des Lebens, nach dem Alter. Das ist bis heute so geblieben. Deshalb möchte ich die Analyse der Erzählungen von palauanischen Frauen und Männer über Veränderungen im Geschlechterverhältnis mit den Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in ihrer Elternfamilie und der Schulzeit beginnen, mit den Berichten über ihre Berufstätigkeit und ihr Leben in der Ehe fortsetzen und mit den Schilderungen der Positionen im Alter beenden. Im Mittelpunkt der Analyse steht die Frage, durch welche Prozesse der Modernisierung Machtbalancen im Geschlechterverhältnis durchbrochen werden und Frauen sich in ihrer Einflussmöglicheit und Autonomie’ beschränkt sehen. Um den Weg der palauanischen Gesellschaft in die moderne Welt nachvollziehen zu können, werde ich meist die ältere Generation zuerst zu Wort kommen lassen und mit den Aussagen der Jüngeren vergleichen.

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Literatur

  1. Ich beziehe mich hier auf einen durch die niederländische Diskussion der 80er Jahre er- weiterten Autonomiebegriff: Autonomie beinhaltet „die Möglichkeit der Wahl zwischen Alternativen und die Beeinflussung der Prozesse sozialen Wandels“ (Santen 1992, 173). Frauen soll nach dieser Definition Zugang zu Ressourcen, die Wahrnehmung eigener Interessen, das Recht auf Mobilität und die Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen sowie die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ermöglicht werden.Google Scholar
  2. Heinemann (1995) beschreibt in ihrer Studie über die palauanische Gesellschaft weitere Erziehungsgrundsätze wie Verantwortung fir Pflichten, Gehorsam, Güte und Ausdauer, Demut in der Rede, Fürsorge für die Verwandtschaftsgruppe und die Gemeinschaft (vgl. Heinemann 1995, 65–66 ). Heinemann geht in ihrem Buch davon aus, dass diese Grundsätze heute noch gültig sind und eingehalten werden. Die Aussagen der von mir befragten Frauen deuten allerdings auf erhebliche Veränderungen durch die Modernisierung der palauanischen Gesellschaft hin.Google Scholar
  3. Meine Beobachtungen sind allerdings auch geprägt von meiner eigenen Identität als Frau, d.h. davon, dass ich die meiste Zeit der Feldforschung in Palau mit Frauen und in Frauengruppen verbrachte und die Welt der Männer nur in Beobachtungen von außen 4 Es ist anzunehmen, dass erst durch patriarchale Einflüsse, die den Status und den Einfluss von Frauen schwächten, ein Bewusstsein von Unterlegenheit oder Überlegenheit zwischen den Geschlechtern entstanden ist.Google Scholar
  4. Die Benutzung des Begriffs „matrilinear“ und die Bewusstwerdung der Bedeutung einer so definierten Gesellschaftsstruktur ist bei den von mir befragten palauanischen Frauen auch auf den Einfluss von ausländischen Forscherinnen und darauf zurückzuführen, dass einige Frauen in den USA Anthropologie studierten und diese Begriffe erst in das Bewusstsein rückten.Google Scholar
  5. Vergleiche dazu auch die ähnliche Struktur der matrilinearen Gesellschaft der Trobriand- Inseln in der Beschreibung von Weiner (1978, 21fí).Google Scholar
  6. Laura B. (49 Jahre) weist darauf hin, dass die Balance heute durch die Überbetonung der Vaterseite manchmal verloren zu gehen droht. Die öffentliche Betonung der Vaterseite und die größere Anonymität in der modernen urbanen Gesellschaft kann dazu führen, dass Menschen nicht mehr mit der mütterlichen Linie in Verbindung gebracht werden.Google Scholar
  7. Vergleiche dazu auch Kapitel 2.3.4Google Scholar
  8. Heinemann gibt in ihrer ethnopsychoanalytischen Analyse der palauanischen Gesellschaft eine palauanische Legende wieder, die darauf hindeutet, dass Adoptionen auch früher Gefühle der Bedrohung ausgelöst haben und diese Gefühle in Mythen verarbeitet wurden (vgl. Heinemann 1995, 63–64).Google Scholar
  9. Heinemann nennt als Beispiel für die Häufigkeit von Adoptionen in der palauanischen Gesellschaft die Studie von DeVeme Reed Smith (1983) zur Adoption in Palau und entnimmt daraus, dass Anfang der 80er Jahre 57,5% der Einwohner des Distrikts Melekeok adoptiert waren. „Auf der Mutterseite wurden 82 weibliche Kinder und 14 männliche adoptiert, auf der Vaterseite 57 weibliche und zehn männliche“ (Heinemann 1995, 67).Google Scholar
  10. Die Modekngei-Schule will im Gegensatz zu den eher amerikanisch geprägten Lehrinhalten anderer Schulen verstärkt palauanische Kulturinhalte vermitteln.Google Scholar
  11. In den Interviews wird des öfteren die Problematik der männlichen Schulabbrecher angesprochen und die Besorgnis geäußert, dass junge Männer ohne Schulabschluß und ohne Ausbildung ein Problem für die Zukunft darstellen. Inzwischen gibt es Regierungsprogramme, um diese Jugendlichen aufzufangen und ihnen praktische Ausbildungsmöglichkeiten zu vermitteln.Google Scholar
  12. Der Ausbildungsstand der von mir befragten Männer kann hier nicht zum Vergleich herangezogen werden, da die Anzahl der befragten Männer zu gering ist.Google Scholar
  13. Gegen eine längere Schulbildung sprach nach Auskunft einiger Frauen auch das Argument, dass Eltern und Verwandte in den 50er Jahren in den Dörfern noch von den Erträgen der Subsistenzproduktion leben konnten und nicht viel Geld benötigten.Google Scholar
  14. Vergleiche dazu: Census of Population and Housing 1990: Social, Economic and Housing Characteristics — Republic of Palau. In: Census ‘80, US Department of Commerce, Economics and Statistics Administration. Bureau of the Census. Washington, D.C. 1992. Im weiteren Text benannt als - Census ‘80/1992.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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