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Wirtschaftliche Voraussetzungen der Lederfabrik

  • Klaus Schlottau
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Zusammenfassung

Die vermehrte Einführung von Arbeitsmaschinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellte keinen allgemeinen Übergang zur mechanisierten Gerbung dar. Das Produktionsverfahren des Farbenganges war hoch entwickelt und durch die Einführung der Gerbstoffextrakte so weit verbessert, daß dort kein unmittelbarer Zwang zur Mechanisierung bestand. Ein besonderer ökonomischer Vorteil war mit der Einführung des Gerbfasses erst verbunden, wenn die Kapazität eines Farbenganges ausgeschöpft war oder alle Häute gespalten wurden. Daher blieb es dem Ermessen des Inhabers und besonderen Bedingungen, z.B. einer günstigen Wasserkraft, überlassen, ob Maschinen in der Gerbabteilung eingesetzt wurden.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl.: Wagner, a.a.O., S. 87 f. Für die Dauer der Handarbeit kann vorausgesetzt werden, daß sie über Jahrhunderte gleich blieb. Die maschinelle Bearbeitungsdauer hatte sich in einigen Tätigkeitsbereichen, z.B. Enthaaren, aber deutlich verbessert. In anderen, z.B. Entfleischen, Falzen und Ausstoßen, war kaum eine Beschleunigung erreicht worden. Vielfach waren die modernen Ledermaschinen aber erheblich komfortabler und sicherer.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl.: H. Friedrich, a.a.0., S. 1.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 63; Georg Ebert, a.a.O., S. 292.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl.: Jerome de Lalande, Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 428.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl.: Ebd., S. 423 ff. Lalande ging von gleich großen Betrieben aus: Ein Meister und drei Gesellen sowie zwei Versatzgruben mit je 100 Blößen. Daraus resultierte eine Jahresproduktion von 200 Sohlledern für die erste Alternative. Der Zinssatz betrug 7%. Lalande rechnete allerdings nur die Zinsen für die Häute, alle anderen Positionen wurden vernachlässigt. Rechnerisch betrugen sie 27 Livres, um die der ErlBs zu vermindern wäre. Weil die Zeitspanne für die Dänische Sohlledergerbumg nur 8 Monate betrug, meinte Lalande, die Zinsen vernachlässigen zu können. Durch diese Manipulation wurde der Erlös rechnerisch um 48 Livres für Häute und 9 Livres für die anderen Betriebskosten erhöht Auch für die 40 Wildeshausener Weißgerber des Jahres 1795 wurden Betriebskosten und Einnahmen angegeben. Vgl.: Patje: Kurzer Abriß des Fabriken, Gewerbe und Handlungszustandes in den Chur- Braunschweig- Lüneburgischen Landen, Göttingen 17%, S. 89 ff.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl.: Carl Knoderer, a.a.O., S. 45 ff. Um den Zeitfaktor auszuschlie&n, gab Knoderer vor, daß jährlich eine übereinstimmende Menge an Hauten und Fellen bearbeitet werden sollte. Diese Vorgabe schloß den Zeitfaktor allerdings nicht aus: Durch eine Erböhung des Betriebskapitals konnte auch eine Versatzgerberei, die fair die Gerbung die achtfache Zeit benötigte, zu einer gleichen Jahresproduktion gelangen. Zum Vergleich siehe Kalkulationen während der Industrialisierung: Hans Hanisch, a.a.O., S. 26 f; Klaus Schlottau, a.a.O., S. 19 f.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl.: Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 423. Um den erstaunlichen Wert der Haut darzustellen, sei nur drauf verwiesen, daß man sich heute fir ein Drittel des Bruttojahreslohnes einen Kleinwagen kaufen kann.Google Scholar
  8. 8.
    Der Wert der Arbeit in der Lederindustrie stieg von annähernd 3 Prozent des Umsatzes im 18. Jahrhundert allmählich auf 15 Prozent. Dieser Wert galt im ersten Drittel des 20. Jahrhundert.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl.: Carl Knoderer, a.a.O., S. 46 ff. Ob der Bauer als Erzeuger an dem Verkaufserlös in angemessener Weise beteiligt war, konnte im Rahmen dieser Untersuchung nicht festgestellt werden. Es war allerdings wahrscheinlich, daß der hohe Preis erst nach einer Reihe von Auflcäufem, fahrenden Lumpenhändlern, und Zwischenhändlern erreicht wurde.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl.: Zentral-Verband der Lederarbeiter, Jg. 1910, S. 13.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl.: Klaus Schlottau, a.a.0., S. 109.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl.: Friedrich Kempke, a.a.O., S. 15 H.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 51.Google Scholar
  14. 14.
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  15. 15.
    Vgl.: Carl Knoderer, a.a.O., S. 9 ff.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 5Google Scholar
  17. 17.
    Vgl.: Ernst Baasch: Beitrage zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Amerika. In: Hamburgische Festschrift zur Erinnerung an die Entdeckung Amerikas, Bd. I. Teil 3, Hamburg 1892, S. 232 ff. Siehe auch: Ernesto Fernando Alemann: Hamburgs Schiffahrt und Handel nach dem La Plata. Diss. Heidelberg 1915.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. u.a.: Heinz Sulser. Die Extraktstoffe des Fleisches. Stuttgart 1978; F. Honcamp: Justus von Liebig und sein Einfluß auf die Entwicklung der Landwirtschaft (Rostocker Universitäts-Reden, Heft 6), Rostock 1928; Detlev Lorenz: Liebigbìlder. GroBe Welt im Kleinformat (Kleine Schriften der Freunde des Museums für Deutsche Volkskunde, Heft 3), Berlin 1980, S. 4; Adolph Kohut: Justus von Liebig. Sein Leben und sein Wirken. Gießen 1904.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 17 f.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl.: Fritz Adler, a.a.O., S. 134 f. Im Jahre 1910 wurden allein aus Kalkutta 3.646.573 Stück Häute nach Hamburg verschifft. Nach englischen Häfen waren es nicht einmal einhunderttausend Stück. Vgl.: Ebd., S. 136.Google Scholar
  21. 21.
    Die Extraktgerbung konnte in einem geringen Maße zu einer besseren Ausnutzung der Lohe führen, weil durch den letzten FrischwasseraufguB in der Extraktzubereitung auch Gerbstoffe gelöst wurden, die in der Grubengerbung nicht mehr in Lösung übergehen konnten. Dieser Vorteil wurde durch die höhere Schlammbildung in konzentrierten Lösungen aufgewogen. Zu einer spürbaren Einsparung von Lohe konnte die Mechanisierung führen. Die Entfleischmaschine mit rotierendem Messer legte in einem Arbeitsgang die Lederhaut bereits vor dem Beginn der Gerbung vollständig frei. Handentfleischte Häute wurden nach jedem Versatz weiter entfleischt, so daB auch angelagerte Gerbstoffe wieder entfernt wurden. Eine Einsparung erbrachte auch der Übergang zu geschlossenen Gerbbehältem. Mit jedem Aufschlagen der Bloßen, aber auch beim Transport in den Farbengängen ging eine große Menge Gerbbrühe verloren.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 77.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl.: Martin Kutz, a.a.O., Tab. 5, S. 416.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 17 f.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl.: Friedrich Jentsch: Der deutsche Eichenschâlwald, Berlin 1899, S. 76.Google Scholar
  26. 26.
    Bezogen auf die Menge aller in Deutschland gegerbten Häute stand sogar nicht einmal ein Fünftel des benötigten Gerbstoffes zur Verfügung.Google Scholar
  27. 27.
    Der Quebrachobaum, auf dem die Entwicklung der deutschen Lederindustrie seit 1879 basierte, galt seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als ausgestorben, weil er sich nicht in Monokulturen haken ließ. In afrikanischen und asiatischen Kolonien wurden Mimosen, Myrobalanen, Mangroven und Akazien auf gewaltigen Flächen angebaut, um dem Rohstoffhunger der Lederindustrie, aber auch der Pharmazie, genügen zu können.Google Scholar
  28. 28.
    In der Frühen Neuzeit waren die Zyklen durch die Schlachtkampagnen nach dem Herbstabtrieb vorgegeben, weil es an Futtermitteln mangelte. Aber auch noch in der Industrialisierung wurde der Hauthandel nach kontinentalen Schlachtkampagnen organisiert. Besonders im Frühjahr kam es zu einem großen Angebot südamerikanischer und südafrikanischer Häute, die dann verhältnismäßig billig eingekauft werden konnten. Der Gewinn, der aus einem billigeren Großeinkauf für den Lederfabrikanten resultierte, wurde allerdings meist durch die Kosten der Lagerhaltung wieder aufgezehrt. Fur einen Großbetrieb war dies aber billiger, als die Produktion dem aktuellen Hautmarkt anzupassen.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl.: Schmidt, Handbuch, a.a.O., S. 500 ff. In dem Vergleich waren keine mechanischen Vereinfachungen enthalten. Die Schnellgerberei von Petzer verfügte nur über verfahrenstechnische Neuerungen.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl.: Ebd., S. 503.Google Scholar
  31. 31.
    Die Dorfhandwerker, Schuhmacher, Flickschuster, Sattler etc., erhielten traditionell von ihren Kunden erst nach Michaelis die offenstehenden Rechnungen bezahlt. Solange mußten auch sie auf Kredit leben und produzieren, so daß ihnen eine Kreditlaufzeit von einem Jahr eingeräumt werden mußte.Google Scholar
  32. 32.
    Die Tabelle wurde errechnet aus den Angaben bei Carl Knoderer. Vgl.: Ebd., S. 500 ff.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl.: Carl Knoderer, a.a.O., S. 45 ff.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl.: Johannes Paessler: Artikel Gerberei. In: Fritz Ullmann (Hrsg.): Enzyklopädie der technischen Chemie, 2. neubearbeitete Auflage, Bd. 5, Berlin, Wien 1930, S. 636 ff; Hans Hanisch, a.a.O., S. 26 f.Google Scholar
  35. 35.
    Durch die Minderung des Preises für Leder aus industrieller Fertigung sank der Vorteil auf annähernd 260 Prozent. Vgl.: Klaus Schlottau, a.a.O., S. 19 f.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl.: Leuchs, Verbesserungen, 1832, a.a.O.. S. 133 f.Google Scholar
  37. 37.
    Gegenfiber der 1828 für den Wiener Schuhmacher Engel patentierten Sohle aus dem roten Buchenschwamm waren derartige Sohlen, die in unterschiedlicher Materialzusammensetzung patentiert wurden, wegen ihrer Brüchigkeit beim Aushärten der Öle jedoch nicht durchsetzungsfähig. Der schmarotzende Pilz wurde in Schichten geschnitten und in Firnis getränkt. Die Sohle war leicht, abriebfest, wasserdicht, biegsam und angenehm zu tragen. Vgl.: Ebd., S. 219.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl.: Ebd., S. 141. Leuchs bezog sich in den Ausführungen auf seine Schrift: Darstellung der neuesten Verbesserungen der Papierfabrikation, Nürnberg o.J. (1820). Er machte darüberhinaus den Vorschlag, die Nachweisreaktion für Gerbstoffe zur Herstellung von Kunstleder einzusetzen: Haut und Knochenleim ergab unter Zusatz von Gerbstoffen einen wasserunlöslichen Niederschlag, welchen er unter Zusatz von Bindemitteln aus Harzen und Ölen zu einer Sohle pressen ließ, die eine ähnliche Beschaffenheit hatte, wie die in der Tuchmacherei benutzten PreBspäne.Google Scholar
  39. 39.
    Messestädte waren: Braunschweig (2 Messen), Breslau (4), Kassel (2), Frankfurt a.M. (2), Frankfurt a.d. Oder (3), Hannover (2), Heilbronn (6), Kirchhain (6), Leipzig (3), Neustadt a. d. Orla (5), Stuttgart (5) und Ulm (2). Die größten Messen waren in Leipzig und Frankfurt a.M., es wurden bis zu 150 t Leder umgesetzt. Der Umschlag in Heilbronn und Hannover lag zwischen 30 und 50 t. Alle anderen Messen wurden nur mit geringfügigen Mengen Leder versehen. Zumeist nutzten kleine Gerber der Region diese Möglichkeit, ihre Produktion abzusetzen, waren dabei aber stets der Konkurrenz der Lederfabriken ausgesetzt, welche die Messen mit Mustern beschickten. Dabei wurden auf manchen Messen, so in Kirchhain und Neustadt a. d. Orla, nicht einmal 100 Kunden gezählt. Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 83.Google Scholar
  40. 40.
    Der hohe Bedarf an nicht vorhersehbaren Sortierungen führte dazu, daß es zu keinen vertikalen Betriebsstrukturen zwischen der Schuhfabrikation und der finanzierenden Lederherstellung kam.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 80.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl.: Georg Eben, a.a.O., S. 289.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl.: Hans Kruse: Forstwirtschaft und Industrie im ehemaligen Fürstentum Nassau-Siegen, Münster 1909, S. 11.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 71.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl.: Ebd., S. 73.Google Scholar
  46. 46.
    Vgl.: Hildegard Hoffmann: Handwerk und Manufaktur in Preußen (Das Taschenbuch Knyphausen), Berlin 1969, S. 95 ff. Es handelte sich um die Glacéhandschuhmanufakturen Dietrich & Obst in Cottbus mit 22 Arbeitskräften, Gebr. Stamm & Co. in Herdecke mit 10 Arbeitern und um die Lohgerberei Guerin in Kalkar mit 15 Arbeitern.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl.: Joachim Kernsenn: Die Manufakturen im Rheinland 1750–1833, Diss. Bonn 1972, S. 610.Google Scholar
  48. 48.
    Vgl.: Hans Hanisch, a.a.O., S. 58. Im Vergleich dieser Daten mit jenen aus der obigen Tabelle Nr. 1 wird ersichtlich, daß sich im Rheinland bereits sehr fiiih die Tendenz zu größeren Betrieben abzeichnet. Während der durchschnittliche Betrieb in ganz Preußen im Jahre 1855 annähernd drei Arbeiter beschäftigte, lag der Durchschnittswert im Rheinland bereits bei 7 Beschäftigten pro Betrieb. Diesen Wert erreichte die gesamte Branche erst im Jahr 1895.Google Scholar
  49. 49.
    Vgl.: Gerhard Slawinger: Die Manufaktur in Kurbayern. Die Anfänge der großgewerblichen Entwicklung in der Übergangsperiode vom Merkantilismus zum Liberalismus 1740 — 1833 (Forschungen zur Sozial-und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 8), Stuttgart 1966, S. 18 und 305; Ortulf Reuter: Die Manufakturen im fränkischen Raum, (Forschungen zur Sozial-und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 3), Stuttgart 1961, S. 194 ff.Google Scholar
  50. 50.
    Vgl.: Friedrich Wilhelm Freiherr v. Rehden: Erwerbs-und Verkehrsstatistik des Königsstaates Preußen, Bd. 1, Darmstadt 1853, S. 570. Die gleichzeitige Existenz von 48 Lohmühlen belegte die Dichte des Ledergewerbes in diesem Teil Schlesiens. Es handelte sich aber ganz überwiegend um handwerkliche Produzenten. Vgl.: Ebd., S. 568. Die Auswertung anderer Territorien des Deutschen Reiches auf die Häufigkeit von Manufakturen erbrachte erwartungsgemäß keine größere Häufung von Ledermanufakturen, weil die natiirlichen Standortbedingungen die Anlage einer Manufaktur außerhalb der drei traditionellen Produktionsgebiete nur zusätzlich erschwerte.Google Scholar
  51. 51.
    Vgl.: Helmtraud Hendinger, a.a.O., S. 53. Lohgerber-Handwerksinnung von 1684, Artikel 10.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

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  • Klaus Schlottau

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