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Vom Umgang mit der Macht in der modernen Gesellschaft

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Part of the Reihe Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 27)

Zusammenfassung

Ökonomische und politische Grundlagen der modernen palauanischen Gesellschaft sind immer noch stark von den Tauschbeziehungen der matrilinearen Verwandtschaftsgruppen geprägt, ihre formalen politischen Strukturen sind aber bestimmt von einem modernen Staatsgefüge. Der Prozess der Modernisierung im politischen Bereich wirft die Frage auf, inwiefern Frauen und Männer in Palau moderne Strukturen nutzen, um ihre Position zu stärken.

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Literatur

  1. 1.
    Gabriela Ngirmang, eine der ranghöchsten Titelträgerinnen der Stadt Koror, kritisiert in Lynn Wilsons Untersuchung (1993) die vermehrt anzutreffende Tendenz zu patriarchaler Erbfolge, indem der Sohn eines Titelträgers den Titel des Vaters erbt (vgl. Wilson 1993, 109).Google Scholar
  2. 2.
    Die Position in der Verwandtschaftsgruppe ist abhängig vom Alter und der Geschwisterrangfolge. Das Alter bedeutet Wissen und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Paula S., 47 Jahre. Seite: 10. „Our role depends on our age level (…). At this time when we are all together, all sisters and brothers of the family, then the respect is being paid to the oldest, oldest sister and oldest brother. So they are the two important in making decisions or plans.“Google Scholar
  3. 3.
    Auch die symbolische Titelübergabe beim Tod eines männlichen Oberhauptes an die älteste Schwester blieb bis heute erhalten. Sie trägt den Titel so lange, bis sie und andere altere verwandte Frauen den neuen Titelträger ausgewählt und inthronisiert haben (vgl. dazu die genaue Schilderung dieses Vorgangs bei Steimle 1989, 910.Google Scholar
  4. 4.
    In einer von mir beobachteten Diskussion zwischen Männern und Frauen verglich ein Mann mit der palauanischen Männern eigenen feinsinnigen Ironie in der Rede die Bezahlung von Titelträgern damit, dass diese sich das beste Stück Fleisch eines Schweins bei einer Zeremonie nahmen. Alle Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus und mein Übersetzer bedeutete mir, dass dies ein für einen Titelträger absolut unpassendes Verhalten sei, denn gerade ein ranghoher „chief` sollte bescheiden sein und sich nur wenig Fleisch nehmen, das eher den anderen Mitgliedern seiner Lineage zugute kommen sollte. Handelt ein Titelträger offen eigennützig, setzt er sich dem Spott der Umgebung aus.Google Scholar
  5. 5.
    Eine Studie zum Vergleich verschiedener Inselstaaten des Pazifikraums zeigt deutlich, dass dort, wo Frauen eine bedeutende Position als Schwester und Titelträgerin einnehmen, sie auch über höhere Landrechte in der Vererbung und Distribution verfügen (vgl. Land Rights of Pacific Women 1986, 110).Google Scholar
  6. 6.
    Das Taroland wird nur innerhalb der eigenen Matrilineage unter den weiblichen Mitgliedern verteilt. Da das Land der Matrilineage Gruppeneigentum und Personen der Gruppe lediglich zur Nutzung überlassen wird, bleibt es weiterhin im Besitz der Matrilineage.Google Scholar
  7. 7.
    Palauanisches Land darf nicht an ausländische Menschen verkauft werden Nichtpalauanische Geschäftsleute brauchen palauanische Partner, auf deren Land sie ihren Betrieb aufbauen können.Google Scholar
  8. 8.
    Die in der vorkolonialen palauanischen Gesellschaft mit großem, auch politischem Einfluss agierenden Klubs oder Altersgruppenorganisationen (cheldebechel) haben ihre politische Bedeutung weitgehend verloren und übernehmen heute eher soziale und ökologische Funktionen im Dorf.Google Scholar
  9. 9.
    Die genaue Beschreibung der Zusammensetzung des männlichen Dorfrats, seines Versammlungshauses etc. siehe Kapitel 2.5.2.Google Scholar
  10. 10.
    Norman B., vierthöchstes Oberhaupt seines Dorfes, erklärt die Aufgabenbereiche der zehn männlichen Oberhäupter im Dorfrat und betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Oberhäupter anhand des Bildes einer Baseballmannschaft, in der jeder Spieler im Team eine wichtige Funktion hat: „I am N° 4 chief of A. (…) There have to be four pillars, there are four distinctive standards. (…) The role of my clan was to protect the village. (…) But even the very last chief is very much important. It is like a baseball game. The pitcher is very important, yes, but without the catcher they are not going to play baseball. It is a teamwork, and it has developed over the years to be that much. (…) They are definitely depending on each other.“ (Norman B., 52 Jahre. Seite: 1 u.4).Google Scholar
  11. I1 Ein hoher Rang leitet sich ab von der Migrationsgeschichte und den vieltàltigen Beziehungen der Verwandtschaftsgruppen (vgl. Kapitel 2.1) und ist somit durch Geburt bedingt, kann aber durch Heirat und Adoption verändert werden. Früher waren ranghohe Gruppen in allen Belangen verantwortlich für rangniedrige Gruppen im Sinne des Fürsorge-und Red istributionsgedankens.Google Scholar
  12. 12.
    Die Norm des Konsenses bedingt, dass die geführten Diskurse geprägt sind von indirekter Rede und Kritik, um allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, ihr Gesicht zu wahren.Google Scholar
  13. 13.
    Im englischen Text wird das männliche „he“ benutzt, um die Rechte der Oberhäupter aufzuführen, im palauanischen Text wird das Wort klobak als Bezeichnung des männlichen Rats der Titelträger verwendet (vgl. Constitution 1979, 14).Google Scholar
  14. 14.
    Gabriela Ngirmang bestand auf der Verschriftlichung der Funktion des Rates der Frauen mit dem Argument, dass die palauanische Kultur eine orale Kultur sei, die früher keine Schriftsprache kannte. In der modernen Gesellschaft besteht jedoch die Gefahr, dass die Rechte der Frauen verloren gehen, wenn sie nicht schriftlich in der Verfassung verankert sind (vgl. Wilson 1993, 246 ).Google Scholar
  15. 15.
    Die in der EKEL Gruppe engagierten palauanischen Frauen heben hervor, dass sie fast alle Ehefrauen von hochgestellten Männern der Öffentlichkeit sind. Obwohl die meisten dieser Frauen selbst hochqualifizierte Berufe ausüben, beziehen sie sich in der Beurteilung ihres sozialen Status auf ihre Ehemänner.Google Scholar
  16. 16.
    Vergleiche dazu: Binder, E. 1928: Women in the Pacific; Griffen, V. 1976: Women speak out; Fourth Regional Conference of Pacific Women, 1989; Fifth Regional Conference of Pacific Women, 1991.Google Scholar
  17. 17.
    Außerdem sollte die palauanische Regierung die militärischen Interessen der USA unterstützen, Landflächen für eine militärische Nutzung zur Verfügung stellen und die in der palauanischen Verfassung vorgesehene Ausdehnung der Wasserrechte von zweihundert Seemeilen auf die international übliche 12-Meilen-Zone begrenzen (vgl. Shuster 1982, 322–325 ).Google Scholar
  18. 18.
    OTlL A BELUAD is a non-profit, non-governmental, grassroots educational organization for women in Belau. Our aim is to create a room to encourage women’s increased participation in current political dialogue in Belau, to uphold the constitution of Belau, to challenge corruption in our government, and to support policies that benefit a majority of our people“ (Gabriela Ngirmang in Wilson 1993, 278).Google Scholar
  19. 19.
    Mit massiver finanzieller Unterstützung aus den USA, rund 250.000 US Dollar wurden aufgewendet, versuchte die palauanische Regierung die 12.000 palauanischen Wählerinnen für den „Compact-Vertrag“ zu gewinnen (vgl. Wilson 1993, 265).Google Scholar
  20. 20.
    Eine internationale Kommission von Juristen untersuchte später die Vorkommnisse des Jahres 1987 und kam zu dem Schluss, dass die palauanische Regierung die Unabhängigkeit der Justiz durch Drohungen und Aktionen verletzt habe (vgl. Wilson, 1993, 271).Google Scholar
  21. 21.
    In der palauanischen Wochenzeitung wurden die aktiven Frauen heftig angegriffen. Sie wurden beschuldigt, durch ihr irrationales und naives Verhalten den Fortschritt in Palau zu behindern (vgl. Teaiwa 1992, 137). 1989 wurde die Gruppe der ranghohen palauanischen Frauen, die gegen die Militarisierung und gegen die Atompolitik der USA kämpften, von internationalen Gruppen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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